Architektouren 1 -der Genius Loci

Diskutiere Architektouren 1 -der Genius Loci im Architektur Allgemein Forum im Bereich Architektur; Viele reden von Baukultur. Einige bauen Kultur. Andere sagen, jeder sollte so bauen, wie er es für richtig hält, Schliesslich ist es das eigene...

  1. #1 Ingo Nielson, 15. Februar 2004
    Ingo Nielson

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    Viele reden von Baukultur. Einige bauen Kultur. Andere sagen, jeder sollte so bauen, wie er es für richtig hält, Schliesslich ist es das eigene Haus. Lassen wir einfach mal Bilder sprechen! Schliesslich kommen wir oft an Häusern vorbei, die zum Thema passen. Da sieht man bis ins Detail geplante Fassaden oder wunderbare Mauerwerksverbände. Hin und wieder ist es auch die Farbgebung, die uns zweimal hinschauen lässt. Ich habe ja öfter mal vom "Genius Loci" geschrieben, dem Geist des Ortes, den man bei der Planung des Hauses mit einfliessen lassen sollte. Ich habe gestern ein Beispiel fotografiert und möchte als erstes mal das Thema "Genius Loci" diskutieren. Vielleicht hat jemand von Euch gute und schlechte Beispiele auf seiner Festplatte gespeichert, die zum Thema "Genius Loci" passen. Vielleicht können wir anhand der Beispiele herausarbeiten, was damit eigentlich gemeint ist.
    Hier also mein erstes Beispiel:
     
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  3. lakra-man

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    Gute Idee

    Da werde ich gerne mitlesen und -lernen.
    .
    Hallo Ingo,

    und wenn versucht wird das Ganze auf dem Niveau eines interessierten Lesers zu halten, wird's bestimmt auch was Lehrreiches, damit man/frau unterwegs noch mehr die Augen öffnet.
    .
    Viel Glück bei diesem Vorhaben
    Gruß und schönen Sonntag an alle

    Klaus
     
  4. #3 C. Schwarze, 15. Februar 2004
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    Diese ins Auge stechende weiße 4er-Fensterfront sieht dank der helleren Verfärbung oberhalb des Sturzes nach einer nachträglichen Veränderung der Front aus.
    Zumindest die weiße Kunstofffront hätte man auch aufmauern können und statt der 4er nen 2er Fenster nehmen können und dann auch wenn rechts das Fenster dem linken entspricht(auch 2er).
    Dann hätte man auch die selbe Höhe der Fenster nehmen sollen.
    Aber auch keins der 3 Gebäude passen zusammen.

    hier könnte man auch keinen Spiegel dranhalten.
    http://www.livingathome.de/planen_bauen/architektenhaeuser/haus.jsp?hausid=83
     
  5. JDB

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    2 Zwischenfragen und 1 Lob:

    Frage 1: Ist korrektes Latein nicht : "Genius Locus" ? :)
    Und wenn Plural, stimmt dann "Genius"?

    Frage 2: Soll dein Bild ein positives oder ein negatives Beispiel sein ?

    Lob 1: Super Idee. schaunwamal...
     
  6. hscholl

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    genius loci

    heißt : der Schutzgeist des Ortes
    loci (langes i) ist also subst. Genetivobjekt zu genius;
    der Plural von locus ist loca !

    nichts für ungut, herr debakel ! dafür enträtseln Sie viel viel besser !
     
  7. JDB

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    Danke für die Info.
    Wieder was gelernt !
    Bald kann ich mich doch mal bei Günny Jauch anmelden...
    :)

    mooooment, eine Frage stellt sich mir dann doch noch :
    "genius" heißt also Schutzgeist und hat nix mit "genie" bzw "genial" zu tun ?
     
  8. #7 Torsten Stodenb, 15. Februar 2004
    Zuletzt bearbeitet: 15. Februar 2004
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    Wenn Du krank bist, zieh' in ein Holzhaus. Wenn das nicht hilft, geh' zum Arzt. (schwed. Sprichwort)
    Grosses Lob!

    Endlich wird mal nicht nur abstrakt über Baukultur schwadroniert, sondern es wird konkret, so dass für mehr Interessenten eine gemeinsame Gesprächsbasis besteht. Jetzt gilt es nur aufzupassen, dass man nicht begrifflich aneinander vorbeiredet. Deshalb ist auch die betr. Bemerkung von lakra-man zur wünschenswerten Diktion sehr gerechtfertigt. Trotzdem sollten wir uns jedoch bemühen, die Diskussion nicht verflachen zu lassen. Ich weiss, das kann manchmal eine Gratwanderung bedeuten. Die Unterrichtswisssenschaft nennt so etwas "didaktische Reduktion" der Darstellung wissenschaftlicher Sachverhalte, so dass die Aussagen auf einem eher laienhaften Niveau verständlich, aber nicht sachlich unkorrekt werden. Dies sollte in unserem Falle nicht so schwer werden.
     
  9. #8 Torsten Stodenb, 15. Februar 2004
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    Wenn Du krank bist, zieh' in ein Holzhaus. Wenn das nicht hilft, geh' zum Arzt. (schwed. Sprichwort)
    Erste Assoziation beim Anblick des Fotos: Gehört ein Pickel eigentlich zu einem Gesicht? Vorsicht, die Frage könnte hintergründig sein!
     
  10. #9 Johannes, 16. Februar 2004
    Zuletzt bearbeitet: 16. Februar 2004
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    Ich würde sagen, Negativbeispiel.

    Trotzdem (und nicht deshalb) lässt sich der Genius loci aus diesem Bild wenig ablesen. Wie sähe denn ein Rundumblick aus? Liegt das an der Peripherie einer Stadt oder Siedlung? Ich vermute es. War da mal eine Allee? Ist das eine ehemals ländliche Gegend? Oder gab es hier Industrievorläufer? usw.

    Andere Frage: Dieser (äußerst hässliche) Metallzaun ist das ein Rollgitter? Der Platz im Vordergrund, der ausgeleuchtet werden kann, ist das ein Parkplatz, oder steht da normalerweise etwas, was jetzt gerade nicht da ist?

    Das vordere Gebäude kann ich nicht einschätzen. Es scheint nicht so alt zu sein, wie man meinen sollte, obschon es schon alt genug ist, um bereits Umbauten erlebt zu haben, welche der (giebelseitigen) Fassade allerdings nicht gut taten. (Die Fenster, das sind doch Sprossen in Aspik oder?). Diese hohe Satteldach entspricht das irgendeinem regionalen Baustil? Was hatte dieses Gebäude früher mal für eine Funktion? Auf mich wirkt es pseudohistorisch. Fehleinschätzung vorbehalten.

    Das weiße Gebäude weiter hinten (das mit dem Schieferwalmdach) vertritt einen ganz anderen Baustil. Obwohl es moderner wirkt, handelt es sich möglicherweise sogar um das ältere. Mir erscheint es authentischer, geschlossener als das vordere. Das dritte dazwischen lässt sich nicht erkennen.

    Und dann sind linkerhand diese unsäglichen Gebäude, irgendeine Formation liebloser Bauten mit gemischter Nutzung und teils (ich behaupte mal ungewollt) temporärem Flair.

    Was man also auf dem Bild sieht, ist eine Ansammlung mehrerer Gebäude, die sich nicht zu einem Ensemble verbinden wollen, deren Gegenüberstellung sich eher misslich zeigt, und bei denen mindestens drei Typologien auf nahezu engstem Raum vertreten sind.

    Alleine das ist doch ein ausreichendes Indiz, um behaupten zu dürfen, das "Wesen des Ortes" fand bei seiner Bebauung allzu häufig leider keinen Niederschlag.
     
  11. JDB

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    :respekt :D
     
  12. #11 Johannes, 16. Februar 2004
    Zuletzt bearbeitet: 16. Februar 2004
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    krzfx....

    auch noch falsche Syntax .......darf ja mal passieren *g

    ich korrigier mal nachträglich JDB

    Gruß
     
  13. #12 Torsten Stodenb, 16. Februar 2004
    Zuletzt bearbeitet: 16. Februar 2004
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    Wenn Du krank bist, zieh' in ein Holzhaus. Wenn das nicht hilft, geh' zum Arzt. (schwed. Sprichwort)
    Um mal zu spekulieren

    Obwohl man die Dinge nicht deutlich genug erkennen kann, habe ich den Eindruck, dass es keinen Genius Loci gibt, sondern derer zwei. Also könnte man von "Genii Loci" sprechen, was wiederum zwei Bedeutungen hat: 1. Die Wesen des Ortes, 2. die Klogeister. Einer haust in dem hinteren Walmdachhaus, und der andere hält das vordere Ensemble besetzt. Beide halten aber nicht viel vom Nachbarn.

    "Ensemble"? Ja, sicher! Denn wenn man genau hinsieht, dann fallen funktionale Zusammenhänge zwischen dem Gewerbebau links und dem roten Haus vorn rechts auf. Die Verbindung wird durch den grossen weissen Metallzaun hergestellt, der beide Gebäude verbindet. Links sieht man ein breites Tor ("Rolltor" wahrscheinlich, genau), durch das vermutlich LKW's auf das Gelände fahren können. Links dahinter kann man noch einen Fussgängerdurchgang vermuten, aber nicht erkennen. Weil vorn an der blauen Front kein nahegelegener Eingang für Besucher oder Angestellte zu sehen ist, könnte sich dieser auf der anderen Seite des Gebäudes befinden. Falls aber nicht, könnte sich das Büro auch in dem roten Haus befinden, was nicht typisch ist, aber in dieser Art vorkommt. Dazu würde dann der vordere Parkplatz passen. Das Foto wurde dann wohl an einem Wochenende aufgenommen. Natürlich können in dem Haus auch der Inhaber oder meinetwegen der Geschäftsführer oder der Hausmeister wohnen.

    Was mich irritiert, sind die Scheinwerfer. Wird da etwa dieser Klinkerbau angestrahlt? Glaub ich irgendwie nicht. Oder Josues Vermutung ist richtig, und auf diesem Platz befand sich bis vor kurzem ein Objekt, das gezeigt werden sollte. Ein Musterhaus?

    Auf alle Fälle werden das Gewerbegebäude links und das Wohnhaus vorn rechts denselben Besitzer haben. Vielleicht wohnt dieser sogar in dem Walmdachhaus hinten? Dann hätte dieser sogar drei Seelen in seiner Brust. Oder drei Architekten, die entweder nichts zu sagen hatten, oder die sich unbedingt von den anderen unterscheiden wollten, koste es , was es wolle. Aber was soll's, in den USA findet man manchmal drei oder mehr Stile an einem einzigen Gebäude. Such is Life. Ein einzelner solcher gestalterischer Ausrutscher ist nicht schlimm, wenn er in der Gegend die Ausnahme ist. Dann kann er sogar als disharmonischer Reiz belebend wirken und irgendwie dazugehören. Wie ein Pickel im Gesicht.
     
  14. #13 Ingo Nielson, 16. Februar 2004
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    ergänzung: es handelt sich um eine gebäudeansammlung an einer ausfallstraße. es ist eine - an einigen stellen ausgefranste - allee mit altem baumbestand. rechts neben dem verklinkerten haus befindet sich eine tankstelle. die häuser im hintergrund sind die ältesten, danach wurde der gewerbekomplex gebaut, dann das verklinkerte haus.
    wie geht man eigentlich mit so einem ort um? wer fühlt sich verantwortlich für solche orte? was wäre an dieser stelle dem ort angemessen? habt ihr irgendwelche ideen oder beispiele, die in ähnlicher lage gebaut wurden?
     
  15. bau.de_RS

    bau.de_RS

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    The man they called heatboard
    Schade!

    Eine derartige konkrete Diskussion hätte ich mir gerne schon vor längerer Zeit auch an anderer Stelle gewünscht.
    EIn paar Beispiele würde ich auch gerne dazu beitragen, weiß allerdings nicht, in wie weit es rechtlich zulässig ist, Bauwerke Dritter zwecks kritischer Diskussion ungefragt anzulichten und im Web zu präsentieren. Wer weiß Rat? Hier könnte sich mal ein Jurist positiv hervortun ;-)
     
  16. lakra-man

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    @ alle

    ich bin ja nur einer, der mit dem "Griffel" (Schreibgerät) umzugehen weiß. Aber diese Beiträge, ja, über die freue ich mich echt.
    .
    Hab mich heute auf dem Heimweg selbst dabei "erwischt", aufmerksamer die Strecke zu beobachten, die ich seit über 20 Jahren fahre.
    .
    Danke für die Idee, Ingo!
    Gruß
    Klaus
     
  17. #16 Torsten Stodenb, 16. Februar 2004
    Torsten Stodenb

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    Wenn Du krank bist, zieh' in ein Holzhaus. Wenn das nicht hilft, geh' zum Arzt. (schwed. Sprichwort)
    "Wie geht man eigentlich mit so einem Ort um?"
    Rückfragen: a) Wann geht man eigentlich mit dem Ort um? Vor dem Bau oder nach dem Bau? b) Wer ist "man"? Der Städteplaner, der Bauausschuss, der Grundstückskäufer, der Bauherr, der Architekt?

    "Wer fühlt sich verantwortlich für solche Orte?"
    Also konkret: Wer von den Obengenannten fühlt sich verantwortlich, und wer sollte sich verantwortlich fühlen, Verantwortung übernehmen und entsprechend handeln? Daraus ergibt sich auch die Frage, wem gegenüber die Verantwortlichkeit gelten solle, bzw. auch, wem gegenüber sich der Einzelne in der Realität verantwortlich fühlt.

    Das ist ein Thema für sich, das aber die eigentliche Substanz eines Genius Loci stellt. Der Genius Loci ist ja kein abstrakter Weltgeist wie bei Hegel, dem sozusagen eine Eigendynamik innewohnt. Sondern was ein Ort ausstrahlt, der von Menschen bewusst oder weniger bewusst gestaltet wurde, ist letztlich ein Abbild der den handelnden Menschen eigenen, persönlichen Kultur, eine Veräusserlichung des herrschenden Zeitgeistes oder der konservativen Beharrungskräfte, eine Andeutung von Zielen, die man mit einem Bau erreichen möchte, ein Verraten des wirtschaftlich Status wie des persönlichen Geschmacks. Wie weit sich diese Motive durchdringen und gegenseitig beeinflussen, und welche der beteiligten Personen dabei welche Einflüsse genau haben, soll hier nicht erörtert werden, kann aber bei einer weiteren Diskussion gut im Hinterkopf abrufbar bleiben, um eine Verselbstständigung des Kulturbegriffs zu vermeiden. Wenn wir immer zuerst die Fragen nach den handelnden und den betroffenen Menschen stellen, landen wir bei einem Kulturbegriff, der sich direkt aus den Lebensverhältnissen und (sicher auch) den Träumen der Menschen ableitet. "Die Gesellschaft" als Kategorie wäre mir viel zu abstrakt und zu manipulierbar.

    Nach dieser kurzen Vorrede nun einige noch kürzere Hauptsätze (weil meine Zeit gleich schon wieder um ist):

    "Was wäre an dieser Stelle dem Ort angemessen?"
    Tja, das wäre beantwortet, wenn man das oben angedeutete Beziehungsgeflecht genau auseinanderdröseln und bewerten würde. Ohne dies hier leisten zu können, nur einige Einzelaspekte:

    Zunächst lässt sich wohl sagen, dass die Bildperspektive das Hauptproblem, nämlich das unmotiviert wirkende Klinkerhaus, überbetont. Es knallt richtig ins Auge und ins Hirn! Mehr von links, gegenüber dem Gewerbebau stehend, hätte ein Foto eine relativierende Wirkung gehabt. Aber vielleicht sollte der Betrachter gerade mit der Nase auf etwas gestossen werden, was sonst vielleicht nicht jedem sofort aufgefallen wäre?

    Das zweite Foto zeigt, dass die diskutierte Bebauung direkt an eine reine oder überwiegende Wohnbebauung anschliesst. Dazu fällt mir mein schon oft gehabter Eindruck ein, dass bei Mischgebieten und erst recht in reinen Gewerbegebieten häufig ein ausgeprägtes Laissez faire herrscht, was gestalterische Vorgaben oder Kontrollen angeht. Und das kann natürlich danebengehen, wenn auf der einen Seite gleich 30 m weiter die nächste Wohnsiedlung beginnt und auf der anderen Seite eine Hauptverkehrsstrasse vorbeiführt. Tempo 50 kann dann seelische Grausamkeit bedeuten, weil man dabei noch gut erkennen kann, an was man entlangfährt.

    So, jetzt muss ich meine Tochter in die Stadt bringen. Tschüss!
     
  18. Johannes

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    Torsten

    Sie machen eingangs aus der Frage (selbst wenn Sie das als Rückfrage deklarieren),"wie geht man eigentlich mit dem Ort um?" ein "wann geht man eigentlich mit dem Ort um?".

    Das ist so nicht wirklich zulässig.

    Darauf basierend reduzieren sie diese Frage auf eine technische. Nämlich, der Ort als Bedieneroberfläche für einen Zeitpunkt vor dem Bau und einem nach dem Bau.

    Was hat das mit dem 'Wesen des Orts' zu tun?

    Die Frage nach dem "wie geht man eigentlich mit dem Ort um?" beinhaltet wesentlich mehr als ein "wie kann ich den Ort verändern?"

    Mit einem Ort umzugehen kann auch Genießen, Erleben, Kontemplation bedeuten und dafür ist keine der von Ihnen angeführten "Handelnden" (der Städteplaner, der Bauausschuss, der Grundstückskäufer, der Bauherr, der Architekt ) tatsächlich und ausschießlich in besonderem Maße beauftragt. Von wem auch?

    Das ist eine Sache, die potentiell jedes Menschen Sache ist, und so, meine ich, sollte die Frage auch verstanden werden.

    Diese Frage nach dem 'Wie' zu beantworten, ohne sich aufgrund einer Ausbildung oder Berufstätigkeit insbesondere dazu berufen zu fühlen, oder ohne sich aufgrund eine fehlenden Ausbildung oder Berufstätigkeit dazu nicht legitimiert zu fühlen, führt mit erhöhter Erfolgsaussicht zum 'Genius Loci', vorrausgesetzt natürlich, es besteht überhaupt die Fähigkeit einen Ort wahrzunehmen und sich dafür zu interessieren.

    Mit Bauen hat das erst mal gar nichts zu tun. Soviel zu Punkt a.)
    Und zu b.) Sie und jeder

    Gruß
     
  19. #18 Torsten Stodenb, 17. Februar 2004
    Zuletzt bearbeitet: 17. Februar 2004
    Torsten Stodenb

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    Ich finde aber schon, dass meine Fragen so zulässig waren. U.a. deshalb, weil ich der Ansicht war und noch bin, dass es bei der Fragestellung nicht primär darum geht, wie die vom Ort betroffenen mit diesem umgehen, und wie sie ihn antizipieren, sondern darum, was die, die den Ort so geschaffen haben, falsch oder richtig gemacht, und was man daraus lernen kann. Wenn nämlich der Genius Loci Ausdruck auch der Belebtheit und Geschichte eines Ortes ist, dann drängt sich wohl die Frage auf, ob in unserem Beispiel diejenigen, die den Ort gestaltet und gebaut/bebaut haben, den bis dahin herrschenden Genius Loci angemessen Rechnung getragen haben. Darüberhinaus frage ich mich, welchen Anteil die Menschen, die den Ort beleben und nutzen, im Verhältnis zu denen, die ihn schufen, haben. Weiche Prägung - harte Prägung im historisch-dialektischen Verhältnis? Und dann: Weiterentwicklung oder nur Andersentwicklung? Einer Gesetzmässigkeit gehorchend oder nur Veränderung aufgrund einer Vielzahl äusserer Faktoren oder sogar zufälliger Ereignisse?

    Sodann habe ich die Frage keineswegs auf eine "technische" reduzieren wollen, sondern ich habe sie wegen ihrer Vieldeutigkeit in ihre semantischen Einzelteile zerlegt, man kann auch sagen, ich habe sie so instrumentalisiert, dass daraus Werkzeuge mit eindeutiger Bedeutung zwecks Beantwortung von Fragen wurden, die der ursprünglichen Frageform zwar inhärent sind, die aber nicht explizit formuliert wurden. Wir können natürlich auch weniger systematisch diskutieren. Jedoch redet man dann erfahrungsgemäss oft aneinander vorbei.

    Ihren zweitletzten Absatz verstehe ich schlichtweg nicht. Was wollten Sie denn sagen?

    Was ich noch gern wissen möchte, ist, mit wem ich mich eigentlich unterhalte. Ich bin jedenfalls identisch mit dem Namen, den ich angegeben habe, und stehe auch zu meiner Meinung.

    Im übrigen scheint die Fragestellung des Threads sowieso fast niemanden zu interessieren. Worüber wundern wir uns also, wenn uns beim Anblick mancher Bebauungen die Haare zu Berge stehen?
     
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  21. #19 Ingo Nielson, 17. Februar 2004
    Ingo Nielson

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    ich glaube, es wundert kaum jemanden mehr, weil solche bebauungen fast zur regel - und damit zur sehgewohnheit- geworden sind. es ist ein dilemma mit der deutschen baukultur und dem genius loci. :-(
     
  22. #20 C. Schwarze, 17. Februar 2004
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    Zeigen Sie doch mal ein paar Bilder von ihren gebauten Häusern und die Umgebung, so zum vergleichen.
     
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