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100% Finanzierung - Definitionssache?

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  1. #1

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    100% Finanzierung - Definitionssache?

    Hallo,
    wir haben vor bald 2 Jahren ein Haus gekauft, den Kaufpreis haben wir zu 100% finanziert, die Nebenkosten aus Ersparnissen. Hätten auch noch weiter gespart, aber das Haus war perfekt und ein echtes Schnäppchen.

    Wir haben eine Festschreibung auf 5 Jahre gewählt, da der Zins äußerst niedrig war (2,5%). Zwar gab es viele, die gesagt haben, der Zins könne nicht weiter sinken und wir sollen doch länger festschreiben, aber nun liegt der Zins bei 1,8% und wir ärgern uns fast schon ein bißchen

    Jedenfalls ist nun eine Frage aufgetaucht betreffs Anschlußfinanzierung, und zwar rechnen wir grad aus, was wir an Sondertilgung leisten müßten, um im Anschluß in eine bessere Beleihungsklasse zu kommen (80%).

    Daten: Hauspreis 149.000 Euro, Kredit 99 000 Euro normales Sparkassenimmobiliendarlehen sowie 50.000 kfw Wohneigentumsprogramm (5 Jahre tilgungsfrei).
    Tilgung beim Immodarlehen 2%, Restschuld nach 5 Jahren 87000 Euro (gerundet). Eine Sonderzahlung von 7.500 Euro kommt im Sommer. Bliebe eine Restschuld von 79.000 (inkl. Zinsvorteil 500 Euro für die Restlaufzeit wegen der Sondertilgung). Da wir das Wohneigentumsprogramm nicht außerplanmäßig tilgen können, können wir zum Erreichen einer 80% Beleihung höchstens noch eine weitere Sondertilgung für das normale Immodarlehen leisten. Die Frage war nun, wieviel.

    Nachdem wir eine Weile gerechnet hatten, fiel uns auf, daß der Begriff "100%-Finanzierung" sich nicht auf den Kreditbetrag bezieht (also 100 % vom Kaufpreis wurden finanziert), sondern auf den Beleihungswert.
    Wir gehen stark davon aus, daß unser Haus deutlich mehr wert ist als die bezahlten 150.000 Euro. Zieht man den reinen Grundstückswert ab, blieben für das Haus noch 65.000 Euro und es ist noch eine neue Doppelgarage vorhanden. Die geschätzten 60.000 kommen uns etwas wenig vor für ein Haus mit 200 qm, 35 Jahre alt, gut in Schuß und ohne Bauschäden oder Mängel. Inkl. Anbau und 3 Wintergärten. Vergleichbare Häuser hier in der Gegend kommen auf über 220.000 Euro.
    Nun beschleicht uns das Gefühl, die Bank habe uns eine 100% Finanzierung verkauft, obwohl das Haus eventuell deutlich geringer beliehen wurde.

    Wir fragen uns nun ob es sinnvoll wäre, nach Abschluß der Kernsanierung (Haus wird auch energetisch vollsaniert) ein Wertgutachten erstellen zu lassen, und damit womöglich eine deutlich bessere Beleihungsbewertung zu erhalten. Die 5-Jahres Festschreibung würde dann noch einen weiteren Nutzen erfüllen, da innerhalb dieses Zeitraums die Komplettsanierung abgeschlossen wäre und das Haus damit nochmal zum Stichtag "Anschlußfinanzierung" aufgewertet würde. Bei einer längeren Festschreibung könnten wir auch erst nach 10 Jahren von einer besseren Bewertung profitieren.

    Was muß man bei Auftragserteilung für ein solches Sachwertgutachten bedenken, daß die bisher finanzierende Bank dieses auch anerkennt und dabei eventuell auch eine größere Abweichung zur bisherigen Einschätzung akzeptiert? Das vorhandene Gutachten hat die Bank erstellen lassen und wir haben keinen Einblick erhalten. Wir wissen also nicht wie das Haus derzeit bewertet wird.
    Jedenfalls fühlen wir uns leicht betuppt, da unserer Meinung nach (nach Vergleichen mit zum Kauf angebotenen Häusern im Umkreis) eher eine 70 oder 80% Beleihung stattgefunden hat, die Bank einen aber im Unklaren darüber läßt, was sie an Wert ermittelt hat und einfach eine 100% Beleihung verkauft.
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  2. 100% Finanzierung - Definitionssache?

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  3. #2

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    Zitat Zitat von Shanau Beitrag anzeigen
    Wir gehen stark davon aus, daß unser Haus deutlich mehr wert ist als die bezahlten 150.000 Euro.
    Das würde mich sehr wundern. Habt Ihr den Kauf ohne Makler und Sachverständigen durchgeführt?

    Es ist aber auch egal, was Ihr denkt. Wichtig ist das, was die Bank von dem Haus hält.

    die Bank einen aber im Unklaren darüber läßt, was sie an Wert ermittelt hat und einfach eine 100% Beleihung verkauft.
    Wer hat das Gutachten bezahlt?

    Nochmals: Es spielt keine Rolle, was Ihr glaubt, welchen Wert das Haus hat oder welchen Wert das Haus wirklich hat. Es gibt auch keine vorgeschriebenen Zinssätze. Die können die Banken frei wählen. Ich muss einen höheren Zinssatz bezahlen, weil das Darlehen zu klein ist.
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  4. #3
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    Das Haus haben wir ohne Makler direkt vom Eigentümer gekauft. Makler hätten wir nie gemacht, das ist einfach rausgeschmissenes Geld. Ein Sachverständiger war da, aber von der Bank beauftragt. Der hat das Gutachten geschrieben, das wir nicht einsehen konnten. Dieses wurde auch von der Bank bezahlt. Zumindest ist es nicht im Kreditvertrag aufgeführt aber ich geh mal davon aus, daß die Bank das schon in die Zinskosten mit eingerechnet hat (intern).

    Es ist mir schon klar, daß es für die Bank egal ist was wir glauben, aber genau deswegen wollen wir ja ein eigenes Gutachten in Auftrag geben. Es geht uns nur darum, daß die Bank das dann auch anerkennt. Von der Bank wissen wir, daß es ohnehin nach 5 Jahren eine Neubewertung geben wird, weil wir das Haus kernsanieren (kfw finanziert). Diesmal hätten wir aber gern Einsicht in das Gutachten und zudem gern noch die Möglichkeit, es eventuell zu verwenden, um alternative Kreditangebote einzuholen. Daß man den ursprünglichen Kaufpreis nicht als Beleihungswert nehmen kann, ist klar.

    Übrigens würde es mich sehr wundern, wenn das Haus tatsächlich nur mit 150000 Euro von der Bank bewertet wurde, denn ansonsten wäre es doch recht verwunderlich, daß die Bank Grundschulden im Wert von 210 000 Euro eingetragen hat. Man kann ein Haus doch nicht über Wert belasten? Die zusätzlichen 60 000 kamen durch den später beantragten Sanierungskredit der kfw zusammen.
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  5. #4
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    Noch ein Nachtrag: bei uns macht das Ortsgericht auch "Schätzungen", ziemlich günstig. Wird so eine Schätzung (steht weiter leider nix dabei) auch von den Banken anerkannt oder muß es ein Sachwertgutachten von einem unabhängigen Sachverständigen sein?
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  6. #5

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    Zitat Zitat von Shanau Beitrag anzeigen
    Übrigens würde es mich sehr wundern, wenn das Haus tatsächlich nur mit 150000 Euro von der Bank bewertet wurde, denn ansonsten wäre es doch recht verwunderlich, daß die Bank Grundschulden im Wert von 210 000 Euro eingetragen hat. Man kann ein Haus doch nicht über Wert belasten? Die zusätzlichen 60 000 kamen durch den später beantragten Sanierungskredit der kfw zusammen.
    Die Bank geht davon aus, dass das Haus nach der Sarnierung 150 t€ + 60 t€ = 210 t€ Wert ist.

    Natürlich kann man ein Grundstück über Wert belasten. Normalerweise belastet man ein Grundstück schon vor Beginn der Bauarbeiten, so dass die eingetragene Grundschuld zumindest zu Beginn immer deutlich über dem Wert des Grundstücks liegt.

    Wird so eine Schätzung (steht weiter leider nix dabei) auch von den Banken anerkannt
    Wem würdest Du mehr glauben? Einer Partnerfirma, mit der Du schon jahrelang zusammengearbeitest und die keinerlei Interessen an den von ihr begutachteten Immobilien hat und Dich nie enttäuscht hat oder jemandem, der vom Schuldner ausgesucht und bezahlt wird?
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  7. #6

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    Was ich jetzt nicht verstehe: Wieso habt ihr 210 TEUR GS eingetragen wenn ihr nur 149 TEUR Kredit aufgenommen habt?

    Kennst du schon den Unterschied zwischen Marktwert/Verkehrswert und Beleihungswert?

    Du hast selbst 149 TEUR als Käufer auf den Tisch gelegt (=Marktwert), sagst aber im selben Atemzug es sei mehr wert? (=Marktwert)

    Okay, eine Garage ist dazu gekommen. Das wird den Wert nicht mindern, vielleicht ein wenig erhöhen. Aber das ist ein wenig so wie Klimaanlage oder Alufelgen beim Auto. Kostet jede Menge extra, der Mehrwert auf dem Gebrauchtwagenmarkt ist aber eher gering weil das fast jedes Auto hat.

    Und jetzt der Beleihungswert. Der liegt immer deutlich unter dem Marktwert.

    Du wirst von einem Gutachter im Übrigen immer ein Verkehrswert/Marktwertgutachten bekommen, welches dann einer Bank als Grundlage für die Ermittlung des Beleihungswertes dienen kann.

    Im Übrigen kann jede Bank den Risikoaufschlag, das Zinsniveau, den Sicherheitenwert und somit deine Kondition im Prinzip willkürlich festlegen. Da bringt es dir im Zweifelsfall wenig wenn du der Bank beweisen möchtest, dass das Haus nicht 150 sondern 200 TEUR wert ist.

    So kann es sein, dass du bei Bank X die 90% Kondition bekommst, bei Bank Y aber die 80%.

    So what.
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  8. #7

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    Jetzt ist meine Neugier geweckt. Welche Kondition habt ihr beim Kfw 50T€? bei uns hatte der Verkäufer uns ein Gutachten gegeben wo grob der Verkehrswert mit 183000 angegeben. Das haben wir der Bank überreicht und eine vollfinanzierung zum Verkaufspreis 155000 bekommen. Allerdings nicht zu deinen Konditionen. Viele Banken erkennen den kfw Kredit als Eigenkapital an. Vielleicht war das bei euch auch so. Den so wenig Zinsen bei vollfinanzierung soll mich sehr wundern.
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  9. #8

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    @BenLuc

    Sprichst du vom Programm 124 (Wohn) oder 153 (Energieeff)? Die Konditionen für diese Programme sind unabhängig von allen anderen Finanzierungsbestandteilen.

    Die KFW-Gelder werden als Weiterleitungsdarlehen von der Bank an den Kunden herausgegeben und mit der KFW, bzw. regionalen Banken mit Sonderaufgaben (z.B. NRW.Bank) gegenfinanziert. In den Konditionen steht deutlich, dass die Kreditmittel mit üblichen Sicherheiten (Grundschuld innerhalb des Beleihungswertes) zu besichern sind. Die Mittel wirds wohl kaum blanko ontop geben. Von Eigenkapital sind wir also ganz weit weg.

    Das Einzige, was u.U. von einigen wenigen Banken gemacht wird ist die Tatsache, dass die eigenen Kredite erstrangig gerechnet werden, diese ins Verhältnis zum BW gesetzt werden und man dann eine relativ günstige Kondition für diesen Kredit erhält. Dann kommt die KFW. Da ist der BW egal, solange noch Sicherheit vorhanden ist, dann kommen öffentliche Gelder und dann das Eigenkapital. Aber alle drei Kredite müssen irgendwie durch den Beleihungswert gedeckt sein.
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  10. #9
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    @ BenLuc
    Die Zinsen beim KFW Wohneigentumsprogramm (124) betragen 2,1%. Beim normalen Immodarlehen 2,56% und für den kfw Sanierungskredit Effizienzhaus 100 0,7%.
    Die ersten beiden sind auf 5 Jahre festgeschrieben, die kfw Kredite sind beide 5 Jahre tilgungsfrei, da in den ersten Jahren besonders hohe Kosten anfallen und wir auch noch einen Autokredit laufen hatten.
    Ratenhöhe für das 99 000 Darlehen sind 376 Euro, für kfw 124 zahlen wir derzeit 90 Euro und für kfw Sanierung 37 Euro. Nach den 5 Jahren wollen wir das Immodarlehen und das kfw 124 zusammen in einen Topf packen (Grundschuld läuft eh zusammen über 149 000). Und das Sanierungsdarlehen ist ja 10 Jahre lang so zinsgünstig, dh, dieses wird erst bei der nächsten Anschlußfinanzierung wahrscheinlich ebenfalls in ein normales Immodarlehen umgewandelt, je nach angebotenem Anschlußzins (bei 0,7% wird der aber wohl nicht bleiben).

    Immodarlehen und kfw 124 sind erstrangig zusammen als Grundschuld eingetragen, kfw 153 zweitrangig aber mit zusätzlicher Abtretung einer Risiko LV, für die wir monatlich 15 Euro zahlen (Rauchertarif, 100k Euro bei Tod, 100k extra bei Unfall).

    Zum Beleihungswert: eigentlich haben wir durch die Vollfinanzierung doch sogar über Beleihungswert finanziert? Wenn man davon ausgeht daß die 149 000 Euro der Sachwert waren und der Beleihungswert einen Sicherheitsabschlag von 20% enthält, dann dürfte der Beleihungswert also eher 120 000 Euro betragen, also am Ende eine 130% Finanzierung? Das käme mir unwahrscheinlicher vor als einfach anzunehmen, das Haus sei deutlich mehr wert als 149 000, die wir bezahlt haben. Es ist ja keine Bruchbude, sondern ein grundsolides, vollkommen mangelfreies Haus, bloß atemberaubend häßlich gewesen (70er Jahre Bäder, Tapeten und Holzfassade).
    Die Garage ist deutlich mehr wert als üblich, da hierfür der Hang weggesprengt werden mußte, das war sicher auch nicht kostenlos zu haben. Entsprechend sind wir das einzige Haus mit Garage und Grundstückszugang von der Straße aus. Die andern müssen von einem inoffiziellen Wirtschaftstrampelpfad der Stadtwerke zu ihren Häusern (von oben am Hang) und stellen ihre Autos ohne Unterstand vor dem Haus ab.
    Eine Garage nachträglich zu errichten ist aufgrund des Bebauungsplans auch unmöglich. Der Nachbar hat es versucht, ihm wurde aufgetragen, wegen des Baufensters mindestens 6 Meter von der Straße wegzubleiben, wodurch er 16 Meter in den Hang (und 8 Meter hoch) hätte sprengen müssen, bis ans Haus ran.
    Die Garage ist also ein besonderes Schmankerl hier, das muß man mit berücksichtigen denk ich.

    Die 60 000 Euro Sanierung wird den Hauswert wohl nicht um 60 000 Euro steigern denk ich. Das wäre der rein energetische Teil. Das rein optische (alle Decken, Wände und Böden neu beplanken und mit Belägen versehen) machen wir nebenher noch in Eigenleistung. Da ist es schwer zu sagen was das finanziell bringt, weil wir nur übers Material Rechnungen haben, aber nicht über die geleistete Arbeit.

    Also fasse ich zusammen: ein eigenes Gutachten bringt nix, man muß sich eben der Willkür der Banken ausliefern. Richten die sich dann nach dem Kaufpreis plus Sanierung und gehen dann danach wieviel der Gesamtsumme man finanzieren will? Dann könnte ich zumindest ansatzweise berechnen, wieviel an Sondertilgung wir noch bis zur Anschlußfinanzierung leisten müssen.
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  11. #10

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    Zitat Zitat von Shanau Beitrag anzeigen
    Richten die sich dann nach dem Kaufpreis plus Sanierung und gehen dann danach wieviel der Gesamtsumme man finanzieren will?
    Kaufpreis ist klar, Sanierung ist so eine Sache. Kommt darauf an was, wie saniert wurde, und wie man das nachweisen kann. Ansonsten wird die Bank eine Begutachtung vornehmen lassen, vor allen Dingen wenn die Zahlen eher eng sind

    Das rein optische (alle Decken, Wände und Böden neu beplanken und mit Belägen versehen) machen wir nebenher noch in Eigenleistung. Da ist es schwer zu sagen was das finanziell bringt,.....
    .

    Das sind Gimmicks. Bei einem Haus setzt man voraus, dass es bewohnbar ist, und ob da Blattgoldtapeten an der Wand hängen spielt keine große Rolle. Das wird an sich beim Ausstattungsstandard schon pauschal berücksichtigt.

    Für die Wertermittlung gibt es Vorgaben. Diese sollen sicherstellen, dass unabhängig von der Person die begutachtet, in allen Fällen in etwa der gleiche Wert ermittelt wird. Das funktioniert in der Praxis natürlich nur bedingt.
    Als Hauseigentümer sieht man das bekanntermaßen völlig anders. Man hat einen Bezug zum Haus, vielleicht manche Arbeiten auch noch selbst gemacht, und in seinen Augen ist doch alles gut. Ein neutraler Fachmann kann das völlig anders einschätzen. Er blendet die rosa Brille aus und schaut nur nach Fakten.

    Zum Beleihungswert: eigentlich haben wir durch die Vollfinanzierung doch sogar über Beleihungswert finanziert?
    Das ist sehr gut möglich, und die Bank wird dieses erhöhte Risiko sicherlich beim Zinssatz berücksichtigt haben. Ob eine Bank bei solchen grenzwertigen Finanzierungen mitspielt hängt von vielen Faktoren ab. Da spielen dann die anderen Zahlen (Einkommen, sonstiges Vermögen etc.) eine Rolle, aber auch so Dinge wie Kundenbindung, Kontoführung etc. Letztendlich kann man sich auf diese weichen Faktoren aber nicht berufen, das hängt dann von der Bank bzw. den Mitarbeitern ab.

    Solche Angaben wie 60% Beleihungswert oder 100% oder 115% sind mehr für den Kunden gedacht. Die Bank rechnet intern sowieso etwas anders. Das ist von Institut zu Institut unterschiedlich. So kann es dann zu einer Situation kommen, dass eine Bank bei 80% ablehnt während die andere eine Zusage erteilt, oder bei der einen Bank gibt es schlechtere Konditionen als bei der anderen.
    Nicht alle Fälle sind eindeutig, und sobald es grenzwertig wird, ist es vorbei mit Schema F.
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  12. #11

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    Zitat Zitat von Shanau Beitrag anzeigen
    dann dürfte der Beleihungswert also eher 120 000 Euro betragen, also am Ende eine 130% Finanzierung? Das käme mir unwahrscheinlicher vor
    Warum sollte das unwahrscheinlich sein?
    Die Garage ist deutlich mehr wert als üblich, da hierfür der Hang weggesprengt werden mußte, das war sicher auch nicht kostenlos zu haben.
    Die Garage ist deshalb nicht mehr Wert als jede andere Garage in gleicher Größe und gleicher Bauart. Ein paar hundert Meter weiter hätte man die Garage waherscheinlich einfacher bauen können.
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  13. #12
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    Ja das stimmt, der Hang wird Richtung Serpentinenkurve flacher... aber ich ging bisher davon aus, daß zb bei einem Neubau die Baukosten als Sachwert angenommen werden. Bei Hanglage sind die Baukosten ja immer deutlich höher als bei flachem Grundstück. Schließlich sind aufwändige Sicherungsmaßnahmen durchzuführen und sobald gegraben werden muß, wirds schwierig, da hier zb der Fels direkt bei -30 cm Boden anfängt. Gehen solche Kosten nicht in den Wert mit ein?
    Und wie ist das eigentlich mit der Lage vor Ort... eine unverbaubare Aussicht über das gesamte Tal, oder uneinsehbare Fenster weil der Nachbar mit seinem Haus 10 Meter tiefer steht, wird sowas berücksichtigt? Habe die Bewertungsgrundlagen selbst noch nie gesehen aber wäre doch mal interessant zu erfahren.

    Zur Beleihung über Wert: war bisher der Ansicht, daß eine Bank wohl nur soviel Geld verleiht, wie sie durch Verwertung des Objekts wieder reinbekommen kann, sollte die Finanzierung den Bach runtergehen. Zumindest liest man das überall so. Daher meinte ich es sei unwahrscheinlich, daß die Bank deutlich mehr Geld herausgibt. Wo sind da die Sicherheiten?
    Es ist auch nicht so daß wir langjährige Kunden gewesen wären oder noch andere Konten oder Geldanlagen bei der Bank gehabt hätten. Diese Bank hat uns ein Finanzmakler vermittelt, wir waren vorher nicht Kunde dort. Wir haben auch kein sonstiges verwertbares Riesenvermögen oder besonders sichere Jobs (also keine Beamten), sondern nur einen Alleinverdiener. Der einzige Grund der mir einfiele für die "Großzügigkeit" der Bank wäre eben, wenn das Haus mehr wert wäre als wir bezahlt haben. Wie gesagt, der Vergleich mit anderen Angeboten hier im Ort legt das auch nahe. Darum haben wir ja auch so schnell zugegriffen, weils eben einmalig günstig war.

    Vielen Dank für die vielen hilfreichen Hinweise!
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  14. #13

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    Zitat Zitat von Shanau Beitrag anzeigen
    Bei Hanglage sind die Baukosten ja immer deutlich höher als bei flachem Grundstück.
    Dementsprechend günstiger sind dann Grundstücke mit Handicaps zu bekommen. Wenn man erst Hindernisse beseitigen muss, um das Grundstück überhaupt nutzen zu können, drückt das den Wert.
    war bisher der Ansicht, daß eine Bank wohl nur soviel Geld verleiht, wie sie durch Verwertung des Objekts wieder reinbekommen kann, sollte die Finanzierung den Bach runtergehen.
    Nein. Die Bank geht natürlich ein Risiko ein, das sie sich durch die Zinsen bezahlen lässt. Niemand garantiert, dass ein Haus, dass 150 t€ Wert ist, auch für 150 t€ verkauft wird. Bei uns im Ort wurden schon einige Häuser deutlich unter Wert versteigert.
    Zumindest liest man das überall so.
    Das habe ich noch nicht gelesen.
    Daher meinte ich es sei unwahrscheinlich, daß die Bank deutlich mehr Geld herausgibt. Wo sind da die Sicherheiten?
    Wenn ich heute zur Bank gehe und sage, ich hätte gerne einen Kredit über ein Jahres-Netto-Einkommen, habe ich das Geld nächste Woche auf meinem Konto. Komplett ohne Sicherheiten.
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  15. Schau dir mal das Bauherren-Handbuch an.. Sehr viele nützliche Infos!
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  16. #14

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    Zitat Zitat von Shanau Beitrag anzeigen

    Zur Beleihung über Wert: war bisher der Ansicht, daß eine Bank wohl nur soviel Geld verleiht, wie sie durch Verwertung des Objekts wieder reinbekommen kann, sollte die Finanzierung den Bach runtergehen. Zumindest liest man das überall so. Daher meinte ich es sei unwahrscheinlich, daß die Bank deutlich mehr Geld herausgibt. Wo sind da die Sicherheiten?
    Das ist alles ein bisschen komplizierter, und größere Banken beschäftigen ganze Abteilungen die sich nur um das risk management kümmern. Natürlich versucht die Bank das Risiko möglichst gering zu halten, aber selbst bei einem Neubau wird sie intern Abschläge vornehmen, weil sie genau weiß, dass ein Objekt das heute für 200T€ gebaut wird, morgen zu diesem Preis nicht verkauft werden kann. Wenn es zum Verwertungsfall kommt, dann interessiert der Kunde sowieso nicht mehr, sondern dann geht es darum möglichst schnell möglichst viel Geld aus den Sicherheiten zu erlösen. Da kann es für die Bank wirtschaftlicher sein das Haus um 10T€ günstiger zu verkaufen, und sie hat es in 4 Wochen aus den Büchern, als zu hoffen, dass man etwas mehr erzielt und dafür ein Jahr lang rumziehen muss.
    Wie hoch deren interne Abschläge sind, das bleibt deren Geheimnis. An sich ist das für den Kunden sowieso uninteressant, denn auf eine Diskussion mit dem Kunden über den Wert des Gebäudes wird sich die Bank nicht einlassen. Wenn es Unklarheiten gibt dann schicken die einen eigenen SV hin.

    Der einzige Grund der mir einfiele für die "Großzügigkeit" der Bank wäre eben, wenn das Haus mehr wert wäre als wir bezahlt haben.
    Das denkst Du. Der wahrscheinlichere Grund ist, dass die Bank einfach das Risiko entsprechend angesetzt und daraus die Konditionen ermittelt hat. Zudem darf man nicht vergessen, dass die Banken schon seit einiger Zeit mit Geld geflutet werden, die wissen gar nicht wohin damit und zahlen dafür, dass sie es bei der EZB parken dürfen. Diese Menge an Geld die im Markt ist hat nur den Zweck die Risikobereitschaft der Banken zu erhöhen, nachdem diese vorher teils sehr restriktiv Kredite vergeben haben.

    Erinnern wir uns zurück, Neuer Markt, Boom, Geld war in Mengen vorhanden. Es reichte wenn Du mit Deinem Personalausweis in die Bank marschiert bist, schon hattest Du Geld, meist mehr als Du benötigt hast, und oft auch mehr als Du zurückzahlen konntest. Geld war in Mengen da, also musste man damit auch Geschäfte machen.
    Dann kam der crash, an jeder Ecke wurde geheult, die vielen Leichen in den Bilanzen der Banken kamen zum Vorschein und es verging kein Quartal an dem nicht Abschreibungen getätigt werden mussten. Dann hat man sich an Basel etc erinnert. und so manche Bank musste feststellen, dass sie nach Korrektur der Zahlen nicht einmal die grundlegendsten Anforderungen erfüllt. Also wurden erst einmal die Bilanzen aufpoliert, Kreditkunden waren dabei eher lästig. Das Ergebnis war, kaum Privatkredite (Konsum geht in den Keller) so gut wie keine Firmenkredite (Wirtschaft geht erst Recht in den Keller). Das ging sogar so weit, dass manche Banken krampfhaft versucht haben aus bestehenden engagements auszusteigen.
    Irgendwann hat die Politik dann festgestellt, aua, es geht überall bergab, wir müssen gegensteuern. Jetzt befinden wir uns wieder in einer Situation in der sich die Banken an sich unbegrenzt finanzieren können, und wenn das nicht reicht, springt die Politik sowieso ein (die sind ja systemrelevant).

    Warum ich das schreibe, Du denkst logischerweise erst einmal an das Naheliegendste, sprich Haus ist mehr wert, super Schnäppchen gemacht, aber die wahren Gründe liegen tiefer. Warum man das wissen sollte, weil die Stimmung ganz schnell wieder kippen kann, und dann sollte man als Kreditnehmer schon sehr genau wissen wo man steht.
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  17. #15
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    Mit diesen Hintergrundinfos sieht die Sache tatsächlich schon anders aus. Ich ziehe daraus den Schluß daß es umso sinnvoller ist, soviel wie möglich zu tilgen (beziehe mich dabei auf deinen letzten Satz). Ich werd mich dann wohl einfach überraschen lassen, wie die Anschlußkonditionen dann aussehen, beeinflussen kann ich das als Kunde, wenn ich alles was hier schon geschrieben wurde richtig verstehe, ohnehin nicht.
    Und so ein Sachwertgutachten macht dann auch nur Sinn, wenn man verkaufen will, aber nicht, um eine bessere Verhandlungsposition bei Banken zu haben, seh ich das soweit richtig?
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