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"atmender" Innenputz - Tonputz. Was haltet ihr davon?

Diskutiere "atmender" Innenputz - Tonputz. Was haltet ihr davon? im Forum Außenwände / Fassaden auf Bauexpertenforum.de


  1. #1

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    "atmender" Innenputz - Tonputz. Was haltet ihr davon?

    Hallo zusammen.

    Ich bin momentan noch in der Planungsphase für unser Einfamilienhaus. Um ein gesundes Raumklima zu bekommen, habe ich mir überlegt, das Haus einschalig mit Ziegel zu mauern (Hochlochziegel, gefüllt oder nicht). Das Thema, das mich beschäftigt ist das, dass die Wand Luftfeuchtigkeit auf- und wieder abgeben kann/sollte. Jetzt habe ich aber auch schon im privaten Umfeld gehört, dass das mit dem "Atmen" der Wand bei Tonziegel eh nicht funktioniert, da der Putz in der Regel nicht diffusionsoffen ist und somit die regulierende Wirkung des Tonziegels nicht stattfinden kann.

    Wie ist eure Meinung dazu?

    Ich habe im Internet jetzt von Tonputz gelesen, der zumindest für den Innenputz eingesetzt werden kann und der diffusionsoffen ist. Von der Verarbeitung her soll er jedoch sehr aufwendig (=teuer) sein, da er von Hand aufgetragen werden muss.

    Hat jemdand Erfahrung mit solch einem "atmenden" Innenputz? Und wie ist der Preisunterschied zu herkömmlichen Kalk/Zement-Putz, der mit der Maschine verarbeitet werden kann?

    Ich habe auch gelesen, dass bei Tonputz Risse bei der Trocknung auftreten können. Wie hoch schätzt ihr das Risiko ein und wie kann man diesem Problem entgegenwirken?

    Wenn der Tonputz und dessen Arbeitskosten recht teuer ist im Vergleich zu herkömmlichen Putzsorten, habe ich mir überlegt, dass man z.B. nur in den häuftig genutzten Wohnräumen (Küche, Esszimmer, Wohnzimmer, Arbeitszimmer) diesen Putz verwendet und im Rest des Hauses den anderen. Ist eurer Meinung so eine Überlegung sinnvoll und technisch machbar? Oder vertragen sich die beiden Putzarten evtl. nicht?

    Ich danke euch schon mal für eure Meinungen und Ratschläge
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  2. "atmender" Innenputz - Tonputz. Was haltet ihr davon?

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  3. #2

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    Ich atme jetzt mal ganz tief Luft ein, damit ich laut schreien kann:

    Atmende Wände - was für ein Blödsinn!
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  4. #3
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    Atmen ist umgangssprachlich evtl. falsch beschrieben. Ich spreche natürlich von diffusionsoffenem Innen-Putz.
    Und Ton ist zumindest diffusionsoffen. Die Frage ist, welcher Putz das auch ist...
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  5. #4

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    Zitat Zitat von bigmasterbe Beitrag anzeigen
    Das Thema, das mich beschäftigt ist das, dass die Wand Luftfeuchtigkeit auf- und wieder abgeben kann/sollte. Jetzt habe ich aber auch schon im privaten Umfeld gehört, dass das mit dem "Atmen" der Wand bei Tonziegel eh nicht funktioniert, da der Putz in der Regel nicht diffusionsoffen ist und somit die regulierende Wirkung des Tonziegels nicht stattfinden kann. Wie ist eure Meinung dazu?
    Weder Wände noch Putz können atmen, denn sie haben weder Lunge noch Kiemen.

    Alle im Innenbereich üblichen Putze können Feuchtigkeit puffern und sind diffusionsoffen. Lehmputz hat die höchste Speicherfähigkeit.

    http://www.oekologisch-bauen.info/fo...-lehm-532.html
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  6. #5
    Stolzenberg
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    Atmen tut maximal ein altes Fachwerkhaus. Denn dieses wird zumindest in seiner Außenhülle über die Jahreszeiten größer und kleiner. Diese Gebäudehüllen sind einfach nicht zuverlässig luftdicht zu bekommen.

    Du planst einen Neubau der eine dichte Gebäudehülle haben wird. Lehmbauplatten oder Lehmputze können da durchaus interessant sein um einen Feuchtepuffer zu schaffen und ein angenehmes Wohnklima zu erreichen... Hier bietet sich dann ggf. auch eine Kombination mit einer Wandheizung an. Alles weitere dazu und zu Transmissionswärmeverlusten sagt Dir dann Dein Planer...

    Liebe Grüße aus dem Harz!

    PS: Den Planer nicht verklagen wenn der Putz einfach nicht atmen will!!!
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  7. #6

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    Zitat Zitat von bigmasterbe Beitrag anzeigen
    Atmen ist umgangssprachlich evtl. falsch beschrieben. Ich spreche natürlich von diffusionsoffenem Innen-Putz.
    Und Ton ist zumindest diffusionsoffen. Die Frage ist, welcher Putz das auch ist...
    und was soll da diffundieren? und wohin?

    Nicht wundern wenn man Dir hier versuchen wird die Bauphysik etwas näher zu bringen, selbst wenn dafür die Holzhammermethode notwendig werden sollte. Man lässt sich leider sehr oft von Mythen beeindrucken, und dann sitzt man auch schnell solchen Sprüchen wie "den atmenden Wänden" auf.

    Um es kurz zu machen, da atmet nichts und da diffundiert auch nichts durch die Wände hindurch. Feuchtigkeit aus den Räumen muss durch Lüften entfernt werden, daran führt kein Weg vorbei. Der Putz kann nur bedingt Feuchtigkeit speichern und diese wieder an den Raum abgeben. Kann er diese Feuchtigkeit nicht wieder abgeben, weil die Feuchtigkeit in den Räumen ständig zu hoch ist, dann hast Du ein Problem.

    Es gibt also viele Argumente für oder gegen einen bestimmten Putz, die Diffusion von Feuchtigkeit spielt hier aber nur eine untergeordnete Rolle.

    Damit beantwortet sich auch Deine Frage ob es sinnvoll ist, nur einzelne Räume mit einem bestimmten Putz zu versehen. Natürlich kann man das machen, völlig unabhängig von irgendwelcher Wasserdampfdiffusion, aber ob das sinnvoll ist, das steht auf einem anderen Blatt.
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  8. #7
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    Danke für die Antworten bisher.
    Ich habe schon gelernt, dass man diffusionsoffen nicht mit dem Wort "atmen" verwechseln sollte, das Feedback hier war deutlich ;-)

    Aber ist es nicht so, dass nicht nur der diffusionsoffene Putz Feuchtigkeit aufnimmt, sondern auch der Tonziegel, der ja mit dem Putz in Kontakt ist?

    Mir ist klar, dass die Feuchtigkeit nicht von Innen nach Aussen komplett durch diffundiert und dort vom Winde verweht wird. Ich meinte, dass zumindest die Raumfeuchtigkeit in den Putz und den Tonmauerziegl diffundiert und - bei trockener Raumluft - wieder zurück in den Raum abgegeben wird.
    Die feuchtigkeitsregulierende Wirkung von diffusionsoffenen Putzen und Tonziegel wird ja immer von den Herstellern als Vorteil für ein angenehmes Raumklima angepriesen.
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  9. #8

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    Wenn die Feuchtigkeit bis zum Wandbildner(egal welchem) durch den Putz durchtritt, dann hast Du ein ganz anderes Problem als die Speicherfähigkeit des Putzes!
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  10. #9

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    Zitat Zitat von bigmasterbe Beitrag anzeigen
    Mir ist klar, dass die Feuchtigkeit nicht von Innen nach Aussen komplett durch diffundiert und dort vom Winde verweht wird.
    Doch tut sie, aber nur in einem Bereich von 0,5 - 3% der anfallenden Feuchtigkeit. Der Rest geht mit natürlichen Legagen (in älteren Häusern), mit KWL oder durch Lüften.

    Was Du letztendlich meinst, ist das Sorptionsverhalten von Putzen. Dies passiert aber (je nach Stärke) i. d. R. nur im Putz selbst.
    Und ja, da gibt es massive Unterschiede. Da liegt u. a. Lehm ziemlich weit vorne.

    Aber warum dann Ton und nicht Lehm?
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  11. #10
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    Zitat Zitat von sarkas Beitrag anzeigen
    Was Du letztendlich meinst, ist das Sorptionsverhalten von Putzen. Dies passiert aber (je nach Stärke) i. d. R. nur im Putz selbst.
    Und ja, da gibt es massive Unterschiede. Da liegt u. a. Lehm ziemlich weit vorne.

    Aber warum dann Ton und nicht Lehm?
    Warum Ton? Ich habe gelesen, dass Tonputz auf einmal aufgetragen werden kann. Bei Lehm sollen es zwei Aufträge sein, was ja dann die doppelte Verarbeitungszeit (=kosten) bedeutet. Liege ich da richtig?
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  12. #11
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    Zitat Zitat von Ralf Dühlmeyer Beitrag anzeigen
    Wenn die Feuchtigkeit bis zum Wandbildner(egal welchem) durch den Putz durchtritt, dann hast Du ein ganz anderes Problem als die Speicherfähigkeit des Putzes!
    Und welches?
    Der Tonziegel wird ja nicht schimmeln, wenn er diffusionsoffen ist, oder? Vorausgestetzt bei regelmäßiger Raumlüftung natürlich, so dass die Feuchtigkeit auch wieder aus dem Toniegel und dem Putz abgegeben wird.
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  13. #12

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    Zitat Zitat von bigmasterbe Beitrag anzeigen
    Die feuchtigkeitsregulierende Wirkung von diffusionsoffenen Putzen und Tonziegel wird ja immer von den Herstellern als Vorteil für ein angenehmes Raumklima angepriesen.
    Aber klar doch, die müssen ja auch verkaufen. Du wirst auch keinen Autoverkäufer bei BMW finden der Dir sagt, dass ein Audi genau so gut ist.

    Man muss bei der Speicherung von Feuchtigkeit auch das Zeitverhalten betrachten. Wenn es so weit sein sollte, dass die Feuchtigkeit bereits in das Mauerwerk vordringt, dann dürfte das Wasser an der Putzoberfläche bereits von der Wand tropfen. Wer solche Bedingungen in seinem Haus hat, sollte schnellstens nach der Ursache suchen, denn irgendwo her muss die Feuchtigkeit ja kommen. Mit normaler Luftfeuchtigkeit hat das dann nichts mehr zu tun.

    Überlegen wir mal, 1m3 Luft mit 60% rel. Luftfeuchte und 20°C enthält grob 10gramm Wasser. Wozu sollte man dann 70gr/m2 im Putz speichern wenn nicht ständig Feuchtigkeit nachgeführt würde? Wenn aber ständig Feuchtigkeit nach kommt, dann stellt sich doch die Frage, woher? und ob man das nicht besser abstellt.

    Die Bewohner geben Feuchtigkeit ab, das Nutzerverhalten (kochen, duschen) sorgt ebenso für feuchte Raumluft. Die Mengen die in solchen "kritischen" Räumen anfallen kann man aber nicht alleine über den Innenputz "regulieren", der wäre damit hoffnunglos überfordert. Es geht ja nicht nur um die Menge an "Wasser" die ein Stoff aufnehmen kann, sondern auch um die Zeit die dafür notwendig ist. Also muss man lüften.

    Früher haben die undichten Fenster das Lüften übernommen, heute muss halt der Bewohner dafür sorgen. Sinnvollerweise bedient er sich dann einer KWL, aber es spricht auch nichts dagegen, dass er selbst ständig lüftet.
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  14. #13

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    Zitat Zitat von bigmasterbe Beitrag anzeigen
    Und welches?
    Der Tonziegel wird ja nicht schimmeln, wenn er diffusionsoffen ist, oder? Vorausgestetzt bei regelmäßiger Raumlüftung natürlich, so dass die Feuchtigkeit auch wieder aus dem Toniegel und dem Putz abgegeben wird.
    Das ist unlogisch. Um diese Mengen aus dem Putz in die Raumluft zu transportieren um sie wieder aus der Bude zu lüften, müsstest Du stundenlang die Fenster geöffnet halten. Wenn das aber der Fall wäre, dann würde erst gar keine so hohe Luftfeuchtigkeit entstehen.
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  15. Schau dir mal das Bauherren-Handbuch an.. Sehr viele nützliche Infos!
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  16. #14
    Stolzenberg
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    Lehm ist ein PUFFER! - Und in meinen Augen maximal sinnvoll wenn man mittels Strahlungswärme heizt und ein Problem mit zu trockener Luft hat (Ofen, Wandheizung)...
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  17. #15
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    Aha. Das heisst, bzgl. eines guten Raumklimas kommt es dann nur auf die Feuchtigkeitsspeicherung und Diffusionseigenschaften des Innenputzes an, der Wandbildner spielt in dieser Beziehung also keine Rolle, sei es Tonziegel, Ytong, Beton, Holzständerbauweise, etc... richtig?

    Warum preisen dann die Tonziegel-Lobbyisten ständig diese tollen Eigenschaften an, wenn sie bzgl. des Raumklimas überhaupt keine Rolle spielen? Die können doch nicht alle Augenwischerei betreiben...?

    Was bleibt dann noch als Vorteil für die gefüllten oder ungefüllten Tonziegel übrig?
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