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  1. #1

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    Hofentwässerung

    Hallo Forum,

    ich brauche euren Rat zu folgendem Problem:

    Wir bewohnen ein eigenes Haus mit Regenwasserversickerung. Ich kenne weder Lage, Ausführung, Dimensionierung noch Zustand der Versickerung.

    Vor unserem Haus ist ein etwa 250 m² großer Hof mit leichtem Gefälle zu unserem Nachbarn. Die Entwässerung des Hofes erfolgt bis jetzt auf das Grundstück des Nachbarn, der ebenfalls eine Regenwasserversickerung hat. (Beide Grundstücke gehörten früher zu einem Bauernhof.)

    Bei dem Starkregen am Sonntag reichte die Versickerung des Nachbarn nicht aus, um seine und meine Wassermengen zu befördern, was zu einer leichten Überschwemmung bei meinem Nachbarn führte. Es gab keinen nennenswerten Schaden und mein Nachbar ist sehr gutherzig, aber jetzt braucht's eine dauerhafte Lösung, um mein Regenwasser auf meinem Grundstück zu entsorgen.

    Gestern war die zuständige Mitarbeiterin der Stadt bei uns und hat uns (also meinen Nachbarn und mich) beraten. Ergebnis dieser Beratung waren folgende Lösungsmöglichkeiten:

    - Anschluss des Hofes an die Stadtentwässerung. Dazu müsste die Stadt uns neu an die Regenwasserentsorgung (ist bei uns getrennt) anschließen, weil wir für das Haus ja Versickerung haben. Wir haben leicht ansteigendes Gefälle zur Straße und es ist fraglich, ob der Höhenunterschied ausreicht.
    - Anschluss des Hofes an die vorhandene Versickerung, ggf. nach Erweiterung derselben.
    - Bau einer eigenen, neuen Versickerung nur für den Hof. Das Grundstück ist mit 2700 m² groß genug.

    Meine Frage bezieht sich auf die Vorgehensweise.

    1. Kann ich einfach den nächsten Tiefbauer damit beauftragen, die vorhandene Versickerung mit einer Kamera oder so zu untersuchen und eine dazu passende Lösung anzubieten oder
    2. brauche ich einen Planer? Wer macht sowas? Gartenarchitekten?
    3. Wenn nicht? Kann jeder Tiefbauer eine Versickerung planen und bauen oder gibts da Spezialisten?

    Vielen Dank für eure Ratschläge!

    Patrick
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  2. Hofentwässerung

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  3. #2
    Bauexpertenforum
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    bevor wir anfangen klären wir das erst mal auf
    Zitat Zitat von Kanalpirat Beitrag anzeigen
    Wir haben leicht ansteigendes Gefälle zur ...
    Ansteigendes Gefälle ist wie die gerade Kurve.

    Liegt der Hof tiefer oder höher als die Straße?
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  4. #3
    Themenstarter

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    Gibt es eigentlich auch Gesteige?

    Also, der Hof liegt etwas tiefer als die Straße. Darum ist es ja fraglich, ob der Hof mit ausreichendem Gefälle an die Kanalisation angeschlossen werden kann.
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  5. #4

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    Zitat Zitat von Kanalpirat Beitrag anzeigen
    Gibt es eigentlich auch Gesteige?
    Das heisst dann Steigung. Da es aber darum geht, dass Wasser abfließt, ist es immer ein Gefälle. Das geht vom Hochpunkt zum Tiefpunkt. Ist wie mit der Wärmebrücke. Die ist zwar für den Menschen auf der Raumseite meist kalt und wird deswegen auch fälschlicherweise gern als "Kältebrücke" bezeichnet, ist aber, da es um den Abfluss von Wärme geht und damit wiederum um ein Gefälle geht, immer eine Wärmebrücke - die Wärme fließt, nicht die Kälte.
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  6. #5

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    Zitat Zitat von Kanalpirat Beitrag anzeigen
    Also, der Hof liegt etwas tiefer als die Straße. Darum ist es ja fraglich, ob der Hof mit ausreichendem Gefälle an die Kanalisation angeschlossen werden kann.
    Höhenunterschiede zwischen Straße und möglichem Hofeinlauf? Wie tief liegt die Regenwasserleitung in der Straße?
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  7. #6
    Bauexpertenforum
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    dann mal los:
    Hofflächen, die unterhalb des Niveaus der Straßenoberkante liegen sollte man tunlichst nicht an die öffentliche Kanalisation anschließen, selbst wenn der Hofeinlauf höher liegt als der RW-Kanal in der Straße.

    denn:
    • macht man dies ohne Rückstausicherung, dann freut sich die Stadt über ein privates Rückhaltebecken und man selbst muss damit rechnen, dass bei einem zulässigen Einstau des öffentlichen Kanals bis zur Straßenoberkante auch Wasser im Hof steht.
    • Rückstausicherung für Hofflächen ist immer seeehr teuer, denn man kann im Fall eines Rückstaus ja nicht einfach zumachen sondern muss auch das Wasser von der eigenen Hoffläche zwischenspeichern oder wegpumpen.
    • Nebenbei entstehen dann ja auch noch Kosten für den Anschluss und jährliche Gebühren.


    Es spricht also doch einiges für eine Versickerung

    Zu den Fragen:
    Zitat Zitat von Kanalpirat Beitrag anzeigen
    Meine Frage bezieht sich auf die Vorgehensweise.

    1. Kann ich einfach den nächsten Tiefbauer damit beauftragen, die vorhandene Versickerung mit einer Kamera oder so zu untersuchen und eine dazu passende Lösung anzubieten oder
    2. brauche ich einen Planer? Wer macht sowas? Gartenarchitekten?
    3. Wenn nicht? Kann jeder Tiefbauer eine Versickerung planen und bauen oder gibts da Spezialisten?
    zu 1: kein guter Weg: Tiefbauer haben in der Regel keine Kameras etc. Sie werden auch nicht beurteilen können, ob die vorhandene Versickerungsanlage noch Reserven hat und sie werden auch keine Versickerung planen können oder wollen.

    zu 2: um einen Planer wirst du nicht drum rum kommen. Gartenarchitekt ist eher wenig geeignet. Zur Bemessung der Versickerung brauchst du in jedem Fall einen Bodengutachter. Viele Bodengutachter können dann auch die notwendige Größe einer Versickerungsanlage schon berechnen. Die wenigsten Bodengutachter werden dir aber eine Planung dafür machen können. Dafür empfehle ich dann doch einen örtlich ansässigen Kollegen meiner Zunft (Wasserbau, Siedlungswasserwirtschaft, Tiefbauplanung etc.).

    zu 3: zur Planung wie zuvor beschrieben. Bauen wird dass dann tatsächlich jeder Tiefbauer können, aber sicherlich auch fast jeder gute Gartenbaubetrieb.

    Viel Erfolg.
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  8. #7
    Themenstarter

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    So machen wir es. Mein Nachbar hat Kontakte zu einem seriösen Rohrreiniger, der seine und meine Versickerung spült, saugt und filmt. Dazu habe in Münster ein Ingenieurbüro gefunden, die auch Siedlungswasserwirtschaft machen. Der Rohrreiniger arbeitet nach deren Vorgaben, und dann machen wir noch eine Bodenprobe. Dann geht der Ingenieur ran und sagt, was gemacht werden soll.

    Danke für die Ratschläge. Wir sind wohl auf der richtigen Spur.

    Viele Grüße,

    Patrick
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  9. Schau dir mal das Bauherren-Handbuch an.. Sehr viele nützliche Infos!
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  10. #8
    Bauexpertenforum
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    noch ein paar Hinweise:

    bzgl. Bodenproben, auch wenns von der gängigen Meinung abweicht:
    • es gibt Gegenden, da kann ein guter Bodengutachter die grundsätzliche Eignung zur Versickerung auch ohne vorlaufende Bohrungen genau genug abschätzen.
    • es gibt Gegenden, da kann das selbst der beste Bodengutachter nicht
    • ein guter Bodengutachter wird das auch vorab einschätzen können
    • in beiden Fällen ist es sehr sinnvoll und viel mehr wert als die vorlaufende Bohrung, dass der Bodengutachter noch mal ins offene Loch guckt, vorlaufender Schürf ist das Stichwort



    Letztendlich geht es um die Festlegung eines kf-Wertes, der dann zur Dimensionierung der Versickerungsanlage herangezogen wird.
    Da sich der kf-Wert aber selbst im Laborversuch nicht wirklich reproduzieren lässt müssen die Dimensionierungsregeln ausreichend interne Sicherheiten haben.

    Glücklicherweise sind die für die Kosten einer Versickerungsanlage maßgebenden Erdarbeiten nicht wirklich teuer, die maßgebenden Kosten der Versickerungsanlage definieren sich eher aus anderen Kriterien (Filter, Länge der Zuleitung, Verlegetiefe, Oberflächenwiederherstellung).

    Ob man die Anlage jetzt um 2 % oder 200 % überdimensioniert macht von den Kosten nicht wirklich den Kohl fett. Da Versickerungsanlagen auch altern habe ich mir angewöhnt, diese ziemlich großzügig zu dimensionieren, solange es keine räumlichen Zwangspunkte gibt.
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  11. #9
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    Hallo,

    neben dem Hof ist eine Wiese von etwas größerer Fläche als der Hof. Die Wiese wird von uns nicht genutzt, ich habe sie den ganzen Sommer nicht gemäht, es ist also wirklich eine Wiese. Der Ingenieur hatte gleich die Idee, die Wiese x Zentimeter auszukoffern und als Oberflächenversickerung zu nutzen, evtl. bepflanzt mit Schilf oder so. Ich bin gespannt....
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