Biegt sich die Bodenplatte und der Estrich darüber?

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  1. kirekey

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    Hallo,

    ich wollte heute im Wohnzimmer unseres neuen EFH im EG den Bodenbelag verlegen. Beim Vorbereiten der Abschlussprofile an der Terrassentür fiel mir als erstes auf, dass die beiden Flügeltüren unten klemmten und kaum aufzubekommen waren. Die Wasserwaage offenbarte dann, dass sich die Türschwelle in der Mitte aufgewölbt hat. Die Fensterbauer hatten vor Monaten auf meinen expliziten Wunsch und in meinem Beisein alle Fenster und Türen nochmals justiert, die gingen da noch ohne Schleifen oder Klemmen einwandfrei auf und zu.

    Und jetzt noch der Hintergrund meiner Besorgnis. Unsere Bodenplatte ist 20cm dick, wurde auf einem 40cm Gründungsposter aus Schotter, welches eine 1x1m starke Wulst an bzw. über die Plattenränder hinaus hat, und auf 10 cm starken XPS-Dämmplatten hergestellt (siehe Anhang). Laut statischer Berechnung war eine Betonstahlbewehrung mit oberer und unterer Lage vorgesehen. Der Rohbauer hat stattdessen jedoch stahlfaserbewehrten Beton verwendet. Nachdem mir dies bekannt geworden war, habe ich einen Gleichwertigkeitsberechnung verlangt. Diese wurde mir erst nach wiederholten Nachfragen und mehreren Monaten geliefert. Aus der Berechnung, die durch den Stahlfaserhersteller erstellt wurde, gehen bestimmte Bedingungen hervor. Unter anderem, dass an allen Mauerwerksöffnungen, die größer als das 5-fache der Bodenplattenstärke sind, Betonstahl in oberer und unterer Lage einzubauen ist. Meine Nachfrage, ob dies gemacht wurde, musste vom Rohbauer verneint werden. Er hat sofort eine verlängerte Gewährleistung angeboten und mir erklärt, dass der Betonstahl nur der Vermeidung von Haarrissen dient, was in unserem Fall (Stadtvilla 9 x 10,5 m) aber höchst unwahrscheinlich wäre, da die Hauptlasten auf den Innenwänden liegen. Außerdem hätte der verbaute Beton eine besonders starke Leistungsklasse (LO 0,9/0,9), weswegen an den Rändern 30% mehr Stahlfasern als nötig verbaut wären. Der ursprüngliche Statiker hat dazu handschriftlich auf der neuen Berechnung lediglich die berücksichtigten Einwirkungen auf die Innen- und Außenwände bzgl. der statischen Berechnung als eingehalten bestätigt, aber kein weiteres Wort darüber verloren, dass auf die Stahlstäbe verzichtet werden kann.

    Ich gehe stark davon aus, dass die vorgelegte Berechnung erst für mich im Nachhinein angefertigt und die Bodenplatte "so wie immer" hergestellt wurde. Dafür sprechen das Erstellungdatum (Tag der Herstellung der Bodenplatte um 0 Uhr) und die nicht eingehaltenen Bedingungen. Laut anderer Bedingung hätte der ursprüngliche Statiker die Berechnung nämlich zuvor prüfen müssen, hat sie aber erst jetzt (1 Jahr nach Herstellung der Bodenplatte) erhalten.

    Daher nun meine Fragen: Kann sich die Bodenplatte im Bereich der 1,76 breiten Terrassentür, die nur 1,20 m von der Gebäudeecke entfernt ist, so gebogen haben, sodass die Türschwelle nach oben gedrückt wird? Die Höhendifferenz zwischen Schwellenmitte und Rand beträgt ca. 3-4mm. Kann das Fehlen der Stahlstäbe in diesem Bereich ursächlich dafür sein bzw. wäre die Biegung dadurch verhindert worden, u. U. wurde ja auch das Gründungspolster bzw. die Wulst nicht fachgerecht hergestellt?
    Auch die Estrichplatte (6cm Calciumsulfat-Fließestrich auf 10 cm Dämmung) weist ca. 15 cm von der Schwellenmitte versetzt (nun) eine leichte Biegung auf, die mittels Wasserwaage oder Richtlatte bis ca. 1,5 m zum Rauminneren hin messbar ist.

    Hat jemand einen Tipp, was ich jetzt machen soll? Abnahme war bisher noch nicht, wegen diverser anderer Mängel. Was kann dagegen unternommmen werdem, wenn ich mit meiner Vermutung richtig liege? Welche Toleranzen existieren in diesem Bereich? Ist hier eine Nachbesserung einforderbar oder überhaupt möglich?

    Danke für Antworten und Hinweise
    Erik

    Planung.jpg
     
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  3. #2 AlexSinger, 27. August 2015
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    Sicher, daß sich nicht die Tür verbogen / verzogen hat?
     
  4. kirekey

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    Das schrieb ich ja sinngemäß. Nur muss es eine Ursache für dieses Verhalten geben. Dass sich der Estrich in gleicher Richtung verformt hat, halte ich aufgrund der ansonsten ebenen Ausführung für keinen Zufall.
    Es handelt sich übrigens um ein Kunststofffenster.
     
  5. #4 wuselklaus, 27. August 2015
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    Ist in der Statik die Druckfestigkeit der Dämmung unter der Bopla vorgegeben und das richtige Material verlegt? Bei uns waren unterschiedliche Platten erforderlich - oder überall 700kPa.
     
  6. #5 Norderstedter, 27. August 2015
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    Ich bin nur Laie und kann Dir Deine Fragen zur Bodenplatte nicht beantworten, evtl sind dies hier aber auch relevante Überlegungen:

    1. 3-4mm Unterschied auf 85cm Entfernung, oder? Ich glaube, das ist sogar noch in der von der DIN genannten Toleranz. Ich glaube, es ist DIN 18201, kann mich aber täuschen. Damit alleine wirst Du vermutlich nicht viel Nachbesserung etc fordern können. Wäre aber wichtig zu überprüfen, ob sich das noch weiter verändert. Auch wichtig: Ist denn das Maximum der Wölbung genau in der Mitte der Schwelle? Wie sieht es an anderen Wänden / Türen aus? Dort keine Wölbungen? Gibt es irgendwelche Risse in den Wänden oder Decke? Wenn die Mauern wirklich um 3-4mm "abgesackt" wären (so interpretiere ich mal Deine Befürchtung) dann sollte das woanders auch Spuren hinterlassen haben...

    2. Du schreibst, dass sich der Estrich auch "verformt" hat. Siehst Du denn Brüche/Risse im Estrich? Kann es evtl sein, dass es gar nicht an der Bodenplatte liegt sondern sich der Estrich gewölbt hat als er getrocknet ist (ja, das dauert ein paar Monate)? Ich kenne es aus persönlicher Erfahrung zwar nur so dass er an den Rändern nach oben schüsselt, aber evtl gibt es ja auch mal Umstände wo dies in die andere Richtung geht. z.B. wenn unter einer nicht 100% dichten Tür evtl Luft strömt und dort den Estrich schneller trocknen lässt evtl

    3. Hast Du schon mit dem Statiker darüber gesprochen? Der erscheint mir eigentlich am besten geeignet, dazu was zu sagen.
     
  7. #6 Ralf Dühlmeyer, 27. August 2015
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 27. August 2015
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    1) und ganz wichtig - der ........ ist ein Troll, nicht weiter beachten!

    2) Wenn Deine Bodenplatte den Estrich hochgedrückt hätte, dann müsste entweder in der Mitte des Elements etwas "gewachsen" sein, um die Platte nach oben zu wölben oder rechts und links müsste es abgesackt sein! Dann müssten aber an anderen Stellen Risse zu sehen sein!

    3) Ich würde eher auf eine mangelhafte Befestigung des Fensterelements tippen. Hast Du Bilder, auf denen das Fesnterunterstück zu sehen ist - von Innen??
    Dann mal her damit!

    4) Was für Fensterprofile? Nicht Hersteller, sondern die Dicke quer zur Scheibe. Und was für Scheiben? 2fach, 3 fach, ESG, VSG???
     
  8. #7 rechter Winkel, 27. August 2015
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    Wenn du dich mit deinem Körpergewicht auf die Schwelle stellst: lässt sie sich wieder runterdrücken? Dann wäre es wahrscheinlich ein Befestigungsmangel. Wurde das Schwellenprofil mit Winkeln fixiert?
    An die Bodenplatte mag ich noch nicht so recht glauben...
     
  9. kirekey

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    Zunächst einmal vielen Dank für eure Kommentare!

    In der Statik wird die Bodenplattendämmung mit keinem Wort erwähnt und auch in der Werkplanung existiert keine Angabe zur Druckfestigkeit. Verbaut wurde an allen Stellen der gleiche Dämmplattentyp, wenn ich micht richtig erinnere das Produkt "Austrotherm XPS TOP 30 SF", also mit einer Druckfestigkeit von >= 300 kPA. Müsste aber heute Abend nochmal nach Fotos suchen.

    Die berechneten Linienlasten und Bodenpressungen habe ich mal angehangen und die Terrassentür sowie ein Fenster und eine nichttragende Innenwand eingezeichnet, da an diesen beiden Stellen im EG Haarrisse entstanden sind. In der Brüstung des Fensters (blau) geht der Riss mittig 3 bis 4 Steinreihen nach unten und war vor dem Verputzen auch von außen sichtbar. In der Innenwand (grün) existiert ein horizontaler Riss auf ca. 2m Länge in der Fuge zwischen letzter und vorletzter Steinreihe. Da eine Seite bereits mit Vliestapete beklebt ist, kann ich nicht sagen, ob der Riss durchgängig ist.

    Statik-Linienlasten.jpg Statik-Bodenpressung.jpg

    Das Maximum ist in der Mitte. Eine andere "Baustelle" ist die schwingende Haustür mit Rissen rings um den Rahmen herum, aber das ist ein Thema für einen eigenen Thread...
    Im OG gab es auch einige Risse in den (tragenden) Wänden mit einer Länge zwischen 30 und 90cm ab der Decke (Holzbalkendecke), die ich mir allerdings bisher mit der fehlenden Putzarmierung am Materialwechsel von Ringanker zu Mauerwerk bzw. Dampfbremsfolie zu Innenputz erklärt habe.

    Der Estrich hat keine Risse und sollte sich aufgrund des Materials (Calciumsulfat) auch nicht wölben. Schon gar nicht nach so langer Zeit > 8 Monate.

    Das werde ich spätestens morgen versuchen. Damit ich weiß wonach ich fragen muss, wollte ich mich aber erstmal hier informieren.

    Ich meine es waren bei diesem Fenster sowie bei allen bodentiefen Fenstern im OG jeweils 2 Winkel, ca. 30-50cm von der Laibung entfernt. Werde aber noch Fotos nachliefern.

    Glas: 3-fach 4mm ESG
    Profilbreite: 86mm

    Ersteres werde ich heute Abend prüfen. An das Schwellenprofil wurde eine Stockerhöhung (heißt das so?) gesteckt, die wiederum mit Winkeln auf der Bodenplatte fixiert wurden. Wo ich dies gerade schreibe fällt mir ein, dass ja die gesamte Schwelle von außen noch erreichbar sein müsste, da der Aufbau momentan nur durch eine verklebte Gummimatte vor Feuchtigkeit geschützt wird...
     
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  11. #9 Ralf Dühlmeyer, 27. August 2015
    Ralf Dühlmeyer

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    Ich denke, die BoPla kann man recht sicher aussen vor lassen. Gerade CA(F) hätte sich bei punktuellem Druck von unten mit Aufwölbung als Folge schon per Riss geteilt.

    Das Schleifen würde ich eher auf die 3*ESG bei ca. 0,85*2,xy m Flügelmaß in Verbindung mit Schwelle, die sich entweder wegen falscher Klotzung verzieht oder nie gerade war, schieben.
    Vor allem, wenn die Haustür auch ein Thema ist!
     
  12. kirekey

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    Danke! So betrachtet macht das natürlich Sinn. Es ist übrigens das einzige Fenster mit zwei langen Flügeln. Neben einer Parallelschiebetür im EG haben die anderen Fenster im OG im Brüstungsbereich jeweils ein Festglaselement aus VSG. Ich kann daher keine Vergleiche anstellen.

    Dennoch bleibt die Frage, wie das Problem gelöst oder eine Verschlimmerung verhindert werden kann? Und kann auf die fehlende Armierung der 4 vorhandenen Mauerdurchbrüche wirklich verzichtet werden und soll ich mich mit einer verlängerten Gewährleistung zufrieden geben? Die Parallelschiebetür ist immerhin 3m breit.
     
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