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Lautstaerkereduzierung Stanzraum

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  1. #1
    BenjaminM
    Gast

    Lautstaerkereduzierung Stanzraum

    Ich habe eine Frage fuer Euch Experten. Wir haben hier eine Fabrik mit einer kleinen die cutting Abteilung, wo Panels ausgestanzt werden. Der Raum ist klein, etwa 10 Meter mal drei Meter, und beherbergt in der Regel etwa 5 – 7 Arbeitsplaetze, an denen gestanzt wird. Der Geraeuschpegel steigt bei Normalbetrieb bis auf 90-95 db als Maximum, aber nur in peaks, wenn die Stanzen auf die Grundplatte / Stanzflaeche stossen. Der Peak im Lautstaerkepegel heisst, dass meine Arbeiter dort Gehoerschutz tragen muessen. Da der Raum sonst nicht laut ist, ist das aber sehr unbeliebt, und wird oft nicht eingehalten, wenn man nicht daneben steht.
    Mein Wunsch waere nun, den Gerauschpegel dort zu „schlucken“, sodass ich keine Peaks ueber 85 db mehr habe und sich niemand die Ohren kaputt macht. Erster Gedanke war, die Waende und Decke mit schallschluckenden Matten auszustaffieren, aber die Frage ist, ob ich damit ueberhaupt eine Lautstaerkereduzierung (in dem Masse) erreichen kann.
    Was waeren in einem solchen Fall nach Eurer Erfahrung realistische Moeglichkeiten?
    Soweit viele Gruesse,
    Ben
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  2. Lautstaerkereduzierung Stanzraum

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  3. #2

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    Schall beseitigt man vorzugweise an der Quelle, wenn´s unbedingt sein muss noch auf seinem Ausbreitungsweg, aber eine Schalldämmung am Ende der Kette hilft so gut wie gar nicht.

    Übertragen auf Deinen Fall, prüfen ob man an der Maschine selbst entkoppeln kann, evtl. durch entsprechende Montage der Maschine selbst. Der nächste Schritt wäre der Ausbreitungsweg, also beispielsweise eine Einhausung der Maschine. Die sollte natürlich die Bedienbarkeit nicht einschränken und darf auch nicht für den Bediener gefährlich werden.
    Irgendwelche Dämmmatten im Raum helfen den Arbeitern nicht, da die Matten bestenfalls reflektierenden Schall unterbinden. Das könnte man evtl. noch "hinter" der Maschine oder "zwischen" 2 Arbeitsplätzen machen, aber irgendwo an den Wänden angeklebt wird der Effekt (Nutzen für die Arbeiter) sehr gering sein. Diese befinden sich ja in unmittelbarer Nähe der Maschine und sind somit primär dem direkten Schall ausgesetzt der durch die Maschine ensteht, und erst in zweiter Linie dem Schall der durch reflektierende Flächen im Raum verteilt wird.

    Ob man an der Maschine selbst den Schall reduzieren kann, das sollte man einmal mit dem Maschinenhersteller besprechen. Evtl. kann man kleine Verbesserungen herbeiführen indem die Maschine auf Schalldämpfer gestellt wird. Oft lässt sich der Schall auch dadurch verringern, dass Blechteile o.ä. an der Maschine mit Dämmmaterial belegt werden, so dass diese nicht noch zusätzlich Lärm machen. Am Stanzvorgang selbst lässt sich meist nicht viel ändern, da Arbeitsgeschwindigkeit, Druck, etc. halt benötigt werden um ein ordentliches Arbeitsergebnis zu erzielen.

    Ob in Deinem Fall tatsächlich Gehörschutz zwingend vorgeschrieben ist, das müsste man durch echte Messungen klären. Eine Angabe in "dB" reicht hierfür nicht aus, Spitzenpegel werden anders bestimmt als normale Lärmpegel (Bewertungskurve C anstatt A, Betrachtungszeitraum usw.). Trotzdem finde ich es richtig, wenn man bei Lärm an Gehörschutz denkt, egal ob das nun vorgeschrieben ist oder nicht.

    Ach ja, ich weiß ja nicht woher Du die Maschine bezogen hast, und wie alt sie ist, aber sollte es sich um eine "neuere" Maschine handeln, die vielleicht auch noch in die EU importiert oder hier hergestellt wird, dann ist der Hersteller verpflichtet die notwendigen Angaben zum Schallpegel zu liefern. Die müssten auch in den Unterlagen der Maschine selbst zu finden sein. Ich glaube nicht, dass man bei einer Stanze unter den 70dB(A) bzw. heute 80dB(A) liegt, die eine pauschale Angabe erlauben.

    Also noch einmal in Kurzform:

    1. Hersteller kontaktieren, Infos einholen
    2. Schauen was man an der Maschine selbst enktoppeln/dämmen kann
    3. Ausbreitungsweg reduzieren, Einhausung der Maschine, Trennwände zwischen Arbeitsplätze usw.
    4. Schallausbreitung im Raum reduzieren, absorbierende Materialien an Decken, Wänden o.ä.

    Pos. 1 -3 sollten den meisten Erfolg liefern. Pos 4 kann nur den Zustand im Raum etwas verbessern, nicht jedoch an den einzelnen Arbeitsplätzen.

    Gruß
    Ralf
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  4. #3

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    Zitat Zitat von R.B. Beitrag anzeigen
    Ach ja, ich weiß ja nicht woher Du die Maschine bezogen hast, und wie alt sie ist, aber sollte es sich um eine "neuere" Maschine handeln, die vielleicht auch noch in die EU importiert oder hier hergestellt wird, dann ist der Hersteller verpflichtet die notwendigen Angaben zum Schallpegel zu liefern. Die müssten auch in den Unterlagen der Maschine selbst zu finden sein. Ich glaube nicht, dass man bei einer Stanze unter den 70dB(A) bzw. heute 80dB(A) liegt, die eine pauschale Angabe erlauben.
    Wenn die Ortsangabe "Hong Kong" korrekt ist, sehen die Rahmenbedingungen zur Maschine vielleicht ewas anders aus.
    Wenn sich an der Lärmquelle keine Abhilfe schaffen lässt, bleibt da deine Pos. 4 als einzige Abhilfe. (Macht man hier in D mit nicht abstellbaren Lärmquellen ja auch, siehe z. Bsp. Kindergarten...)
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  5. #4
    BenjaminM
    Gast
    Hallo Ralf, Hallo Karo,

    Besten Dank fuer die ausfuehrlichen Infos. Ich werde entsprechend mit unserem Techniker und dem Maschinenlieferanten schauen, ob wir an der Quelle etwas beheben koennen. Ich hatte nur der Einfachheit halber auf die benannte Position 4 gehofft.
    Einen Schallkasten hatte ich bereits angedacht, aber da jeder Stanzvorgang nur einige Sekunden dauert und bei den Maschinen von Hand entnommen und nachgelegt werden muss, ist ein Kasten mit "Tuer" leider ausgeschieden.

    Mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen hat Karo Recht, das haette ich im Vorfeld erwaehnen sollen. Ich bin in HK beziehungsweise China stationiert, entsprechend gelten fuer uns die chinesischen Gesetze. Es gibt auch hier unterschiedliche Werte fuer die erlaubten Exposure Limits bezueglich Laerm am Arbeitsplatz, fuer die zutreffende Arbeits- und Beschallungszeit gelten in diesem Fall die 85 db(A) als Limit ohne weitere Einschraenkungen. Das ist hier derzeit bereits der strengste Richtwert nach 2007er Gesetz. Gemessen haben wir nach den definierten Mess-Anforderungen und lagen bei maximal 92 db.
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  6. #5

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    Zitat Zitat von karo1170 Beitrag anzeigen
    Wenn die Ortsangabe "Hong Kong" korrekt ist, sehen die Rahmenbedingungen zur Maschine vielleicht ewas anders aus.
    Ich kann Dir jetzt nicht sagen, ob man für Hong Kong einen Sonderstatus geschaffen hat, so dass die alten auf den GB Standards basierenden Normen noch Gültigkeit haben, oder man man alles für das CCC mit den EN oder IEC Standards harmonisiert hat. Erfahrungsgemäß liegen die Unterschiede dann aber nur bei leicht geänderten Grenzwerten, grundlegende Anforderungen werden hingegen so gut wie nie angetastet.
    Die wichtigsten Normen werden sowieso weltweit genutzt, auch wenn sie teils unterschiedliche Nummerierungen haben. ISO12100 oder EN60204, das sind alles Standards die man überall auf der Welt findet.

    Zitat Zitat von karo1170 Beitrag anzeigen
    Wenn sich an der Lärmquelle keine Abhilfe schaffen lässt, bleibt da deine Pos. 4 als einzige Abhilfe. (Macht man hier in D mit nicht abstellbaren Lärmquellen ja auch, siehe z. Bsp. Kindergarten...)
    Das Problem wird sein, dass man damit für die Arbeiter keine nennenswerten Verbesserungen erzielt, da sich diese ja mitten im Schallfeld befinden. Müsste man den Raum gegenüber anderen Räumen abschotten, dann wäre das ein anderes Thema. Durch absorbierende Wände kann ich nur Reflexionen oder halt Pegelüberhöhungen bekämpfen, das hilft aber nicht wenn der Arbeiter vor einer Maschine steht die 100dB(C) produziert.
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  8. #6

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    Zitat Zitat von BenjaminM Beitrag anzeigen
    Einen Schallkasten hatte ich bereits angedacht, aber da jeder Stanzvorgang nur einige Sekunden dauert und bei den Maschinen von Hand entnommen und nachgelegt werden muss, ist ein Kasten mit "Tuer" leider ausgeschieden.
    Das muss nicht zwangsläufig ein geschlossener Kasten sein, obwohl das natürlich von Vorteil wäre. Ich hatte hier mal eine Maschine unter der Kur, deren Gehäusebleche bald mehr Lärm erzeugten als der Arbeitsvorgang selbst. Der Hersteller hat dann verschiedene Versuche gemacht, irgendwelchen Gummikram in die Bleche gesprüht, Matten eingeklebt usw. Letztendlich wurden innen so eine Art Bitumenmatten eingeklebt und die Bleche ausgesteift und besser verschraubt. Ergebnis, 5dB niedrigere Schallpegel, je nach Position um die Maschine herum auch noch deutlich mehr.

    Zitat Zitat von BenjaminM Beitrag anzeigen
    Es gibt auch hier unterschiedliche Werte fuer die erlaubten Exposure Limits bezueglich Laerm am Arbeitsplatz, fuer die zutreffende Arbeits- und Beschallungszeit gelten in diesem Fall die 85 db(A) als Limit ohne weitere Einschraenkungen. Das ist hier derzeit bereits der strengste Richtwert nach 2007er Gesetz. Gemessen haben wir nach den definierten Mess-Anforderungen und lagen bei maximal 92 db.
    Schau mal nach ob Ihr den falschen Grenzwert betrachtet habt. Die 85dB(A) sind nicht für Spitzenpegel sonder quasi für "Dauerlärm". Einzelne Pegelspitzen werden anders betrachtet, aber wenn diese natürlich fast schon im Sekundentakt auftreten...dann vermute ich, dass die 92dB nicht gemessen sondern der Rechenwert waren (unter Berücksichtigung der zeitlichen Betrachtung).

    Hast Du zufällig ein Bild der Maschine?
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  9. #7
    BenjaminM
    Gast
    Das Innenleben der Maschine selbst zu isolieren ist eine Idee, die ich nochmal an die Kollegen herantragen werde, ein guter Teil des Laerms kommt meiner Einschaetzung nach von inneren, mechanischen Bewegungen der Teile. Ein Bild der Maschine habe ich so leider nicht zur Hand. Es sind sehr simple Maschinen: "Standbein" mit Oberflaeche (quasi ein Tisch) auf den eine grosse Platte an einem Arm herunterdrueckt, rangieren von 5 Tonnen bis 20 Tonnen. Viel Firlefanz oder Technik ist da nicht dran. Vom Prinzip sehr aehnlich wie die A-510-B und A-510-C unter folgendem Link: http://www.artisansew.com/leathercut...rs.html#?w=600
    oder google-Suche nach "A-510-B die cutter".

    Bezueglich des Grenzwertes: nach chinesischem Gesetz duerfte Impulsschall mit einer Haeufigkeit von bis zu 10.000 mal pro Arbeitstag 110 oder 120 dbA erreichen, da bin ich aus dem Gedachtnis nicht ganz sicher - liegen wir aber in jedem Fall drunter. Es geht mir bei der Frage auch weniger um das Gesetz, das halten wir auch nach momentanem Stand ein.

    Vielen Dank soweit fuer die Hinweise und Tips, meine fixe Idee habt ihr damit bereits kuriert und eine Alternative geliefert, die wir pruefen koennen, danke!
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