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SAT Antenne in altem MFH ohne Erder

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  1. #1

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    SAT Antenne in altem MFH ohne Erder

    Hallo,

    was ist bei der Installation einer SAT Antenne auf dem Dach (Blitzschutz erforderlich) in einem MFH ohne Anlagenerder zu beachten?

    Muss ein Erder gebaut werden?
    Falls ja nur für den Blitzschutz der Antenne oder muss die ganze Anlage umgebaut werden (HES/Potentialausgleichschiene usw.) ?

    Mir gehts in erster Linie um geltende Vorschriften damit Versicherungsschutz usw. bestehen bleibt.

    Aktuell wurde von der beauftragten Firma ein massives 16qmm Einzelader Kabel von der Antenne in den Keller verlegt, ohne Berücksichtigung der Trennungsabstände (Direkt im gleichen Leerrohr mit Zuleitung für Antennenanlage) und einfach mit einer Schelle an eine bestehende 16qmm Litze verbunden, welche direkt auf das Gehäuse des Hausübergabepunktes führt.

    Einen Fundamenterder gibt es nicht, das Gebäude ist aus den frühen 60er Jahren.

    Würde mich über Tips sehr freuen.
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  2. SAT Antenne in altem MFH ohne Erder

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  3. #2

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    Zitat Zitat von simon84 Beitrag anzeigen
    was ist bei der Installation einer SAT Antenne auf dem Dach (Blitzschutz erforderlich) in einem MFH ohne Anlagenerder zu beachten?
    • Dachantennen sind grundsätzlich erdungspflichtig und erfordern stets auch einen vollständigen Schutzpotenzialausgleich, der aber ohnehin schon längst installiert sein muss.
    • Die Schirme aller aus LPZ 0A ins Gebäude ein- oder ausgeführten (Antennen-)Leitungen und Kabel sind möglichst unmittelbar nach dem Gebäudeeintritt in den PA einzubeziehen.
    • Der PA der Antennenanlage muss auch nach Ausbau von Komponenten, wie z. B. einem Multischalter, an allen Leitungen erhalten bleiben.

    Nach den relevanten Normen sollen neue Dachantennen möglichst nur noch nach dem Stand der Technik in Blitzschutzzone LPZ 0B getrennter Fangeinrichtungen erstellt werden, da nur damit die Antennenanlage und die daran angeschlossenen Endgeräte gegen Einkopplungen galvanischer Teilblitzströme aus Direkteinschlägen gewappnet sind. Die suboptimale Antennendirekterdung ist aber nach den Anerkannten Regeln der Technik (= Normen) noch zulässig.

    Zitat Zitat von simon84 Beitrag anzeigen
    Aktuell wurde von der beauftragten Firma ein massives 16qmm Einzelader Kabel von der Antenne in den Keller verlegt, ohne Berücksichtigung der Trennungsabstände (Direkt im gleichen Leerrohr mit Zuleitung für Antennenanlage) und einfach mit einer Schelle an eine bestehende 16qmm Litze verbunden, welche direkt auf das Gehäuse des Hausübergabepunktes führt.
    Trennungsabstand ist für die meisten Elis ein Fremdwort. Weil das so ist, gab es im für die Antennensicherheit zuständigen Normengremium DKE K735 Bestrebungen für Antennenerdungen zwingend Außenableitung vorzuschreiben. Leider ist das aber nicht in den letzten Entwurf der internationalen IEC 60728-11 eingeflossen.

    In diesem internationalen Normentwurf taucht das Wort Trennungsabstand wie in der aktuellen DIN EN 60728-11 (VDE 0855-1):2011-06 nur in Beispielbildern mit Blitzschutzanlagen und beim Schutz über getrennte Fangstangen, aber nicht bei konventionellen Erdungen auf. Somit hängt es weiterhin vom blitzschutztechnischen Verstand oder Unverstand des jeweiligen Installateurs ab, ob die Erdungen unter Beachtung äquivalenter Trennungsabstände außen oder als Blitzeinleiter innen installiert werden.

    Ein 16 mm² Antennenerdleiter muss die gesamte Blitzlast tragen, wird bei gleichem Blitzstrom stärker als ein 50 mm² Blitzableiterdraht erwärmt und ist somit gefährlicher.

    Einzelmassivdraht und grob mehrdrähtige Cu-Erdleiter (7 Adern á 1,7 mm) sind für 200 kA blitzstromtragfähig, fein- und vieldrähtige Leiter (19 Einzeladern) sind auch als Teilstrecke nicht normkonform. Erdleiter können ihre Funktion nur erfüllen, wenn die Klemmen für die jeweilige Drahtart (min. 16 mm² Cu, 15 mm² Al oder 50 mm St/tZn/Al/Cu) nach Prüfnorm Klasse H = 100 kA zertifiziert ist. Die meisten der heute handelsüblichen Banderdungsschellen sind aber nur für nicht blitzstromtragfähigen PA konzipiert. Auch nicht jede HES/PAS ist geeignet.

    Zitat Zitat von simon84 Beitrag anzeigen
    Einen Fundamenterder gibt es nicht, das Gebäude ist aus den frühen 60er Jahren.
    Da bleibt dir immerhin der Gewissenkonflikt erspart wie tauglich die zumeist undokumentierten Fundamenterder sind, somit muss ein Erder nachgerüstet werden, siehe Anhang.

    Zitat Zitat von simon84 Beitrag anzeigen
    Würde mich über Tips sehr freuen.
    Ob noch ein optimaler Antennenschutz mit getrennter Fangeinrichtung und Außenableitung nach dem Stand der Technik realisiert werden kann, erfordert mehr Input und ist eine Preisfrage. Mit Isoliertem Blitzschutz kann der 16 mm² Cu als überdimensionierter PA-Leiter für den Mast genutzt werden und dann ist auch die abstandslose Verlegung zu den Antennen- und Starkstromkabeln blitzschutztechnisch auch unbedenklich. Nachträglich eine HVI-Leitung wie z. B. DEHNcon H innen einzuziehen, dürfte kaum möglich sein.
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  4. #3
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    Zitat Zitat von Dipol Beitrag anzeigen
    [LIST][*]Dachantennen sind grundsätzlich erdungspflichtig und erfordern stets auch einen vollständigen Schutzpotenzialausgleich, der aber ohnehin schon längst installiert sein muss.
    Was genau bedeutet "der aber ohnehin schon längst installiert sein muss" ?
    Gibt es generell (auch ohne SAT Antenne) eine Nachrüstpflicht für Bestandsanlagen? Das wäre noch super zu wissen.

    50qmm hört sich auf den ersten Blick viel an, aber ist das wirklich "nur" ein 8mm Rundstahl?
    Den könnte man doch relativ einfach von Dach und Fassade direkt runter an neu eingebaute Erder anbringen.
    Dann im Anschlussraum einen HES installieren und diesen ebenfalls mit dem / den Erdern verbinden.

    Stelle ich mir das zu einfach vor ?

    Spricht etwas dagegen 1 oder 2 Tiefenerder an der Außenwand setzen zu lassen ?
    Scheint die einfachste Variante zu sein ohne gross aufgraben zu müssen
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  5. #4

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    Zitat Zitat von simon84 Beitrag anzeigen
    Was genau bedeutet "der aber ohnehin schon längst installiert sein muss" ?
    So wie es dasteht! Bei erdungspflichtigen Antennen sind Diskussionen ob man "Bestandsschutz" beanspruchen kann oder nicht müßig.

    Zitat Zitat von simon84 Beitrag anzeigen
    50qmm hört sich auf den ersten Blick viel an, aber ist das wirklich "nur" ein 8mm Rundstahl?
    Den könnte man doch relativ einfach von Dach und Fassade direkt runter an neu eingebaute Erder anbringen.
    Dann im Anschlussraum einen HES installieren und diesen ebenfalls mit dem / den Erdern verbinden.
    Wer ist "man"?

    Es ist zwar kein Hexenwerk Alu-Knetlegierung zu tordieren, aber solche Arbeiten sollte man einem routinierten Eisenbieger aus der Blitzschutzbauer-Gilde überlassen. Die erledigen das Ratz-Fatz in einem Bruchteil der DIY-Zeit und haben auch das Material dabei um z. B. Dachrinne, Scheefanggitter und das Fallrohr an die Ableitung fachgerecht mit anzuschließen.

    Zitat Zitat von simon84 Beitrag anzeigen
    Spricht etwas dagegen 1 oder 2 Tiefenerder an der Außenwand setzen zu lassen ?
    Scheint die einfachste Variante zu sein ohne gross aufgraben zu müssen
    Freie Auswahl unter den dargestellten Erdern.

    Ganz ohne Grabarbeiten geht es nicht, denn Erder sollen 1 m Wandabstand haben und die Verbindung zur Wand sieht unter Grund verlegt besser aus. FAUSTFORMEL: Abstand von zwei Tiefenerdern = Einbautiefe * 2.

    Auch wenn NIRO (V4A) nur für Ringerder von Neuanlagen und nicht für Erder vom Typ A vorgeschrieben ist, sollte man an seine Erben denken. Im Blitzschutzbau werden für Tiefenerder Standardlängen von 9 m empfohlen.
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  6. #5
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    "Man" ist in diesem Fall Beauftragung einer Fachfirma. Sammle nur Infos hier, vielen Lieben Dank erstmal !
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