Nachweis der Holzfeuchte

Diskutiere Nachweis der Holzfeuchte im Dach Forum im Bereich Neubau; Hallo Experten, ist es möglich, bei einem 3 Jahre alten Dachstuhl nachzuweisen, ob das eingebaute Holz auf maximal 18 % vorgetrocknet war oder...

  1. Ines

    Ines Gast

    Hallo Experten,

    ist es möglich, bei einem 3 Jahre alten Dachstuhl nachzuweisen, ob das eingebaute Holz auf maximal 18 % vorgetrocknet war oder nicht? Ich habe zwei Sachverständige konsultiert. Einer sagt, es geht nur kurz nach dem Einbau. Ein anderer wiederum sagt, man könne anhand der Messung der sich aufgrund des Trocknungsschwundes ergebenden Spalten die Einbaufeuchte errechnen. Er wollte natürlich gleich messen kommen. Ich bin mir nicht sicher, ob wir damit (notfalls vor Gericht) durchkommen.

    Was sagt die Erfahrung? Bringt die Spaltmessung was?

    Die Sparren sind nur im Bereich des Obergeschosses gedämmt und liegen im Dachboden frei.

    Danke vorab für Eure Hilfe
     
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  3. NBasque

    NBasque

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    Möglich

    Natürlich ist der Nachweis der Einbau-Holzfeuchte möglich.

    Dazu benötigen Sie die Holzliste der damaligen Holzlieferung, resp. zumindest die in der Statik geforderten Holzquerschnitte.

    Messen Sie die heutige Holzfeuchte über ein übliches Widerstands-Holzfeuchtemessgerät (Die Meßspitzen müssen mindestens 3 cm tief einschlagen werden).

    Anhand der derzeitigen Querschnittswerte, sowie der jetzigen Holzfeuchte läßt sich per einfacher Gleichung anhand der Liefer-Querschnitte die Einbaufeuchte berechnen.

    Also Schwund in radialer Richtung mit 0,16% Längenänderung je % Holzfeuchte; in tangentialer Richtung 0,32% Längenänderung. Diese Werte gelten für Nadelhölzer wie Fichte/TAnne, Kiefer.

    Beispiel: Holzfeuchte gemessen 12%, Höhe radial 19,43 cm, Höhe tangential 18,85 cm, Breite 7,54 cm ergibt Einbaufeuchte 30%.
     
  4. Ines

    Ines Gast

    Danke für die Antwort.

    Wir werden selbst mal messen.
     
  5. Ines

    Ines Gast

    Habe meinen SV nochmal gefragt.

    Er sagt, die in der Statik ausgewiesenen Holzabmessungen gelten für den Zeitpunkt des Zuschnitts, d. h. vor dem Trocknen und waren daher schon beim Einbau geringer.

    Dann kann doch Deine Methode so nicht funktionieren, NBasque, oder?

    So wie ich meinen Sachverständigen verstanden habe, will er den Holzschwund seit dem Einbau messen können, weil bestimmte Teile, die beim Einbau direkt aneinandergestoßen haben, nunmehr einen Spalt aufweisen müßten. Ich habe nachgesehen, ist teilweise tatsächlich so.

    Kennt jemand letztere Methode und kann mir was über den Wert der Messungen eventuell vor Gericht was sagen?
     
  6. NBasque

    NBasque

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    Üblicherweise

    Üblicherweise wird Bauholz nicht auf Vorrat eingeschnitten; insbesondere nicht bei größeren Querschnitten.

    Daher erfolgt der Einschnitt nach Liste, die in geringem zeitlichen Versatz abgebunden und aufgeschlagen wird. Eine Ausnahme bilden technisch heruntergetrocknete Hölzer wie z.B. KVH. Gemessen an den dort vorgesehenen Qualitätskriterien (15% Holzfeuchte) ist hier nur ein sehr geringer Einbauschwund zu verzeichnen.

    Für alle weitergehenden Betrachtungen ist stets die Einbaufeuchte maßgeblich !!!!!

    Der Ansatz ihres SV kann schon deswegen nicht funktionieren, weil Bauteile mit mittlerer Holzfeuchte nur dann eingebaut werden durften, wenn diese ohne Zwängungen nachtrocknen können; also z.B. Sparren auf Fußpfette.

    Siehe auch DIN 18334 - Ausgabe 1998, 3.1.5 (gültig bis 31.01.2001)
    Die Hölzer sind in trockenem Zustand einzubauen, Kanthölzer (Balken) und Baurundhölzer dürfen jedoch beim Einbau halbtrocken sein, wenn sie auf trockenen Zustand für dauernd zurückgehen können

    Erst mit der Neufassung der DIN 18334 - Ausgabe 2000, 3.1.6. (gültig seit 01.02.2001) sind Holzfeuchten höchstens 20% gefordert.

    Anhand eines Risses im Holz läßt sich die Einbaufeuchte nur erahnen; nicht jedoch gerichtsverwertbar belegen. Gleiches gilt für einschneidig verbundene Holzbauteile; hier erfolgt meist der Schwund an den äußeren Bauteilgrenzen. Ein Schwund in Längsrichtung ist praktisch ausgeschlossen.

    Und sollte ihr SV auch sachverständig sein, dann weiß er mit der Problematik umzugehen. Öffentlich bestellte und vereidigte Gutachter, die im Vorfeld eines Prozesses ein "Privat"-Gutachten erstellen, kann Ihnen die Ingenieurkammer Ihres Bundeslandes benennen.
     
  7. Ines

    Ines Gast

    Danke NBasque,

    für die ausführliche Antwort.
    Die (vereidigten) Sachverständigen habe ich auf der Webseite meiner zuständigen Handwerkskammer herausgesucht. Habe zunächst bei dreien angefragt, ob sie einen solchen Nachweis machen können oder nicht und was es kostet.

    Der erste wollte mir im Ernst erzählen, nicht vorgetrocknetes Holz wäre nach dem Einbau innerhalb von 14 Tagen auf meinen geforderten Wert von 18 % heruntergetrocknet und war deshalb bei Einbau der Zwischensparrendämmung trocken genug. Der war übrigens auch der preisgünstigste, was sein Stundenverrechnungssatz anbetrifft. Der fiel daher gleich raus.
    Ich kenn das doch vom Brennholz. Das muß 2 Jahre im Freien lagern, bis es auf 20 % getrocknet ist. Und da will der mir erzählen...

    Das ist wohl bei SV so wie bei den Handwerkern. Es gibt solche und solche.

    Ich fasse Ihre Ausführungen nochmals zusammen:
    1. Bauholz darf nicht ungetrocknet eingebaut werden, wenn es nicht allseitig nachtrocknen kann (zum Beispiel bei Zwischensparrendämmung in unserem Fall)
    2. Wäre das Holz vor Einbau auf die von uns geforderten 18 % heruntergetrocknet worden, so müßte seit dem Einbau kaum ein Schwund aufgetreten sein.
    3. Sichtbare Fugen zwischen den Bauteilen dürfen nicht entstehen. Wenn doch welche vorhanden sind, ist das zwar ein Mangel, aber man kann daraus keine sicheren Rückschlüsse über die Einbaufeuchte ziehen.
    4. Der SV kann durch Nachmessen der jetzt vorhandenen Holzfeuchte und Vergleich der jetzigen mit den bestellten Holzquerschnitten mit ausreichender Sicherheit nachweisen, ob das Holz auf ca. 18 % vorgetrocknet war oder ohne Vortrocknung z. B. mit 30 % Holzfeuchte eingebaut worden ist.

    Ist das richtig so?
     
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  9. NBasque

    NBasque

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    Jein !!

    Zu Aussage 1: Das Holz kann auch bei eingebauter Dämmung nachtrocknen, wenn eine diffusionsoffene USB mit einem Sd-Wert < 0,2 m eingebaut wurde.

    Zu Aussage 2: richtig

    Zu Aussage 3: nur richtig bei einschnittig verbundenen Bauteilen; also z.B. angenagelte Laschen; Sparren auf Pfetten; Bei Bauteilen die durch mehrere Verbindungen gehalten sind kann es durch Schwund zu Zwängungen kommen.

    Zu Aussage 4: Richtig

    Und immer dran denken, nicht die Feuchte beim Einschnitt oder Anlieferung beim Zimmerer ist maßgeblich, sondern die Einbaufeuchte.
     
  10. Ines

    Ines Gast

    Dankeschön!

    Und guten Rutsch ins Neue Jahr!
     
Thema: Nachweis der Holzfeuchte
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