Gründung im Beckenton, Pfähle rammen oder bohren?

Diskutiere Gründung im Beckenton, Pfähle rammen oder bohren? im Tiefbau Forum im Bereich Neubau; Hallo, ich habe ein Grundstück in einer süddeutschen Kleinstadt in der Nähe eines großen Sees geerbt, dass ich neu bebauen möchte. Es ist ein...

  1. Mike65

    Mike65

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    Hallo,

    ich habe ein Grundstück in einer süddeutschen Kleinstadt in der Nähe eines großen Sees geerbt, dass ich neu bebauen möchte. Es ist ein viergeschossiges Gebäude (Keller, 2 Vollgeschosse, DG)mit einer Grundfläche von ca. 200m[SUP]2[SUP] geplant. In der Nachbarschaft befinden sich ältere 1 und 2-Familienhäuser, der Abstand zu den Nachbargebäuden beträgt 6-12m. Ich habe zunächst eine Bauvoranfrage gestellt und ein Bodengutachten in Auftrag gegeben. Es wurden 4 Kleinbohrungen bis in 7m Tiefe sowie zwei schwere Rammsondierungen bis 12m vorgenommen. Inzwischen liegt das Ergebnis vor. Ganz kurz zusammengefasst die wichtigsten Daten:

    Bodenaufbau: Zuoberst 1-2m mächtige anthropogene Auffüllungen (Sand, Kies, Ziegelbruch) sowie eine dünne Schicht Schnecklisand (Muschelschill), die aber ohnehin abgebaggert werden müssen. Darunter Beckenton bis in geschätzte 20 m Tiefe. Darunter wird die Grundmoräne in Form von Geschiebemergel vermutet. Erfahrungsgemäss ist hier gespanntes oder sogar artesisch gespanntes Grundwasser zu erwarten.

    Die Gründung muss also im Beckenton erfolgen. Für diesen wurden folgende Eigenschaften ermittelt bzw. aus Erfahrungswerten angenommen:

    Bodenklasse 2, Bodengruppen UL, UM, TL, TM
    Konsistenz breiig-weich
    Wassergehalt 24-50%
    Zusammendrückungsmodul E[SUB]m[/SUB] 4 MN/m[SUP]2[/SUP]
    Kohäsion c[SUB]u[/SUB] = 10-20 kN/m2
    Scherfestigkeit c[SUB]u[SUB] = 15kN/m[SUP]2[/SUP]
    Zulässiger Sohldruck 62kN/m[SUP]2[/SUP]
    Bettungsmodul cal k[SUB]s[SUB] = 1.2 MN/m[SUP]3[/SUP]
    Betonaggressivität: keine
    Der Beckenton ist erschütterungsempfindlich und leitet Erschütterungen gut weiter
    Ein elastisches Antwortspektrum nach DIN4149 wurde ebenfalls berechnet, das hier aber wohl nicht relevant ist

    Der Geologe hat eine Gründungsempfehlung abgegeben. Danach könnte eine Flachgründung auf steifer Bodenplatte noch knapp möglich sein. Allerdings sind Setzungen bzw. - differenzen bis zu 7cm zu erwarten.
    GU und Architekt (sie haben mehrere Gebäude in unmittelbare Nachbarschaft gebaut) meinen allerdings, dass auf jeden Fall tief gegründet werden muss, um spätere Bauschäden auszuschliessen.

    Als Tiefgründung schlägt der Geotechniker betonverpresste Mikropfähle vor, die die Last über Mantelreibung abtragen. Er setzt eine Mantelreibungkraft von 25 kN/m Pfahllänge an. Die Gründung könne als reine Pfahl- oder kombinierte Pfahl-Plattengründung erfolgen. Eine Spitzenlastabtragung bis in die Grundmoräne ist wohl wegen der Möglichkeit artesischen Grundwassers zu riskant. Ebenso scheidet eine Brunnengründung aus.

    Bei den Mikropfählen habe ich allerdings Bedenken, dass das Einrammen Auswirkungen auf die Nachbarbebauung haben könnte. Ich habe keine Lust, Klagen wegen neu entstandener (oder auch schon vorhandener) Bauschäden einzuhandeln.

    Meine Frage: Wie hoch ist das Risiko beim Rammen der Pfähle? Wäre es nicht besser, Bohrpfähle zu verwenden? Was sind die Vor- und Nachteile der einzelnen Gründungsarten? (Pfahl- bzw. Pfahl-Plattengründung), vor allem im Hinblick auf die Kosten? Gibt es hierüber auch für gebildete Laien verständliche Literatur?
     
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  3. #2 Gast036816, 9. Januar 2016
    Gast036816

    Gast036816 Gast

    sprich noch einmal mit dem bodengutachter, ob er noch ein paar gedanken in eine erschütterungsarme variante der pfahlgründung machen kann.
     
  4. PeMu

    PeMu

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    betonverpresste Mikropfähle hat er doch genannt. Was sagt der Tragwerksplaner dazu?
    Hmm, gibt's noch nicht? Bei solchen Aktionen macht sich eine frühzeitige, gute Tragwerksplanung bemerkbar.
    25 kN/m max. 20m -> damit reißt man keine Bäume aus.
     
  5. mls

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    die bodenwerte passen zu dem glump, das ich als "seeton"
    kenne. da würde ich als twp gerne die horiz. bettung kennen,
    wenn denn unbedingt mikropfähle verwendet werden sollen.
    noch besser: die tiefgründung darf machen, wer mag ;)
    (flachgründung ist noch deutlich schlechter).
    ich würde über rustikale bohrpfahlarten nachdenken.
     
  6. whong

    whong Gast

    Ich meine in den EA Pfähle gibt es eine recht verständliche Zusammenfassung. Bei Intesse eine PN.
     
  7. karo1170

    karo1170

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    Da waere vor Aufnahme der Bauarbeiten wohl eine Art "Beweissicherungsverfahren" an den Gebaeuden der Nachbarschaft erforderlich.
     
  8. Mike65

    Mike65

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    Ich habe noch einmal mit dem Architekten gesprochen. Es gibt wohl die Möglichkeit, Mikropfähle mittels Hochfrequenzrammkopf weitgehend ohne Gefährdung der Nachbarschaft einzurütteln. Ohnehin muss die Baugrube mit einer Spundwand gesichert werden, die wohl auch eingerammt werden muss.

    Tragwerksplanung wird erst durchgeführt, wenn die Baugenehmigung vorliegt. Mir geht es erst einmal um eine grobe Kostenschätzung, um die Rentabilität des Projekts abschätzen zu können.


    Und vor allem eine gute Bauherren-Haftpflichtversicherung. Nicht alle schliessen anscheinend Ramm- und Erschütterungsschäden ein.
     
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  10. PeMu

    PeMu

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    Ähm, also die notwendige Vorplanung, Abschätzung hier abgreifen? Oder wie ist die Vorstellung?
    Wenn, dann ist in so einem Fall die Vorplanung bis zum Baugesuch sinnvoll, um zu Grundlagen zu kommen. Alleine das rumgeeiere mit den Pfählen zeigt Stochern im Nebel.
     
  11. Bauing24

    Bauing24

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    Mikropfähle werden doch nicht gerammt, sondern gebohrt und verpresst und sind damit nahezu erschütterungsarm. Wir unterfangen damit in der Regel innerstädtische Altbauten mit Setzungsproblematik.
     
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