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  1. #1

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    Bauen mit Architekten? (Erfahrungsbericht)

    Bauen mit Architekten?

    Diese Frage haben wir uns am Anfang mit einem eindeutigen ja beantwortet. Wir arbeiten beide Vollzeit mit vielen Überstunden und haben auch keine Ahnung vom Baugewerbe. Deshalb war die Entscheidung für (in unserem Fall) eine Architektin ganz klar, bei der wir das Komplettpaket buchen wollten.
    Am Anfang war alles schön. Wir haben uns zweimal die Woche für je ca. 2 Stunden zusammengefunden. Es wurden die Kosten besprochen, welche Wünsche umgesetzt werden sollen und können und welche Pläne im Vorfeld erstellt werden müssen.
    Ergebnis: Kostenschätzung 120.000 EUR, Wünsche alle umsetzbar (zu diesem Preis) und die grob erstellten Pläne sollten noch verfeinert werden. Also Unterschrift auf den Vertrag und …
    Ja was soll ich sagen, ab hier ging es stetig abwärts. Grundrisszeichnung enthielt kleine Fehler, die aber korrigiert werden sollten, da sonst z.B. eine Glasfront keine Seitenwand gehabt hätte. Diese Korrektur wurde nicht vorgenommen.
    Der ursprüngliche Elektroplan enthielt einige fachliche Mängel, diese sollten von der Architektin überarbeitet werden, da der Plan als Basis für die Ausschreibung dienen sollte. Wurde nicht umgesetzt.
    Da wir gerade beim Thema Ausschreibung sind. Die hat nie stattgefunden. Wir haben für jedes Gewerke nur ein Angebot bekommen. Vergleichsangebote mussten wir uns selber beschaffen.
    Die Kostenschätzung war der totale Reinfall. Z.B. Kostenschätzung für das Dach in unserer gewünschten Ausführung lag bei 11000 EUR (Architektin), Angebot Dachdecker von Architektin lag bei 30000 EUR (mit Abstrichen in der Ausführung). Nach Absage an den Dachdecker der Architektin aus persönlichen Gründen (hat auf meine Fragen gar nicht oder nur pampig reagiert), sollte uns die Architektin einen neuen Dachdecker besorgen. 3 Wochen wurde von ihr nichts unternommen und wir sollten ihren Dachdecker nehmen. Erst nach einer ernsten Aussprache gab es ein neues Angebot. Übrigens hat uns das Dach 40000 EUR in der von uns gewünschten Ausführung gekostet (ich habe mir 5 Angebote machen lassen und alle Lagen in dieser Preiskategorie).
    Fenstereinbau wurde nicht überwacht, es gab keine Endabnahme seitens der Architektin. Und Spalte um die Fenster, durch die ich von innen nach außen schauen konnte, wurden mit den Worten kommentiert „Ein wenig Zugluft schadet nicht und beugt Schimmel durch Luftfeuchtigkeit in den Innenräumen vor“. Warum haben wir uns dreifach verglaste Fenster mit 0,7 U-Wert gekauft?
    Kernbohrung für Dunstrohr wurde nicht nach Richtlinie gesetzt (ist selbst mir als Laie aufgefallen und meine Aussage wurde auch vom Dachdecker bestätigt). Neu gesetzte Wände mussten abgerissen werden, da die Abstände zu anderen Bauteilen nicht überprüft wurden. Mehrkosten durch diese Fehler bis dahin 1300 EUR. Die Terrassenbeschichtung wurde abgetragen, danach meinte die Architektin, dass der von uns gewünschte Terrassenbelag nicht ungesetzt werden könne, obwohl IHR Handwerker und sie selbst immer kein Problem darin gesehen haben. (Ich habe mittlerweile einen Handwerker gefunden, der auf den von uns gewünschten Belag spezialisiert ist und gar keine Probleme darin sieht.)
    Suchschachtung nach Abwasserrohr durch ihren Handwerker für den Einbau der Rückstauklappe war erfolglos (Zusatzkosten 150 EUR). Erst nachdem ich mir das Video der Kanaluntersuchung ausgeliehen und selber Messungen nach den Videoaufzeichnungen und eine eigene Suchschachtung durchgeführte, habe ich das Abwasserrohr gefunden. Reaktion der Architektin darauf: „Wenn Sie so etwas ohne Rücksprache mit mir durchführen, dann brauchen Sie mich nicht mehr. Diese Baustelle ist sowieso viel zu klein.“ Diese Einstellung erklärt auch, warum die Architektin nur 45 min in der Woche auf der Baustelle zu sehen war.
    Daraufhin habe ich ihr schriftlich mitgeteilt, dass ich ihre Kündigung akzeptiere. Antwort: Sie habe nicht gekündigt und wolle trotzdem das volle Honorar über 15000 EUR abrechnen. Sie habe lediglich zum Ausdruck gebracht, dass ihre Anwesenheit auf der Baustelle nicht von Nöten sei und sie ihre Aufgaben auch mittels telefonischer Beratung wahrnehmen kann.
    Daraufhin habe ich versucht eine Schlichtung über die Architektenkammer anzustreben. Reaktion der Architektin, dass soll ich ruhig versuchen, sie ist Vorsitzende im örtlichen Kammerbüro.
    Nach zweistündiger Diskussion zwischen ihr und uns, konnten wir sie in widersprüchliche Aussagen verwickeln und sind mit 3000 EUR Lehrgeld aus dem Vertrag rausgekommen.
    Und noch einen kleinen Leckerbissen aus der Welt unserer Architektin. Unsere Kostenschätzung zum Zeitpunkt der Auseinandersetzung liegt seither zw. 200.000 und 230.000 EUR (ich versuche noch von den 230 auf die 200 zu kommen). Wir haben ihr mitgeteilt, dass wir deshalb mehr Kredit benötigen und zum Glück diesen teilweise über Verwandte bekommen. Reaktion. Na dann ist doch alles nicht so schlimm. Aha, dass wir im besten Fall nur 80000 zusätzlichen Kredit und eventuell noch 30000 Kredit über die Verwandtschaft aufnehmen müssen, ist also nicht so schlimm. Schon klar.
    Kann mir jetzt noch jemand glaubhaft die Notwendigkeit eines Architekten vermitteln?
    Und das Schlimme ist, man ist diesen Menschen völlig ausgeliefert. Die kennen jeden Paragraphen um sich abzusichern und Geld zu stehlen, aber keine einzige Richtlinie für eine vernünftige Bauplanung und Umsetzung.
    Es gibt ja noch nicht einmal eine Plattform, wo ich andere Bauherren vor dieser Architektin warnen kann.
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  2. Bauen mit Architekten? (Erfahrungsbericht)

    Schau dir mal diesen Ratgeber an. Dort findet man Infos und Antworten.

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  3. #2
    Bauexpertenforum Avatar von mls
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    spätestens bei "kostenschätzung 120k" hab ich das erstemal gestockt,
    der rest entspricht (im tiefflug gelesen) dem, was man bei so einer
    kostenschätzung erwartet - auch die unklarheit, was in summe zu
    +100k geführt hat.
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  4. #3
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    Hi mls,
    beim Dach sind es schon allein +29k; Terrasse statt 4k (keine Ahnung wie die Schätzung zusammenkommt) geschätzt derzeit 20k (lt. Angebote); Heizung+Sanitär statt 25k (wahrscheinlich nicht zugehört, dass es Erdwärme werden soll) sind es ca. 40k (hier kommen noch 4 Heizkörper! für die Kellerräume deren Preise ich noch nicht kenne), Elektriker Schätzung Architektin 6k (nach falschem Plan) ihr Elektriker hat Angebot über 12k vorgelegt unser Elektriker 8k usw. Maler, Fliesenleger, Innentüren (da bin ich gerade dabei von 7k auf 4k runterzuschrauben), 2 Treppen erneuern (wird wahrscheinlich erst mal abgesagt). Ist eine lange Liste, wenn man das alles aufzählen will.
    Wie gesagt, wir hatten vor einem Jahr keine Ahnung, was eine Sanierung kostet und da klang 120.000 für uns gar nicht so weltfremd.
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  5. #4
    Bauexpertenforum Avatar von mls
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    Zitat Zitat von microsklave Beitrag anzeigen
    .. Sanierung ..
    hab ich wohl überlesen.
    wurde der zielkostenrahmen fixiert?
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  6. #5

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    Zitat Zitat von mls Beitrag anzeigen
    spätestens bei "kostenschätzung 120k" hab ich das erstemal gestockt,
    ...
    ... ich gehe davon aus, dass es sich um eine Renovierung/Sanierung handelt?
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  7. #6
    Themenstarter

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    Zitat Zitat von mls Beitrag anzeigen
    wurde der zielkostenrahmen fixiert?
    Meinst du das:
    Grundlage Honorarberechnung: "angenommene Sanierungsaufwendungen als anrechenbare Baukosten brutto"
    Die Baukostenschätzung bezieht sich auch auf den Keller, da haben wir bis auf die Heizung aber schon alle Sanierungsmaßnahmen gestrichen.
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  8. #7
    Bauexpertenforum Avatar von mls
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    ja .. zum beispiel.

    der bgh (az vii zr230/11) hat 2013 die pflichten des arch.
    bzgl. kostentransparenz noch enger gefasst, als bisher ..

    baukostenüberschreitung wurde bereits oft thematisiert,
    wenn´s dich interessiert -> suchefunktion
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  9. #8

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    Kann mir jetzt noch jemand glaubhaft die Notwendigkeit eines Architekten vermitteln?
    Liest man dies und nimmt an, daß dies auch alles genauso war, ja, dann fällt es tatsächlich schwer hier etwas Positives herauszulesen. Natürlich gilt auch hier: Idioten gibt es immer und überall....davor ist auch unser Berufszweig nicht gefeit. Verallegemeinern sollte man aber auch nicht! Es gibt genug Beispiele gut gelungener Arbeiten, es gibt andererseits auch in anderen Branchen Fehlleistungen (Kunstfehler beim Arzt XY.,...gehst Du deshalb nicht mehr zum Arzt?).
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  10. #9
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    Ach nee......
    "Nicht verallgemeinern?"

    Gut, dass es kein GU/GÜ war.
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  11. #10

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    Grade Architekten bekommen ihre Kundschaft doch vielfach über Empfehlungen, wenn Du gefragt wirst - antworte.
    Unser Architekturbüro wurde uns von mehreren Seiten ans Herz gelegt und bislang haben wir es nicht bereut.
    Und das, obwohl zumindest mein Mann "vom Fach" ist.
    Aber die Zeit für die Planungen, Ausschreibungen und später vor allem die Bauüberwachung etc. muss man erstmal haben.
    Und die schöne Entwurfsplanung und die guten Kontakte zur Stadt haben uns bis jetzt (vor Baubeginn) schon viel gebracht.
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  12. #11

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    Da ja Verallgemeinern nie richtig sein kann ( )sind die Pauschalaussagen über Architekten und deren Notwendigkeit entsprechend zu werten. Da ja offensichtlich irgendwas mit der A. ziemlich schiefgegangen ist (und wir hier nur eine Version der Geschichte lesen), kann man nur versuchen zu ergründen, woran's lag. Nochmal zu den Kosten: Bei Zone III und Mindestsatz käme ich bei 120.000€ anrechenbaren Kosten auf ein Honorar von 14.759,6€. Demnach wäre in den genannten 15k Honorar
    Zitat Zitat von microsklave Beitrag anzeigen
    das volle Honorar über 15000 EUR abrechnen.
    offensichtlich keinerlei Umbauzuschlag enthalten. Erscheint mir (vorsichtig ausgedrückt) als sehr günstiges Angebot - aber von Umbau hab ich keine Ahnung. Frage an die A.: Ist das Honorar zu günstig?
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  13. #12

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    Zitat Zitat von microsklave Beitrag anzeigen
    Da wir gerade beim Thema Ausschreibung sind. Die hat nie stattgefunden. Wir haben für jedes Gewerke nur ein Angebot bekommen. Vergleichsangebote mussten wir uns selber beschaffen.
    Um aus dem Beispiel noch etwas herauszuziehen: Wieviel Angebote muss denn ein A. je Gewerk einholen? Gibt es da eine Vorgabe? Auf jeden Fall doch mindestens 2 (vermute ich), da ja in der LP 7 das Aufstellen eines Preisspiegels vorgesehen ist...?
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  14. #13

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    @ nutzername
    wieviele Angebote ein A. je gewerk einholt gibt idr der Bauherr vor, der A. schlägt firmen vor, mehr nicht. Der bauherr entscheidet am ende von wem ein Angebot angefragt werden soll.

    Edit: der Architekt ist Erfüllungsgehilfe des BH
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  15. Schau dir mal das Bauherren-Handbuch an.. Sehr viele nützliche Infos!
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  16. #14
    Bauexpertenforum Avatar von mls
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    Zitat Zitat von NixPlan Beitrag anzeigen
    .. wieviele Angebote ein A. je gewerk einholt gibt idr der Bauherr vor ..
    die kehrseite - weil es hier meist um efh geht:
    vertraglich 3% nk
    15 bieter je los
    jeder bieter bekommt lv´s
    lv´s müssen gedruckt+verschickt werden
    ..
    viel spass beim draufzahlen.

    weiter geht´s mit der auswertung:
    e. spiegel für 15 angebote erstellen?
    rumeiern ohne ende?
    ... usw.
    schluss mit spass!

    @nutzername: berechtigte frage, weil beim bauen im bestand nicht nur die
    bauherren oft dicke tränen vergiessen .. aber das hat sich hier erledigt:
    Zitat Zitat von microsklave Beitrag anzeigen
    .. Sie [..] wolle trotzdem das volle Honorar über 15000 EUR abrechnen ..
    wir[..] sind mit 3000 EUR Lehrgeld aus dem Vertrag rausgekommen..
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  17. #15

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    Vor allem - 15 Bieter anschreiben bedeutet nicht, dass auch nur EIN Angebot zurückkommt!
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