Krebsverdächtige Mineralwolle 25J. alt - staubdichte Abschottung notwendig?

Diskutiere Krebsverdächtige Mineralwolle 25J. alt - staubdichte Abschottung notwendig? im Sanierung konkret Forum im Bereich Altbau; Hallo, in unserem Vereinshaus (über 25 Jahre alt) gibt es eine Art „Akustikdecke“, bestehend aus dicken einzelnen Holzbrettern mit je ca. 2 cm...

  1. WA__

    WA__

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    Hallo,
    in unserem Vereinshaus (über 25 Jahre alt) gibt es eine Art „Akustikdecke“, bestehend aus dicken einzelnen Holzbrettern mit je ca. 2 cm Abstand. Darauf liegt ein schwarzer Rieselschutz, darüber Mineralwolle (Steinwolle?) als Akustikdämmung. Der Rieselschutz ist jedoch überall kaputt, Mineralwolle ist sichtbar, vereinzelt fallen Fasern heraus.
    Über der Akustikdämmung befindet sich noch eine alufarbene Folie (Dampfsperre), darüber eine Mineralfaser-Wärmedämmung, die Oberseite zeigt offen zum kalten (ungenutzten) Dachboden.

    Nun soll die Innendecke wie folgt saniert werden: Der alte Kram bleibt drin, darunter Montage eines abgehängten Rasterdeckensystems mit eingelegten Deckenplatten (ohne Löcher, schalldämmend), plus darauf gelegter Mineralfaser-Akustikdämmung (an den Lampen ausgeklinkt).
    Ich mache mir nun Sorgen wg. der alten Mineralwolle (von vor 1995), die ja als krebsverdächtig gilt beim Einatmen des Faserstaubs. Es gibt zwar keine gesetzliche Regelung, aber viele Kommunen und Bundesländer schreiben für ihre Gebäude (z.B. Schulen, Kindergärten) eine räumliche Trennung der alten verdächtigen Mineralwolle vor mittels STAUBDICHTER (!) Abschottung zum Innenraum.
    Beispiel: https://www.nuernberg.de/imperia/md/gesundheitsamt/dokumente/gh/handlungsanw.pdf --> Seite 21 "Räumliches Trennen der KMF-Produkte"

    Frage: Ist dieses o. g. abgehängte Rasterdeckensystem so dicht, dass der Faserstaub der alten Mineralwolle von der Raumluft abgehalten wird (ein zusätzliches Rieselschutzvlies o.ä. ist nicht vorgesehen)?

    Wie bekäme man es „staubdicht“ bzgl. der alten Mineralwolle?

    Oder ist das alles übertrieben?

    Danke für Ihre/Eure fachliche Einschätzung!
     
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  3. Neutal

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    Wenn es um die Gesundheit geht, kann man nicht übertreiben. Bei MIWO die vor 1980 verbaut wurde sollten schon höhere Anforderungen an den Arbeitsschutz gestellt werden.
     
  4. #3 Stolzenberg, 13. November 2014
    Stolzenberg

    Stolzenberg Gast

    Dass es da keine gesetzlichen Regelungen gibt ist auch nicht unbedingt korrekt. Zum einen gibt es Grenzwerte für die Raumluft und darüber hinaus Expositionskategorien für verschiedene Arbeiten und Materialien. Da sich diese auf die Gefahrstoffverordnung beziehen und jene wieder auf das Chemikaliengesetz liegst Du folglich falsch...

    Es gibt drei zugelassene Wege für Euch:
    1. Entfernen
    2. Beschichten (Folie setzen)
    3. räumliche Trennung

    Ihr scheint in Richtung #3 zu tendieren. Dies ist zwar die "unsicherste" Variante, aber durchaus zulässig.

    Allerdings bietet Option #1 bei fachgerechter Ausführung die höchste Sicherheit gegen zu erwartende Faseremissionen, da etwas was weg ist nicht gefährlich sein kann.
    Wird Option #2 nicht fachgerecht ausgeführt, so ergibt sich für Euch überhaupt kein Sicherheitsgewinn. Ein Rieselvlies ist keine zugelassene Beschichtung!!!
    Option #3 ist nur empfehlenswert wenn Pumpeffekte ausgeschlossen werden können. Bei einer neuen Rasterdecke ist das nicht zwangsläufig der Fall, bei einer geschlossenen GK-Beplankung schon eher.

    In der Praxis findet man in der Regel entweder Option #1 oder eine kostenoptimierte Kombination aus #2 und #3.

    Da solche Entscheidungen sehr stark von der umgebenden Bausubstanz abhängig sind würde ich empfehlen ggf. einen Rückbau ins Auge zu fassen falls eine luftdichte Trennung nicht vorgenommen werden kann. Darüber hinaus spielen auch die Alterszusammensetzungen der Nutzer, sonstiges Nutzungsverhalten und viele weitere Faktoren bei der Bewertung des Sanierungsverfahrens eine Rolle. Der vielleicht wesentlichste Punkt ist allerdings die chemische Zusammensetzung der Fasern...

    siehe < HIER >
     
  5. WA__

    WA__

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    @Flocke: Nun ja, es geht hier ja nicht um Arbeitsschutz (keine Arbeitsplätze vorhanden) und auch nicht um eine Schule oder Kindergarten.. Es ist ja "nur" ein Vereinsheim, das nicht ständig, sondern nur sporadisch (meist abends) genutzt wird und auch mal für ne Feier vermietet wird. Altersgruppe 8 - 80 J. (hauptsächlich 40 - 80 J.)

    @Stolzenberg: Danke für die Einschätzung. Ja, die gesetzlichen Expositionskategorien gelten für (vorübergehende) Arbeiten an Mineralwolle, aber mir geht es eher um die dauerhafte Belastung im eingebauten (stationären) Zustand.

    In Deinem Link finde ich u.a.: "Für die Raumluft allgemein genutzter Räume bestehen keine Maßgaben." --> trifft hier sicherlich zu.
    Und: "Der „Leitfaden für die Innenraumlufthygiene in Schulgebäuden“ einer entsprechenden Kommission des Umweltbundesamtes geht bei ordnungsgemäß eingebauten KMF-Dämmungen von keiner Raumluftbelastung als Erfahrungswert aus. Mineralwollevorkommen ohne Rieselschutz und mit sichtbaren Freisetzungen sollen hingegen unabhängig von Raumluftkontrollen („Stand der Technik“) direkt ausgetauscht werden. Ein zeitlicher Verlauf wird hier nicht konkretisiert." --> Ja, Schulgebäude. Ist dies aber nicht, s. o.

    Problem: Lösung 1 ist zu teuer.
    Lösung 2 wurde nicht diskutiert, aber Folie wäre wohl kaum dicht zu bekommen aufgrund der vielen Abhänger der geplanten Rasterdecke. Und dann wäre auch noch die Dampfbremswirkung zu berücksichtigen, denn es ist ja schon oberhalb der vorhandenen Akustik-Mifa-Dämmung eine Dampfsperre zur darüberliegenden Wärmedämmung vorhanden.

    Lösung 3 trifft wohl ungefähr auf den geplanten Aufbau zu, aber reicht das so wie beschrieben aus? Wäre das dicht genug und ein vertretbarer Kompromiss für das o. g. Nutzungsprofil?

    Auch ich bin der Meinung, dass man beim Gesundheitsschutz keine unnötigen Kompromisse eingehen soll. Aber mit meinen Bedenken stehe ich momentan alleine da. Alles andere wäre "zu teuer", "in der Praxis übertrieben" und ähnliches bekomme ich dann als Antworten.
    Die Frage ist: Was ist hier wirklich praxisgerecht?
     
  6. Kalle88

    Kalle88

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    Warum keine GKB Decke? Da bekommst du weit bessere Schallwerte hin, als mit deiner Rasterdecke und hast eine Abtrennung die zuverlässig vor Faserbelastung schützt. WENN diese entsprechend sauber verarbeitet wurde.
     
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  8. #6 Stolzenberg, 13. November 2014
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 13. November 2014
    Stolzenberg

    Stolzenberg Gast

    Praxisgerecht ist das in der Praxis anzufindende Verhalten. Hat mit fachgerecht aber nichts zu tun...

    Die Antwort hast Du bereits gegeben: Wenn #2 und #3 (auch in Kombination angewendet) nicht zielführend sind, dann ist es #1!!!

    AAAABER: Warum mit Kanonen auf Spatzen schießen! Ihr wisst nichts über den Typ (die Gefährlichkeit der Dämmung) und dies bestimmt den "Preis" maßgeblich. Der Preis ergibt sich aus den notwendigen Schutzmaßnahmen und der Arbeitsleistung an sich. Letztendlich wäre ohne Laboranalyse ein Maximum an Schutzmaßnahmen notwendig um fachgerecht zu sanieren. Eine derart dilettantische Planung macht die Schadstoffbaustellen teuer. Eine Laboranalyse gibt es für deutlich unter 100 Euro und das sonstige Handwerkszeug zum Berechnen der Gefährlichkeit findest Du in dem zitierten Beitrag. Danach wird überlegt ob man wirklich ein Problem hat...

    Die Dringlichkeit einer Sanierung wird für KMF nicht bewertet! So etwas gibt es nur für schwach gebundene Asbestprodukte. Dort sieht es dann in etwa so aus:

    Sanierungsdringlichkeit_01.jpg

    Gehe erst einmal in Dich und denke über eine strukturiertere Herangehensweise nach. Es ist nicht immer alles so schlimm, teuer oder gefährlich wie der Normalbürger sich das denkt...

    PS: Nach welchen Kriterien eine Bewertung erfolgt ist durchaus auch auf KMF anwendbar! Nach Durchsicht wirst Du Dir vermutlich einige Fragen stellen...
     
  9. WA__

    WA__

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    Tja, das habe ich mich auch schon gefragt. Rasterdecke ist wahrscheinlich die kostengünstigste Lösung und außerdem sehr einfach zu öffnen bei evtl. späteren Verkabelungs-/Lampenänderungen.
     
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