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Interessantes Urteil

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  1. #1

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    Interessantes Urteil

    Ich hab gerade von einem Bauherren, seines Zeichens Rechtsanwalt (aber kein Baurecht) ein spannendes Urteil des OLG Düsseldorf (I-22 U 57/15 v. 23.10.2015) zur Kenntnis bekommen.

    Inhalt: Ein Haus, drei völlig unabhängig vergebene Gewerke, (Trocki - Fensterbauer - Heizungs- und San.-Inst) haben durch diverse Löcher in der luftdichten Hülle insgesamt 5 (in Worten fünf) BDT erforderloich gemacht (ob incl des ersten oder insgesamt 6 habe nicht herauslesen können), für die Bauherren von den drei Firmen die Kosten gesamtschuldnerisch eingefordert haben.
    Diese haben sich dagegen gewehrt und wollten nur gemäß ihres Anteils an der Leckrate beteiligt werden.

    Das OLG hat entschieden, dass die Firmen gesamtschuldnerisch haften, da sie eine einheitliche Bauleistung, hier Luftdichtheit, zu erbringen hatten, auch wenn sie unabhängig von einander beauftragt waren und gearbeitet hätten.
    Den Ausgleich der Kostenanteile mögen die Firmen bitte im Innenverhältnis abrechnen!

    Besonders spannend fand ich einen der Leitsätze, die der Kommentator aus dem Urteil heruslesen zu können meinte.
    Blower-Door-Tests sind grundsätzlich bereits nach Fertigstellung der Gebäudehülle durchzuführen, da durch eine Luftdichtigkeitsmessung in diesem Zeitpunkt Undichtigkeiten regelmäßig einfacher nachgebessert werden können als nach Fertigstellung des Gebäudes.
    Ich kann das so direkt daraus nicht lesen, aber wenn sich das durchsetzen würde, wäre ich sehr glücklich.

    Vielleicht können sich unsere Rechtskundigen das Urteil mal ansehen und sich dazu äussern.
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  2. Interessantes Urteil

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  3. #2

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    Darf ich klugscheißen...?

    \klugscheißmodus an
    gemeint ist vermutlich keine Luftdichtheitsmessung, sondern die Durchführung einer Leckagesuche, welche in einem vergleichbarem Unterdruck wie bei einer Luftdichtheitsmessung durchgeführt wird.
    Das alleinige Bestimmen einer Luftwechselrate (also ohne Leckagesuche) halte ich für wenig zweckmäßiges Anliegen für die Durchführung während der Bauphase.
    \klugscheißmodus aus
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  4. #3
    Bauexpertenforum Avatar von mls
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    Zitat Zitat von Alfons Fischer Beitrag anzeigen
    Darf ich klugscheißen...?

    \klugscheißmodus an
    gemeint ist vermutlich keine Luftdichtheitsmessung, sondern die Durchführung einer Leckagesuche, welche in einem vergleichbarem Unterdruck wie bei einer Luftdichtheitsmessung durchgeführt wird.
    Das alleinige Bestimmen einer Luftwechselrate (also ohne Leckagesuche) halte ich für wenig zweckmäßiges Anliegen für die Durchführung während der Bauphase.
    \klugscheißmodus aus
    warum soll keine luftdichtigkeitsmessung gemeint sein? das (B)
    ist in dieser form ein wesentlicher schritt auf dem richtigen weg.

    wenn ich deinen zweiten satz richtig interpretiere, möchtest du bei
    undichtigkeiten, die von bauwerkszerstörern mit unterstützung durch
    untätige bauleiter an einem zuvor intakt-luftdicht hergestellten rohbau
    herbeigeführt werden, die ursachenfindung und die findung der zu
    beteiligenden schuldner verkomplizieren. gut .. spannend

    natürlich reicht verfahren B allein nicht aus - nur im nutzungszustand
    abzudrücken, ist aber auch unfug.
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  5. #4

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    ich will ja abdrücken. Nur soll rein formaljuristisch die Bestimmung der Luftwechselrate n50 (damit meine ich die oben fett geschriebene "Messung") im Nutzungszustand (also bezugsfertig) erfolgen.
    Ich kann aber auch akzeptieren, dass es in der Praxis oftmals anders gehandhabt wird.

    Verfahren A und B hat nix mit dem Zeitpunkt der Messung zu tun. Wird nur oft falsch so ausgelegt.
    beim flib www.flib.de kann man in den FAQs nachlesen:
    Was ist unter Verfahren A und Verfahren B zu verstehen?
    Die Messnorm DIN EN 13829 beschreibt zwei Arten der Luftdurchlässigkeitsmessung: Verfahren A und Verfahren B. Die beiden Verfahren unterscheiden sich in der Gebäudepräparation.
    ■ Bei Verfahren A wird das Gebäude im Nutzungszustand geprüft. "Der Zustand der Gebäudehülle sollte dem Zustand während der Jahreszeit entsprechen, in der Heizungs- oder Klimaanlagen benutzt werden."
    ■ Bei Verfahren B wird die Gebäudehülle geprüft. "Alle absichtlich vorhandenen Öffnungen in der Gebäudehülle werden …[entsprechend den Beschreibungen in DIN EN 13829] geschlossen oder abgedichtet.“

    Beide Verfahren unterscheiden sich nicht im Messzeitpunkt. „Die Messung kann erst stattfinden, nachdem die Hülle des zu untersuchenden Gebäudes oder Gebäudeteils fertiggestellt ist.“ Früh angesetzte, baubegleitende Untersuchungen zur Überprüfung der Luftdichtheitsschicht sind weder dem Verfahren A noch dem Verfahren B zuzuordnen.
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  6. #5
    Bauexpertenforum Avatar von mls
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    sollen wir mal überlegen, was bei auslegung von verfahren B,
    angeblich zum gleichen zeitpunkt wie verfahren A, passiert?

    wer den denkfehler beim flib findet, darf sich eine grosse tüte
    gummibärle kaufen
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  8. #6

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    Zitat Zitat von Ralf Dühlmeyer Beitrag anzeigen

    Das OLG hat entschieden, dass die Firmen gesamtschuldnerisch haften, da sie eine einheitliche Bauleistung, hier Luftdichtheit, zu erbringen hatten, auch wenn sie unabhängig von einander beauftragt waren und gearbeitet hätten.
    Den Ausgleich der Kostenanteile mögen die Firmen bitte im Innenverhältnis abrechnen!

    Besonders spannend fand ich einen der Leitsätze, die der Kommentator aus dem Urteil heruslesen zu können meinte.

    Ich kann das so direkt daraus nicht lesen, aber wenn sich das durchsetzen würde, wäre ich sehr glücklich.
    Ab wann sieht man als Experte die Gebäudehülle als fertig an, sodass ein BDT (mit Lecksuche) sinnvoll ist?!
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  9. #7

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    Zitat Zitat von mls Beitrag anzeigen
    sollen wir mal überlegen, was bei auslegung von verfahren B,
    angeblich zum gleichen zeitpunkt wie verfahren A, passiert?
    Der Briefkastenschlitz wird abgedichtet und die Entrauchung des Aufzugschachts. auch die Lüftungsanlage und so'n Zeug
    An was denkst Du?


    Zitat Zitat von lawrence Beitrag anzeigen
    Ab wann sieht man als Experte die Gebäudehülle als fertig an, sodass ein BDT (mit Lecksuche) sinnvoll ist?!
    soll es nur zur Leckagensuche sein? Dann hängt es von der Leistungsfähigkeit des Ventilators ab. Da habe ich auch schon in nur teilverputzten Neubauten gearbeitet... Aber dann halt ohne Bestimmung von n50
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