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Es war einmal - und wird wohl ohne happy end bleiben

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  1. #1

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    Es war einmal - und wird wohl ohne happy end bleiben

    Oder - die Ballade von einem, der auszog, ein neues Dach zu bekommen

    Es war einmal der Hausbesitzer H, der beschloss eines schönen Tages seinem in die Jahre gekommenen Haus eine neue Dacheindeckung zu gönnen.
    Das Geld dafür war über Jahre angespart, also rief H ein paar Dachdecker an und bat um Angebote. Gewollt war ein schöner neuer Ziegel und ein bissel mehr Dämmung für die Zimmer der Wohnung im Dach.
    Es fand sich auch ein netter, nicht zu teurer Dachdecker; nennen wir ihn Herrn D.
    Herr D bekam den Auftrag, legte flux los; die alten Ziegel weg, eine schöne neue Unterspanbahn aufs Dach, neue Latten und engobierte Ziegel sehen doch wirklich hübsch aus.
    Denkt zumindest Herr D.
    Als die Mitarbeiter des Herrn D fertig sind, besieht sich Hausbesitzer H das Werk und stellt fest, dass einiges nicht ganz so hübsch ist. Da sind Wellen im Dach, das eine oder andere Brett liegt nicht so richtig an der Wand, auch weitres Ungemach findet sich.
    Herr D findet das alles gar nicht oder nicht schlimm oder naja - oder so. Jedenfalls nicht der Nachbesserung würdig.
    So gibt ein Wort das nächste, ein Brief den anderen und eh sich die beiden es versahen, trafen sie sich vorm Richter.
    Natürlich hatte H einen Anwalt, doch mehr auch nicht. Der Richter hatte als Berater den Gutachter G, der wies schien, den Herrn D vom einen oder anderen Glas Bier nach der Innungssitzung kannte.
    So fiel das Urteil nicht ganz so aus, wie H sich das wohl erträumte.
    Seis drum, des Streitens müde akzeptierte H und war auch ob seines kleinen Erfolges froh.
    Doch blieb diese Freude nicht lange ungetrübt, denn plötzlich tropfte es im Dach. Jedoch nicht, wie der geneigte Leser erwarten mag, bei Regen. Nein bei Kälte. Das war doch bei dem alten Dache nie gewesen, wunderte sich H.

    Also auf zum Anwalt - einem anderen diesmal, damit dieser vielleicht mehr Erfolg habe.
    Dieser Anwalt traf eine weise Entscheidung und riet H, er möge einen Sachverständigen nehmen, der ergründe, woher denn das tropfende Wasser käme.
    Gesagt, getan.
    Dieser kam und sah - oh graus - eine Unterspannbahn aus Bitumen in einem Dache bar jeder Schicht, gedacht dem Dampfe Einhalt zu gebieten.
    Gut sichtbar ergoss sich ein Tauwasserbächlein neben dem anderen entlang der Innenseite der Unterspannbahn und sprudelte munter hie und dort ins Haus hinein.
    Mit dem Gutachten zog H erneut zu Felde, allerdings wohl wieder einsam, denn auch Anwalt Nummer 2 hatte mit dem guten Rat zum SV wohl seinen Vorrat an guten Taten erschöpft.
    Nachdem sich nun mittlerweile Anwalt Nummer 3 bemühte und dabei einige Richter verschliss, sprach der (bisher) letzte Richter nun:
    Ich sehe viele Mängel, aber einen im Besonderen. Und diesen sehe ich nicht am Dache, sondern in der Akte. Gefragt, was er denn sähe, sprach der Richter:
    Die Verjährung sehe ich hier greifen.
    So wird Herr H diesen Prozess wohl gänzlich verlieren

    Und die Moral von der Geschicht:

    Plane und streite ohne Fachleute nicht

    Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Ereignissen sind nicht zufällig, sondern - wenn auch vielleicht nicht in dieser Krasheit - leider eher die Regel.
    Ich schreibe diese Geschichte all denen zur Warnung, die meinen, nicht nur den Planer ersparen zu können, sondern sich auch noch auf einen Rechtsstreit mit Fachleuten einlassen zu können, ohne sich eigenen Sachverstand einkaufen zu müssen.

    Eine Dachsanierung bei dem Objekt ist unumgänglich, mittlerweile sind erste Schäden an Holzteilen festzustellen.
    Die Kosten für die Anwälte und Prozesse betragen ein Vielfaches der Kosten für einen Planer und Bauleiter und bei rechtzeitiger Einschaltung eines eigenen Sachverständigen - nämlich VOR dem ersten Prozess - wäre wohl auch die Verjährungsfalle nicht zugeschnappt.
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  2. Es war einmal - und wird wohl ohne happy end bleiben

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  3. #2

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    Sie hätten Märchenerzähler werden sollen.
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