Südamerikanische Installationskunst

Diskutiere Südamerikanische Installationskunst im Elektro 1 Forum im Bereich Haustechnik; In einem fast neuen Gebäude (ca. 5 J alt) sehen praktisch alle Elektro-Verbindungen so aus: [IMG] Das Foto stammt von...

  1. AlexSinger

    AlexSinger

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    In einem fast neuen Gebäude (ca. 5 J alt) sehen praktisch alle Elektro-Verbindungen so aus:

    [​IMG]

    Das Foto stammt von Halogen-Einbauleuchten. Die Das Kupfer ist nur verdrillt und Isolationsband einmal rum. Man sieht deutlich Schmorrspuren an beiden Kabeln. Das Kupfer ist patiniert (grün), ist beim ausnander wickeln allerdings etwas abgerieben worden. An der Abzweigung hingen 50W Halogenstrahler. Durch den erhöhten Widerstand muss wohl die Verbindungstelle dauerhaft erhitzt worden sein (ich schätze mal auf ordentliche Temperaturen, so braun wird nix bei 40° - es ist auch nicht durch den Strahler selbst erhitzt worden denn der Sockel hat keine Verfärbung und die Kabel lagen ordentlich dahinter). Ich befürchte diese Dinger könnten demnächst abbrennen (wenn es noch mehr oxidiert). Der Eigentümer ist beratungsresistent.
    Leider sehen auch alle anderen Verbindungen so aus, selbst 2kW Boiler ist so angeschlossen (abgewickelt habe ich es nicht aber ich vermute nix gutes).

    In dem Land (ich nenne es besser nicht) sind Wagos unbekannt und selbst normale Klemmen (schraubbare) so gut wie unbekannt (eventuell erhältlich aber sehr teuer).

    Kann jemand meine Vermutung bestätigen, daß hier im Ernst eine Brandgefar vorliegt?
    Was wäre die mögliche Alternative beim Fehlen von Wagos und Klemmleisten? Eigentlich fällt mir nur löten ein!?

    Grüße :wow
     
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  3. R.B.

    R.B.

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    Jepp. Man hat quasi 2 hintereinander geschaltete Widerstände, einmal die Leitung mit dieser "Verbindungsstelle" und einmal der Verbraucher. Leitungswiderstand selbst lassen wir mal außen vor.
    Der Widerstand der Verbindungsstelle führt dazu, dass dort el. Strom/Leistung in Wärme umgesetzt wird. Der Leistungsumsatz ergibt sich aus dem Gesamtwiderstand und der Versorgungsspannung. mit dem Gesamtstrom und dem Widerstand der Verbindungsstelle könnte man dann den Leistungsumsatz an der Verbindungsstelle berechnen. Es handelt sich also um einen simplen Spannungsteiler.

    Gerade bei leistungsstarken Verbrauchern führen bereits geringe Widerstände zu einem hohen Leistungsumsatz und entsprechender Erwärmung. Ein Verbraucher mit 2kW an so einer Verbindungsstelle ist schon mehr als nur fahrlässig.
    Dazu wäre zu beachten, dass in Südamerika in vielen Ländern eine Netzspannung von 120V-140V üblich ist, was zu einem entsprechend hohen el. Strom führt.

    Das Glück im obigen Fall war wohl, dass die Leistung selbst nicht leicht entflammbar war. Die heutigen Kunststoffe die für solche Leitungen verwendet werden, erfüllen fast durchweg alle relevanten Normen hinsichtlich Brandschutz, und zwar überall auf der Welt (da die Kunststoffe nur von wenigen Werken weltweit hergestellt werden).

    Löten birgt die Gefahr in sich, dass das Lot bei Erwärmung schmilzt. Es gibt auch noch Verbinder die gepresst werden, doch dafür braucht man normalerweise das entsprechende Werkzeug. Kostet zwar nicht die Welt, aber wenn es nicht verfügbar ist, hilft das auch nichts. Ohne Werkzeug und ohne Verbindung bleibt ja nur das Verdrillen übrig, unabhängig davon ob das nun fachgerecht ist oder nicht. Aber auch das Verdrillen will gelernt sein, das fängt schon damit an, welche Art von Leitungen man miteinander verdrillen möchte.
    Eine Lötstelle hätte zumindest den Vorteil, dass sie die Verbindung ein bisschen vor Umwelteinflüssen schützt. Sie könnte zumindest theoretisch unter entsprechenden klimatischen Bedingungen sogar dauerhafter sein.

    ACHTUNG ! Das ist alles weit entfernt von fachgerecht. Ich würde schauen ob man nicht doch irgendwelche Verbinder organisieren kann. Kann man doch bestellen und in die ganze Welt liefern lassen.
     
  4. Julius

    Julius

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    Sind ganz schlichte Würgeverbindungen, in Fachkreisen auch als "russische Flickstellen" bekannt.
    Vermutlich einfach schlecht gemacht - waren wohl keine echten Russen zugange...

    Aber was willst Du Dich aufregen - nahezu jener ganze Kontinent ist so installiert.
     
  5. AlexSinger

    AlexSinger

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    yep die Physik dahinter brauchst mir nicht zu erklären :)

    Hm, es wurden früher auch Kabel in 1KW Heizlüfter angelötet, man sollte bloß keine kalte Lötstelle fabrizieren.

    Ich kenne verdrillte Verbindungen aus meinem spanischen Altbau, dort sind die aber in Verteilerdosen drin und auch Vorschriftsgemäß mit "Kupfer-Hütchen" drauf - dagegen ist wohl nichts einzuwenden?

    Ich weiß schon, waß Du mit Pressverbinder meinst, habe selbst eine Zange dafür :) Konnte es in dem fraglichen Land jedoch auch noch nicht finden. Sieht echt übel aus....
     
  6. R.B.

    R.B.

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    Früher wurde viel gemacht, es wurde auch viel falsch gemacht, aber bei Lötstellen in einem Gerät sieht das halt etwas anders aus als bei einer E-Installation in einem Gebäude.

    Wie gesagt, wenn es keine andere Möglichkeit gibt, dann muss eben eine Notlösung her.
     
  7. zille1976

    zille1976

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    Nun das kann ja nun nicht die Lösung sein deswegen Lebensgefahr zu poduzieren.

    Wie du ja selber vorbildlich vorgeschlagen hast, kann man sich heute fast alles fast überall hin liefern lassen.
     
  8. R.B.

    R.B.

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    Eben, aber es gibt halt Länder da ticken die Uhren anders. Denen muss man auch nicht erzählen dass so etwas Lebensgefahr bedeutet, das interessiert niemanden. Da gelten halt andere Maßstäbe. Der Import von Waren ist auch nicht immer einfach. Wenn Du da 100 Wagos bestellst, kannst Du froh sein wenn noch 10Stck. bei Dir ankommen, wenn überhaupt. Nimmst Du das Zeug selbst auf einem Flug mit, dann kann es passieren, dass die Einreise und Zollabwicklung zu einem teuren Abenteuer wird.
     
  9. AlexSinger

    AlexSinger

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    Es soll ja Länder geben da gehen die Uhren sogar rückwärts! :)

    Das Problem ist eher das Qualitätsbewußtsein - wenn Du den Leuten anbietest etwas "richtig" zu machen, wird es wegen des Preises abgelehnt. Das fängt bereits beim Isolierband an... die Dinger waren mit einem brüchigen Plastikband "isoliert" - eigentlich, wenn schon, müßte man ein selbstvulkanisierendes Isoband nehmen (das bleibt elastisch mit der Zeit un klebt immer stärker an den Kabeln). Das Schwarze Isoband auf dem Foto kam mir zerbröselt entgegen beim Versuch es abzuwickeln, ich denke es ist nicht normal.

    Es *gibt* ein gutes Isoband von 3M im dortigen Baumarkt, es wird aber wegen des Preises nicht genommen (stattdessen irgendeins vom Schwarzmarkt ohne Prüfzeichen). Kostet ca. 1/4 des Preises.
     
  10. nolu13

    nolu13

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    Btw.
    Fachleute verdrillen so,daß es nicht so aussieht,wie hier .
    Könnte jetzt auch ein Beispiel aus Europa sein?
    Oh Gott ,die Firmen aus Osteuropa sind auch für so einen Murks "anfälliger "?
    :shades
    Viel 3M hilft?
    Denn Satz kann man beliebig ergänzen ..
    Von daher :winken
    Und wenn man mal am" Brennpunkt" gearbeitet hat,kann man so einiges erzählen!
    Da verbuchen wir dieses Beispiel in der Rubrik "Peanuts"
     
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  12. ThomasMD

    ThomasMD

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    Ist Julius schon im Weihnachtsurlaub?
    Alles spricht von ordentlich Verdrillen. Kann mir einer erklären, wie flexible Litze ordentlich verdrillt wird?:mad:
     
  13. R.B.

    R.B.

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    An sich werden nur starre Leiter verdrillt, zur Not geht´s auch mit Litze. Man muss über eine größere Länge verdrillen, und dann alles einpacken, vorzugsweise mit Schrumpfschlauch o.ä. Man kann das verdrillte Stück auch umlegen, parallel zu einer Leitung und dann das Bündel einpacken.
    Zur Sicherheit kann man die beiden Leitungen vor der Verdrillung miteinander verknoten, quasi eine Art Zugentlastung.

    Aber im Zeitalter von hunderten verschiedenen Verbindungsmöglichkeiten, und einem riesigem Lieferprogramm von Verbindern, ist das alles Wegwerfwissen.
     
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