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Thema: neu für alt

  1. #1

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    Jetzt habe ich mal eine Frage an alle, aber vor allem an die Archis, auf die ich mich schon lange nicht verbindlich zu antworten traue:

    Wenn alte Substanz abgerissen ist oder wird, vorausgesetzt sie war von guter Architektur, sollte man sie dann tendenziell und vielleicht wenigstens in bestimmten Einzelfällen eher wieder herstellen (natürlich mit neuzeitlicher Bautechnik), sollte man sich ihr beim Neubau annähern oder sollte/darf man ruhig einen vielleicht sogar extremen Kontrapunkt setzen? Ich denke da zum einen an das Berliner Stadtschloß/den Palast der Republik, zum anderen an einen Lückenschluß in der Innenstadt der Kleinstadt Drensteinfurt bei Hamm, der vor vielen Jahren von einer schwedischen Fertighausfirma hergestellt worden war. Diese Fassade wurde mir damals stolz präsentiert, und ich musste zweimal nachfragen, um herauszubekommen, welches der direkt aneinander angebauten 2- oder 3-geschossigen Häuser gemeint war. Dieser verputzte Neubau hatte wenig Eigenes in der Optik, nur wer genau hinsah, erkannte Unterschiede. Ich weiß auch nicht mehr, ob da die Fassadenansicht nur wiederhergestellt oder neu geschaffen worden war.

    Mein persönlicher Eindruck ist, dass man meine Frage vielleicht gar nicht verbindlich beantworten kann. Es kommt auf den Einzelfall an. Ich habe auch schon in den Hinterbebauungen von Straßburg Kreuz-und Querarchitektur ohne einen erkennbaren Zusammenhang (sogar beim einzelnen Gebäude mit Anbauten) gesehen, dass war regelrecht chaotisch. Und doch blieb mein Blick lange daran hängen, irgendwie fand ich die Ansicht lebendig, aber trotz vorhandener Brüche insgesamt nicht unharmonisch. Ich denke oft, dass z.B. manche norddeutsche Klinkerneubausiedlung gewinnen würde, wenn dort behutsam das eine oder andere Gebäude behutsam Kontraste setzen würde. Ich fühle mich dort oben zwar stets wohl (irgendwie ist alles weichgespült), gähne aber spätestens am zweiten Tag. Insofern sind ja besonders Neubausiedlungen immer ein Problem, schon weil sie häufig eine Generalplanung erstens durch das Bauamt und zweitens durch einen Bauträger aufweisen. Ich habe es aber auch schon erlebt, dass einem Bauträger dieses Problem bewusst war und er wohl auch aus eigennützigen Gründen (um die Leute nicht abzuschrecken) gezielt einzelne Grundstücke frei abgegeben hat.

    Also, was ist mit der Problematik Neu für Alt?
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  2. Schau dir mal diesen Ratgeber an. Dort findet man Infos und Antworten.

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  3. #2

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    Darauf...

    gibt es keine einzig gültige Antwort.
    Historisieren (so tun als ob) geht meistens schief.
    War ein Trend der 70er, in alten Stadtkernen in Anlehnung an das Vorhandene Neubauten zu planen. War damals meist schon gruselig und wirkt heute nur deplaziert.
    Und ist abhängig vom umgebenden Baustil. Im Jugendstil Karee sicher sehr viel schwerer als bei Gründerzeit-Vierteln.
    Daraus abzuleiten, nur der knallharte Bruch wäre des Rätsels Lösung, ist schlicht falsch. Er ist nur "einfacher", weil das Risiko der mißlungenen Anlehnung an die Substanz ausgeschlossen wird.
    ***
    In Berlin finde ich das Wiederherstellen des Schlosses genauso unsinnig wie Erichs Lampenladen. Nur der war da und hatte seinen etwas eigenwilligen "Charme". Das Schloss wird immer Kulisse bleiben.
    btw.
    Heute gehört. In Paris will man die Tuilerien wieder aufbauen. Die Empfangsräume nach dem Original, an sonsten wohl eher neuzeitlich (innen)
    MfG
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  4. #3
    Avatar von butterbär
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    bei der frauenkirche in dresden war der wiederaufbau mit sicherheit richtig, da diese wie keine anderes bauwerk in deutschland für den wahnsinn des krieges steht.

    unbeachtet der thematik des denkmalschutzes glaube ich aber, dass gebäude, die nicht mehr zu retten sind, nicht kopiert werden sollten, wenn man sie abreisst und ersetzt. ausserdem darf sich doch jedes zeitalter präsentieren ohne sich den vorangegangenen unterwerfen zu müssen. diskussionen darüber gabe es auch schon früher und die ergebnisse sind auch meist nicht in der gegenwart greifbar sondern wieder erst generationen später. es wird immer dinge geben, die besonders schützenswert scheinen und dinge, die man nicht mehr braucht.

    man hat ja auch die städte in der vergangenheit, zum beispiel nach grossen bränden, nicht mit der alten architektur wiederaufgebaut, sondern nach neuen erkenntnissen des städtebaus, der verkehrsanforderungen, des brandschutzes und der stadthygiene.

    meine persönliche meinung zum berliner stadtschloss ist, dass dieses zu sehr an die preussische tradition erinnert und man es nicht nochmal bauen muss nur weil man denkt uns würde ein stück geschichte fehlen... die überbleibsel preussens sind in berlin trotz grosser zerstörung im krieg noch sichtbar und erhalten.

    aber auch die zerstörungen im krieg oder die "untaten" des sozialismus gehören zur deutschen geschichte und sollten nicht einfach verleugnet werden. mit dieser konsequenz hätte man nach dem krieg auch alle nazibaudenkmäler abreissen müssen.

    um es ganz krass zu betiteln... man hätte den palast der republik stehen lassen sollen, weil er genauso zur deutschen geschichte gehört wie die kongresshalle der nsdap in nürnberg oder das olympiastadion in berlin.

    warum baut man in berlin kein haus der deutschen, in dem sich deutschland in all seinen facetten seinen besuchern zeigen kann - tradition ist gut aber wir leben im freiesten deutschland, das es je gab und sollten dies auch in der architektur darstellen - aber nicht mit einem schloss aus einer epoche die preussen durch kriege grossgemacht hatte.
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  5. #4
    Bauexpertenforum Avatar von Marion
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    Zitat Zitat von butterbär Beitrag anzeigen
    bei der frauenkirche in dresden war der wiederaufbau mit sicherheit richtig, da diese wie keine anderes bauwerk in deutschland für den wahnsinn des krieges steht.
    Ich denke, der Wiederaufbau war für die Stadt wichtig. Es gibt ja auch in Hamburg und Berlin ebenfalls Kirchenruinen, die als Mahnung nach dem Krieg nicht wiederaufgebaut wurden. Dresden erlebte die größte Zerstörung durch Bombadierungen und es ging um die Wunde, die geheilt werden musste.

    Marion
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  6. #5
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    Und um die Einmaligkeit der Frauenkirche, glaube ich.
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  8. #6

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    da hab ich einen (ähnlichen) den ich nicht verstanden habe und zwar das Olympia Stadion in München.
    Es sollte ja umgebaut werden, wenn ich mich an das Modell recht erinnere konnte man das ursprüngliche Stadion noch recht gut erkennen, der Architekt sperrte sich gegen den Umbau und nun ist es ein totes Stadion.
    Wie kann man denn wollen das ein Bauwerk, das großen Spielen aller Art und Menschenmassen gewidmet war lieber als Denkmal verrotten lässt als es den Erfordernissen anzupassen?
    Raffe ich als "nicht-Architekt" nicht ... konnt ihr mirs erklären?
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  9. #7
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    Ich rate mal: Bayern München benötigte etwas Neues, Gigantisches und in die Zukunft weisendes, das den konkurrierenden neuen Riesenarenen in Schalke und anderswo Paroli bieten konnte. Ist nicht Architektur letzten Endes immer Knecht, niemals Herr? Deshalb auch mein neulicher Hinweis auf den Dienstleistungscharakter der Architektur, auch wenn er rechtlich nicht korrekt ist. Der Architekt kann nur und sollte allerdings auch seinen Sachverstand nicht nur zum Planen und Zeichnen einsetzen, sondern zuvörderst vor allem zum Beraten und Aufklären. Nehmt Einfluss, wo Ihr könnt.
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