Schimmel am Neubau-Dachstuhl

Diskutiere Schimmel am Neubau-Dachstuhl im Dach Forum im Bereich Neubau; Hallo miteinander, Ich habe folgendes Problem: Ich baue als Bauherr ein EFH (1 1/2 Vollgeschosse, kein Keller) mit Architekt. Im vergangenen...

  1. Jack18

    Jack18

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    Hallo miteinander,

    Ich habe folgendes Problem:

    Ich baue als Bauherr ein EFH (1 1/2 Vollgeschosse, kein Keller) mit Architekt. Im vergangenen Herbst ist der Holz-Dachstuhl montiert worden und das Dach (flach geneigtes Satteldach) von oben abgedichtet worden (dreilagig mit unterschiedlicher Bitumen-Pappe). Untere Lage ist auf Holzplanken (Spundbohlen) angebracht.
    Vor dem Winter kamen die Fenster, weil der Bau dicht werden sollte. Im März kam Innenputz und wenig später Estrich. Unmittelbar nach Innenputzarbeiten blühte Schimmel am Dachstuhl (Holzplanken, Mittelpfette) auf. Es handelt sich um schwarze Flecken. Betroffen sind alle Räume des OG, an manchen Stellen vereinzelte Flecken, an anderen (Richtung Mittelpfette) sehr stark.
    Die von innen erforderliche Dachdämmung ist noch nicht vorhanden. Sie war angedacht unmittelbar nach Estrichlegung, ist jetzt auf mein Betreiben erst einmal zurückgestellt.

    Was ist zu zun ? Wer ist verantwortlich ? Könnte hier der Bauablauf (Reihenfolge der Gewerke) falsch gewesen sein ? Der Architekt meint, der Schimmel sei unvermeidliche Folge der im Winter entstandenen Feuchtigkeit. Dies sei nicht weiter tragisch. Schimmel sei unbedenklich, weil nur oberflächlich. Der Schimmel müsse ggfs. mit Fungizid bearbeitet werden. Bau muss trocken werden, dann sei Problem gelöst.

    Ich habe Sorge um den Dachstuhl. Meiner Auffassung nach ist ein Dachstuhl mit Schimmel ein Baumangel, der beseitigt werden muss. Dafür kann doch nicht ich als Bauherr einstehen müssen. Mein Architekt ist für alle Leistungsphasen beauftragt.

    Ist hier der Architekt ggfs. ein Handwerker (welches Gewerk ?) in Anspruch zu nehmen für die Beseitigung des Mangels? Ich neige stark dazu, Sachverständigen einzuschalten.

    Wie kann der Mangel zuverlässig beseitigt werden, ohne dass die Kosten dafür in die Höhe schießen?

    Für hilfreiche Tipps, Anregungen und Gedanken wäre ich dankbar.
     
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  3. Eric

    Eric

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    Jo, so sieht es auch der BGH: BGH VII ZR 274/04:

    http://juris.bundesgerichtshof.de/c...a1aee8be6308fab65706e345&nr=36997&pos=0&anz=1

    Es spricht alles für eine Haftung des Architekten: Ungünstiger Dachaufbau wegen der dampfsperrenden, 3-lagigen Bitumenabdichtung; Feuchteprobleme durch Ausbau nicht bedacht, nicht für eine Entlüftung und Entfeuchtung gesorgt.

    Gute Idee.

    Kosten wären aber das Problem des Archis bzw. der hinter ihm stehenden Haftpflichtversicherung.

    Art der Mangelbeseitigung sagt Dir der SV; im Zweifel ( siehe BGH ) Abriß. Urteil des BGH dem SV vorlegen, damit der weiß, worauf es ankommt, und nicht auf die Idee kommt, eine Bastelsanierung vorzuschlagen.

    Da hat er bei seinem ( unvermeidlicht völlig ) dampfdichten Dachaufbau, der Herbeiführung von Feuchtigkeit durch Putz und Estrich und dem Ausfall von Kondensat an der Unterseite der Bitumenbahnen, die das Dachgebälk durchfeuchtet und die Schimmelpilzbildung hervorgerufen hat, wohl Recht. Er vergißt allerdings zu erwähnen, daß es seine Aufgabe war, dafür Sorge zu tragen, daß im Zuge des Ausbaus kein Schimmel entsteht.

    Wäre mal interessant, zu wissen, wie er die Dachkonstruktion überhaupt geplant hat. Wo war/ist die Hinterlüftung unterhalb der dampfdichten Bitumenabdichtung? Ist eine Vollsparrendämmung geplant?

    Nicht auf den Arm nehmen lassen. Archi soll stattdessen schon mal seine Haftpflichtversicherung von dem Schadensfall unterrichten.
     
  4. Buddel

    Buddel

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    Ohne ein genaues Bild vom Ausmaß zu haben, ist es schwierig. Deshalb muß ich ein paar Annahmen treffen.

    Du hast in der kalten, feuchten Jahreszeit sowohl Estrich als auch Innenputz ohne Bautrocknung und Bauheizung ausgeführt. Ich vermute mal, daß wegen der niedrigen Temperaturen auch nicht ständig kräftig gelüftet würde.

    Wo sollen die riesigen Mengen Wasser dann hin ?

    Daraus ergeben sich rund 100% Luftfeuchtigkeit und Kondensatbildung an allen kühleren Bauteilen. Pilze fühlen sich dabei besonders wohl und auf den Hölzern des Dachstuhls sitzen genügend organische Nährstoffe. Viel anrichten können sie bei imprägnierten Hölzern kurzfristig nicht.

    Trocknet deine Tropfsteinhöhle langsam aus, erledigt sich das Pilzproblem normalerweise von selbst, da die Lebensbedingungen nicht mehr vorhanden sind.
     
  5. Eric

    Eric

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    @Buddel: Gib mal eine Quelle an, wo Du das gelesen haben willst.

    Selbst wenn es trocknet, verbleiben die Sporen und der Schimmel lebt wieder auf, wenn erneut Feuchtigkeit anfällt. Eine gedämmte Dachkonstruktion ist nie völlig wasserdampfdicht, was idR aber auch unschädlich ist, wenn die Feuchtigkeit dach- und gegebenenfalls auch raumseitig ( feuchteadaptive Folien --> sommerliche Umkehrdiffusion ) entweichen kann. Hier hat Jack18 aber wegen der 3-lagigen Bitumenbahnen eine dachseitige Dampfsperre und eine Hinterlüftung an Traufe und First fehlt offenbar auch.

    Also als cand.arch. einfach mal die Finger still halten.
     
  6. #5 schimmelweg, 19. April 2011
    schimmelweg

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    Hallo Zusammen
    Es ist sehr schwer genaues zum Dachstuhl ohne Ortstermin und Kenntnis aller Sachverhalte (Abfolge, Gasbeheizung, etc.) zu sagen.
    In der Regel ist es jedoch so, dass es wenig zielführend ist Urteile zu zitieren (besonders wenn mann nicht den genauen Zusammenhang kennt) und auch emotional an die Sache ranzugehen.

    Wenn man das Problem wirklich lösen will und nicht streiten möchte muss man das Ganze sachlich betrachten.

    Die meisten von Schimmel befallenen Dachstühle lassen sich ordentlich sanieren. Auch im Bereich der Auflager.
    Es gibt keinen Dachstuhl ohne Schimmelpilze, wie auch, Schimmel ist ubiquitär.
    Ist der Pilz saniert und die Ursache abgestellt, so dürfte alles bestens sein.
    Denn Pilze brauchen in der Regel 70 - 80 % rel. oder einen aw-Wert von 0,8 um wachsen zu können. Kein Wasser kein weiteres Wachstum.

    Meiner Erfahrung nach ist eher so, dass ca. 80 % aller Neubauten die über den Winter fertiggestellt werden Schimmel im Dachaufbau haben (bei einer derartigen Konstruktion). Da kann man sich schon fast fragen was Stand der technik ist;)

    Ich schlage folgendes vor:
    einen geigneten Sachverständigen finden
    Ursache erkennen und abstellen
    Dachstuhl sanieren oder Rückbau, je nach gusto und Geldbeutel
    Feinreinigung des hauses
    Freimessung und Abnahme durch einen qualifizierten Sachverständigen
     
  7. KPS.EF

    KPS.EF

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    Jeder Vergleich hinkt zwar ein wenig ..

    ... aber auch ich wäre kaum bereit, einen vorgerosteten Neuwagen zu akzeptieren.

    Hallo @Schimmelweg,

    gewiss lässt sich Rostansatz nicht 1:1 mit einem Pilzmycel vergleichen, jedoch benötigen beide zu ihrer "Ansiedlung" günstige Umgebungsbedingungen.

    Allgegenwärtig sind nicht die Pilze, sondern lediglich deren Sporen.

    Genau so, wie ein Käufer ein i.A. rostfreies KfZ erwarten kann, ist wohl im Neubaubereich zweifelsfrei ein "pilzfreier" Dachstuhl geschuldet und kein Sanierungsobjekt.

    In beiden Fällen wird es mich als Erwerber kaum interessieren, wer welche Begründungen für angebliche Unvermeidbarkeiten vorbringt. :p

    MfG
    KPS
     
  8. #7 schimmelweg, 19. April 2011
    schimmelweg

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  9. Eric

    Eric

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    @schimmelweg

    Urteil des BGH hast Du gelesen?
     
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  11. #9 schimmelweg, 20. April 2011
    schimmelweg

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    Schimmel am Dachstuhl und der BGH

    Ja ich habe das gelesen, ich kenne den Fall und die Auslegung.
    Ein Sichtdachstuhl bei dem es um mehrere Instanzen hin und her ging bis der BGH zu Entschluss kam, bzw eine andere Kammer: ... ein Neubaudachstuhl muss frei sein von allem Schimmel. Auch von Sporen.

    "Eine ordnungsgemäße Mangelbeseitigung eines mit Schimmelpilz befallenen Dachstuhls liegt nicht vor, wenn dessen Holzgebälk nach Vornahme der Arbeiten weiterhin mit Schimmelpilzsporen behaftet ist. Dies gilt auch dann, wenn von diesen keine Gesundheitsgefahren für die Bewohner des Gebäudes ausgehen."

    Die direkte Folge daraus für mich ist ein Dachstuhl aus Beton; jedenfalls nicht aus Holz. Oder besser gesagt ein Haus ohne Dach.
    Denn Sedimentation habe ich immer.

    Natürlich gab´s da auch eine Vorgeschichte. Ohne ordentliche Sanierung mit sichtbarem Befall am Sichtdachstuhl und einem Handwerker der sich geweigert hat... und x Sachverständige ...

    Nun ist die Frage was man eigentlich will? Steiten oder eine Lösung?
    Für beides habe ich Verständnis.

    Frohe Ostern:winken
     
  12. Jack18

    Jack18

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    Ende gut, alles gut

    Vielen Dank für die Unterstützung hier im Forum. Nachdem nun fast 1 Jahr vergangen ist, möchte ich über den Ausgang des Schimmeldesasters berichten.

    Wir haben einen Sachverständigen eingeschaltet, der den Schimmel als gesundheitsschädlich eingestuft hat. Gleichzeitig haben wir den Schadensfall unserer Bauleistungsversicherung gemeldet. Da wir nicht mit Bauträger, sondern mit Architekten gebaut haben und die Verschuldensfrage nicht eindeutig zu klären ist, übernahm diese die Kosten für den Abriss und die Neuerrichtung des Dachstuhles sowie anschließender Desinfizierung des gesamten Hauses. Auch die Kosten mitbetroffener Gewerke, die erneut ausgeführt werden mußten, trug die Versicherung. Sitzen geblieben sind wir auf den erhöhten Finanzierungskosten für die Zeit der Bauverzögerung.

    Der Bauleiter, der unseres Erachtens die ganze Misere verursacht hat, indem er ein feuchtigkeitsintensives Gewerk (Innenputz) zu einer zu kalten Jahreszeit angeordnet hat, sitzt die Sache bis heute dickfellig aus. :respekt
     
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