Ergebnis 1 bis 7 von 7
  1. #1

    Registriert seit
    01.2015
    Ort
    Leipzig
    Beruf
    Student Bauingenieurwesen
    Beiträge
    2

    Notdach / Sicherung eines undichten Daches

    Hallo!
    Ich habe die Aufgabe für ein denkmalgeschütztes Mehrfamilienhaus ein Sicherungskonzept zu erarbeiten.
    Es geht also nicht um Sanierung sondern nur um Verhinderung weiterer Schäden.
    Das größte Problem ist mit Sicherheit das "siebartige" Dach. Es ist ein Mansardwalmdach mit grob geschätzt 700m² Dachfläche.
    Einige Gauben und Schornsteine mit ihren potentiellen Undichtigkeiten "verschönern" das Ganze noch.

    Eine "echte" Sanierung und Neueindeckung kommt kurz- bis mittelfristig nicht infrage.
    Ich bin also auf der Suche nach Möglichkeiten einer provisorischen Abdichtung oder eines Notdaches.

    Nach Aussage der Hausbewohner "mag der Dachdecker seine Leute nicht mehr aufs Dach schicken". Einzelne Dachziegel auszutauschen geht also nicht mehr.

    Über ein Notdach aus Planen habe ich schon nachgedacht, sehe aber Probleme mit dem Brandschutz. Vor allem weil die Räume einzeln mit Holz- und Kohleöfen beheizt werden. Die sächsische Bauordnung mag bei Gebäudeklasse 4 nur "harte Bedachung".

    Auch eine Eindeckung mit Trapez- oder Wellblech habe ich schon in Erwägung gezogen.

    Habt ihr noch Ideen auf die ich nicht gekommen bin?
    Bei Google suchen Bei Wikipedia suchen Im Forum suchen

  2. Notdach / Sicherung eines undichten Daches

    Schau dir mal diesen Ratgeber an. Dort findet man Infos und Antworten.

    Registrieren bzw. einloggen, um diese und auch andere Anzeigen zu deaktivieren
  3. #2

    Registriert seit
    01.2012
    Ort
    Albstadt
    Beruf
    Dachdecker- u. Klempnermeister
    Beiträge
    896
    Welche Eindeckung hast Du auf dem Mehrfamilienhaus? Welche Traufhöhe? Welche Lage? Bilder?
    Wie lange soll es halten? Was heißt mittelfristig?

    Dies sollte sich dann vor Ort ein Fachmann anschauen und den Einsatz einer Hubarbeitsbühne planen.
    Da bei dem Alter/Zustand sicher keine Wärmedämmung verbaut ist, kann das Hauptdach von innen ausgebessert werden.
    Daß der DD keine Lust hat aufs Dach zu gehen kann ich gut verstehen, hier besteht nämlich Lebensgefahr.

    Sind Bleche auch zu erneuern? (bei Euch Zinkbleche)
    Trapezbleche und Planen kannst Du natürlich vergessen.
    Alles in allem mußt Du schon etwas mehr anbieten, siehe obige Fragen und nicht vorhandene Fotos.
    Bei Google suchen Bei Wikipedia suchen Im Forum suchen

  4. #3

    Registriert seit
    01.2012
    Ort
    Albstadt
    Beruf
    Dachdecker- u. Klempnermeister
    Beiträge
    896
    PS: Bei Euch wurden früher ausschließlich Dachlatten 40/60 mm verarbeitet. Sind die noch einigermaßen i.O?
    Bei Google suchen Bei Wikipedia suchen Im Forum suchen

  5. #4

    Registriert seit
    08.2013
    Ort
    Berlin
    Beruf
    Dachdecker/ Kaufmann
    Beiträge
    6,160
    Auf ein Denkmal geschütztes Haus Plane legen? Au Weia... Was sagt denn das Denkmalamt zum Eigentümer, der das zu schützende Bauwerk verrotten lässt?
    Bei Google suchen Bei Wikipedia suchen Im Forum suchen

  6. #5
    Themenstarter

    Registriert seit
    01.2015
    Ort
    Leipzig
    Beruf
    Student Bauingenieurwesen
    Beiträge
    2
    Danke für die schnellen Antworten!

    Das Mehrfamilienhaus hat Traufhöhen von 11,20m bzw. 14,05m laut den Plänen von 1923.
    Ursprüngliche Eindeckung waren Biberschwanzziegel in Doppeldeckung. Jetzt sind nur noch die Mansarde und drei Seiten des Hauptdaches so gedeckt.
    Der Rest, also Strassenseite und die Gauben sind mit gefalzten S-Ziegeln gedeckt, vom VEB Cretzschwitz.

    DSC03269.jpg

    "Mittelfristig" heißt es ist völlig unklar wann die Eigentumsverhältnisse geklärt werden.
    Jetziger Eigentümer (Kommune) wird keine größeren Investitionen tätigen und kann das Objekt auch nicht verkaufen.
    Rechtsstreit ist im Gange...
    ...Die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam. Und manchmal sogar rückwärts...

    Soweit ich weiß mangelt es nur an einer Unterschrift, oder jemandem der sich traut zu unterschreiben.

    Mittelfristig heißt also zwischen 5 Monaten und 5 Jahren.

    Stimmt, eine Wärmedämmung gibts im ganzen Haus nicht.


    Mit Blechen meinst du sicherlich die Kehlbleche?
    Die gibt es an den Gauben nicht. Die Kehlen sind immer noch durch Biberschwanzziegel ausgebildet.

    DSC03163.jpg

    Einzelne Dachlatten sind gebrochen, soweit ich gesehen habe.
    Aber eher weil der Faserverlauf schlecht war.
    Gemessene Holzfeuchten an den Dachlatten ca. 16% bis 28%.
    Also von geht so bis zu nass.

    Braunfäule hab ich an mehreren Stellen des Dachstuhls.



    Ja, ne Plane auf´s Denkmal. Aber lieber auf die Dachziegel als anstelle der Dachziegel.
    Bei 100ten kleiner Lecks...
    Tja, was sagt das Denkmalamt zum Liegenschaftsamt? "n Käffchen?"


    Mal noch ein paar Impressionen:

    DSC02846.jpg

    DSC02786.jpg
    An dieser Kehle lief über Jahre Wasser durchs Dach und die Holzbalkendecke.

    DSC02769.jpg
    Schön, dass es mit der Abdichtung doch noch geklappt hat, aber...

    DSC02765.jpg
    ...zu spät!


    450m² überbaute Fläche,
    zwei Wohnungen pro Etage,
    geschätzt 55000 - 60000 € Mieteinnahmen pro Jahr (momentan)
    Bei Google suchen Bei Wikipedia suchen Im Forum suchen

  7. Schau dir mal das Bauherren-Handbuch an.. Sehr viele nützliche Infos!
    Registrieren bzw. einloggen, um diese und auch andere Anzeigen zu deaktivieren
  8. #6

    Registriert seit
    08.2013
    Ort
    Berlin
    Beruf
    Dachdecker/ Kaufmann
    Beiträge
    6,160
    Nun denn, ich schließe mich Biber an. Hubbühne und zumindestens die Anschlüsse/ Druchdringungen zu erneuern. Plane stelle ich mir schwierig vor, vorallem die Lagesicherung der Plane - die überlebt deinen Zeitraum nicht im Ansatz...

    Ob man von innen noch mal verstreichen könnte und das in der Fläche etwas bringt... Wird vermutlich zu teuer, wenn du überhaupt einen Betrieb findest, der das noch macht.

    Welches Budget hast du überhaupt zur Verfügung? Wie sehen die Flächen bei der Doppeldeckung aus? Auch undicht? Gibts da oben ausreichend Belüftung?
    Bei Google suchen Bei Wikipedia suchen Im Forum suchen

  9. #7

    Registriert seit
    01.2012
    Ort
    Albstadt
    Beruf
    Dachdecker- u. Klempnermeister
    Beiträge
    896
    Hallo Student,

    tolles Gebäude....

    Über eines müssen sich alle Beteiligten im Klaren sein, Reparaturen (insbesondere solche) kosten auch eine Stange Geld.
    Und selbst wenn jetzt eine größere Reparatur durchgeführt wird, zieht diese bereits die nächsten Reparaturen nach sich.
    Dächer an denen wir zweimal im Jahr ausgebessert haben kenne ich zur Genüge.
    Deshalb sollte jetzt schon klar sein, daß das Dach komplett erneuert werden muß. Und der Zeitpunkt muß auch fixiert werden.
    Ansonsten ist alles rausgeworfenes Geld, viel Ärger bei allen Beteiligten, am Schluß will von dem Objekt keiner mehr etwas hören.
    Gründe warum etwas nicht saniert werden soll/kann/darf.... kann ich Dir genug aufzeigen.

    Ich würde so vorgehen.
    Bei länger anhaltendem Regen (2/3 Tage) das Gebäude anschauen (innen und außen), mit den Mietern reden, Regenstellen zeigen lassen.
    Qualität der Dachziegel beurteilen (ziehen diese Wasser?), Latten, Bleche...
    Dies entscheidet darüber, ob eine (größere) Reparatur wirklich Sinn macht, um damit Zeit zu kaufen für eine spätere Sanierung.

    Danach Einsatz eines Steigers planen. Dazu Fachmann mitnehmen, um zu beurteilen, wie man an alle Dachflächen herankommt. Rückseite wohl mit einem Korb am Seil planen, wenn man kein Fahrzeug stellen kann. (Oder Teilgerüste)

    Aus meiner Sicht müßte jeder Punkt der einzelnen Dachflächen inspiziert und wenn notwendig ausgebessert werden. Alles andere ist ein Herumgestochere, welches kaum Verbesserung bringt.
    Für diese Arbeit ist der beste DD den Du finden kannst grade gut genug.
    Bei Google suchen Bei Wikipedia suchen Im Forum suchen