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  1. #1

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    Energieeffizientes Bauen - Einsteigerfragen

    Hallo Forum,

    als Neuling hier im Forum habe ich gleich eine Frage.

    Aber zuerst ein paar Worte zu meiner Motivation, mich hier im Forum anzumelden. Meine Frau und ich möchten in Kürze ein Haus bauen und sind mit den Überlegungen / Vorbereitungen auf folgendem Stand:

    Die Zusage für unser Wunschgrundstück haben wir in der letzten Woche erhalten. Nach diversen Runden bei Fertighausanbietern, Bauträgern und Architekten haben wir uns entschieden, mit einem Architekten zu bauen. Entscheidend dabei war das Gefühl, eine individuelle Lösung und Beratung zu erhalten. Auch die Empfehlung von Bekannten, hat letztlich den Ausschlag für den Architekten gegeben. Soweit so gut. Nun aber zu meinem Anliegen:

    Nach den ersten Gesprächen habe ich das Gefühl, dass die Ästhetik des Hauses vieles dominiert. Mit den ersten Entwürfen sind wir sehr zufrieden, alle unsere Vorstellungen sind hervorragend umgesetzt. Aber: Beim Thema Energieeffizienz scheint mir der Architekt nicht so engagiert wie ich es gerne hätte. Ist bisher nur ein Gefühl, mit Eurer Hilfe würde ich dieses gerne ausräumen bzw. informiert sein, falls wir an der Stelle in Diskussionen kommen.

    Unsere Vorstellung der Haustechnik war im Gegensatz zu dem ersten Vorschlag des Architekten etwas unterschiedlich. Wir möchten auf jeden Fall eine Wärmepumpe mit Tiefenbohrung oder Erdkollektor evtl. unterstützt durch eine Solaranlage zur Wassererwärmung. Unser Architekt hatte Solarthermie und eine Gasbrennwerttherme vorgeschlagen. Sicher in der Anschaffung günstiger, wir möchten aber nicht auf fossile Brennstoffe setzen. Ist auch nicht diskutabel. Kontrollierte Be- und Entlüftung möchten wir ebenfalls und wurde auch vom Architekten vorgeschlagen.

    Wenn schon eine Wärmepumpe, dann auch ein gut isoliertes Haus und möglichst geringe Heiz- / Energiekosten, damit sich das auf die Dauer auch möglichst schnell amortisiert. So meine laienhafte Vorstellung!

    Nachdem wir in zwei weiteren Gesprächen explizit auf das Thema Energieeffizienz hingewiesen haben, sind wir nun auf die Umsetzung durch unseren Architekten gespannt.

    Die konkrete Frage lautet: Was sind die Grundbegriffe, und –zusammenhänge, die ich verstehen muss? Wie kann man den Energiebedarf eines Hauses errechnen / beeinflussen. Hier würde ich davon ausgehen, dass Art der Dämmung, Baumaterial, Anteil der Fensterflächen und deren Dämmqualität, Wärmebrücken, etc… die benötigte Heizleistung beeinflussen. Wenn ich bisher richtig verstehe, ist ein Heizwert von 4 kWh schon absolut Top. Gibt es einen oberen Wert, ab dem z.B. eine Wärmepumpe nicht mehr alleine in der Lage ist, das Haus zu heizen? Hier habe ich gelesen, dass es je nach Art der Wärmepumpe Kennziffern (ca. 3-5)für die Effizienz gibt. Daraus lässt sich wohl ableiten, mit welcher Temperatur die Heizung laufen kann. Wie ihr seht, bin ich hier noch ziemlich blank…

    Unser Ziel ist es mit <1000 Euro für Heiz- und Warmwasserkosten pro Jahr auszukommen. Wird / kann uns der Architekt diese Kennziffern wie „benötigte Heizleistung“ errechnen oder brauche ich dafür einen Energieberater? Gibt es so was wie einen Dämmwert, etc…?

    Mir geht es darum die Einflussfaktoren und Zusammenhänge zu verstehen. Daher sind an dieser Stelle wohl Daten zum konkreten Objekt nicht von Nöten. Falls doch bitte kurze Info.

    Vielen Dank im Voraus für Eure Hilfe! :Roll:

    Grüße
    Peter
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  2. Energieeffizientes Bauen - Einsteigerfragen

    Schau dir mal diesen Ratgeber an. Dort findet man Infos und Antworten.

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  3. #2
    Avatar von Shai Hulud
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    Zitat Zitat von Baufrischling Beitrag anzeigen
    ...wir möchten aber nicht auf fossile Brennstoffe setzen.
    Und der Strom für eure WP kommt aus der Steckdose.
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  4. #3
    Avatar von alex2008
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    Wärme die man nicht verliert muß man nicht erzeugen. Mit sinkendem Wärmebedarf nimmt aber auch der Einspareffekt durch Effizientere Technik oder noch bessere Dämmung ab. Dafür steigen mit zunehmender Effizienzverbesserung die Investitionskosten an.

    Kleines Beispiel

    1. Wand mit U 0.40 als Ausgangswert
    2. Wand mit U 0.20 hat nur noch den halben Wärmeverlust
    3. Wand mit U 0.10 nur noch ein Viertel

    um die 1. Wand auf den Wert der 2. zu verbessern wären nochmals 10cm Dämmstoff WLS 040 notwendig
    um auf den Wert der 3. zu kommen wären 30cm Dämmstoff notwendig

    die 1. Wand hätte einen Transmissionswärmeverlust von ca. 34kWh pro m² Wandfläche und Jahr
    die 2. Wand ca. 17 kWh
    und die 3. Wand ca. 8kWh

    man kommt also irgendwann in den Bereich wo der materielle und finanzielle Aufwand höher wird als die Einsparung bei den Heizkosten.
    Ein Sonderfall ist dann ein Passivhaus da können sich aufgrund Fördergeldern, günstigerer Finanzierung und Einsparungen beim Heizsystem wieder Ausgleichsmöglichkeiten bei den jährlich aufzubringenden Kosten ergeben.

    Die Solaranlage spart besonders viel wenn ihr besonders viel verbraucht. Die Gasheizung hätte dann niedrige Investitionskosten dafür mit die höchsten Verbrauchskosten. Bei der WP mit Sondenbohrung ist es eher umgekehrt.

    Pauschal kann man da keine Empfehlung geben. Da heißt es rechnen. Jedes Haus ist eben anders.
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  5. #4
    Themenstarter

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    Zitat Zitat von Shai Hulud Beitrag anzeigen
    Und der Strom für eure WP kommt aus der Steckdose.
    Nicht jede KWh Strom wird aus Kohlekraftwerken gewonnen. Ich habe zumindest mal von Ököstrom gehört... Und vielleicht wird Solarenergie in der Zukunft so effizient, dass sich damit ein Haushalt selbst versorgen kann...
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  6. #5
    Avatar von fmw6502
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    der meiste "Ökostrom" wird durch Zertifikate veredelt
    Wir brauchen den meisten Strom für die WP im Winter, dort ist der Ertrag der PV recht gering, mal abgesehen von den hohen Anlaufströmen. Ließe sich mit viel Aufwand realisieren, Stichpunkt "Insellösung", willst Du aber nicht bezahlen...

    Eine gute WP holt aber aus der im Kraftwerk - ggfs. fossilen - eingesetzten Primärenergie mehr Heizenergie raus als das lokale Verbrennen im Haus...

    Gruß
    Frank Martin
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  7. #6
    Avatar von Shai Hulud
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    Wenn eure Entscheidung gegen Beheizung mit Verbrennung fossiler Energiequellen feststeht, dann teilt das eurem Architekten mit. Wer zahlt, bestimmt die Musik.

    Unser Ziel ist es mit <1000 Euro für Heiz- und Warmwasserkosten pro Jahr auszukommen.
    Das ist auch von den Energiepreisen, den Zinsen der Investitionskosten sowie den Wartungskosten abhängig. Außerdem spielt die zu erwartende Lebensdauer der Heizanlage bei der Umlage der Investitionskosten noch eine Rolle. Euer Architekt kann euch da beraten.

    In diesem Zusammenhang ist die in beiden Varianten geplante Solaranlage auf den Prüfstand zu stellen. Eine gute (=teure) Solaranlage deckt ca. 60% der Brauchwassererwärmung ab. Diese Investitionssumme stattdessen in Dämmung oder Wärmebrückenvermeidung eingesetzt dürfte mehr bringen.

    Dazu kommt, daß eine Solaranlage auch einen großen Speicher benötigt. Den zusätzlichen Platzbedarf dafür könnt Ihr mit ca. 1000 Euro/m² beziffern. Unser Speicher verbraucht ca. 2,5 m² Fläche.
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  8. #7
    Bauexpertenforum Avatar von mls
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    ergänzung zu alex:
    eine doppelt so dicke wand kostet nicht unbedingt doppelt so viel

    verschärfung:
    eine bessere wärmedämmung ist geeignet, die analagenkosten (auch
    den invest) zu senken ..

    wg. "energieberater":
    wenn der architekt eher künstler ist, sollte sich jemand umso intensiver
    um die konstruktion kümmern. auch in zusammenhang mit "energie"
    sollte das der sowieso erforderliche tragwerksplaner schaffen.

    zu den leistungen des architekten gehört auch, bauherren auf weitere
    notwendige (d.h. einzukaufende) planungsleistungen aufmerksam
    zu machen (bgga, twp, enev-nw usw.)
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  9. Schau dir mal das Bauherren-Handbuch an.. Sehr viele nützliche Infos!
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  10. #8
    Avatar von BauherrHilflos
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    Zitat Zitat von Baufrischling Beitrag anzeigen
    ..Mir geht es darum die Einflussfaktoren und Zusammenhänge zu verstehen..
    Hallo Baufrischling

    Als wir in der Bauphase waren, musste ich mich auch sehr mit dem Thema auseinander setzen. Der einfachste Weg war:
    Erstmal die KFW Richtlinien bzw. die ENEV durchlesen. Dabei im Text die schönen Formeln mit den Kennzahlen / Messgrößen / Höchstwerte markieren, und diese im Internet nachlesen. Mit etwas Verständnis kommt dann schon eine gewisse Logik ins Spiel.
    Sind dann noch offene Fragen.. mal einen Energieberater / Gutachter aufsuchen. Der wird Dir dann schon die noch offenen Fragen beantworten.
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  11. #9
    Themenstarter

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    Vielen Dank an alle für die Hinweise und Tipps. Werde mich dann mal in die EnEV Verordnung und die KfW Richtlinien einlesen und mich melden, falls noch Fragen offen sind.

    Gruß
    Peter
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