Geruch im Fertighaus aus 1998

Diskutiere Geruch im Fertighaus aus 1998 im Holzrahmenbau / Holztafelbau Forum im Bereich Neubau; Hallo zusammen, wir haben ein in diesem Jahr ein Fertighaus aus dem Jahre 1998 erworben. Im Rahmen des Kaufprozesses war uns das Thema...

  1. kies

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    Hallo zusammen,

    wir haben ein in diesem Jahr ein Fertighaus aus dem Jahre 1998 erworben. Im Rahmen des Kaufprozesses war uns das Thema „Chemikalien in Fertighäusern“ durchaus ein geläufiges, weshalb wir uns im Rahmen des Kaufprozesses (im Rahmen der verfügbaren Zeit) bereits zu diesem Thema informiert haben. Wir haben zu diesem Zeitpunkt einen Formaldehyd-Test (Selbstest von Dräger) gemacht und einen Bausachverständigen engagiert, der Kenntnisse im Bereich der Fertighäuser hat (ehem. Quailitätssicherer bei Massa). Dieser hatte uns zumindest insofern beruhigt, dass das Baujahr eigentlich vor ganz bösen Überraschungen schützen sollte. Die meisten kritischen Materialien (z.B. PCP) seien da schon verboten gewesen und eher bis Ende der 80er verbaut worden. Der Hersteller ist ein tschechischer Anbieter, der auch heute noch in Deutschland aktiv ist. In den Bauplänen wird erwähnt, dass man sich sowohl an die Gefahrenstoffverordnung als auch an die Vorgaben eines deutschen, bekannten Materialforschungsinstitutes gehalten hat, insbesondere im Bereich Holzschutz.

    Nach nun 5 Wochen im renovierten Haus und dem Beginn der Heizungsperiode nehmen wir in einigen Räumen einen süßlichen Eigengeruch wahr, der für uns erstmal nicht nach Schimmel riecht. Es riecht einfach abgestanden süßlich, ein wenig wie wir es von Fäulnis kennen. Ich habe nun bereits mit einem Schadstoffsanierer Kontakt aufgenommen, der von Chloranisolen sprach. Das hat uns erstmal ziemlich geschockt, da dies nach dem was wir gelesen haben einen finanziellen Totalschaden bedeuten könnte. Der Geruch kann durch Lüften schnell beseitigt werden, kommt dann aber zügig wieder. Er setzt sich anscheinend nicht in der Kleidung oder in den Haaren fest.

    Wir haben einen Termin mit einem Schadstoffprüfer der AGÖF, der Chloranisole für nicht wahrscheinlich hält. Allerdings dauert es noch ein wenig, bis er bei uns sein kann.

    Interessant an dem Thema ist:
    - Der Geruch verschwindet fast vollständig, wenn es draussen wärmer und die Heizkörper aus sind
    - Betroffen sind nur zwei Räume an einer Aussenwand (Wohnzimmer & Schlafzimmer)
    - Diese haben auch gemeinsam, dass sie als einzige Räume Parkett direkt auf den Gipsfaserplatten (mit Dampfsperre und Trittschalldämmung verlegt haben. Die anderen sind gefliest oder haben das Parket über den Fliesen verlegt.
    - Wir haben auch schon über Schimmel in der Wand nachgedacht, aber ich kann z.B. aus den Steckdosen in der Aussenwand nichts riechen. Da müsste der Geruch ja dann am deutlichsten hervortreten.
    - Für die Schimmeltheorie spricht aber z.B., dass es sich um die Nord-West-Seite des Hauses handelt. Hier wird die Hinterlüftung ggf. schlechter trocknen. Allerdings ist die Aussenwand gemäß Gutachter komplett in Ordnung.
    - Könnten es ggf. auch die Heizkörper selber sein?

    Ich freue mich über jeden Denkanstoss, der hier weiterhelfen könnte.

    Viele Grüße
    Julian
     
  2. #2 Hercule, 28.10.2022
    Hercule

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    Ein Tip: informiere dich mal über Fensterfalzlüfter und überlege dir ein Lüftungskonzept.
    Wenn du in gewissen Räumen gezielt Fensterfalzlüfter installierst und z.B. im Bad einen Lüfter der 24h pro Tag läuft, hast du einen konstanten Luftaustausch. Und der saugt dir neben Gerüchen auch Luftfeuchtigkeit raus die Schimmel erzeugt.
    Das kann man unterstützen mit Lüftungsgittern an der Unterseite der Türen.
    Ein Mensch verbraucht pro Stunde 30m³ Luft. Ab 1000 ppm CO2 in der Luft lässt die Konzentrationsfähigkeit deutlich nach. So kannst du sehr einfach einen gesunden Luftaustausch realisieren. Und auch div Chemie, die in Wohnräumen heutzutage leider unvermeidbar ist, reduzieren.
    Ich habe hobbymäßig viel damit gespielt. Es funktioniert und erhöht die Lebensqualität deutlich. Man muss nur aufpassen das man es nicht übertreibt und die Fensterfalzlüfter überdimensioniert :)
     
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  3. #3 petra345, 29.10.2022
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    Es könnte der Pilzgeruch von feuchtem Holz sein. Irgendwo kommt Wasser in die Holzkonstruktion des Hauses. Im übrigen braucht Holz im trockenen Innenbereich keinen Holzschutz.
    .
     
  4. #4 Tilo, 31.10.2022
    Zuletzt bearbeitet: 31.10.2022
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    Hallo Hercule
    Ein guter Vorschlag.
    Mit diesem Lüftungskonzept werden ja heute sehr, sehr viele Wohnungen gebaut. Das Thema Abtransport von Feuchtigkeit aus dem Neubau, ist da natürlich vorrangig. Leider ist aber die Akzeptanz der Eigentümer / Mieter, dass 24 h ein Lüfter läuft (Stromverbrauch, Wärmeverlust) und auch noch Geräusche macht, vielmals nicht gegeben
     
  5. #5 Tilo, 31.10.2022
    Zuletzt bearbeitet: 31.10.2022
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    Hallo
    So wie ich es verstanden habe, wurde das Parkett bei eurer letzten Renovierung verlegt und ist somit neu.
    Welcher Kleber, Hölzer, Öl oder Lack wurde verwendet ?
    Alle Räume das gleiche Material oder Wohnzimmer und Schlafzimmer nur gleich ?
    Wie und mit was wird von euch das Parkett jetzt gepflegt ?
    Ich vermute, dass da die Gerüche entstehen.

    Auch könnten neu angeschafft Möbel, Bezüge, Gardinen oder Teppiche die Ursache dafür sein. Oder die allbeliebten und bei mancher Frau in großen Mengen gelagerten Raumduftkerzen.

    Gruß
     
  6. #6 Hercule, 31.10.2022
    Zuletzt bearbeitet: 31.10.2022
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    Es gibt sehr leise Lüfter. Beispiel: den Helios M1 mit niedriger Stufe (75m³/h bei DN100 - theoretisch, praktisch durch Druckverluste weniger).
    Im Bad platziert sind die geringen Geräusche wohl egal. Stromverbrauch vernachlässigbar.
    Wichtig ist nur, dass die Luft aus den Wohnräumen, exakter den Fensterfalzlüftern, auch ihren Weg dort hin findet.
    Ein Mensch verbraucht 30m³ Luft pro Stunde. Ein auf Minimum geplanter Fensterfalzlüfter lässt 2-3 m³/h rein. Man erreicht also im Normalfall nicht mal die nötige Mindestlüftungsmenge womit auch die Wärmeverluste vernachlässigbar sind. Trotzdem hat man z.B. in der Nacht - wo keiner Stoßlüftet - einen geringen Luftaustausch. Bedeutet: weniger unangenehme Gerüche, weniger CO2 und was noch wichtiger ist, durch den minimalen Unterdruck / Feuchteabtransport auch geringere Schimmelgefahr.
     
  7. #7 Hercule, 31.10.2022
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    Putzchemie nicht vergessen, die eigentlich in luftdichte Metallbehälter gehört.
     
  8. #8 Hercule, 31.10.2022
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  9. kies

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    Hallo zusammen,

    über ein Lüftungskonzept haben wir in der Tat bereit nachgedacht. Es gibt hier ja recht intelligente Konzepte mit wenig Wärmeverlust im Haus. Aber ich denke, dass geht dem Problem nicht auf den Grund. Irgendwoher muss der Geruch ja kommen. Tatsächlich haben wir festgestellt, dass der Geruch schwer festzumachen ist. An manchen Tagen ist er stärker, an manchen Schwächer.

    - Im OG tritt er gar nicht auf
    - Im Wohnzimmer weniger stark, aber als ich Samstag die Fenster lasiert habe bei gekipptem Fenster, konnte man den Geruch durch den Spalt deutlich wahrnehmen
    - Im Schlafzimmer ist er am stärksten, insbesondere, wenn Nachts die Tür zum Flur geschlossen ist

    Zu den möglichen Herkünften:

    - Das Parkett ist ein lackiertes Eichenfertigparkett, schwimmend verlegt. Also kein Kleber. Darunter ist ein 100% ökologischer Trittschallschutz + eine Schicht Kork im Wohnzimmer. Das Parkett liegt auch im Esszimmer, da riecht es nicht.
    - Reinigungsmittel nutzen wir auf dem Parkett nur sehr sparsam. Bisher haben wir noch nicht vollflächig gewischt. Daher schließen wir das aus.
    - Möbel hatten wir alle bereits im alten Haus. Daher auch unwahrscheinlich.

    Viele Grüße
    Julian
     
  10. #10 Hercule, 31.10.2022
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    Mineralischer Untergrund ? An Dampfbremse gedacht ?
    Ich hab mal in einer Wohnung gewohnt da hatten die Katzen des Vorbesitzers alles vollgepisst. Der Geruch war nicht rauszubekommen.
    Leichengeruch ist übrigens auch hartnäckig. Gabs auch mal in einem Mehrparteienhaus in dem ich gewohnt habe. Der Geruch von Omi und Opi die dort glaube ich zwei Wochen verwest sind war wirklich über ein Jahr im ganzen Haus zu riechen.
     
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  11. kies

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    Hallo zusammen,

    es scheint tatsächlich mit dem Boden zu tun zu haben:

    Wenn es draussen windig ist, merkt man es deutlich stärker. Ich gehe fast davon aus, dass hier Wind unter der Wandverbindung zur Bodenplatte durchschießt und das ganze durch die Ritzen der Trockenestrichplatten kommt. Wir haben zwar eine Damfbremse, aber die ist nicht mit der Wand verklebt.

    Würde erklären, warum es in den Bereichen mit Fliesen nicht zu riechen ist und auch nicht im OG.

    VG
     
  12. kies

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    So.

    Der IHK bestellte, zertifizierte Prüfer für Innenraumschadstoffe war da. Er ist erstmal ganz pragmatisch an das Thema herangegangen - mit einer Geruchsprobe. Demnach schließt er Chloranisole und Naphtaline aus. Insbesondere erstere haben einen spezifischen Geruch, der unverwechselbar ist. Er geht beim Geruch zunächst einmal vom Eigengeruch der Dämmung aus, der sich über die Jahre akkumuliert haben könnte. Ein Hinweis darauf war, dass an Steckdosen sowohl an der Aussenwand als auch an den Innenwänden der Geruch leicht wahrnehmbar ist. Die Aussenwandsteckdosen scheinen aber die primäre Eintrittspforte zu sein, da die Wand nicht zu 100% Winddicht ist. So sind die Hohlwanddosen nicht winddicht ausgeführt, obwohl die Dampfbremse an diesen Stellen "offen" ist. Eine mikrobielle Besiedlung der Wand sei daher möglich (durch Feuchtigkeitseintritt in die Dämmung), aber nicht so wahrscheinlich. Der Grund: Vor der Steinwolldämmschicht und der äußeren MDF-Platte ist noch eine 8cm Dicke Polystyroldämmung, sodass die Wand hier nicht wirklich kalt sein wird.Da diese Dämmschicht aber recht dicht ist, gehen die Gerüche auch primär nach innen.

    Sein Tipp war, die Hohlwanddosen duch winddichte auszutauschen. Sollte das Problem dann noch bestehen, müssten wir eine Materialprobe aus dem Wandaufbau machen (Dämmung, MDF) um weiter zu prüfen.

    Viele Grüße
    Kies
     
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