Bauen auf minimaler Grundstücksfläche - was geht?

Diskutiere Bauen auf minimaler Grundstücksfläche - was geht? im Architektur Allgemein Forum im Bereich Architektur; Hallo zusammen! Dies soll mein erster Beitrag in diesem Forum sein und dabei möchte ich auch gleich mit in die Diskussion einsteigen. Das...

  1. Hunderter

    Hunderter Gast

    Hallo zusammen!

    Dies soll mein erster Beitrag in diesem Forum sein und dabei möchte ich auch gleich mit in die Diskussion einsteigen.

    Das Thema: Es geht um Häuser mit minimalem Grundstück.

    Vor kurzem hatte ich die Möglichkeit ein paar Wochen Urlaub in Japan zu machen. In den Städten dort (allen voran natürlich Tokio) herrscht noch wesentlich größerer Platzmangel als das in den deutschen Grossstädten der Fall ist. Die Folge war, dass man begonnen hat den zur Verfügung stehenden Platz in jeder Hinsicht so effizient wie möglich zu nutzen. Heraus gekommen sind dabei unter anderem Häuser, die oftmals gerade nur so breit sind wie die Garage auf dem das Haus gebaut ist.

    Doch auch in Deutschland gibt es schon erste Projekte dieser Art:

    Letztes Jahr habe ich in einer Zeitschrift vom "Minimum Impact House" gelesen (www.minihouse.info) - ein Projekt, bei dem es darum geht den städtischen Raum "nachzuverdichten" und auf einer minimalen Grundstücksfläche (nur etwa 30 qm) inmitten einer Grossstadt (Frankfurt) ein relativ kostengünstiges Einfamilienhaus (Grundstück ca.40T€ + Bau ca. 240T€) zu errichten.

    Ein weiteres Beispiel: In Kiel steht das wohl schmalste Ökohaus Europas. Ein Architekt nutze eine Baulücke zwischen zwei Häusern. Während an der Vorderseite das Grundstück etwa vier Meter misst sind es an der Rückseite gerade noch 80 cm. (http://www.freiraumschutz-nrw.de/joomla/index.php?option=com_content&task=view&id=118&Itemid=36)

    Nun zur Diskussionsanregung:
    Bauen auf minimaler Grundstücksfläche - was geht?

    Obige Beispiele sind wohl eher "Extrembeispiele". Dennoch frage ich mich eben, was in Deutschland zu errichten möglich ist. Dabei habe ich vor allem Großstädte wie z.B. München im Hinterkopf, wo bekannterweise die Grundstückskosten recht hoch sind und daher dort ein Konzept, welches mit einem minimalem Grundstück auskommt, ganz besonders interessant wäre.

    Unter anderem stellen sich zu dem Thema einige Teilfragen:

    • Ist es überhaupt möglich ein solches "Minigrundstück" (also z.B. 4x10m) zu finden und hierfür eine Baugenehmigung zu bekommen?
    • Was geht seitens Bauverordnungen an Architektur in solch einem Objekt überhaupt?
    • Welche Herausforderungen wird man im Rahmen von solch einem Projekt zu erwarten haben? (von den "normalen" Hausbau-Herausforderungen mal abgesehen)

    Ich bin gespannt auf eure Meinungen...

    Viele Grüße,
    Hunderter
     
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  3. Schwarz

    Schwarz

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    wie du richtig anführst sind ja einige objekt in deutschland ausgeführt worden. diese stehen ja auf eben solchen grundstücken. ebenso wurden sie genehmigt.

    finden? aufmerksam durch die städte fahren, baulücken gibt es mal mehr, mal weniger. auch die geodätischen systeme, die frei verfügbar sind, können dir bei manchen ortslagen bei der suche sicher helfen.
    www.gds.hessen.de
    so etwas wie makler soll es ja auch noch geben.
    hatte letztes jahr mal was mit "üppigen" 6m in einer innenstadt als anfrage, was sich dann allerdings zerschlagen hat. größere lücken hatten wir im rm-gebiet immer mal. da kamen dann schon üppigere bauträgerobjekt bei raus.

    der bauordnung ist die breite und die höhe eines gebäudes zunächst mal "fast" egal. im rahmen der fähigkeit des gestalters ist hierfür dann eine entsprechende lösung zu finden.

    hauptkriterien, baurechtlich, städtische lücke ad hoc aus dem bauch raus:

    - die gebäudeklasse ergibt sich aus der bauordnung anhand der höhenlage des obersten nutzbaren geschosses. je nach gebäudeklasse kann ein regelgerechter treppenraum erforderlich sein. der braucht richtig platz. abweichungen erforderlich. brandschutztechnische kompensation suchen und finden, genehmigen lassen, ausführen.
    - rechts und links i.d.r. eine brandwand als gebäudetrennwand. ggf. keine dachaufbauten oder dff möglich.
    - kriterium der anleiterbarkeit erfüllen.
    - bauweise ansonsten nach bauordnung
    - abstandsflächen; hier gibt es bei ungünstigen zuschnitten der hinteren grundstückbereiche evtl. probleme, wen die abstandsflächen nicht auf dem eigenen grundstück zu liegen kommen. kleinere abweichungen und überschreitungen laufen sogar meist so durch. auch baulasten möglich.
    - belichtungsanforderungen

    gründungen könnten interessant sein.

    ggf. leidensfähigkeit des bauherren, wenn wünsche einfach nicht möglich sind oder andere rechtliche probleme auftauchen. eine gute portion idealismus ist sicher auch nicht verkehrt. dickes fell, wenn die nachbarn meckern; nicht jeder wohnt gerne neben originellen lösungen. etc. liste beliebig verlängerbar.

    weitere diskussion? bin ich schon gespannt drauf.

    schwarz
     
  4. Skeptiker

    Skeptiker

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    Ich möchte "schwarz" vor allem hinzufügen, dass mehrgeschossige Häuser auf schmalen (5-6m) oder schmalsten Grundstücken meist konstruktiv eine besondere Herausforderung darstellen, weil sie vor allem ein Aussteifungsproblem haben und dass die Haustechnik bezogen auf ein "normales" EFH relativ lange Leitungswege zurückzulegen hat. Die Baustellenlogistik ist in jedem Falle eine Herausforderung und die Gründung wegen der oft zu unterfangenden Nachbarn auch.

    Bauherrn sollte klar sein, dass solche Häuser nur mit einem Aufzug oder Treppenlift alters- oder behindertegerecht baubar sind und dass im Alltag sehr viele Wege über die Treppe führen - egal ob mit vollen oder leeren Weinflaschen.

    Im Einzelfall ist zu prüfen, ob erhöhten Kosten für Baukonstruktion, Logistik etc. in einem subjektiv sinnvollen Verhältnis zu den niedrigen Grundstückskosten liegen.

    Mir als Planer hat's schon 'mal großen Spaß gemacht sowas zu entwerfen, entwickeln und zu konstruieren. (Weil offiziell noch nicht fertig gibt's noch keine Fotos davon!)
     
  5. mls

    mls Bauexpertenforum

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    und leidensfähigkeit der planer?
     
  6. R.B.

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    Hat man diese "Probleme" nicht auch dann, wenn RMH gebaut werden? Die sind doch auch nur in den seltensten Fällen breiter als 6m, wobei ich auch schon 4,5m gesehen habe.

    Gruß
    Ralf
     
  7. #6 schallundrauch, 17. Februar 2011
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    Das geht sogar noch schmaler, das Reihenmittelhaus meiner Schwester ist sagenhafte dreieinhalb Meter breit.

    Typischer 50er/60er Jahre Bau halt.

    Ob man damit leben kann/möchte das man in jeder Etage maximal zwei Zimmer hat von denen oft noch eines ein Durchgangszimmer ist?!

    Rein von den notwendigen Erschließungsfläschen sind solche Bauten eigentlich immer ineffizient, da weist jedes klassische 3-4 Familienhaus mit Etagenwohnungen eine effizientere Raumausnutzung auf, und vom möglichen Schallschutz zwischen den einzelnen Wohneinheiten nimmt sich das Ganze auch nicht wirklich etwas.

    Gruß Schall
     
  8. Schwarz

    Schwarz

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    gibt sicherlich auch solche, denen so etwas spaß macht. :yikes

    alle anderen freuen sich über hoffentlich faire honorare und ein schönes objekt für die referenzmappe. :D
     
  9. Skeptiker

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    Im Prinzip schon, aber bei deutlich günstigeren Proportionen. Bei Minigrundstücken hast Du in ungünstigen Fällen bei einer mittleren Breite von 3 m und 6 Geschossen inkl. Keller eine Höhe von 18 m über Bopla, das ist mit grob 6:1 (Höhe: Breite) eher ein Turm als ein RMH (3-4 Geschosse, 6 m Breite macht 2:1).
     
  10. Skeptiker

    Skeptiker

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    Wie, Dir etwa nicht? :bounce:
     
  11. Hunderter

    Hunderter Gast

    Das kommt natürlich darauf an, wie hoch der qm-Preis ist.

    Beispiel München: Dort sind bekanntlich auch im Umland die qm-Preise echt übel angestiegen. Wenn man mal ansieht was derzeit NeubauWOHNUNGEN z.B. in München kosten dann sind 300T€ für 2-Zimmer/60qm (leider) ganz normal.

    Das Projekt in Frankfurt hat ebenso so um die 300T€ gekostet und das für eine Nfl von 155qm bei einem ökologischem Bau. Und das ganze ist zudem eben nicht eine 08/15 Lösung sondern ein "Architektenhaus".
     
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  13. Hunderter

    Hunderter Gast

    Das stelle ich mir ebenso sehr interessant vor. Wenn das Gebäude wie in dem Beispiel aus Kiel eben zwischen zwei anderen Häusern quasi nur als Scheibe sitzt, dann muss man wohl nicht nur die komplette Fassade verglasen, sondern gewiss auch einen Lichtschacht o.ä. vorsehen.
     
  14. Skeptiker

    Skeptiker

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    Architekt, Sachverständiger f. Schäden an Gebäuden
    Ergänzung: Je schlanker das Haus, desto wichtiger sind große Fensterflächen. Diese reduzieren die zur Aussteifung herzuziehenden Wandscheiben in den Fassadenflächen. Da dann oft auch noch wenig Querwände, aber zusätzliche Deckendurchbrüche oder gar Splitlevel gewünscht werden, gibt's eben schnell Aussteifungsprobleme.
     
Thema: Bauen auf minimaler Grundstücksfläche - was geht?
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