Monolithisch bauen mit bis zu 1 Meter dicker Ziegelwand ohne Dämmung - Erfahrungen?

Diskutiere Monolithisch bauen mit bis zu 1 Meter dicker Ziegelwand ohne Dämmung - Erfahrungen? im Architektur Allgemein Forum im Bereich Architektur; Guten Morgen, vorab einen Gruß an alle im Forum und eine kleine Vorstellung unseres Bauvorhabens. Meine Frau und ich haben ein sehr großes und...

  1. GeMeVe

    GeMeVe

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    Guten Morgen,

    vorab einen Gruß an alle im Forum und eine kleine Vorstellung unseres Bauvorhabens. Meine Frau und ich haben ein sehr großes und sonniges Baugrundstück am Stadtrand (ohne Bebauungsplan!) erworben und wollen demnächst mit der Bauplanung starten. Architekten wurden in den letzten Wochen kontaktiert und es folgen erste Gespräche in den nächsten Tagen. Da wir drei Kleinkinder und beruflich mit dem Thema Gesundheit zu tun haben, entschieden wir uns keine unnötigen Kunststoffe oder chemische Substanzen beim Hausbau zu wählen und verfolgen die Devise "einfach, natürlich und effektiv". Wir sind keine Öko´s, sondern einfache Leute die nur Wert auf Gesundheit und Natur legen.

    Ich habe mich nun exakt 1,5 Jahre mit Bausteinen, Dämmung, Heizung, Sonneneinstrahlung, Fenstertechnik, kontrollierter Lüftung, Erdwärme, Bodenbeschaffenheit, lästigen Bebauungsplänen und und und beschäftigt, eingelesen und Fachleute sowie Hausbauer und Hausbesitzer befragt und diverse Tabellen hoch und runter gerechnet mit Energieverbräuchen und Einspareffekten, als auch Aufwand und Wartung von Systemen und Fakten zu den Themen. Dabei sind alle mir bekannten Bausteine, Dämmstoffe, Heizungssysteme (bis hin zum "Sonnenhaus" nach Josef Jenni) unter die Augen gekommen und zahlreiche Vergleiche und Erfahrungsberichte wurden gelesen, gehört und diskutiert.

    Unsere Entscheidung ist nach einer Menge Gedanken und Abwägungen wie folgt: keine "Dämmstoffe", sondern träge Speichermasse in Form von Bausteinen wie Poroton (Sonnenenergie speichern). Keine komplexe Heizung sondern Sonnenstrahlen und im Haus befindliche Wärmequellen nutzen - für sehr sehr kalte Perioden ggf. Kamin/Ofen (Strahlungswärme, Holz für viele Jahre bereits vorhanden) und auch keine Fußbodenheizung (nicht nur wegen der Luftverwirbelung und Venenthemen). Kein Technik-Schnick-Schnack sondern pure Einfachheit und Funktion - was nicht heißen soll dass die Wohnausstattung nicht gehoben sein darf. Lediglich beim Thema Warmwasser bin ich noch nicht ganz entschieden, aber hier könnte es sein dass erstmalig Technik-Schnick-Schnack wie eine Solarthermie-Anlage (Südausrichtung) in Betracht kommt, zumal wir bis auf den geringen Strom für die Umwälzpumpe unabhängig von Öl und Gas sind.

    Damit ist ein wenig gesagt um nun mein Anliegen zu verstehen. Somit bitte ich NUR die Personen um Antwort, die OHNE Dämmung gebaut haben (auch ältere Häuser), also die auf monolithische Bauweise gesetzt haben. Idealerweise suche ich nach Jemand der ähnlich wie ich bauen will bzw. so gebaut hat. Auch wenn es keine 1m Wand so gibt, ist die Verwendung von doppelter Wandstärke (z.B. innen wegen Festigkeit T16 365er und Außenschale 490er T14 bzw. andere Kombinationen wie 2x 365er oder 2x490 Poroton) auch möglich. Ich weiß das es auch dämmstoffgefüllte Steine mit besseren Werten gibt, aber die will ich ja nicht.

    Auch wenn viele jetzt mit dem Kopf schütteln, sei denen gesagt das es solche Projekte gibt und diese sogar ohne Preisaufschläge umgesetzt wurden (doppelte Einfachheit schlägt einfache Komplexität). Mit den Vorteilen der Heizungsreduktion, Schimmelfreiheit und diversen anderen Vorteilen.

    Ich bin mir bewusst dass kaum eine Antwort zu erwarten sein wird, da alle die nicht so gebaut haben oder so bauen werden sich bitte heraushalten und nicht schreiben mögen, aber etwas Hoffnung habe ich doch - sonst hätte ich mich nunmal nicht extra dafür hier angemeldet.

    Grüße

    GeMeVe (soviel wie gesunder Menschenverstand) auch wenn die meisten Leser sicherlich sich das Gegenteil denken werden..

    ..nur tote fische schwimmen mit dem Strom..
    ..ich will ein einfaches Haus, dass mit mir als Mensch auskommt und ich nicht als "Störfaktor Mensch" nicht leben und lüften soll wie ich will..
     
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  3. H.PF

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    Naja, wenn nur die antworten dürfen die ohne Dämmung gebaut haben und ohne Technik dann mal viel Spaß.

    Ich halte mich da einfach mal nicht dran ;)

    Ich find es gut, das du das mal so bauen willst. Ich bin eher auch der, der einfach haben will. Technik die nicht da ist kann auch nicht kaputt gehen.

    Du solltest beim Ofen eventuell über ein Hypokaustensystem nachdenken wo z.B. die zentrale Innenwand als Strahlfläche genutzt wird. Sowas hat ein Freund von mir in seinem Holzhaus und er heizt damit sein komplettes Haus. Eine strahlende Fläche im Flurbereich reicht um für Oben alles warm zu machen. Und der Ofen steht im Wohn-Ess-Koch-Zimmer, der heizt dann diese Seite.

    Damit sehe ich überhaupt kein Problem, das du dein Haussystem vernünftig umgesetzt bekommst.

    Wo du bei den dicken Wänden drauf achten musst: Du bekommst Schießscharten. Durch die dicken Wände sind die Leibungen natürlich auch extrem dick und schlucken Licht. Eventuell über Abschrägungen nach Oben nachdenken im Aussenbereich z.B.

    Wie stellst du dir das mit Strom vor? Möchtest du Killschalter haben die komplette Teilbereich vom Strom abschalten? Also Thema Magnetfelder & Co?
     
  4. #3 Ralf Dühlmeyer, 19. Januar 2014
    Ralf Dühlmeyer

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    Ich sag Dir mal was aus indirekter Erfahrung:
    Mein Bauphysik-Prof hat sich damals ein Haus mit viel Speichermasse gebaut. Das Ende vom Lied war der Kircheneffekt - er musste auch an milden Sommertagen heizen, weil er die Masse nicht warm bekam!

    Ofenheizung an kalten Tagen - schön und gut, wenn man jung und beweglich ist. Aber mit 85 oder mit Rollator, gar Rolli Holz holen, Kamin säubern, Asche rausbringen - und das bei 20 cm Schnee draussen.
    Altersgerechgt planen geht anders! Meine Oma konnte ein Lied davon singen.

    Das Thema Luftverwirbelung ist übrigens eines bei Konvektoren und Radiatoren, weniger bei Fußbodenheizung. Bei Kaminheizung schon zweimal.

    Du hast mit Verlaub viel gelesen, aber wenig verstanden, weil Dir das Fachwissen zur Einordnung der gelesenen Aussagen fehlt. Ich weiß, ich gebe den Don Quichotte und verstosse gegen Deinen Maulkorb - ist mir aber herzlich egal.
    Du wirst grandios scheitern!
     
  5. #4 Friedl1953, 19. Januar 2014
    Friedl1953

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    Ich werde mich mal auch nicht an den Maulkorb halten. 1 m starke Außenwände sind Unsinn siehe Schießscharten Thema.
    Lies Dich einfach mal hier ein,
    http://www.thoma.at/buecher.
    Zwar sind seine Thesen bei Fachleuten höchst umstritten aber das wäre deine gesamte Denke auch und somit passt Ihr erstmal gut zusammen.:bef1006:
     
  6. feelfree

    feelfree Gast

    Dann drehen wir den Spieß doch mal um: Berichte DU doch mal von den Projekten, die Du kennst. Würde vermutlich nicht nur mich interessieren.
     
  7. Baumal

    Baumal

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    neu ist die idee ja nicht.
    bedarf aber einiger planung,
    und abstriche im grundriß.

    und ja, ca. 1.0m ziegelaußenwanddicke,
    führt das vorhaben doch ins ab absurdum?
    [​IMG]
     
  8. Julius

    Julius

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    Werbung hier erfolgt gegen meinen Willen!
    Ich habe nen (wirklich alten) Altbau, wo einige Außenwände tatsächlich ca. 1m dick sind. Das aber nur, weil es sich um Reste der alten Stadtmauer handelt (war wohl mal ein auskragender Wehrturm). Daneben hat er zahlreiche Innen- und Außenwände im Bereich 50cm bis 80cm (alles Mischmauerwerk aus Bruchstein, Feldstein, Sandstein, Vollziegel), andere hingegen nur knapp 20cm - aufgesetztes Fachwerk.
    Erlaube mir aber nicht nur deswegen, mitzureden.

    Meine praktische Erfahrung deckt sich mit der des erwähnten Prof.:
    Im Sommer gute Kühlhaltung (wenn es nicht zu lange sehr warm ist ohne ausreichende nächtliche Abkühlphasen), aber in der Übergangszeit wird es durchaus flott unangenehm kühl, wenn man nicht von Anfang an ordentlich gegenheizt!
    Im Winter Dämmwirkung sehr gering.
    In einem Neubau würde ich das niemals so machen.

    Was ich nicht verstehe:
    Dein "Vermeidungs-"Ansatz ließe doch durchaus den Einsatz von perlitegefüllten Ziegeln zu!
    Diese Füllung ist mindestens so "natürlich" und inert wie der Ziegelstein selbst.
    Das ergäbe dann (um die heutigen Mindestanforderungen - Genehmigungsfähigkeit) zu erfüllen, immer noch eine recht dicke Mauer, aber im Bereich des praktisch noch Akzeptablen. Der Schießscharteneffekt ist wirklich nicht zu unterschätzen und vermindert Deine wirksamen solaren Gewinne deutlich!

    Was mir in Deinem Konzept im Sinne der Baugesundheit (welches ich vom Grundsatz her durchaus positiv sehe) aber fehlt (wenn ich es richtig verstanden habe), ist eine Lüftungsanlage.
    Es gibt keine andere Methode, um die Luftbelastung in Wohnräumen derart niedrig zu halten.
    Wird darauf verzichtet, ist es ME völlig egal, welche Wandbildner und anderen Baustoffe man einsetzt!

    Denn der laufende Schadstoffeintrag aus der Möblierung und den übrigen Gegenständen des Haushalts (bis hin zur Kleidung) ist WEIT höher als der aus Baustoffen!!!
    Und den kann man auch bei hoher Askese (und - sehr teurem - weitestgehendem Einsatz von Alternativstoffen) nicht völlig vermeiden.

    Wer dabei Bedenken wegen der Hygiene hat, kann ja eine Anlage mit dezentraler Zuluft und zentraler Abluft wählen.
    Das Ganze als Abluft-WP ausgeführt, besorgt dann gleichzeitig preisgünstig die Trinkwassererwärmung.

    Deine Annahme, man könne mit Solar und inneren Gewinnen ausreichend heizen, trifft schon bei aufwendigen optimalen Passivhäusern NICHT zu. Bei einem Gebäude nach Deinem Konzept ME völlig illusorisch.


    Ansonsten muß ich mich etwas der Kritik an Deinen Erkenntnissen anschließen:
    Darunter scheint es einen Gutteil an Stammtischparolen zu geben.
    Die erwähnte "Venenbelastung" z.B. ist ein komplettes Märchen (trifft auf FBH in modernen Gebäuden mit niedriger Heizlast und Oberflächentemperatur schlichtweg NICHT annähernd zu). Und die stärkste Luftverwirbelung erreicht man mit einem holzgefeuerten Einzelofen...

    Ein akzeptabler Kompromiß, um auf eine wasserführende Zentralheizung zu verzichten, könnte ein guter Grundofen sein, z.B. in Verbindung mit der erwähnten Hypokaustenheizung.
    Kann man ja auch automatisieren (mit Pelletfeuerung, Öl- oder Gasfeuerung) und/oder in den Keller oder einen erdgeschossigen separaten Heizraum legen, um den Staubeintrag zu verringern.


    Tipp:
    Du brauchst daher einen Fachmann, der unter Berücksichtigung Eurer Wünsche ein realistisches und praxisgerechtes Konzept erarbeitet. Ich halte das für ohne weiteres möglich, wenn man nicht mit Dogmen herangeht.
    Allerdings sollte das Budget für Euer Vorhaben nicht zu knapp sein, sonst wird es sowieso sehr eng.

    Viel Erfolg!
     
  9. bernix

    bernix

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    ...und demnächst dann umbenennen in DeDeSiSchwVeGaHa (soviel wie: Der, der sich schwer vergaloppiert hat) :winken

    Ernsthaft: Jeder der baut beschäftigt sich mit dem einen oder anderen Thema, hat seine Wünsche und Vorstellungen....und sehr oft ist es sehr gut, dass nicht alles Gewünschte umgesetzt werden kann.

    Zumindest war es bei mir so: Gut, dass weder das Geld noch (vor allem) die Zeit da war, um das eine oder andere, das ins Auge gefasst wurde, nicht umgesetzt wurde.

    Das Riesenproblem für den Neubauherr: Du kannst nicht wissen, was von dem Geschriebenen geschönt ist und wie es für sich für dich letztendlich auswirkt.

    Ich würde zB nie (wenn es geht) auf FBH verzichten, denn das mit den Venen und der Staubverwirbelung ist wirklich kalter Kaffee.

    Ich würde auch ungern auf Dämmung verzichten. Die muss aber nicht zwingend aussen sitzen.
    Innendämmung mit Wandflächenheizung ist zB eine feine Sache.

    Das grundsätzliche Problem ist: Du versuchst mit einer Maßnahme (1m Wand) eine Situation herbeizuführen, von der du annimmst, dass sie optimal sein wird. Nun ist aber ein T14 auch kein massiver Stein... soll heißen: Möglicherweise kommst du deinem Ideal nahe, obwohl du einen Gedankenfehler machst. Der T14 ist im Vergleich zu einem Vollziegel ein Stein mit wenig Speichermasse und viel Dämmwirkung.
    gruss
     
  10. Neutal

    Neutal

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    VON EVENTUELL EINGEBLENDETER WERBUNG IN DIESEM POS
    Ich arbeite selber seit einiger Zeit für eine große Hamburger Hauptkirche. Die auftretenden Probleme duch die doch recht dicken Wände ( 3-6 m) sind enorm. Die Baupysik klerikaler Bauten ist nur bedingt auf Wohnhäuser übertragbar.
    Wir haben eine Seitenkapelle zu einem Büro für den Pastor umgestalltet. Um ein einigermaßen behagliches Klime zu bekommen, wurde doch ein höhes Maß an Technik notwendig. So wurden in die Fußböden vor den Wänden Konvektoren eingelassen, an den Arbeitsplätzen Heizkörper montiert und vor dem Altar eine große Wandheizung.
    Die Thesen von KF sind im Wohnungsbau nur bedingt umsetzbar. Er versteht es auf, rhetorisch gewandte Art, viele Menschen von seinen theorien zu überzeugen. Der großteil ist allerdings schon mehrfach wissenschaftlich wiederlegt.
    Den Ansatz ein Wohngesundes Haus zu schaffen finde ich persönlich gut und unterstütze sowas auch. Zu Beachten ist hierbei allerdings auch das nicht jeder natürliche Baustoff auch unbedenklich ist. Perlite z.B. hat ein relativ hohes natürliches Strahlungsvermögen.
     
  11. #10 Alfons Fischer, 19. Januar 2014
    Alfons Fischer

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    Formularausfüller
    Wärmespeicherung ist ganz nett, wird aber meines Erachtens überschätzt. Sie nutzt nur was, wenn es auch was zu speichern gibt. Also wenn man mal Übertemperatur zulässt. Ohne Über- (oder Unter-) Temperatur wird auch nichts gespeichert bzw. entladen.
    Folglich also nur dann, wenn man sehr ungleichförmige Energiequellen hat. Zum Beispiel sehr (!) große Fensterflächen, wo unter Umständen recht schnell eine große Energiemenge in das Haus gelangt und die man dann auch "über die Nacht retten" will...

    Wärmespeicherung nutzt also vor allem in der Übergangszeit und bei größerem Luftwechsel im Sommer bei schlechter Verschattung der Fenster. Im Sommer will ich ja möglichst geringe Aufheizung und über die Nacht retten muss ich Energie schon gar nicht. Ich bin ja froh, wenn nicht so viel davon da ist.

    Wärmespeicherung spielt hingegen bei einem Gebäude mit Fensterflächen in einer Größenordnung, wie man sie üblicherweise für die Wohnnutzung benötigt, keine so große Rolle mehr. Weil es ja keine so großen externen Lasten mehr gibt.

    Darum darf man sich schon die Frage stellen, ob man die Außenwände nicht mit einem gut dämmenden Stein bauen sollte und die Wärmespeicherung den Innenwänden, Fußboden und den Decken überlässt...

    Ein Raum mit sehr hoher Wärmespeicherung ist nur dann gut, wenn ich sehr gleichmäßige Raumtemperaturen anstrebe. Schnelle Änderungen sind dort nicht möglich. Nacht- und Wochenendabsenkung ist dort nicht sinnvoll. Wir hatten in Museen mit konservatorischen Ansprüchen schon sehr gute Erfahrung mit hoher Wärmespeicherfähigkeit und geringen solaren Wärmeeinträgen gemacht.
    Wir haben auch mal in einem Kindergarten mit (architektonisch gewollt) großen Glasflächen dies durch hohe Speicherfähigkeit kompensiert. Ganz bewusst wurden dort sehr schwere Materialien gewählt. Bei normalen Fensterflächen hätten wir das nicht gebraucht.
     
  12. MoRüBe

    MoRüBe Gast

    Aber, ein Reetdach-Fan vermutlich :28::bef1006:
     
  13. ziesel

    ziesel

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    Sofern ihr diesen Ansatz auch bei anderen Produkten (Babyfläschchen, Spielzeug,...) verfolgt sicherlich eine nachvollziehbare Entscheidung.
    :wow Unter "effektiv" würde ich mir etwas anderes vorstellen als hunterte Tonnen Baumaterial herbeizuschleppen und Bauelemente unnötig dick und massiv auszuführen. Würde ich an "einfach, natürlich, effektiv" denken käme am Ende meiner Überlegungen vermutlich ein hanfgedämmtes Holzfachwerkhaus heraus.
    Was für Wärmequellen befinden sich denn - abgesehen vom Backofen, der ja täglich nur eine überschaubare Einschaltdauer hat - im Haus? Gerade in den heutigen Zeiten der Energieeffizienz werden doch gerade die (Ab)Wärmequellen minimiert. Glühbirne: Stirbt aus. EDV: Thermal Design Power sinkt, ein Tablet heizt viel weniger als ein alter PC, obwohl es viel mehr Rechenleistung innehat. Kochen: Aufwärmen von Fertigfutter heizt viel Kürzer als "richtig" kochen. Hast du schonmal ehrlich nachgerechnet, wieviel Energie die "im Haus befindlichen Wärmequellen" liefern? Heizleistung (in Watt) mal "Einschaltdauer" pro Tag? Wieviele Kilowattstunden bekommst du da gesichert zusammen? Und wieviel brauchst du mindestens, damit du die vielen Tonnen Stein warm hältst?

    Und bedenke: Je dicker die Mauern werden - umso größer wird (bei gleicher Wohnfläche innen) die Oberfläche der Außenwand. Und damit natürlich auch die Fläche, die die Wärme aus dem Haus in die Umwelt abstrahlt.
    Achso, na dann lies die Antwort einfach nicht.
    Aha. Zwei Mauern zum Preis von einer? War dann bestimmt eine Werbeaktion des Maurers. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es sich nicht im geringsten auf den Preis auswirkt, wenn man die doppelte Menge Steine kauft und vermauern lässt.
    Klar. Die spannende Frage ist allerdings, ob diese Materialschlacht "einfach" ist - oder viel komplizierter als manch anderes System.
    Dieser Theorie zufolge müsste man gerade an der Quelle vorzüglich Angeln können, da da alle Fische an- und nicht weiterkommen. Ich befürchte, die Theorie ist falsch.
    Störfaktor ist da ein gutes Wort. Der bist du nämlich tatsächlich. Das Haus allein käme wohl ganz gut klar mit sehr wenig Lüften - du als Mensch jedoch atmest mit jedem Atemzug Feuchtigkeit hinein und Sauerstoff heraus. Wenn du diese von dir selbst verursachte "Störung" nicht selbst beseitigen willst, musst du eine Lüftungsanlage einbauen. Denn das alte System, dass durch Undichtigkeiten gewissermaßen eine permanente Zwangslüftung bestand ist heutzutage ja nicht mehr möglich.

    Wenn du also Erfahrungen mit "solchen" Bauten suchst: Suche vor allem unter denjenigen Gebäuden, die die heutigen Mindestanforderungen an die Luftdichtigkeit erfüllen. Ansonsten ziehst du einen Vergleich mit Objekten, die mit dem, was du heutzutage bauen darfst gar nicht vergleichbar sind.
     
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  15. tanzbaer

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    Ne, dann denkst Du an "einfach, natürlich, effizient".
     
  16. OLger MD

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    Ich habe noch kein solches Haus gebaut, aber in solchen Häusern (Wandstärken, monolithisch, kaum Technik-Schnickschnack) gewohnt.

    20 Jahre in einem (aus heutiger Sicht) unsaniertem Altbau im 2.OG. Einfachverglasung, Koksheizung (Schwerkraftheizung ohne Thermostate) im Keller, zusätzlicher Kohleofen im Wohnzimmer. Im Sommer war es angenehm kühl, im Winter mussten wir kräftig heizen. Die Holzrahmen der Fenster sorgten für eine konstante Lüftung –im Winter mehr, im Sommer weniger. In der Übergangszeit haben wir desöfteren den Kohleofen angeschmissen, aber meist mit Holz befeuert. Das Bad war automatisch warm, weil der Badeofen genug Wärme abgab. Die Heizkörper im Bad waren meistens aus. In der Küche (Südseite, dünnere Außenwände, große Fenster) hat das Kochen vom Gasherd gereicht. Wenn man tagsüber gut geheizt hat, wurde die Wärme gut gespeichert und es war am nächsten Morgen noch warm – auch mit Heizung auf AUS. War aber ungünstig, wenn man es kühl im Schlafzimmer haben wollte. Weiterhin hilfreich für die Temperaturregulierung in der Wohnung war ein großer Wintergarten.

    In den 2000er habe ich eine Zeit lang in einer komplett sanierten Altbauwohnung im EG gewohnt (Neue Heizung, Doppelglasfenster, dichte Türen, etc.). Eine richtig gute Sommerwohnung. Schön kühl und schattig – auch wenn es draußen 35+°C waren. Wenn man es schön gemütlich warm haben wollte, musste man lange heizen. Die Luft war schnell warm, aber die wäre auch schnell wieder an den Wänden abgekühlt, hat man nicht weitergeheizt. Also war es am nächsten Morgen noch warm. Was hat an davon, wenn es Montag ist? Im Sommer hingegen war es mit dem Lüften schwierig, da die feuchtwarme Luft von außen schnell dazu neigt ihre Feuchtigkeit als Kondensat an die kalten Wände abzugeben.

    Den Vorteil von Speichermasse kann man sicher irgendwie nutzen, es sollte jedoch besser sein als nur Vollsteine bis zur Außenfläche zu führen. Wenn es denn keine Dämmwolle und kein WDVS sein darf, wieso nicht ein mehrschichtiger Aufbau aus KS-Steinen innen und Poroton außen?

    Gruß
    Holger
     
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