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Raumklima mit WDVS

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  1. #1
    altetante
    Gast

    Raumklima mit WDVS

    Hi,

    macht ein WDVS auf z.B. 20-24cm starken Hochlochziegeln eigentlich irgendwas am Raumklima schlechter im Vergleich zu einem dickeren Ziegel ohne WDVS? Kann mir kaum vorstellen, dass man da einen großen Unterschied a la "Wohnen in der Plastiktüte" wahrnimmt.

    Die "Atmungsaktivität": die bezieht sich doch eher nur auf innen? Also so, dass Feuchtespitzen aufgenommen werden und wieder abegeben. Sofern das nicht nur vom Putz erledigt wird.
    Und Diffusionsoffen: macht sich das überhaupt bemerkbar bei mit/ohne WDVS? Oder kann man mit konsequentem Lüften oder gar einer Lüftungsanlage das ggf. wieder mehr als ausgleichen?

    Gruß
    AlteTante
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  2. Raumklima mit WDVS

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  3. #2

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    Den von dir genannten "Plastiktüteneffekt" hat man wenn überhaupt durch die höhere Dichtheit von Gebäuden durch Dampfbremfolien sowie dichteren Fenster- und Haustüranschlüssen. Das WDVS hat darauf keinen Einfluss. Vielmehr werden Schäden durch Wärmebrücken verringert (ich weiss, da streiten sich noch ein paar Geister).

    Davon abgesehen: vergleich mal das Diffusionsverhalten eines WDVS bspw. aus EPS oder Mineralwolle mit dem von verschiedenen Mauerwerksarten. Du wirst schnell merken, wie diffusionsoffen doch ein WDVS bspw. im Gegensatz zum damals so beliebten und verbreiteten Leichtbetonstein ist.

    Feuchtespitzen können vom Putz aufgenommen werden, da hast du Recht. Lehm- und Kalkputz ist da besser als bspw. Gipsputz. Aber auch da machen sich nur die ersten 1,5 - 2 cm des Putzes bemerkbar. Das erforderliche Lüftungsverhalten wird damit trotzdem nur geringfügig beeinflusst - sprich der Putz ersetzt keine Lüftugn-
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  4. #3

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    Heutige Bauwerke sind dicht. Die atmen auch nicht. Wenn da was atmet, dann befindet sich ein Schädling im Mauerwerk. Der atmet. Nicht der Stein.
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  5. #4

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    Sorptionsbereich heißt das Zauberwort.

    Bei einem Gips-, Kalk- oder Lehmputz etc. ist ein solcher vorhanden.
    WDVS hat auf das Raumklima keinen Einfluß.

    Wenn im Bestand eine Innendämmung mit Dampfbremse ist, auf der
    sich vll. nur eine Lage GK-Platten befindet, dann kann das evtl. als
    Plastiktüteneffekt bezeichnet werden. Zumeist aber auch Subjektiv.
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  6. #5

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    meines Erachtens ist entscheidend für das Raumklima vor allem die Art des Innenanstrichs.
    Durch einen falschen Anstrich kann der beste Putz "kaputtgemacht" werden...

    Das Diffusionsverhalten von EPS liegt in der Größenordnung von Massivholz. Kaum jemand würde behaupten, ein Haus wäre "zu dicht", wenn außen drauf 12cm Vollholz wären...
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  7. #6

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    Zitat Zitat von Alfons Fischer Beitrag anzeigen
    meines Erachtens ist entscheidend für das Raumklima vor allem die Art des Innenanstrichs.
    Durch einen falschen Anstrich kann der beste Putz "kaputtgemacht" werden... .
    Das war früher der Fall.

    Einen gewissen Einfluß hat die "Farbe" zwar immer noch, aber mitlerweilen haben die
    Materialien so gute Wasserdampfdiffusionseigenschaften, dass dies weitgehend zu
    vernachlässigen ist. Selbst Latexfarben wurden hier schon erheblich verbessert.
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  8. #7
    altetante
    Gast
    Ok, danke!
    Mal wieder was gelernt. Ich dachte bisher immer, Styropor wäre komplett dicht. Und eine Dampfbremse, wäre nur eine Bremse, keine Sperre. Vor allem wenn es so diffusionsoffenes Zeug ist, wie angeblich bei mir im Dach (passend zur Holzfasermatten-Dämmung). Naja gut, kann mir schon vorstellen, dass nur Gipskarton da schon ein bischen ein anderes Verhalten hat, wie Ziegel.

    Wenn ich das jetzt richtig interpretiere, läuft man also bei einem Holzhaus, welches innen z.B.mit Dampfbremse, OSB-Platten und da drauf Gipskarton verkleidet ist, eher Gefahr des unangenehmen Klimas, als bei Ziegel mit WDVS außen drauf? Bzw. bei Letzterem gar nicht.

    Und zum Putz: glaube nicht, dass ich auf den Putz im gerade zu bauenden Mehrfamilienhaus großartig Einfluß habe. Wäre sicherlich auch zu teuer, da auch noch Sonderwünsche einzubringen. Aber ich hab gehört, Silikatfarbe sei dann doch wieder viel besser, als normale Dispersions- oder Mattlatex? Bringt Silikat dann auch was in Verbindung mit Gipsputz? Auf Rauhfaser auch? Oder sollte das schon ein einheitliches System sein bis zum Mauerwerk durch?
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  9. #8

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    Damit sich ein Mensch in einem Raum wohl fühlt, müssen einige Anforderungen erfüllt sein. Die Luftfeuchtigkeit ist nur 1 Faktor von Vielen, wenn auch ein wichtiger.

    Allgemein spricht man davon, dass ein Wohnraum "behaglich" ist, wenn die Raumtemperatur zwischen 20°C und 22°C liegt und die Luftfeuchtigkeit bei 40% bis 60%. Aber es spielen noch weitere Faktoren eine Rolle. Das wären beispielsweise so Dinge wie Geruch (Ausdünstung von Menschen, Tieren, Bauteilen, Gerüche durch Kochen o.ä. usw.), Helligkeit (Licht, Tageslicht), Luftzug, aber auch die Oberflächentemperatur der Bauteile die uns umgeben.

    Wenn es uns gelingt diese Faktoren in einem für uns behaglichen Bereich zu halten, dann fühlen wir uns in einem Raum wohl.

    Jetzt stellt sich die Frage, wie schaffen wir es, in einem Raum ein für uns angenehmes "Raumklima" zu erzeugen. Hier kommt das Stichwort "Raumklimatisierung" in´s Spiel, das aber viel komplexer ist als gedacht.

    Nehmen wir mal die Raumtemperatur. Die kann ich durch Heizen und Kühlen in den angenehmen Bereich bringen. Optimal ist es wenn ich überall im Raum meine Wunschtemperatur habe, deswegen sind Flächenheizungen zu bevorzugen.
    Aber hier kommt auch die Oberflächentemperatur der uns umgebenden Bauteile in´s Spiel. Deswegen ist es sinnvoll Wände, Fenster usw. möglichst so zu gestalten, dass man eine hohe Wärmedämmung erreicht, so dass die Oberflächentemperatur möglichst nahe an der gewünschten Raumtemperatur liegt.

    Ein weiterer Punkt ist die Luftfeuchtigkeit. Durch die Bewohner wird ständig Feuchtigkeit in die Räume gebracht. Pflanzen, Haustiere tragen ihren Anteil dazu bei, und Dinge die zum täglichen Leben gehören, wie kochen, duschen, erhöhen auch die Luftfeuchtigkeit.

    Diese Luftfeuchtigkeit wurde früher über die Gebäudehülle "reguliert" die ja bekanntermaßen nicht gerade dicht war. Insbesondere Fenster, Türen, aber auch der Dachaufbau sorgten für einen ständigen Luftaustausch. Die Wände hatten noch nie einen wesentlichen Einfluss auf die Luftfeuchtigkeit, auch wenn deren Oberfläche einen Teil der Luftfeuchtigkeit speichern konnte.
    Ein Haus nach aktuellem Dämmstandard ist quasi luftdicht gebaut, oder sollte es zumindest sein. Daher muss die Luftfeuchtigkeit anders reguliert werden, womit der KWL eine besondere Bedeutung zukommt.

    d.h. Für den Wandaufbau ist primär das Wärmedämmverhalten von Interesse, in einem gewissen Maß auch die Wärmespeicherfähigkeit. Die Speicherung von Luftfeuchtigkeit, oder gar die Wasserdampfdiffusion spielt hier eine untergeordnete Rolle. Dafür sind nicht die Wände zuständig, sondern die Lüftung, entweder manuell oder halt automatisch mit einer KWL.

    Gruß
    Ralf
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  10. #9

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    Das Raumklima in modernen Häusern nach Stand der Technik mit FBH und KWL ist vermutlich besser als man das früher je hinbekommen hätte. Die Psychologie spielt aber auch eine Rolle: Während der eine davon überzeugt ist, dass Technik und Bauweise stets das perfekte Raumklima produzieren, so lebt der andere in der festen Überzeugung, in einer zwangsbelüfteten Plastiktüte zu wohnen und fühlt sich dann auch entsprechend. Nach meiner Erfahrung lässt sich letztere Gruppe auch nicht durch Argumentation und Messwerte überzeugen ...
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  11. #10

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    Zitat Zitat von Rosmarin Beitrag anzeigen
    .... Nach meiner Erfahrung lässt sich letztere Gruppe auch nicht durch Argumentation und Messwerte überzeugen ...
    Wir leisten schon Überzeugungsarbeit.

    Letztendlich darf aber jeder selbst entscheiden.

    Gruß
    Ralf
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  12. #11
    altetante
    Gast
    Danke Ralf.
    Bin schon gespannt wie sich das nächstes Jahr im Neubau mit der dez. Lüftung anfühlt. Ich denke auch, dass viele Leut einfach mit der Lüfterei nicht klarkommen und dann heißt es u.a., die Dämmung wäre schuld..
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  13. #12

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    Zitat Zitat von altetante Beitrag anzeigen
    Danke Ralf.
    Bin schon gespannt wie sich das nächstes Jahr im Neubau mit der dez. Lüftung anfühlt. Ich denke auch, dass viele Leut einfach mit der Lüfterei nicht klarkommen und dann heißt es u.a., die Dämmung wäre schuld..
    Das Lüften ist tatsächlich ein Problem, vor allen Dingen wenn man auf manuelles Lüften setzt. Wer traut sich schon im Winter die Fenster zu öffnen? Oder es wird schlichtweg vergessen, weil man sowieso den ganzen Tag nicht zuhause ist, und wenn man Abends nach Hause kommt, denkt man zuerst einmal an andere Dinge.
    Oder die Fenster werden unnötig lange geöffnet, der Raum kühlt zu stark aus usw. usw.

    Je besser unsere Gebäude werden um so wichtiger wird das Lüften.

    Gruß
    Ralf
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  14. #13

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    Kauf Dir einfach fünf Hygrometer von fünf verschiedenen Herstellern. Stelle sie dann mal nebeneinander und vergleiche, was sie anzeigen. Dann in jedem Zimmer eins aufstellen. So weiß man immer wann man lüften sollte. Wir haben viele Pflanzen, aber mehr als zweimal pro Tag haben wir nie gelüftet. Wir arbeiten tagsüber und ich habe keine Lust, mir nachts den Wecker zu stelln.
    Wir haben im Schlafzimmer eine dezentrale Lüftung und lassen das Fenster im Winter zu. (Wer will im Schlafzimmer schon frieren.) Nach dem Aufstehen liegt die Feuchtigkeit manchmal über 60%, aber abends ist sie schon weit darunter. Sehr bewquem.
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  15. Schau dir mal das Bauherren-Handbuch an.. Sehr viele nützliche Infos!
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  16. #14

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    Zitat Zitat von kehd Beitrag anzeigen
    Wir haben im Schlafzimmer eine dezentrale Lüftung und lassen das Fenster im Winter zu. (Wer will im Schlafzimmer schon frieren.)
    Ich will frieren :-) Ein Schlafzimmer im Winter muss weit unter 20°C sein! Mit 16°C kann ich da meist gut leben...
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  17. #15

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    Zitat Zitat von floauso Beitrag anzeigen
    Ich will frieren :-) Ein Schlafzimmer im Winter muss weit unter 20°C sein! Mit 16°C kann ich da meist gut leben...
    Dann wäre doch ein Zelt im Garten eine echte Alternative.

    Gruß
    Ralf
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