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  1. #1
    Avatar von Flocke
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    Zerfall der Baukultur in deutschen Städten

    Nach einem Besuch in Leipzig bin ich mir dieses Themas erst richtig bewußt geworden. In Hamburg werden viele Bauwerke erhalten, aber als wir in Leipzig ankamen waren wir geschockt. Leerstehende Häuser, zerfallene Häuser aus der Zeit des Historismus und Jugendstil, ganze Strassenzüge. Bauwerke die einst voller Schönheit erstrahlten, den Stolz der Stadt representierten, zerfallen und stürzen ein.IMG_8720.jpgIMG_8723.jpgIMG_8731.jpg Nicht nur das teilweise sogar Abrissprämien gezahlt werden, es werden immer neue Plattenbauten und Betonbunker gebaut anstatt etwas in den Erhalt und die Sanierung der alten Häuser zu investieren. Ich spreche hier nicht von zerschundenen Fassaden, sonder von viel guter Substanz die nur langsam zerfällt, weil sich niemand um die Sicherung kümmert. Eines der letzten Opfer der Stadtplanung war die Grüne Schänke.Ballsaal.jpg Ein großer Ballsaal an dem sich anscheinend die Meister jeden Fachs ein Denkmal setzen wollten. Sie wurde abgerissen Ohne sie vorher zum Verkauf anzubieten oder einen möglichen Sanierungsplan zu entwickeln.
    Solche Gebäude sind das Kapital einer jeden Stadt. kein Betonbunker wird jemals einen Touristen in die Stadt locken, es sind die Zeugen verganger Zeit die mit ( noch) überschaubaren Aufwand gerettet werden können.
    Ich kann nicht verstehen wie man so leichtfertig unsere Kultur zerstört. Leipzig steht nun stellvertretend für viele Städte gleichen Schicksals. Also, an alle Architekten, Städteplaner und Politiker. Setzt Euch mal für den Erhalt unserer Kultur ein.
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  2. Zerfall der Baukultur in deutschen Städten

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  3. #2

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    Die Frage ist nur: "Wer soll das bezahlen?"
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  4. #3

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    Naja Flocke, wer nimmt sich denn auch dem Traditionshandwerk an? Das ist doch genauso eine aussterbende Fähigkeit. Ich vermute mal, dass vielen, mir eingeschlossen, das Wissen fehlt. Die die es Besitzen, werden nicht die nötigen Ämter inne tragen, um den Zerfall solcher Kunstwerke zu stoppen.
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  5. #4
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    Im Vergleich zu einem Neubau halten sich hier die Kosten in Grenzen. Es gibt genügend Betriebe die über das nötige Wissen verfügen und auch keine höheren Stundensätze verlangen als andere Betriebe. Diese Gebäude zerfallen oftmals nur, weil die "Hohe" Investition von 5 Dachpfannen oder 3 OSB Platten nicht getätigt wird.
    Möchtet Ihr in wenigen Jahren wirklich gerne durch Städte wandeln und diese herrlichen WDVS Fassaden oder Plattenbauten knipsen? Ist nicht Euer Ernst.
    Zum Thema bezahlen. Ich habe mich in Leipzig mit einem Denkmalschützer getroffen dem es untersagt wurde auf seine Kosten Häuser zu retten, weil sie nich ihm gehören. Für die grüne Schänke war ein Investor bereit große Summen zu Investieren. Die Stadt verfügte den Abriss innerhalb von 6 Tagen ohne weitere Gespräche zu führen.
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  6. #5

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    Vielleicht gilt es dann Aufklärungsarbeit zu leisten. Das das Sanieren solcher Objekt nicht zwangsläufig teurer seien muss als ein Neubau. Die Frage bleibt aber über deren Verwendung? Was ist, wenn Objekt an einem Standpunkt stehen der ungünstig ist? Fernab von Ballungsgebieten oder ähnlichem. Gut in Falle Leipzig gäbe es da sicherlich Verwendung.
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  7. #6

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    Zitat Zitat von mastehr Beitrag anzeigen
    Die Frage ist nur: "Wer soll das bezahlen?"
    die frage stellt sich nicht beim erhalt unserer baukultur. ansonsten denkst du wie die SED-heinis in der ehemaligen DDR. für die war kapital zum erhalt der kultur und der geschichte auch die schnelle ausrede. dass die häuser so aussehen, ist eben auch den SED-bonzen zu verdanken und wirkt bis heute nach.
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  8. #7

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    Dass die Kosten für eine Renovierung irgendwie mit einem Neubau zu vergleichen sind halte ich für ein Gerücht.

    Habs schon mal woanders erwähnt: Wer will bekommt von mir ein Stück Baukultur, Touristenmaget, Haus mit Charm und Geschichte (BJ.1361) ca. 200m² in Innenstadtlage

    Renovierungskosten grob geschätzt 750.000€
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  9. #8
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    Es sind viele Häuser mit noch gesunder Substanz vorhanden. Jegliche Sicherung wird verweigert. Hier werden also ganz bewußt Kulturdenkmäler zerstört. Dem Denkmalschützer wurde sogar schon mit der Polizei gedroht, sollte er mit der Sicherung auf eigene Kosten beginnen. Bei sowas hört bei mir jegliches verständnis auf. Jedes einzelne Haus das einmal weg ist, ist unwiederbringlich für immer weg. Wir rauben uns unsere Identität mit jedem Haus das wir mit sehenden Augen verfallen lassen. Ein solches Gebäude ist mit den heutigen Methoden nicht mehr herstellbar, weil es den meisten an Erfahrung fehlt.
    Ich habe die Masse an Leerstehenden Häusern gesehen. Hier haben wichtige kulturelle Ereignisse stattgefunden. Ein Teil unserer Geschichte.
    Ich weiß natürlich das nicht jedes Haus vor dem Verfall zu retten ist, dennoch sind auch keine wirklichen Bemühungen im Gange um noch erhaltenswerte Häuser auch zu erhalten.
    In wenigen Jahren wird jeer sagen: Hätten wir mal, dann aber sind viele Häuser für immer aus unseren Städten verschwunden
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  10. #9

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    Zitat Zitat von rolf a i b Beitrag anzeigen
    die frage stellt sich nicht beim erhalt unserer baukultur.
    So hat jeder andere Ansichten, wie das Geld zu verteilen ist. Ich sehe momentan keine sinnvolle Möglichkeit, viel öffentliches Geld in alte Häuser zu pumpen. Dazu gibt es einfach noch zu viele andere Möglichkeiten, das Geld sinnvoll zu investieren.
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  11. #10
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    Stimmt. Da haben wir die Elbphlharmonie, den BER, Stuttgart.......
    Leute langsam krieg ich Puls, wenn ich sowas lese
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  12. #11

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    Zitat Zitat von Flocke Beitrag anzeigen
    In wenigen Jahren wird jeer sagen: Hätten wir mal, dann aber sind viele Häuser für immer aus unseren Städten verschwunden
    Vielleicht hätte dann der Denkmalschutz sich an die eigene Nase gefasst und sagt dann: Hätten wir nicht etwas lascher und uns kooperativer gezeigt, dann wären statt Fenster X mit Sprossen eben welche ohne zugelassen, dann stände die Hütte noch da.
    Vielleicht nicht so wie gewünscht, aber sie wäre da.

    Ich sage nur Villa Schöning und den Vlothoer Hauptbahnhof.
    übertriebener Denkmalschutz bewirkt das Gegenteil
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  13. #12

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    Ich meinte nicht unbedingt Bau-Projekte. Aber die von Dir erwähnten Projekte werden in einigen Jahrhunderten vielleicht auch wegen Ihrer besonderen Architektur von Deinen Kindes-Kindes-Kindes-......-Kindern bewundert.
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  14. #13

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    Zitat Zitat von Flocke Beitrag anzeigen
    Ich kann nicht verstehen wie man so leichtfertig unsere Kultur zerstört. Leipzig steht nun stellvertretend für viele Städte gleichen Schicksals. Also, an alle Architekten, Städteplaner und Politiker. Setzt Euch mal für den Erhalt unserer Kultur ein.
    Ich kenne die sächsischen Großstädte, weil ich von da komme und kann Dir sagen, dass Leipzig schon recht speziell ist. Die Selbstwahrnehmung unterscheidet sich dort sehr, sehr krass von der Fremdwahrnehmung - das zeigt vor allem die lächerliche Olympia-Bewerbung. Man möchte gern mit den ganz Großen spielen und knallt dafür sehr viel Geld heraus, das für andere Projekte fehlt. Ein weiteres Beispiel für solche Prestige-Projekte ist die unterirdische Anbindung des Bahnhofs (City-Tunnel), die seit 10 Jahren(!) dort gebaut wird.

    Infrastruktur und Bausubstanz waren (und sind teilweise noch) auf dem schlechtesten Stand im Vergleich der Großstädte in Sachsen. Bis Mitte der 2000er konnte man dort noch mit dem Auto im wahrsten Sinne des Wortes erfahren, wie es in der DDR war. Sobald man aus dem Innenstadt-Kern herauskam, sah es in vielen Straßenzügen aus wie in manchen Gegenden von Detroit. Und das ist keine Übertreibung, denn ich kenne beide Städte nicht nur aus den Medien.
    Mit dem Weggang von Tiefensee (wurde ja Verkehrsminister) wurde es dann spürbar besser, insbesondere, was die Infrastruktur betrifft.
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  15. Schau dir mal das Bauherren-Handbuch an.. Sehr viele nützliche Infos!
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  16. #14

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    Zitat Zitat von Flocke Beitrag anzeigen
    Möchtet Ihr in wenigen Jahren wirklich gerne durch Städte wandeln und diese herrlichen WDVS Fassaden oder Plattenbauten knipsen? Ist nicht Euer Ernst.
    Die Plattenbauten der DDR sind die Fachwerkhäuser der Jahrhunderte davor. Zu ihrer Zeit waren sie nichts besonderes. Heute stehen sie für ihre Zeit. Warum sollten Plattenbauten nicht genauso erhaltenswert sein?

    Selbst die Reste der Berliner Mauer, die noch stehen, sind Zeugen ihrer Zeit.
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  17. #15
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    Sie haben allerdings nicht die Handwerkliche Qualität ein solches Alter zu erreichen.
    Das mit dem Denkmalschutz muß ich leider bestätigen. Bei einigen Projekten ist der Denkmalschutz oft hinderlich, wenn nicht gar kontraproduktiv. Hier sitzen Menschen in den Ämtern die Leider michts vom Handwerk und der tradition verstehen und völlig engstirnig Ihre Position durchsetzen. ( Studierte ohne hintergrundwissen ;-) )
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