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  1. #1
    Avatar von rose24
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    Balkon abbauen trotz laufendem Gerichtsverfahren

    Wie schon mehrfach geschrieben, wurden wir von unserem GÜ auf Restwerklohnzahlung verklagt, nachdem wir aufgrund zahlreicher Mängel den Bauvertrag außerordentlich gekündigt haben.
    Inzwischen wurde u.a. der Balkon begutachtet, der schwere Mängel beim konstruktiven Holzschutz aufweist. Der ö.b.u.v. Gutachter kam zu dem Ergebnis, dass der Balkon neu erstellt werden muss, da sonst die Trägerbalken irgendwann irreparabel durch Feuchtigkeit zerstört werden. Unser privater SV hat dies zuvor ebenfalls so festgestellt.

    Nun ist es so, dass die Trägerbalken durch die EG-Decke laufen und daher nicht ausgetauscht werden können. Einen Balkon auf Stützen wollen wir nicht haben, deshalb sollen sie nach Möglichkeit erhalten werden. Wir würden nun die Balkonkonstruktion am liebsten abbauen, bevor die Träger einen dritten Winter über dauerfeucht werden. Nur so wäre es möglich, die Balken vernünftig abzudecken und somit zu schützen.
    Problem: es gibt noch keine gerichtliche Entscheidung.

    Unser Anwalt riet uns jetzt, entweder die Konstruktion mit Zeugen abzubauen, alles zu fotografieren und die Echtheit der (ausgedruckten) Fotos von dem Zeugen bestätigen zu lassen. Bei Feststellung von Schäden solle der private SV diese aufnehmen. Der GÜ sollte außerdem Gelegenheit erhalten, beim Abbau anwesend zu sein. Alternativ empfiehlt unser Anwalt, einen Beweissicherungsantrag im Hauptverfahren zu beantragen.

    Ich wollte eigentlich, dass unser Anwalt um einen richterlichen Hinweis dazu bittet, wie wir vorgehen sollen - was er jedoch für nicht sinnvoll hält. Frage: was würde der Beweissicherungsantrag bewirken? Wer bezahlt dieses Verfahren im Verfahren und wie würde es ablaufen? (Hinweis: wir haben den Balkon nicht abgenommen. Derzeit trägt der GÜ die Beweislast.)

    Über Hinweise insbesondere der Juristen hier im Forum würde ich mich freuen.
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  2. Balkon abbauen trotz laufendem Gerichtsverfahren

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  3. #2
    Bauexpertenforum Avatar von Ralf Wortmann
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    Zitat Zitat von rose24 Beitrag anzeigen
    Alternativ empfiehlt unser Anwalt, einen Beweissicherungsantrag im Hauptverfahren zu beantragen.
    Das ist der sicherste Weg, führt aber manchmal auch nicht schneller zu einer Begutachtung, als wenn man das Hauptsacheklageverfahren einfach "laufen" lässt. Abbauen in Anwesenheit von Zeugen, etc. birgt Prozessrisiken und führt zudem zu vermeidbaren Diskussionen, ob ihr überhaupt noch Schadensersatz für den Balkon, den ihr dann ja offensichtlich „gar nicht mehr haben“ wollt, beanspruchen könnt.

    Zitat Zitat von rose24 Beitrag anzeigen
    Frage: was würde der Beweissicherungsantrag bewirken?
    Dass das Gericht einen SV-Gutachter beauftragt, den Balkon auf etwaige Mängel zu untersuchen.

    Zitat Zitat von rose24 Beitrag anzeigen
    Wer bezahlt dieses Verfahren im Verfahren?
    Ihr bezahlt den Vorschuss für den SV. Dazu habt ihr am Ende einen Kostenerstattungsanspruch in dem Umfang, in dem ihr den Prozess gewinnt.

    Blinder Aktionismus schadet evtl. und eröffnet neue Angriffpunkte für eure Gegner im Prozess.

    Ich würde an eurer Stelle den Balkon dranlassen und die Tragbalken nur durch Dinge, die sich für eine SV-Besichtigung im Hauptverfahren schnell wieder entfernen lassen, gegen Regen und Nässe schützen, z.B. durch Planen, eine leicht demontierbare Einhausung (ausreichend Belüftung lassen!) oder dadurch, dass ihr eine evtl. vorhandene durchlässige Bretteranordnung auf dem Balkonboden (Sparschalung) im Bereich der Tragbalken z.B. durch die Auflage einer Siebdruck-Holzplatte undurchlässiger macht.
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  4. #3
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    Avatar von rose24
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    Zitat Zitat von Ralf Wortmann Beitrag anzeigen
    ...Das ist der sicherste Weg, führt aber manchmal auch nicht schneller zu einer Begutachtung, als wenn man das Hauptsacheklageverfahren einfach "laufen" lässt. Abbauen in Anwesenheit von Zeugen, etc. birgt Prozessrisiken und führt zudem zu vermeidbaren Diskussionen, ob ihr überhaupt noch Schadensersatz für den Balkon, den ihr dann ja offensichtlich „gar nicht mehr haben“ wollt, beanspruchen könnt.
    ...
    Dass das Gericht einen SV-Gutachter beauftragt, den Balkon auf etwaige Mängel zu untersuchen. ...
    Vielen Dank für die Erklärung. Trotzdem ist mir nicht ganz klar, warum noch einmal begutachten. Der gerichtlich bestellte Gutachter hat den Balkon ja schon gesehen und den Rückbau und Neuaufbau (mit Stützen, nach Entfernung der Träger) vorgeschlagen und kostenmäßig beziffert. Das heißt doch dann, dass ein weiteres Beweisverfahren nicht mehr so viel mehr bringen kann.
    Und dass wir den Balkon nicht mehr haben wollen - davon kann keine Rede sein. Wir hätten nur gerne die Träger erhalten, weil wir keine Stützen haben möchten (es handelt sich um ein Zweifamilienhaus und die Stützen würden das Sondereigentum des Miteigentümers beeinträchtigen).

    Leider ist ein Schutz der Träger konstruktionsbedingt nur sehr schwer machbar. Vor allem im vorderen Bereich sind die Träger kaum abzudecken, weil die Geländerpfosten dort seitlich verschraubt sind. Aber da wird uns wohl nichts anders übrig bleiben, als es trotzdem irgendwie zu versuchen. Ich sehe es auch so, dass das Risiko, den Balkon abzubauen, groß ist. Insbesondere weil der GÜ jemand ist, der sehr irrational reagiert und sowieso alle Mängel abstreitet.

    Hier zur Verdeutlichung zwei Fotos von der Konstruktion - vielleicht hat ja einer der Experten eine Idee, wie man die Träger am besten schützen kann:
    Balkon I.jpg Balkon II.jpg
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  5. #4
    Bauexpertenforum Avatar von Ralf Wortmann
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    Optisch ein sehr schöner Balkon!

    Das hatte ich falsch verstanden. Ich dachte, es sei erst nur euer Privat-SV dagewesen und eine Begutachtung durch einen gerichtlich bestellten SV stehe noch aus. Dann macht ein SBV in der Tat keinen Sinn.

    Einfach den Balkon dran lassen, die Träger schützen, so gut es geht und das Ende des Prozesses abwarten (und die Rechtskraft des Urteils), danach erst könnt ihr etwas verändern, ohne befürchten zu müssen, Beweise zu vernichten oder zu verändern.

    Die Endkappen des Balkons halte ich für weniger gefährdet, als diejenigen Stellen, an denen die Balken aus der Wand herauskommen. Dort darf es nicht vermodern. Als technischer Laie würde ich eine vorübergehende Abdecklösung z.B. mit Siebdruckplatten, die unmittelbar an das Mauerwerk angrenzend auf dem Balkonfußboden aufliegen, für recht zielführend halten.
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  6. #5
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    Avatar von rose24
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    Danke!
    Die Optik gefällt uns auch, aber die Konstruktion ist leider absoluter Mist. Die am stärksten durch Nässe beaufschlagten Stellen sind vorne an den Trägern, da das Wasser an den senkrechten Pfosten hinunterrinnt und die Abdeckbretter über den Trägern zu stark ausgeklinkt sind. Außerdem fehlen Einlegedrähte unter den Bodenbrettern. Das Wasser läuft auch an den Balken entlang nach hinten zur Wand (es kommt also nicht direkt von oben). An der Westseite hat der gerichtlich bestellte SV an zwei Stellen Schimmel festgestellt.

    Wir dachten daran, die Bretter mit einer diffusionsoffenen Folie abzudecken, welche wir vorne ausschneiden und mit Siga-Band an den Pfosten befestigen (war der Vorschlag unseres privaten SV). Das mit den Siebdruckplatten werde ich mir überlegen, bin aber nicht sicher, ob das reicht.
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  7. #6
    Bauexpertenforum Avatar von mls
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    1. klären, welchen erhaltungsaufwand ihr treiben müsst
    2. klären, wie das, technisch und finanziell, saniert wird
    momentan ist das stochern im nebel ..
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  8. #7
    Bauexpertenforum Avatar von Ralf Wortmann
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    Zitat Zitat von rose24 Beitrag anzeigen
    Wir dachten daran, die Bretter mit einer diffusionsoffenen Folie abzudecken, welche wir vorne ausschneiden und mit Siga-Band an den Pfosten befestigen (war der Vorschlag unseres privaten SV).
    Klingt vernünftig!
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  9. #8

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    Soll der Balkon weiterhin benutzbar bleiben? Ansonsten würde ich hinten eine Dachlatte aufschrauben. Dann im Abstand von 60 cm von Wand zur Traufe - also in Laufrichtung der Dielung - des Balkon Rauspund oder ähnliches montieren, darauf dann eine hochreißfeste diff. offene Unterspannbahn auftackern und mit Brettern und Nägeln sturmsicher fixieren.

    Für den späteren Schutz würde ich ggf. Keile auf die Trägerbalken aufschrauben, diese mit Rauspund abschalen. Darauf eine Abdichtung alla EPDM drauf mechanisch fixieren (Achtung auf die Dehnbarkeit des Werkstoffes - der Rand brauch ausreichend Materialreserve um die Fixierung nicht rauszureisen) darauf dann wieder einen Holzbelag. Bei der Front würde ich das Geländer demontieren, einen Gesimskasten bauen, der kraftschlüssig auf den Tragbalken montiert wird. Vorne eine Seekieferplatte montieren, darauf Stehlfalz auf Trennlage bis zur Hälfte, den Rest dann mit einer mittig sitzenden Geländerkonstruktion bis zur gültigen Absturzkante realisieren. Dann sind die Tragbalken eingepackt von oben und unten - alles wird gut.
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  10. #9
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    Avatar von rose24
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    Zitat Zitat von Kalle88 Beitrag anzeigen
    Soll der Balkon weiterhin benutzbar bleiben? Ansonsten würde ich hinten eine Dachlatte aufschrauben. Dann im Abstand von 60 cm von Wand zur Traufe - also in Laufrichtung der Dielung - des Balkon Rauspund oder ähnliches montieren, darauf dann eine hochreißfeste diff. offene Unterspannbahn auftackern und mit Brettern und Nägeln sturmsicher fixieren.
    Hi Kalle,
    das wäre ggf. für den Winter eine gute Lösung. Da muss der Balkon nicht unbedingt benutzbar bleiben. Im Moment kann ja alles wieder gut trocknen, im Herbst und Winter sieht das aber anders aus.
    Wie das ganze später werden soll - da brauchen wir sicher einen guten Planer, um nicht wieder alles falsch zu machen.
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  11. #10

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    Eigentlich ist es eher umgedreht. Im Winter trocknet das Holz, im Sommer feuchtet es auf

    Das bekommt man alles hin, auch ohne die Balken ersetzen zu müssen - da bin ich mir sicher. Vielleicht sagt Flocke ja noch wat dazu. Mir klingt das von deinen Fachleuten schon etwas sehr dramatisch, aber ich kennen de Situation vor Ort ja auch nicht. Moderpotenzial gibt es bei deinem Balkon sicherlich an der ein oder anderen Stelle.
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  12. #11
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    Avatar von rose24
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    Zitat Zitat von Kalle88 Beitrag anzeigen
    Eigentlich ist es eher umgedreht. Im Winter trocknet das Holz, im Sommer feuchtet es auf
    Naja - in der Übergangszeit regnet es doch am meisten und da dauert es wegen der niedrigen Temperaturen lange, bis das wieder abtrocknet. Leider haben die Träger z.T. auch einen deutlich zu hohen Splintholzanteil.

    Zitat Zitat von Kalle88 Beitrag anzeigen
    Das bekommt man alles hin, auch ohne die Balken ersetzen zu müssen - da bin ich mir sicher. Vielleicht sagt Flocke ja noch wat dazu. Mir klingt das von deinen Fachleuten schon etwas sehr dramatisch, aber ich kennen de Situation vor Ort ja auch nicht. Moderpotenzial gibt es bei deinem Balkon sicherlich an der ein oder anderen Stelle.
    Wäre schön, wenn man das hinbekommt. Nur leider können wir ja im Moment nichts dran machen und das Wasser läuft tatsächlich die Balken entlang bis zum Haus. Moderpotenzial finde ich jetzt auch nicht so toll...
    Fest steht, dass die Konstruktion nicht so bleiben kann, auch wenn die Träger erhalten werden können.
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  13. #12

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    Zitat Zitat von rose24 Beitrag anzeigen
    Naja - in der Übergangszeit regnet es doch am meisten und da dauert es wegen der niedrigen Temperaturen lange, bis das wieder abtrocknet. Leider haben die Träger z.T. auch einen deutlich zu hohen Splintholzanteil.
    Nein. Holz ist hygroskopisch. Gerade im Sommer haben wir hohe Luftfeuchten, die auch zu hohen Feuchtegehalten in den Zellwänden des Holzes führt. Direkte Wasserbeaufschlagung hat nicht sooo viel mit der eigentlichen Feuchtigkeit des Holzes zu tun. Es stimmt, dass im Winter die temp. für die Verdunstung fehlt, dafür hast du sehr trockene Luft. Andernfalls könnte Holz im Fluss nicht überleben, wobei das auch wieder auf die Sorte ankommt.
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  14. #13
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    Avatar von rose24
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    Also modert das Holz eher im Sommer?
    Dann müsste ich es im Winter gar nicht schützen?
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  15. Schau dir mal das Bauherren-Handbuch an.. Sehr viele nützliche Infos!
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  16. #14

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    Modern tut Holz immer dort wo Wasser nicht weglüften kann oder es regelmäßig und dauerhaft feucht zu geht. Deswegen gibt es ja eben den konstruktiven Holzschutz der das eben verhindern soll. Wo Wasser verweilen kann, in Pfützen z. B. kann es auch gut modern. Im Winter begünstigt das eben, dass weniger Verdunstet. Weil die Sonne als Energiemotor fehlt um die Temp. hoch zu halten.
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  17. #15
    Bauexpertenforum Avatar von mls
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    das ist ein bewitterter balkon - der wird nass
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