Sichtbeton - frisch ausgeschalt

Diskutiere Sichtbeton - frisch ausgeschalt im Beton- und Stahlbetonarbeiten Forum im Bereich Neubau; Bei Besichtigung des ersten ausgeschalten Geschosses eines von mir mitgeplanten Objektes sah ich heute zwei Merkwürdigkeiten, die mir in meiner...

  1. #1 Skeptiker, 14. Mai 2013
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    Bei Besichtigung des ersten ausgeschalten Geschosses eines von mir mitgeplanten Objektes sah ich heute zwei Merkwürdigkeiten, die mir in meiner bisherigen bewussten Sichtbetonpraxis so noch nicht begegnet sind.


    1. Eine vor ca. 6 Wochen gegossene und vor 4 Wochen ausgeschalte Sichtbetonwand in waagerechter Brettschalung zeigt nach dieser Zeit großflächig weißliche Verfärbungen. Die Bretter wurden sähgerauh aufgenagelt und erstmalig genutzt. Die Verfärbungen sitzen auf der Oberfläche und lassen sich mit einer trockenen scharfen Wurzelbürste weitgehend, aber nicht völlig, entfernen. Andere BeseitigungsWas kann die Ursache sein und wie lässt sich dieses Problem zukünftig vermeiden?

    DSCI0041.jpg













































    (Die Rostspuren stammen meiner Meinung nach eindeutig von den nicht abgedeckten Anfängern des nächsten Betonierabschnitts)


    2. Eine benachbarte Wand ohne Sichtanforderungen wurde mit konventioneller bereits mehrfach genutzter Betonplan-Schalhaut auf Rahmenschalung erstellt. Die gesamte Wandfläche zeigt vertikale, leicht mäandernde "Kiesfäden", durchlaufend jeweils über Strecken von 0,5 bis ca. 1,5 m. Das fotografierte Stück ist ca. 1,0 x 0,7 m groß.

    DSCI0045.jpg













































    Der Polier führte das Phänomen auf kleinste Löcher in der Schalhaut zurück, oberhalb derer dann Wasser abgelaufen sei. Außerdem sei der Beton seiner Meinung nach viel zu nass, also flüssig gewesen, aber sein Firmenbauleiter habe den Einbau trotzdem angeordnet. Für mich sieht das eher nach relativ feinen aber tiefen Rissen in der Schalhaut aus, durch die Wasser ausgetreten ist, so dass dadurch diese linearen "Kiesnester" entstanden. Die weißen Verfärbungen habe ich nicht weiter untersucht. Diese Wand ist mehrere Wochen jünger, als die andere.

    Welche Meinungen oder gar welches Wissen gibt's hier dazu?
     
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  3. #2 Nutzername, 15. Mai 2013
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    Mit meinen rudimetären Erfahrungen mit SB:
    Da Du keine Erprobungsfläche erwähnt hast, gehe ich mal von SB1 aus. Bei der Bretterschalung würde ich spontan hinterfragen, ob die Anforderungen an die Ebenheit eingehalten werden (übers Foto schlecht zu beurteilen - sollte aber eigentlich kein Prob. sein). Und je nachdem wie der Rest der Wand aussieht, hab ich es schon gemacht, dass die Firma die Einhaltung der Porigkeit nachzuweisen hatte (einfach die schlimmst Anhäufung an Poren abkleben und die dann auszählen lassen ;) ). Angesichts der Rostspuren liegt ja ohnehin ein zu rügender Mangel vor - im entsprechenden Schreiben kann man dann gleich die Themen Ebenheit und Porigkeit anreißen.

    Bei den mäandrierenden Kiesnestern seh ich ehrlich gesagt keinen Unterschied zwischen der Erklärung des Poliers und Deiner. Und das mit dem zu nassen Beton kann man nachträglich wohl nur über den Lieferschein recherchieren, wäre wohl Zufall, wenn dann ausgerechnet bei dem Fahrzeug (ist die Annahme Lieferbeton korrekt?) ein Ausbreitmaß bestimmt worden wäre...
     
  4. #3 Nutzername, 15. Mai 2013
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    Angesichts der Verfärbungen könnte man mal vergleichen, ob immer das selbe Schalöl verwendet wurde. Das ist allerdings nur ne wilde Vermutung...
     
  5. #4 Skeptiker, 15. Mai 2013
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    Nein, es handelt sich bei Bild 1 um SB 2(+). Es ist extra rauhe Brettschalung mit Oberflächenversätzen gewünscht und eindeutig auch geliefert, Planer und Bauherr sind zufrieden. Meine Frage richtet sich ausschließlich auf die Herkunft der weissen Flecken.

    Bild 2 zeigt die Rückseite (!) einer Erprobungsfläche, hier ist kein Sichtbeton bestellt. Es geht mir nur um die Herkunft der Linien. Ich habe sowas noch nie gesehen, egal ob SB oder nicht.

    Es geht mir ausdrücklich nicht um die Sammlung oder Begründung von Mangelpunkten, sondern um inhaltliches Verstehen der Ursachen. Das klingt vielleicht komisch, aber ich möchte hier nur was lernen.

    Naja, er senkt, pro Linie gab es ein nadelspitzengroßes Loch (0,X mm Durchmesser), ich vermute meterlange Risse (0,X mm Breite). Ersteres ließe sich bei der Schalhautkontrolle kaum finden, letzteres schon. Bei SB 2 oder höher möchte ich sowas nie sehen, jetzt interessiert mich aber nur die Herkunft. Blöderweise ist der Rahmen mittlerweile neu belegt, so dass es sich durch einfache optische Kontrolle nicht mehr klärbar ist. (Ich war beim Aussschalen im Urlaub, den Kollegen hat's nicht gejuckt.)

    Diese Frage möchte ich nachträglich nicht mehr klären, sondern lediglich Erfahrungen oder Wissen einsammeln, ob die behauptete "Nässe" überhaupt ursächlich für das vorgefundene Erscheinungsbild sein kann.
     
  6. #5 Skeptiker, 15. Mai 2013
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    Das war meine erste Frage. Ja, sie nehmen angeblich immer dasselbe Schalöl. Die Wand darüber ist ungefähr 4 Wo jünger und bisher nicht weiß. Den Beton muss ich noch mal erfragen. Wie geschrieben, wurden sicher die Schalhautbretter hier erstmals eingesetzt. Alles andere ist noch Spekulation.
     
  7. #6 JamesTKirk, 15. Mai 2013
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    Bei der erfolgreichen Herstellung von Sichtbeton sind 3 Dinge kriegsentscheidend:

    Beton(zusammensetzung) - Schalung/Schalhaut - Trennmittel

    Diese 3 Dinge müssen zusammenpassen und müssen auch vorher ausprobiert werden. Anders wird das nichts.

    Wie Du vermutest sind die Rostfahnen aufgrund der nicht fachgerecht ausgeführten Abdeckung der Anfänger für das nächste Geschoss verursacht. Diese sind vor Regen zu schützen, damit die Brühe nicht runterläuft.

    Die Wasserläufer sind ein Zeichen dafür, dass der Beton zu viel Wasser hatte, d.h. die Konsistenz war zu hoch, was wohl schon zu leichten Entmischungserscheinungen des Frischbetons geführt hat. Das Zuviel-Wasser wird beim Rütteln nach außen gedrückt und läuft dann die Schalung hoch und nimmt Feinanteile der Betonoberfläche mit. Typisches Bild, häufig gesehen, bei Sichtbeton ein no-go.

    Daher ist es wichtig, bei Sichtbeton eine robuste Betonrezeptur zu verwenden. D.h. mindestens ein C30/37, ausreichend Mehlkorn, geeignete Sieblinie, Konsistenz obere Grenze F2/untere Grenze F3 (nicht flüssiger !).

    Weiterhin negativ für das Erscheinungsbild ist es, wenn die Flächen zu lange eingeschalt bleiben. Dadurch können auch Flecken auf der Oberfläche entstehen (wenn auch eher dunkle).
    Bezüglich der Flecken würde ich erst einmal warten. Den entgültigen Eindruck bekommt man erst, wenn die Wand ausreichend ausgetrocknet ist. Fleckenbildungen verschwinden häufig oder werden zumindest schwächer mit der Zeit.
     
  8. #7 Skeptiker, 15. Mai 2013
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    ein kräftiges "Moin!" hinauf zur Brücke!

    Vielen Dank für die Erklärung zum Entmischungsprozess an der Schalhaut. Auf an der Schalung aufsteigendes Wasser war ich nicht gekommen, obwohl naheliegend.
    Vielen Dank! :bierchen:



    ja, da sieht man mal wieder: "Betontechnologie ist die Kunst, Steine in Wasser schweben zu lassen :28:"
     
  9. LSBau

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    Hallo, beim stöbern im Forum bin ich auf diesen Beitrag gestoßen.

    Die hellen, weißen Flecken an der Wand mit der Brettschalung sind typisch :yikes !
    Die Ursache ist der Holzzucker im Holz, dieser lässt den Zementleim nicht erhärten und dieser fällt dann ab oder sandet ab.
    Lösung ist relativ einfach, sägeraue bretter abflammen und dann Wasser mit Zement mischen, Bretter einstreichen trocknen lassen, abblasen und 2 x ölen. Oder meine selber erprobte rationelle Variante: 20 Liter Schalöl und einen Sack Portlandzement mischen, Schalung einstreichen, fertig!
    Auch in der ZTV Ing beschrieben, im Ingenieurbau Gang und Gebe.

    MfG
     
  10. Skeptiker

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    Ah, interessant. Das erklärt schlüssig, weshalb dieses Problem beim zweiten Einsatz der Schalung nur noch einige Male, ab dem Dritten Einsatz im gezeigten Objekt nicht mehr vorkam.

    Danke für die Erklärung!
     
  11. #10 Carden. Mark, 10. November 2013
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    Ich kann dem Caipt`n und LSBau nur zustimmen.
    Genau das waren auch meine Eindrücke wie ich die Fotos gesehen habe.
     
  12. Hochbauer

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    Hallo

    Habe vor kurzen ca. 700m² Sichtbeton in Bretterstrucktur hergestellt Wände und Decke.

    Hier mal die arbeitsschritte:

    -Bretter geschlemmt mit wasser zement gemisch
    -Bretter abgeflammt
    -Bretter abgekehrt
    -Bretter mit Trennmittel 2x eingelassen.

    Denn Beton den ich bestellt habe hatte mehr Feinteile und für Sichtbeton hat das Herstellerwerk eine extra Rezept.

    Beton wurde als F4 eingebaut. Anschlussbewehrung wurde immer abgedeckt. Wenn das abdecken nicht möglich ist könnte man die Anfänger verzinken lassen. Nachbehandlung 6 Tage in Schalung.

    Ich hatte eine Mängelfreie abnahmne :-).
     

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  13. PeMu

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    Wenn man die Bew. sinnvoll verzinkt bekommt, dann ist aber dringend Überarbeitung der Bewehrungspläne angesagt.
    Jetzt fehlt nur noch Pulverbeschichten.
     
  14. Hochbauer

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    Das ist schon klar. Ich sage alles eine sache der Arbeitsvorbereitung und absprache mit Bauherren und Statiker. Aber der Beton schaut gut gut aus oder!
     
  15. JamesTKirk

    JamesTKirk Gast

    Das sieht er wirklich. Und das scheckige wird auch mit der Zeit an Intensität abnehmen. Vom Foto her eine schöne Fläche, aber der Live-Eindruck ist natürlich der Entscheidende ...
     
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  17. RMartin

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    Sieht schön aus auf dem Foto. Nur die Spannstellen sollten noch optisch ansehnlich geschlossen/ bearbeitet werden?!
     
  18. Hochbauer

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    Ja dich ankerlöcher werden noch geschlossen. Habe momentan nicht mehr bilder aber wenn ich noch welche habe kann ich noch ein paar posten wenn das ok ist.
     
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