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  1. #1

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    Bebauungsplan - sinnvoll oder Schikane?

    Liebe Experten,

    wir überlegen, uns für ein Grundstück hier in der Nähe zu bewerben. Beim Studium des Bebauungsplans habe ich immer stärker den Eindruck gewonnen, dass die Festlegungen sehr stark ins Detail gehen - nicht nur was das Gebäude anbelangt, sondern auch die Bepflanzung ("gärtnerisch zu gestalten und dauerhaft zu pflegen", "Entsprechend der Pflanzenliste", "Mindestqualität der Pflanzen: Güteklasse A, Bund deutscher Baumschulen", "Rankhilfen"), Entwässerung, Richtung der Aufenthaltsräume bei den Randgrundstücken, Form der Zäune, Garagen-/Carportdächer, etc.
    Ist das üblich? Macht es überhaupt Spaß, in so einem Baugebiet zu bauen, oder stößt man dauernd an irgendwelche Grenzen? Wird man gleich verhaftet, wenn man seinen Rasen nicht regelmäßig genug mäht?
    Vielleicht kommt mir als Laie das ja nur komisch vor, aber irgendwie beunruhigt mich diese Menge an m.E. willkürlichen Festlegungen.
    Ich würde mich über Eure Gedanken sehr freuen.

    Hier der Link zum Bebauungsplan auf der Seite der Gemeinde:
    http://spardorf.vg-uttenreuth.de/index.php?id=1677,290

    Viele Grüße
    Gurkensalat
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  2. Bebauungsplan - sinnvoll oder Schikane?

    Schau dir mal diesen Ratgeber an. Dort findet man Infos und Antworten.

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  3. #2

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    Dann schau Dir mal Gartenstädte aus dem Anfang des letzten Jahrhunderts oder diverse Siedlungen (in anderen Ländern), die sogar einen Zaum drum haben, an. Dann darfst Du entscheiden, ob DER Bebauungspolan wirklich ungewöhnlich ist.

    Der jetzige Eigentümer bzw. Planersteller will es so. Willst Du es nicht, kaufe nicht.
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  4. #3
    ypg111
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    Ist normal, der eine B-Plan hat mehr, der andere weniger Auflagen.

    Und doch, es bringt Spass, dort zu bauen, wenn die Regeln mit Deinen eigenen Vorstellungen konform gehen.
    Letztlich gilt der B-Plan auch für Deine zukünftigen Nachbarn, sodass Du keinen Grund der Beschwerde einlegen musst, wenn Dein Nachbar sein Grundstück verloddern lässt oder hohe Bäume kreuz und quer setzt.
    Angst brauchst Du aber nicht zu haben, wenn Du nicht jeden Samstag mähst ;-)

    Mit einem B-Plan will man unter anderem auch eine Einheit erreichen.
    Wenn Du Dich aber verbiegen musst, Dich darüber jeden Tag ärgern wirst, dass Du Deinen Carport nicht in blau gestalten darfst, dann solltest Du Dich anderweitig umschauen.
    Tipp: schau doch mal in anderen reionalen B-Plänen rein, ob es dort lockerer oder sogar extremer gehalten wird. Ein Vergleich hilft ja oft :-)


    Ich habe diesen Plan jetzt aber nur für einige Sekunden betrachtet, schaut oberflächlich wie meiner aus... werde morgen event. mal schauen, was dort so extrem sein soll :-)
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  5. #4

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    ich finde den b-plan gut. wenn der auch so umgesetzt wird, kann eine siedlung entstehen, die sich sehen lassen kann. bei den angesprochenen gartenstädten gab und gibt es mehr auflagen. diese siedlungen stehen heute vielfach unter denkmal- und bestandsschutz. greift der mündige bürger mit dem verkaufsorientierten baustoffhandel in die gestaltung ein, kommt der alltägliche wahnsinn raus. unsere neuen vorstadtsiedlungen ´glänzen´ durch kunterbuntem stilmix und stilbruch, bauweisen ohne regionalen bezug, sprossen in aspik und und und....

    möglichkeiten für gestalterischen blödsinn im detail bietet der b-plan dennoch, z. b. haustüren mit butzenglas.
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  6. #5

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    Zitat Zitat von rolf a i b Beitrag anzeigen
    möglichkeiten für gestalterischen blödsinn im detail bietet der b-plan dennoch, z. b. haustüren mit butzenglas.
    Wenn man eine einheitliche Siedlung wie die Gartenstädte der 20er Jahre will, dann soll man das Konzept von damals komplett adaptieren - die ganze Siedlung aus einer Hand, zumindest planerisch!

    Aber mit Satzungen zu B-Plänen, in denen noch die zulässigen Klopapierfarben definiert sind, wird das nicht erreicht, es wird nur eine Pseudo-Konformität geschaffen.
    Man sollte dabei auch bedenken, dass die ganzen Siedlungsmodelle der 20er und 30er Jahre, deren architektonisches Konzept wir hier hochhalten, damals etwas völlig neues waren.
    Um einen ähnlichen Innovationsschub zu leisten, müssen B-Pläne nicht noch die Anzahl der Tulpenzwiebeln definieren, sondern auf Gedanken über zukünftige Lebensentwürfe basieren!!!

    Die gibt es aber in der derzeitigen Architektur mWn nicht - zumindest nicht in der Art wie damals.
    Wie wärs mit einem B-Plan, der sich mit einer menschenwürdigen Totalsanierung (durch Abriss und Neubau) der Trabantensiedlungen der 70er Jahre beschäftigt?
    DAS hätte mal was. Aber da ist es einfacher, seine eigene kleine Gartenzwerg-Romantik in B-Pläne zu stecken
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  7. #6

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    vorab ich bin Laie (bei der Interpretation meiner Aussage):
    Der Bebauungsplan erscheint mir hinsichtlich Bauordnung und -planung (ich habe auch einige angesehen; Baukonstruktion kann ich nicht beurteilen) als nicht ungewöhnlich oder außergewöhnlich reglementiert UND zahlreiche Aussagen finden sich so (oder ähnlich) in den Landesbauordnungen oder weiteren Gesetzen (z.B. Nachbarschaftsgesetz) und sind folglich (bis auf zu genehmigende Ausnahmen) geltendes Recht. Die alternative in einem Gebiet nach §34 BauGB zu bauen (Vorsicht, denn nicht alles von Verkäufern als "Bauland" bezeichnetes Land ist auch BAULAND) hat auch ihre Tücken, denn die Landesbauordnung und weitere Gesetze gelten und der "Rest" muss sich in den Bestand einordnen (nicht so simpel, wie es klingt) und dann liegt es im Ermessen des Bauordnungsamtes oder die Gemeide KANN eine Satzung erstellen (öffentliches Verfahren; min. 1,5 Jahre) .
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  8. #7

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    Servusla!

    Ja, solche B-Pläne sind hier eigentlich normal. Mal steht etwas mehr, mal etwas weniger drin.

    Die Auflagen bzgl. Lärmschutz sind eigentlich nur der Tatsache geschuldet, daß sich nördlich im direten Anschluss an das baugebiet ein Sportgelände befindet. Zugegeben: warum man hier den Bürger per Vorschrift gegen Lärm schützen will, weiß ich auch nicht. Ob das einen stört oder ob er gerne die johlenden Massen hört, könnte einem durchaus selber überlassen werden.

    Die Vorschriften für Bergrünungen nehmen sich eher sparsam aus. Vielfach finden sich B-Pläne, in denen es exakte Pflanzvorgaben gibt (inkl. der lateinischen Bezeichnungen)!

    Auch sind die Baufenster in diesem B-Plan eher großzügig ausgelegt.

    Insgesamt nichts Ungewöhnliches....
    Fazit:
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  9. #8

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    erst die trabentensiedlungen und anschließend gleich unsere heutigen vorstadtsiedlungen. unsere stadtbauplanungen reagieren nicht auf die fehler der letzten jahrzehnte. wenn etwas mehr gestaltungsvorgaben gemacht werden, fühlt sich der mündige bürger eingeschränkt, weil er sorge hat, dass das toscanahaus hier nicht bebaut werden darf.
    ich bin für mehr vorgaben in den b-plänen.
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  10. #9

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    ....weil er sorge hat, dass das toscanahaus hier nicht bebaut werden darf
    Tasächlich gibt e sbei uns in der Region ein Baugebiet (mehrere Bauabschnitte), in denen Toscanahäuser nicht möglich waren. Der 1. BA wurde dann auch brav fränkisch realisiert. Dann, beim 2. BA, wuchs der Druck der Masse derart (viele Neu-Bauherren wollten sich "Toscana"- Häuser gönnen um ganz trendy zu sein...), daß nun in diesem 2. BA plötztlich überall Toscana - Häuser zu finden sind.

    Und dennoch: schleicht man durch diese Siedlung fühlt man sich gar überhaupt nicht an die Toskana erinnert...gar nicht. Vielleicht ist da begrifflich doch etwas grundlegend schief gelaufen.
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  11. #10

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    Es fehlen die Säulenzypresen




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  12. #11

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    es fehlen die krummen, buckeligen Verputze, die Risse, das Marode, der abgeplatzte Putz, der das darunterliegende Bruchsteinmauerwerk erahnen läßt, es fehlen die passenden Fensterformate, es fehlen die dazu passenden Straßen (staubig? gepflastert, mit passenden Laternen), die richtigen Proportionen und zu guter Letzt, die Menschen, die dort, in der Toslana, auf einem Bänkchen vor dem Haus sitzen, schwatzend, oder einfach nur ruhend.....dort ist bei uns das entsprechende Haus von der Straße abgerückt, eingezäunt, mit großformatigen KS-Fenstern (+ Rollos, Sprossen in Aspik), der Putz ist 100%-ig senk- und waagrecht, hat es Risse gegeben, so wurden diese im Rahmen der Mängelbesetigung fachgerecht saniert, die Auffahrt ist gepflastert, hinter der angebauten Doppelgarage steht ein Auto, vermutlich, denn die Blech-Schwingtore erlauben keinen Einblick in den Fuhrhof....ach...da fehlt noch so einiges. Vor allem die richtige Lebensweise und -einstellung.

    Schaun wir mal welcher Trend als nächstes das Wohlwollen der deutschen Bauherren erringt. Südstaatenromantik mit umlaufenden Veranden vielleicht?
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  13. #12

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    .... und olivenbäume .....

    es sind keine toscana-häuser, es sind einfach nur 2-geschossige häuser mit ´nem mützchen oben drauf. stilistisch und regional nirgendwo einzuordnen - ausser in einem bunten hochglanzkatalog - ala Haus Marina oder so ähnlich!

    datschen können es auch werden.
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  14. #13

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    ganz "normaler" b-plan.

    "Spardorf" finde ich etwas gewöhnungsbedürftig, sollte der ort nicht in oberschwaben liegen?
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  15. Schau dir mal das Bauherren-Handbuch an.. Sehr viele nützliche Infos!
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  16. #14

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    Zitat Zitat von Gurkensalat Beitrag anzeigen
    Ist das üblich? Macht es überhaupt Spaß, in so einem Baugebiet zu bauen, oder stößt man dauernd an irgendwelche Grenzen? Wird man gleich verhaftet, wenn man seinen Rasen nicht regelmäßig genug mäht?
    Ich bin zwar kein Experte aber dennoch melde ich mich zu Wort. Ich persönlich finde es eigentlich gut, wenn grundsätzliches im Bebauungsplan geregelt ist. Auch dort, wo wir zur Zeit bauen, gibt es "heftige" Vorgaben. Beispiel: nur Satteldächer zwischen 25 und 45 Grad Neigung, Mindest- und Maxtraufhöhen, erhöhter Abstand zur Straße, und auch solche Sachen wie Einfriedigung und Beflanzungen sind geregelt. z.B. darf die Einfriedigung mit Mauer/Beton max. 50 cm über Straßennivau sein, Ausnahmen sind aber z.B. Pfeiler wenn dazwischen ein Zaun oder dergleichen kommt. Bei der Bepflanzung wird verlangt, das heimische XY Bäume und Sträucher gesetzt werden sollen.
    Fazit: ich finde "deinen" Bebauungsplan grundsätzlich okay.

    Gruß
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  17. #15

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    Bei uns ist vorgeschrieben, daß nur einheimische Pflanzen zu verwenden sind.
    Also keine Tomaten, Kartoffeln und alle Pflanzen mit Migrationshintergrund.
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