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  1. #1

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    BSelbstvornahme ohne Aufforderung zur Nachbesserung?

    Hallo liebe Leute,

    ich habe da mal ein "Problemchen". Eine Bauleistung (Bodenbelagarbeiten im bewohnten Raum) wurde so grottenschlecht ausgeführt, dass ein anderer Betrieb zur Nachbesserung und ein Reinigungsunternehmen zur Säuberung der Wohnung herangezogen wurde. Eine schriftliche Aufforderung des 1. Unternehmers zur Mängelbeseitigung bestand nicht, weil diese Firma aufgrund offensichtlicher Inkompetenz und unglaublich schlechten Auftretens wohl eh nicht in der Lage gewesen wäre diese Arbeiten je mangelfrei fertig zu stellen.

    Wie sieht das aus, Selbstvornahme ohne vorherige Aufforderung wegen Unzumutbarkeit, geht das?

    Ich weiss dass mit der Rechtsberatung, aber mir würde ein "denkbar" oder "wahrscheinlich unmöglich" ja reichen.

    Sven
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  2. BSelbstvornahme ohne Aufforderung zur Nachbesserung?

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  3. #2

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    Zitat Zitat von Herr Nilsson Beitrag anzeigen
    Wie sieht das aus, Selbstvornahme ohne vorherige Aufforderung wegen Unzumutbarkeit, geht das?
    Sicher geht das.

    Den Schaden bei BU Nr 1 geltend zu machen dürfte allerdings nicht gehen - eben wg. fehlender Fristsetzung mit Ablehnungsandrohung
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  4. #3
    Themenstarter

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    Nun ja, genau darum geht es natürlich, dem 1. Unternehmer den Aufwand für die anderen 2 Firmen abzuziehen. Du meinst das geht auf keinen Fall? In BGB und VOB finde ich da auch kein echtes "Hintertürchen", auch wenn ich es eigentlich logisch fände.
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  5. #4
    ManfredH
    Gast
    Zitat Zitat von Herr Nilsson Beitrag anzeigen
    In BGB und VOB finde ich da auch kein echtes "Hintertürchen", auch wenn ich es eigentlich logisch fände.
    Was sollte daran logisch sein ?

    Das Grundprinzip heisst nun mal "wenn einer was verbockt hat, soll er erst mal die Möglichkeit haben, es selbst in Ordnung zu bringen". Erst wenn sich dabei herausstellt, dass er das nicht kann oder will, kann auf seine Kosten Ersatzvornahme erfolgen.
    Finde ich im Prinzip fair und logisch, mehr jedenfalls als ein Hintertürchen.

    Schon eher stellt sich m.E. die Frage, warum denn eine Firma, die offensichtlich inkompetent ist und unglaublich schlecht auftritt, überhaupt beauftragt wird.
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  6. #5
    Themenstarter

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    warum denn eine Firma, die offensichtlich inkompetent ist und unglaublich schlecht auftritt, überhaupt beauftragt wird
    Weil man es manchmal erst nachher weiss, wenn man die Firma vorher nicht kannte.

    Was sollte daran logisch sein ?
    Du hast deren Arbeit nicht gesehen, dann würdest Du nicht fragen. Sowas habe ich in bald 14 Jahren "mit dem Bau zu tun haben" noch nicht gesehen. Wenn ich einen Marmorboden schleife muss ich nun mal abkleben, jetzt sind nach 12 m² (für 1500 Euro !) überall Riefen im Boden, Glanz gen Null, un 120 m² Wohnung VÖLLIG mit Schleifstaub bedeckt. Terrasse, Garage und Treppenraum eben so. So jemanden nachbessern lassen, der während der Arbeiten mehrfach angemahnt wurde sauber zu arbeiten und es nicht getan hat? Der Reinigungskosten in Höhe von fast 700 Euro verursacht hat, weil schnell gereinigt werden musste (bewohnter Raum)?

    Ich fänd es logisch, so einem AN die Reinigung in Rechnung stellen zu dürfen.
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  7. #6

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    Inkompetenter Bodenleger?

    Zitat Zitat von Herr Nilsson Beitrag anzeigen

    Ich fänd es logisch, so einem AN die Reinigung in Rechnung stellen zu dürfen.
    Sie können es probieren, vielleicht akzeptiert der Bodenleger einen Abzug oder einen Teilabzug, dann haben Sie Glück, wenn nicht, besteht juristisch keine Chance den Abzug durchzusetzen. Wer Fehler macht, sollte auch die Chance erhalten, den angerichteten Bockmist auch zu beseitigen, selbst wenn es sich um einen der inkompetentesten Unternehmer handelt, der auf Baustellen wandelt.

    Freundliche Grüße aus Berlin
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  8. #7

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    Zitat Zitat von rolf a i b Beitrag anzeigen
    Sie können es probieren, vielleicht akzeptiert der Bodenleger einen Abzug oder einen Teilabzug, dann haben Sie Glück, wenn nicht, besteht juristisch keine Chance den Abzug durchzusetzen. Wer Fehler macht, sollte auch die Chance erhalten, den angerichteten Bockmist auch zu beseitigen, selbst wenn es sich um einen der inkompetentesten Unternehmer handelt, der auf Baustellen wandelt.

    Freundliche Grüße aus Berlin
    ...mal abgesehen davon, dass es hoffentlich nicht deine ernsthafte Meinung ist...ist es auch falsch.

    Es kann im Einzelfall sogar nachteilig sein, dem Unternehmer eine Frist zu setzen, weil hier dann richterlicherseits angenommen werden kann, dass der Unternehmer so inkompetent nicht sein kann...!
    Nachweis/Risiko der Nachweisbarkeit liegt beim Auftragnehmer

    gruss
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  9. #8

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    Hallo,

    Vielleicht geht das als Hintertür: das BGB sieht ja auch noch den Rücktritt vor. Alternativ kann man auch an eine außerordentliche Kündigung denken. Die Voraussetzungen sind ähnlich. Man könnte dann entsprechend Schadensersatz verlangen. Eine Kündigung bzw. Rücktritt ohne Fristsetzung sind aber nur ganz ausnahmsweise möglich (§ 323 Abs. 2 BGB oder § 626 BGB).
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  10. #9
    Bauexpertenforum Avatar von Ralf Wortmann
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    Hallo!

    Die Tatsache, dass die Werkleistung grottenschlecht war, lässt noch nicht den Schluss zu, dass eine Mängelbeseitigung der selben Firma nicht zu einem mangelfreien Ergebnis führen kann. Vielleicht lag es an ein oder zwei sehr unerfahrenen Mitarbeitern, vielleicht wird bei der Mängelbeseitigung der Chef diesmal mitarbeiten und alles genauestens überwachen, vielleicht schaltet er diesmal auch eine andere Firma als Subunternehmer ein ...

    Eine Fristsetzung vor der Selbstvornahme ist nur dann entbehrlich, wenn gem. § 637 Abs. 2, Satz 2 BGB die Nacherfüllung dem Besteller unzumutbar ist. Das sind hohe Hürden. Das Risiko, keine Frist zu setzen, ist groß.

    Nachstehend ein älteres Urteil des BGH vom 08.12.1966, Az. VII ZR 144/64, abgedruckt in WM 1967, 23-24, von welchem mir leider nur der Leitsatz vorliegt:

    "Hat sich der Auftragnehmer bei der Bauausführung als so unzuverlässig erwiesen, dass der Auftraggeber nicht zu ihm das Vertrauen zu haben braucht, er werde erforderlich gewordene Nachbesserungsarbeiten ordnungsgemäß ausführen, so kann der Auftraggeber ohne vorherige befristete Aufforderung an den Auftragnehmer die Mängel auf dessen Kosten abstellen lassen."

    Hier wird auf Unzuverlässigkeit abgestellt, nicht auf die Schwere der Mängel. Es wird wohl diesbezüglich irgend etwas gravierendes vorgefallen sein.

    Und hier der Leitsatz eines Urteils des OLG Koblenz vom 19.07.2001, Az. 5 U 443/01, abgedruckt in NJW-RR 2002, 669, welches ich für den vorliegenden Fall treffender finde:

    "Gelegenheit zur Nachbesserung muss ein Handwerker grundsätzlich auch dann erhalten, wenn seine bisherige Werkleistung unbrauchbar ist und er sich damit als fachlich unqualifiziert erwiesen hat. Denn zur sachgemäßen Nachbesserung kann er sich erforderlichenfalls fremder Hilfe bedienen."

    Herr Nilsson, so leid es mir tut, aus meiner Sicht haben Sie keine Chance.

    Viele Grüße an alle,


    Ralf
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  11. #10

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    Vielleicht macht es Sinn, die Positionen Mängelbehebung und Reinigung zu trennen, wie sieht es damit aus?
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  12. Schau dir mal das Bauherren-Handbuch an.. Sehr viele nützliche Infos!
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  13. #11

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    Inkompetenz am Bau

    Zitat Zitat von bernix Beitrag anzeigen
    ...mal abgesehen davon, dass es hoffentlich nicht deine ernsthafte Meinung ist...ist es auch falsch.

    Es kann im Einzelfall sogar nachteilig sein, dem Unternehmer eine Frist zu setzen, weil hier dann richterlicherseits angenommen werden kann, dass der Unternehmer so inkompetent nicht sein kann...!
    Nachweis/Risiko der Nachweisbarkeit liegt beim Auftragnehmer

    gruss
    Falsch ist die Ansicht nicht - s. Beitrag Buraq, Urteil OLG Koblenz. Ihre Ansicht ist eher die große Ausnahme in der Durchsetzungsfähigkeit. Es wird schon sehr schwierig ohne Mängelanzeige, ohne Fristsetzung hier die Ersatzvornahme durchzusetzen. Ich kenne keinen Fall. Wer kann denn hier beurteilen, dass die Leistung so grottenschlecht ist, dass eine Nachbesserung nicht zum Erfolg führt. Erst wenn die Nachbesserung am Gesamtergebnis nichts ändert, ist eine Kündigung mit Schadensersatz durchsetzbar. Mit dem Glaskugelmodus von vornherein zu sagen, eine Nachbesserung hat keine Aussicht auf Erfolg mit Schadensersatzanspruch sollten lieber Sachverständige und Rechtsanwalt vor Ort klären. Alles andere ist Kaffeesatzleserei im Nebel bei Neumond.

    Freundliche Grüße aus Berlin
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  14. #12

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    @rolf a i b : Wer Fehler macht soll normalerweise die Gelegenheit haben...usw.
    Aber nicht ausnahmslos. Zumindest sieht es so der Gesetzgeber. Das ist der von Ralf kurz angesprochene §637 Abs2...Die Hürden sind natürlich extrem hoch, keine Frage....
    Hierzu gibts ein Urteil vom OLG Frankfurt vom 29.01.2008.
    Siehe Link: http://www.fachanwaltbau.de/html/bod...utbarkeit.html

    Vielleicht kann jemand herausfinden um was es da genau ging...

    gruss
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