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Bauleiter ≠ Planer = Risiko?

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  1. #1

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    Bauleiter ≠ Planer = Risiko?

    Wir sind aktuell auf der Suche nach einem Architekten, der unser EFH planen soll. Ein Grundstück haben wir schon.

    Unser favorisierte Architekt hat sein Büro ungefähr 100 km (1h) von unserem Bauplatz entfernt. Ihn dann später als Bauleiter einzusetzen, ist aus meiner Sicht aufgrund der Entfernung nicht möglich bzw. sinnvoll, da er schon mehrmals wöchentlich (zumindest bei kritischen Bauphasen) auf dem Baustelle sein soll. Seht Ihr das auch so?
    Wie ist Eure Erfahrung: Kann bei guten, detaillierten Werks-/Ausführungsplänen die Bauleitung durch jemand Anderes als durch den planenden Architekten übernommen werden? In meinem Fall wäre es dann wohl so, dass der "erste" Architekt bis zur 5.Leistungsphase die Planung übernimmt. Die Ausschreibung und Bauleitung würde dann ein anderer Architekt/Bauleiter in der Nähe des Bauplatzes übernehmen, der dann auch die lokalen Handwerker kennt.
    Da der planende, "erste" Architekt auch die Innenarchitektur planen würde (Küche, Einbauschränke,...) habe ich doch leichte Bedenken, ob ein anderer Architekt/Bauleiter, die Planung erfolgreich in die Realität umsetzen lassen kann. Oder sind gute Ausführungspläne so detailliert, dass alles eindeutig vorgeschrieben ist? Wohl nur in der Theorie, oder?

    Wie ist Eure Erfahrung bzw. Meinung: Ist es ein Risiko, wenn sich der planende Architekt nach Leistungsphase 5 (Ausführungsplanung) ausklinkt?

    Vielen Dank schon im voraus!
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  2. Bauleiter ≠ Planer = Risiko?

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  3. #2

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    ich habe mehrfach unter der trennung zwischen den phase 5 und 6 gearbeitet, das ist die ideale schnittstelle. da hast du den vorteil, dass der kollege ab phase 6 die planung auf ausführbarkeit prüfen muss. der kollege der phase 5 muss dann die planung korrigieren. ausklinken kann er sich nicht, in der verantwortung bleibt er auf jeden fall bis zum ende. ich sehe eher vorteile für dich.
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  4. #3

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    Ich würde vorher mal 2 andere Fragen klären:
    1) Könnte der Kollege 1 überhaupt Bauleitung machen. Von seinem Wissen und seinen Fähigkeiten her
    2) Wenn ja, würde er es machen??
    Wenn wieder ja, warum dann nicht?

    Wenn ich in H eine Baustelle am anderen Ende der Stadt habe, sind das Luftlinie vielleicht 30, 40 km, aber ich fahre auch ne knappe 3/4 Stunde.
    Ich hab auch schon Baustellen betreut, für die ich 140 km fahren musste. Das waren dann 1,5 Std, weil das meiste über die Autobahn ging.

    So what? Es muss halt nur passen.
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  5. #4

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    Architekten haben meist auch ihre Stärken in einem bestimmten Bereich. Manche Entwerfen gut sind aber schlecht in der Praxis an der Baustelle. Manche andersherum.
    Wir haben hier im Baugebiet nur 2 Häuser, die mit freien Architekten gebaut wurden, jeweils LP 1-8 beauftragt. Beide Bauherren sind mittlerweile im Rechtsstreit mit den Herren. Bei einem ist der Entwurf echt pfiffig, Bauleitung bestand aber aus ca. 1-3 Besuchen auf der Baustelle im Monat, so dass es viele Ausführungsfehler und eine riesige Zeitverzögerung gab.
    Bei dem anderen ist der Entwurf an manchen Stellen völlig unpraktikabel. Ausführungsfehler hat ein Gutachter auf Mängel bei der Planung zurückgeführt. Als Bauleiter war der Typ aber spitze. Unglaublich wie er die Handwerker im Griff hatte und wie schnell der Bau stand.
    Daneben gibt es ja auch noch kaufmännische und rechtliche Anteile bei Ausschreibung und Rechnungsprüfung. Das jmd. Erstmal alles unter einen Hut bringen.
    Eine Trennung ist daher meist besser, WENN man abschätzen kann, wer wo seine stärken hat...
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  6. #5

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    Orkati - planungsfehler sind immer zu 50% auch bauleitungsfehler. wenn es von ein und derselben person zu vertreten ist, dann hat er natürlich die 100%. handwerker im griff zu haben ist nur ein kleiner teil des bauleitungsgeschäfts, wichtiger ist die umsetzung nach den regeln der technik. da übernimmt der bauleiter automatisch 50% haftungsrisiko, wenn er planungsfehler ausführen lässt. soweit war der bauleiter überhaupt nicht spitze!
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  7. #6

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    Zitat Zitat von rere24 Beitrag anzeigen
    Ist es ein Risiko, wenn sich der planende Architekt nach Leistungsphase 5 (Ausführungsplanung) ausklinkt?
    Nein, ist es nicht. Es gibt sogar institutionelle Bauherren, die niemals 1 - 9 an einen Planer beauftragen, sondern immer nach LP 5, manchmal auch LP 4 wechseln lassen, damit es eine zusätzliche Kontrolle gibt. Die Arbeit des Planers endet aber trotzdem praktisch erst mit der Fertigstellung des Objektes, weil je nach Bauweise oft einige Detailplanungen üblicher- und sinnvollerweise erst baubegleitend erfolgen.
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  8. #7

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    @rolfaib: ja stimmt, wir haben hier nur oft drüber gescherzt, dass ein Bau ohne Probleme gewesen wäre, wenn die beiden sich zusammengetan hätten oder für die Teilbereiche beauftragt worden wären. So sind beide ins Wasser gefallen.
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  9. #8

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    wenn er die dokumentierte planung nach phase 5 abliefern muss, dann hat er alles so darzustellen, wie es gebaut wurde.
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  10. #9
    Bauexpertenforum Avatar von mls
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    Zitat Zitat von rolf a i b Beitrag anzeigen
    .. planungsfehler sind immer zu 50% auch bauleitungsfehler ..
    das war -zumindest in der vergangenheit- eine im rechtsstreit
    gerne gezogene bauleiter-a-karte. ob das noch bestand haben wird,
    wo die erkenntnis eines chancenungleichgewichts zwischen lph 1-5
    und 6ff. endlich mal zu veränderten vergabe- u. beurteilungsmanieren
    führen sollte (beginnend mit honorarzuschlägen beim splitting),
    wird sich zeigen/breittreten: positive beispiele gibts schon.
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  11. #10

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    ich spreche mal aus eigener Erfahrung.
    viele Architekten sind "Einzelkämpfer" die nur ein-zwei Häuschen im Jahr planen und den Bau bis zur Fertigstellung
    begleiten mit allen Leistungen, auch der Bauleitung.
    nichts gegen einzuwenden, klappt meist auch (fast) reibungslos.
    etwas größere Architekturbüros sind vielfach Gemeinschaften von mehreren Architekten und deren Angestellten
    Zeichnern, Bürokräften und Bauleitern.
    Die Entfernung zu den Baustellen ist da nicht das Problem, klappt jedoch nicht immer da die Bauleiter ewig
    unter Stress und Zeitmangel stehen.
    Da entstehen meist die größten Probleme und Fehler.
    wenn dann auch noch der Faktor Bauherr dazukommt der während der Bauausführung laufend Änderungen sich aussinnt
    dann wird es nicht nur teuer sondern auch die Zusammenarbeit in Sachen Verständnis erschwert sich enorm.
    da ich weiß wovon ich rede (war selbst einige Jahre Bauleiter) wäre es für die Bauherren angebracht sich einen Architekten
    aus der näheren Region sich zu suchen der gleichzeitig die Bauleitung mit übernehmen kann da er die ansässigen Handwerksunternehmen
    besser kennt als einer der 100 km weit weg ist.
    Mir persönlich war es am liebsten wenn Bauherren sich so wenig als möglich auf der Baustelle blicken ließen.
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  12. #11

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    Zitat Zitat von baufix 39 Beitrag anzeigen
    etwas größere Architekturbüros sind vielfach Gemeinschaften von mehreren Architekten und deren Angestellten Zeichnern, Bürokräften.
    Welche Ausbildung müssen dann eigentlich die angestellten Bauleiter haben, damit die Phasen weiter nach HOIA abgerechnet werden darf?
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  13. #12

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    Orkati
    ich zitiere mal:

    "Der Bauleiter ist im Regelfall ein Bauingenieur, ein Architekt oder ein Baumeister. Bei kleineren Bauvorhaben wird die Tätigkeit auch von Handwerksmeistern der Bauberufe oder Bautechnikern ausgeführt. Bei Großbaustellen agiert eine hierarchische Gruppe mit Oberbauleiter, (Abschnitts)-Bauleitern und lokalen Bauführern bzw. Polieren."

    ich bin Maurermeister
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  14. #13

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    Zitat Zitat von Orkati Beitrag anzeigen
    Welche Ausbildung müssen dann eigentlich die angestellten Bauleiter haben, damit die Phasen weiter nach HOIA abgerechnet werden darf?
    Die Ausbildung spielt dabei juristisch keine Rolle, zumal bei größeren Objekten sehr unterschiedliche Teilaufgaben anfallen, für welche sehr unterschiedliche Ausbildungen sinnvoll seien können - bis hin zur Bürokauffrau und dem Buchhalter. Die Regel ist heute aber eine Hochschulausbildung (Bauingenieur, Architekt, TU / FH), auch auf Seiten der Ausführenden übrigens.
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  16. #14

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    Zitat Zitat von mls Beitrag anzeigen
    positive beispiele gibts schon.
    klingt interessant, jedoch der glaube allein wird mich noch nicht überzeugen. gibt es in dieser richtung denn schon urteile, wonach der bauleiter nach phase 6 - 8 bei planungsfehler nach phase 5 aus dem schneider ist, auch wenn er den planungsfehler nicht gerügt hat? leider betrachten die richter nach wie vor diejenigen, die bei der ausführung nach phase 8 die verantwortung tragen als haftungsschweine der nation - originalton eines richters vom olg münchen. der durfte das sagen, weil er mittlerweile im ruhestand ist. momentan hilft nur haftungsfreistellung in der phase 8, wenn planungsfehler der phase 5 nicht korrigiert werden, sondern so umgesetzt werden sollen.
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  17. #15

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    Zitat Zitat von rolf a i b Beitrag anzeigen
    leider betrachten die richter nach wie vor diejenigen, die bei der ausführung nach phase 8 die verantwortung tragen als haftungsschweine der nation - originalton eines richters vom olg münchen. der durfte das sagen, weil er mittlerweile im ruhestand ist. momentan hilft nur haftungsfreistellung in der phase 8, wenn planungsfehler der phase 5 nicht korrigiert werden, sondern so umgesetzt werden sollen.
    Du meinst, wenn Planungs"mängel" trotz Hinweises des Bauleiters nach LP 8 HOAI an die Planer / Ausschreiber durch diese nicht beseitigt, sondern bewusst aufrecht erhalten werden?
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