Ist Carbonatisierung bei massiven Fertighäusern aus Stahlbeton ein Thema?

Diskutiere Ist Carbonatisierung bei massiven Fertighäusern aus Stahlbeton ein Thema? im Beton- und Stahlbetonarbeiten Forum im Bereich Neubau; Hallo, wir interessieren uns für ein massives Fertighaus eines bekannten Herstellers aus dem Bayrischen. Diese Häuser werden aus...

  1. DrFaust

    DrFaust

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    Hallo,
    wir interessieren uns für ein massives Fertighaus eines bekannten Herstellers aus dem Bayrischen. Diese Häuser werden aus Stahlbetonelementen gefertigt und zeichnen sich durch relativ dicke Wärmedämmung bei relativ geringer Wandstärke - genaue Zahlen habe ich nicht, meine aber, etwas von 10 cm bei den Außenwänden und 6,5 cm bei Innenwänden gelesen zu haben - aus.
    In direkter Nachbarschaft zu unserem aktuellen Haus stehen zwei dieser Häuser, beide ungefähr 15 Jahre alt, deren Bewohner bisher sehr zufrieden sind.
    Da ich an nachhaltigem Bauen interessirt bin, mache ich mir als Laie jedoch um das Thema Carbonatisierung Sorgen: Sind derartige Konstruktionen, die auffgrund der relativ geringen Wandstärke meinem Verständis nach ja keine allzu überdimensionierte Betondeckung aufweisen können, nicht geradezu prädestiniert zur Carbonatisierung?
    Auf gut Deutsch gesagt: Ich will kein Haus, das sich nach mehreren Jahrzenten pulverisiert.
    Wie beurteilen die Experten hier im Forum das Problem der Carbonatisierung bei massiven Fertighäusern? Mache ich mir hier an der falschen Stelle Gedanken oder liegt hier tatsächlich ein Schwachpunkt vor?

    Beste Grüße

    Dr. Faust
     
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  3. JamesTKirk

    JamesTKirk Gast

    Soso, das Haus pulversiert sich also, wenn Karbonatisiserung stattfindet. Dann sollte Dir das ja schon Sorgen machen.

    Was hast Du denn zu diesem Thema schon so alles gelesen? Um welche Bauteile geht es denn speziell? Liegen die innen- oder außenseitig?
    Hast Du denn auch schon was zu den Themen "Betondeckung" und "Bewehrungskorrosion infolge Karbonatisierung" gelesen?

    Um Deine Frage zu beantworten: Wenn die Betondeckung der Exposition des Bauteils angemessen ist, brauchst Du Dir um Karbonatisierung keine Sorgen zu machen ... :shades
     
  4. mls

    mls Bauexpertenforum

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    gilt unter norm-randbedingungen ;)
     
  5. JamesTKirk

    JamesTKirk Gast

    Na Markus, wir bauen doch alle nach Norm ... :shades

    Ob bei dem Gebäude des TE davon abgewichen wurde, müsste erst noch eruiert werden.
     
  6. #5 wasweissich, 28. Dezember 2015
    wasweissich

    wasweissich Gast

    ja dann los . oder wofür ist so ein forum sonst da ??

    [scherzmodus off]
     
  7. reezer

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    lasse ich mir ein Betonhaus aus dem Bayerischen nach Worms fahren....
     
  8. #7 Tragwerkling, 28. Dezember 2015
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    Mit einer entsprechenden Betondeckung und bei vernünftiger Bauausführung sehe ich in der Carbonatisierung kein Problem.
    6,5 cm Wandstärke reicht nach EC nicht mal für die Tragschale einer Sandwichplatte...
     
  9. DrFaust

    DrFaust

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    Zunächst möchte ich mich bei reezer für seinen konstruktiven Beitrag bedanken, jetzt ist mir schon Vieles klarer.
    Sofern ich das richtig verstanden habe, findet Carbonatisierung in jedem Beton statt, begünstigende Faktoren können C02 und Feuchtigkeit sein, dabei hat sich wohl gezeigt, dass bei einer relativen Luftfeuchte von 60% - also bei mitteleuropäischen Verhältnissen - der Carbonatisierungsprozess besonders begünstigt wird. Bauteile im Innenbereich sollen stärker betroffen sein als Bauteile im Außenbereich: Zugrundegelegt wurde eun Mittelwert aus 27 Betonen, bei 20 Grad Temperatur und einer relativen Luftfeuchte von 65% beträgt nach 16 Jahren - was ich als nicht allzu lange wahrnehme - die Carbonatisierungstiefe 20 mm - was ich bei Innenwänden von 65 mm als nicht allzu wenig betrachte. (Quelle: https://www.unibw.de/werkstoffe/lehre/.../dauerhaftigkeit-von-beton.pdf) Daher meine o.g. Befürchtungen. Klingt für mich so, als müsste man sich in 15 Jahren schon Gedanken machen - wenn ich hier irgendwo einen Denkfehler gemacht habe - gern korrigieren.
     
  10. #9 Manfred Abt, 28. Dezember 2015
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    Bei einem massiven Haus würde mir Wohnfläche fehlen.
     
  11. OLger MD

    OLger MD

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    Warum?
    Warum stehen dennoch so viele Betonkonstruktionen deutlich länger als 15 Jahre?
    Die Karbonatisierung ist auch mit einem anhaltenden CO[SUB]2[/SUB]-Zufluss verbunden. Und hier helfen dem Beton die Wärmedämmung und der Außenputz sowie der Innenputz und die Farbe auf den Wandflächen im Innenbereich.
    Und selbst wenn die Karbonatisierungstiefe die Betondeckung erreicht hat müssen die Umgebungsbedingungen für die Stahlkorrosion erst mal bis zum Stahl durch den karbonatisierten Beton durchdringen.
    Die natürliche Bauchemie eines Kalkputzes und die künstliche (Bau)Chemie der modernen Beschichtungsstoffe helfen dem nackten Beton, so dass dieser bei guter Pflege ohne Probleme das Rentenalter erreichen kann, ohne vorher zusammenzubrechen.
     
  12. Lebski

    Lebski Gast

    Erreicht die Carbonatisierung die Bewehrung, ist die natürliche Passivierung des Stahls durch den ph-Wert aufgehoben.

    Danach braucht es immer noch Wasser und Sauerstoff zur Rostbildung des Stahls, der danach durch Volumenvergrößerung den Beton "sprengt". Wo soll denn Wasser und Sauerstoff in dem Umfang herkommen?
     
  13. JamesTKirk

    JamesTKirk Gast

    Das ist so nicht vollständig.
    Vom Grundsatz her: Innenbauteile XC1 - geringes Korrosionsrisiko, Außenbauteile XC4 - hohes Korrosionsrisiko.
    Außerdem gilt das für blanken Beton. Ist Dein Haus komplett in Sichtbeton hergestellt? Selbst ein Farbanstrich, der einigermaßen vernünftig aufgetragen wurde, verringert schon das Eindringen von CO2 und damit die Karbonatisierung.
    Die Karbonatisierung ist außerdem völlig Hupe - wichtig ist die Beurteilung des Korrosionsrisikos (da ist die Karbonatisierung neben der Exposition nur ein Teilaspekt). Und das ist bei Außenbauteilen wesentlich höher als bei Innenbauteilen. Um Klarheit zu bekommen, bitte den Absatz in dem zitierten Skript auch zuende lesen, da steht das nämlich.
     
  14. #13 Alfons Fischer, 28. Dezember 2015
    Alfons Fischer

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    ich meine, dass die Hersteller von solchen Konstruktionen mit besonderen, hochfesten Betonen arbeiten. Auf die Carbonatisierung kann durch entsprechende Wahl der Expositionsklasse sicher auch eingewirkt werden. Außen drauf ist bei den Konstruktionen, welche ich kenne, ein 20cm-WDVS. Es würde mich wundern, wenn der Hersteller die Umgebungsbedingungen eines Wohnhauses nicht berücksichtigt hätte...
     
  15. JamesTKirk

    JamesTKirk Gast

    Bei solchen Konstruktionen wie Fassaden und WDVS-Systeme wird gemäß den Auslegungen des NABau außenseitig die Expositionsklasse XC3 anstatt XC4 zugrunde gelegt.
     
  16. #15 Ralf Dühlmeyer, 29. Dezember 2015
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    Dann, Herr Studienrat, würde ich zukünftig nur noch zu Fuß und mit dem Rad von A nach B reisen, da alle anderen (öffentlichen wie privaten) Fortbewegungsmittel Brücken aus Beton überqueren.
    Wenn denn unbewitterte Innenwände schon nach 16 Jahren kurz vor dem Einsturz stehen, wie kurz sollen dann salzbeaufschlagte (Winterdienst) Betonbrücken leben?

    Zu Fuß/Fahrrad kann man halt Betonbrücken besser umgehen, weil diese Wege oft genug auch mit Holzbrücken erichtet werden.

    Fragen Sie mal (falls Sie es nicht selbst sind) die Altsprachler an Ihrer Lehranstalt, was opus cementitum ist/war.
    OK, der hatte keine Eisen drin, das hat erst Herr Monier erst 1867 erfunden. Aber noch schlimmer, da würde die Carbonatisierung ja direkt zuschlagen.

    Macnhmal darf die reine Logik zur Überprüfung einer These angewandt werden, damit klar wird, das Schrödingers Katze eben nur als Gedankenexperiment, nicht aber im wahren Leben stattfinden kann!
     
  17. Inkognito

    Inkognito Gast

    XC1 für unter WDVS, siehe Bauteilkatalog 3.9. Oder hat der NA Bau sich dazu neuerdings anders geäußert?
     
  18. JamesTKirk

    JamesTKirk Gast

    Die Aussage des NABau bezog sich noch auf die alte Norm und ist daher alt (wenn auch nicht grundsätzlich falsch).
    Der Bauteilkatalog hat lediglich empfehlenden Charakter und ich würde ihn als Planer nicht stumpf anwenden, sondern das Gehirnkasterl auch noch bemühen. Ich würde mich daher eher an der alten Anforderung XC3 orientieren und nicht an einer Empfehlung von Leuten, die die Haftung dafür im Vorwort ausgeschlossen haben. Eine gute Orientierungshilfe ist der Bauteilkatalog aber trotzdem.

    In der Regel werden Außenwände in einer Mindest-Betongüte C25/30 geplant. Daher sind die Expostionsklassen XC4 und XF1 abgedeckt (bei "normaler" Betonrezeptur) und die Diskussion hier daher "nur fürs Papier".
    Bei Fertigteilen liegen die Betongüten deutlich höher, da man ja nach kurzer Ausschalen und neu Betonieren möchte.
     
  19. planfix

    planfix Gast

    ... wäre auch schön, wenn es die ganzen alten plattenbauten pulverisiert. dann hätten wir wieder platz für neues. :28:
    so isses! und so war es sogar schon in den 70-gern (nur auf einem anderen niveau). drum stehn die alten kästen auch noch.
     
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  21. Inkognito

    Inkognito Gast

    XC3 halte ich auch an dieser Stelle für durchaus angebracht, aber mehr als die meist sowieso erfüllten betontechnologischen Mindestanforderungen interessiert mich hier die abweichende Betondeckung, die man (leider) eben nicht einhalten muss.

    Ansonsten ist die Wetterseite von Plattenbauten durchaus sehr problematisch.
     
  22. ThomasMD

    ThomasMD

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    Kannst Du das bitte näher erläutern?
    Typ, Baujahre, Oberfläche, Art der Probleme ...

    Gruß
    Thomas
     
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Ist Carbonatisierung bei massiven Fertighäusern aus Stahlbeton ein Thema?

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