Flachdach: Beton / Bitumen ausbessern

Diskutiere Flachdach: Beton / Bitumen ausbessern im Bastelecke Forum im Bereich Rund um den Bau; Hallo zusammen, ich bin bei meinen Recherchen immer wieder auf dieses sehr hilfreiche Forum gestoßen. Ich mache seit einiger Zeit...

  1. #1 dschengis, 03.08.2022
    dschengis

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    Hallo zusammen,

    ich bin bei meinen Recherchen immer wieder auf dieses sehr hilfreiche Forum gestoßen.
    Ich mache seit einiger Zeit kontinuierlich viele Renovierungsarbeiten an meinem Elternhaus und nach Balkon- und Kellersanierung steht nun eine Ausbesserung am Garagenflachdach an. Hierzu würde ich gern Zustand und geplante Reparaturarbeiten kurz darstellen und würde mich über kompetente Rückmeldungen freuen, ob das so passt oder man evtl. etwas anders machen sollte. Ich habe auch an der ein oder anderen Stelle noch Fragen.

    Fotos siehe anbei.


    Bestand:
    • Doppelgarage unterkellert, Bj 1984, Flachdach, Bitumenabdichtung, Kiesbett, Attika mit Kurperblechen.
    • Kein Gefälle! Es hieß wohl damals beim Bau, dies mache man absichtlich so, damit der Bitumen nicht so schnell abtrockne und länger halte.
    • Bitumen noch "original", entsprechend rissig, insbesondere am freiliegenden Teil zur Attika.
    • Um den Ablauf in der Ecke besteht seit einigen Jahren ein Schaden im Bitumen und Beton (einmalig ausgebessert mit nur kurzzeitigem Effekt). Es tropft hier bei Regen in der Garage von der Decke.

    Geplante Maßnahmen:
    • Grundsätzlich soll der Aufwand so gering wie möglich gehalten werden (wegen Kosten, Zeit, unklar wie lange das Haus erhalten werden kann). Daher ist kein Neuaufbau sondern nur Überstreichen geplant.
    • Zunächst Entfernen des Bitumens um den Ablauf, Freistemmen lockeren Betons von oben und unten
    • Bewehrung entrosten / entfernen und ggf. nachbewehren
    • Schalungsbrett von unten (Abfauf-Profil durch Loch bereits in Fallrohr einsetzen)
    • Defekt auf Niveau ausbetonieren
    • Defektbereich mit Bitumenbahn abdichten im Anschluss an Bestand-bitumen
    • Übergang verspachteln
    • Gesamtes Dach in zwei Arbeitsgängen (Kies erst auf eine Seite, dann auf andere, Baustützen von unten) überstreichen / spachteln mit Bitumenfarbe nach entsprechender Reinigung.
    Fragen:
    • Wie gesagt wäre zunächst allgemeines Feedback für mich interessant.
    • Des weiteren überlege ich, auch außerhalb der Defektstelle eine kleinere Eröffnung der Bitumenbahn vorzunehmen und darunterzuschauen, um sicherzugehen dass nicht insgesamt Feuchtigkeit unter Schicht vorliegt, was das gesamte Vorhaben in Frage stellen würde. - Nötig / sinnvoll?
    • Zum anderen überlege ich auch, dasselbe mit der Verblechung der Attika zu tun. - Nötig / sinnvoll?
    • Weiters bin ich mir über Beton (selber mischen?) und Trocknungsdauer vor der Beschichtung (sobald es regnet, wird der Regen über den ungeschützten Beton laufen - schlimm?) noch nicht klar.
    • Auch Produkterfahrungen bzgl. Bitumenanstrich wären hilfreich.

    Vielen Dank vorab für Hilfe jeglicher Art!
    Viele Grüße, dschengis



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  2. #2 Dietrich von Bern, 06.08.2022
    Dietrich von Bern

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    Guten Tag,
    Wenn ich recht sehe, erhielten Sie bisher noch keine Antwort von Experten. Da ich aber ebenfalls eine Doppelgarage (6mx7m) mit undichter Betondecke hatte, und diese vor ein paar Jahren selbst sanierte, hier meine laienhaften Erfahrungen und Hinweise.

    Also die Betonarbeiten waren bei mir nicht nötig, würde ich aber genau so, wie Sie beschreiben, durchführen. Als Beton für diese kleine Menge ist Estrichbeton als Sackware aus dem Baumarkt die billigste und beste Wahl.

    Wegen Entrosten der Bewehrung würde ich keinen Aufwand treiben. Die Baustahlmatten sind ja schon beim Einbau rostig und werden durch die Chemie des Zements am Weiterrosten gehindert. Rost ist nur deshalb rostfördernd, weil er porös ist und deshalb langsamer trocknet. Dieser Effekt ist aber in Beton nicht relevant.

    Da ich nur undichte Bitumen-Flachdächer kenne, war klar, dass da eine PVC- oder EPDM-Dachbahn draufkommt. Ich entschied mich für EPDM. da dies für Dächer schon viele Jahre die bevorzugte Art ist.

    Um die Folie aufzubringen, musste ich natürlich das Dach komplett abräumen.
    Die Attika meiner Garage war etwa 40cm hoch gemauert, da für die Begrünung gewaschener Kies und da drauf Kies mit Sand (auch beinahe 40cm hoch) aufgebracht wurde.
    Die alten porösen Bitumenbahnen wurden sehr sauber abgekehrt und mit viel Wasser abgewaschen und nach dem Trocknen zur Vorsicht noch gründlich mit dem Staubsauger gereinigt. Dabei lief natürlich Wasser durch hunderte von unsichtbaren Löchern auf die Betonplatte, aber das war diese schon gewöhnt. Schon nach ein paar Wochen war meine Garage mit der neuen Dachbahn trocken wie nie zuvor. Die Löcher sah man deshalb, weil in der Sonne alles sehr schnell trocknete, nur unzählige kleine Stellen blieben nass.

    Die Dachbahn bestellte ich in der Größe 7,62m x 6,6m (das krumme Maß war eine Standardbreite des Herstellers). Da dies ein Stück war, gab es keine Probleme mit Nähten. Nur für die beiden Abläufe musste ich passende runde Löcher schneiden (natürlich erst nach dem Auslegen). Das Verlegen ist aufgrund des hohen Gewichts des Ballens anfangs recht anstrengend, aber wenn die Bahn erst einmal auseinandergefaltet ist, lässt sie sich gut verschieben und optimal ausrichten.
    Die EPDM-Folie konnte ich (in den Ecken sauber gefaltet) über die Attika legen und mit den Kupferblechen fixieren.
    Auf die Folie kamen zum Schutz (und Wärmedämmung) noch extrudierte Polystyrolplatten (XPS) mit Stufenfalz und da drauf ein Schutzvlies, damit keine Steinchen auf die Folie fallen können.
    Zuletzt musste der Kies und die Bepflanzung wieder aufgebracht werden.

    Ob es besser gewesen wäre, die Bitumenbahn zu entfernen, kann ich nicht beurteilen. EPDM ist optimal für polare Flüssigkeiten, also Wasser, kann aber von Kohlenwasserstoffverbindugen (z.B. Benzin, Öl, Fett) geschädigt werden. Da Bitumen ja auch zu den Mineralölen gehört, wenn auch zu den aller höchst viskosen Flüssigkeiten, habe ich mich darauf verlassen, dass aufgrund des guten Schutzes vor hohen Temperaturen durch die hohe Kiesabdeckung und der Begrünung, die Bitumenschicht nicht aufweicht und so Kohlenwasserstoffe in das EPDM diffundieren.
    An Ihrer Stelle würde ich das Bitumen entfernen, da Sie keinen so guten Temperaturschutz mit einer 40cm hohen Kiesschicht realisieren können.
    Das ist übrigens auch die Begründung, warum Sie EPDM und nicht PVC nehmen sollten. Zwar wäre PVC Teichfolie mechanisch und chemisch viel robuster und billiger, aber bei der Herstellung der Folie wird diese gestreckt. bei hohen Temperaturen in der Sonne wird PVC weich und erinnert sich an den Streckvorgang
    und will sich zusammenziehen. Dabei können erhebliche Zugspannungen auftreten, weshalb eine sehr aufwendige Einspannung erforderlich wäre.
    Ich denke, bei EPDM (künstlicher Gummi) reicht bei Ihnen, wie bei mir auch, die Kupferverblechung und die dünnere Kiesschicht für die Fixierung, da EPDM-Dachfolie elastisch und weich ist wie konventioneller Gummi.

    Leider gibt es keine Fotos von den einzelnen Arbeitsschritten.

    Freundliche Grüße
     
  3. #3 dschengis, 07.08.2022
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    Hallo und herzlichen Dank für Ihre ausführliche Antwort!
    An Folie hatte ich nicht gedacht sondern nur an eine Flüssigabdichtung aus Bitumen oder Kunstharz, die sich mit dem Bitumen verbindet. Aber das ist sicher eine Überlegung wert. Haben Sie die Folie mit dem Bitumen verbunden / fixiert oder nur aufgelegt und über Attika und Kies-Auflage gesichert?
     
  4. #4 dschengis, 07.08.2022
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    Falls es weiteres Feedback zum ersten Post gäbe, würde ich mich natürlich ebenfalls freuen. Besten Dank!
     
  5. #5 Dietrich von Bern, 07.08.2022
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    Aufgrund der Kiesabdeckung ist es nicht nötig, die Folie mit dem Untergrund zu verkleben. Zudem ist auch die Fixierung auf der Attika völlig unkritisch, da die Temperaturbeanspruchung dank der großen Masse und der Dämmwirkung auch an einem extremen Sommertag recht harmlos ist.
    Seit Frühjahr 2019 ist die Folie nun auf dem Dach, alles ist dicht und unverändert, nur die Begrünung ist jetzt wieder schön wie vor der Renovierung.
    Jetzt weiß ich, dass das Dach vorher ca. 20 Jahre lang undicht war, denn die Wände und die Decke sind nicht mehr feucht. Ich dachte immer, die Feuchtigkeit kommt von dem Kellerklima und dem Schneematsch der Autos, da die Garage in einen Hang gebaut wurde, d.h. die Rückseite verschwindet beinahe vollständig im Hang. Deshalb ist es im Sommer immer recht kühl in der Garage.
    Da die Betondecke selbst absolut dicht war, lief das Wasser unter dem Bitumen nur seitlich in die Wände und sorgte innen für Schimmel und außen für Putzschäden. Aber jetzt ist alles gut und ich freue mich Sommer wie Winter über die trockene Garage.
     
  6. dschengis

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    Vielen Dank!
    Ich denke bei uns ist die Situation eine etwas andere, eigentlich sollte das ganze mit so wenig Aufwand wie möglich betrieben werden. Allerdings hat sich in Gesprächen mit Experten gezeigt, dass ein reines anstreichen mit Spachtel und Dach lag wohl wirklich nur eine provisorische Lösung sein könnte. Der geringste Aufwand wäre wohl, so genannte Regeneratbahnen aus Bitumen auf die vorhandene Lage auf schweißen zu lassen. dazu müsste dann die Kupferabdeckung an der Attika runter, und in dem Zustand, in dem sie ist, wohl am sinnvollsten durch Fertigprofile aus eloxiertem Aluminium ersetzt werden. Ob die kleine Ausbesserung um den Gulli sich da vorab noch lohnt, muss erst mal eruiert werden. Ich habe demnächst Ortstermine mit Dachdeckern und werde das besprechen. Die Folie als Alternative behalte ich im Kopf. Danke schon mal für die Hilfe!
     
  7. DD A

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    Genau so und leider nicht anders geht es, Flüssigabichtungen haben durchaus ihre Berechtigung und Zweck , sind aber bei größeren Flächen und bei fachgerechter Verarbeitung ( Materialdicke und Vlieseinlage) unwirtschaftlich.
    Und alles ohne Vlies oder Gewebeeinlage hält als Abdichtung meist nicht lange , da es lediglich einen Anstrich dar stellt.
    Wenn ein Dachdecker eine Sanierungsbahn aufbringt, lass auch ihn den Dachablauf einbinden, damit alles passt.
    Alternativ Folie nach maß für DIY geht natürlich auch , bei einer Garage mit Stahlbetondecke kann nicht wirklich viel kaputt gehen wie bei Aufbauten auf Holz und mit Wärmedämmung. Aber dann wie schon von einem anderen beschrieben , am besten mit Kiesauflast, denn wenn es mal in einigen Jahren doch vom Dachdecker gemacht werden soll, ist es einfacher zu entfernen ohne sich um Materialverträglichkeiten Gedanken machen zu müssen.
     
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