Kerndämmung im Einblasverfahren

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  1. Woody75

    Woody75

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    Hallo!

    Wer von Euch kennt sich mit nachträglicher Kerndämmung aus oder kann mit Erfahrungen dienen? Ich habe Angebote für drei verschiedene Produkte vorliegen, die in die Luftschicht eines zweischaligen Mauerwerks eingebracht werden sollen, Abstand ca. 7 bis 7,5 cm. Jeder ist natürlich von seinem Produkt überzeugt, jedoch denke ich, dass auch jedes Produkt gewisse Vor- und Nachteile hat, die es abzuwägen gilt. Btw, dürfen Produktnamen genannt werden?

    Produkt 1 ist aus EPS, doch aufgrund der Rieselgefahr bei nachträglichen Installationen (Fenstertausch o.ä.) und der Tatsache, dass es alles andere als umweltfreundlich ist, scheidet das für mich persönlich eigentlich schon aus.

    Produkt 2 ist ein mineralisches Dämmstoffgranulat, das äußerst fein ist. Von den Eigenschaften her klingt es sehr überzeugend, doch beim Einblasen kann es passieren, dass das Produkt aufgreund der feinen Struktur durch kleinste Ritzen in den Innenraum eindringen kann, da freut sich die Hausfrau ;-))
    Ein Bekannter, der beruflich überwiegend Zellulose einbläst, gab zu bedenken, dass die feinen Krümelchen beim Auftreffen auf die Innenschale im Zuge des Einblasens quasi zu Staub zerfallen, so dass zumindest im Sockelbereich kaum noch eine Dämmwirkung vorhanden sein kann.

    Produkt 3 ist relativ neu am Markt, eine Mineralwolle, fängt supa an und endet auf fil. Die Produktprobe sieht aus wie Watte. Nachteil bei diesem Dämmstoff scheint lediglich der größere Bedarf an Einblasöffnungen zu sein, ansonsten gibt es zu diesem Zeug bislang kaum Informationen.

    Hat jemand von Euch Erfahrungen mit der Wirkung von nachträglicher Kerndämmung? Ist es tatsächlich so problemlos, wie es die jeweiligen Firmen darstellen? Immerhin befindet sich der Taupunkt beim zweischaligen Mauerwerk nahe Innenseite der Außenschale, also unmittelbar an der Hohlschicht. Somit besteht permanent die Gefahr, dass dasjeweilige Produkt einer gewissen Feuchtigkeit ist ausgesetzt oder sehe ich da irgendwas falsch? Die Produkte sind zwar alle hydrophobiert, doch die Lebenszeit sollte ja auch ein paar Jahre (Jahrzehnte) betragen. Der Hohlraum ist zwar derzeit staubtrocken, doch bleibt das auch mit der Dämmung so? Ein befreundeter Dipl. Ing. gab zu bedenken, dass das bei Perlite in der Vergangenheit oft für Probleme gesorgt haben soll, Transport von Feuchtigkeit Richtung Innenschale, insbesondere auf der "Wetterseite".

    Ich freue mich auf fachkundige Tipps und Informationen, insbesondere von Leuten, die ihr Haus auf diese Weise "behandelt" haben.

    LG
    woody75
     
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  3. Neutal

    Neutal

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    Es gibt tatsächlich viel zu beachten und sehr viele unterschiedliche Kerndämmstoffe. Ob überhaupt gedämmt werden sollte, hängt von Art und beschaffenheit des Mauerwerkes ab. In vielen Fällen rät man auch von einer nachträglichen Kerndämmung ab. Der Verarbeiter sollte sich natürlich mit den Dämmstoffen und deren Eigenschaften sowie vor und nachteilen auskennen und das richtige auswählen.
    EPS: Einfach zu verarbeiten, sehr gutes Fließverhalten, kommt mit sehr wenigen Bohrlöchern aus, erfordert bei undichtigkeiten etwas Vorarbeit, sehr gute WLG, nur sehr geringes Risiko von Feuchtetransport Aussenschale-Innenschale. Das wohl am häufigsten verwendete Produkt. Kann bei nachträglichen Öffnungen verfestigt werden oder mit einem Kleber vermengt eingeblasen werden, dann ist es aber auch nicht mehr ausbaubar. Läßt sich einfach wieder absaugen.

    "weißes Pulver": Mineralisch, gute WLG, sollte nur von sehr erfahrenen Einbläsern verarbeitet werden, sehr hohe Staubentwicklung, darf nicht in Wasser stehen

    Glasfaser: Modeprodukt mit guter WLG, nicht einfach zu entfernen, hohes Risiko von Fehlstellen, sehr viele Einblasöffnungen, Risiko von Feuchtetransport Aussenschale- Innenschale

    Steinwolle: Wie vor, aber schlechte WLG

    Perlite: Schlechte WLG, hohes Gewicht, Gefahr das Aussenwand abgedrückt wird, Mineralisch, wird nicht gefördert

    XPS: Schlechte WLG, aber unkompliziert einzublasen und steht gut in der Hohlschicht

    polyuerethan Granulat: Ähnlich XPS, aber bessere WLG und geringer Preis

    Nanogel: wie weißes Pulver, sehr Gute WLG, aber kompliziert einzubauen, sehr gutes Fließverhalten, extrem teuer

    Von allen Produkten gibt es links und rechts vom Weg noch einige alternativprodukte und natürlich endlos viele Produkte ohne Zulassung.
    Es gibt viele Fälle in denen ein gewissenhafter Betrieb von einer nachträglichen Kerndämmung abraten sollte. Eine endoskopische Voruntersuchung sollte das mindeste sein, eine geführte Checkliste wäre auch nicht verkehrt.
    Von ausschäumen halte ich gar nichts.
    Man könnte jetzt hier Romane schreiben, aber das soll erstmal reichen
     
  4. Woody75

    Woody75

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    Vielen Dank für die informative Antwort.
    Eine Voruntersuchung hat ordnungsgemäß stattgefunden. Es wurde kontrolliert, wie stark die Hohlschicht ist, der Zustand des Mauerwerks wurde endoskopisch untersucht, und von einem Anbieter wurden auch unterschiedliche Produkte (siehe Fragestellung) vorgestellt, inklusive Bereitstellung einer Produktprobe.
    Die Probleme, die es mit Feuchtigkeit geben könnte, hat jeder der Anbieter weit von sich gewiesen, da die Produkte ja alle hydrophobiert sind. Das heißt für mich aber im Umkehrschluss nicht, dass Feuchtigkeit nicht transportiert werden kann, wie in der Antwort von "Flocke" zu Glasfaser angedeutet. Nachdem Hartschäume, in welcher Form auch immer, zunehmend in Verruf geraten, und ich generell eher zu ökologischeren Produkten tendiere, frage ich mich halt, wie sich die Alternativen langfristig in der Wand verhalten. Daher auch meine Frage, ob da wohl jemand Erfahrungen in dieser Richtung gesammelt hat. Dass es unterschiedliche Anforderungen an die Einbausituation gibt, das ist hinlänglich bekannt, auch wenn das in der Voruntersuchung zuweilen zu kurz kommt.

    Es gibt doch ein paar Unternehmen, die fast nichts anderes machen als Einblasdämmung. Da muss es doch auch Kunden geben, die so etwas machen lassen haben. Ergo muss es doch auch ausreichende Langzeiterfahrungen geben, wie gut unterschiedliche Produkte in der Praxis "funktionieren". In der Theorie sind alle Produkte brauchbar bis sehr gut, ich habe jedoch gelernt, dass Theorie und Praxis zuweilen nicht so ganz deckungsgleich sind....
     
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