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Bauschaum hygroskopisch

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  1. #1

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    Bauschaum hygroskopisch

    Hallo,

    ist 1K-Bauschaum (PU, Isocyanat) hygroskopisch?

    Hintergrund:
    In unserem Altbau hat der Vorbesitzer in den Rollladenkästen Formteile aus recht empfindlichem Dämmmaterial stark beschädigt. Die fehlenden Teile wollte ich mit Bauschaum rekonstruieren. Ein Fachmann riet mir nun davon ab, weil Bauschaum hygroskopisch sei.

    Solange der Schaum noch nicht ausgehärtet ist, zieht er Wasser. Ich vermute, dass er nach dem Aushärten kein Wasser mehr zieht, denn man benutzt das Zeug auch um Zwischenräume an Fenstern und Fassaden auszuschäumen. Das müsste ja sonst schon millionenfach Bauschäden ergeben haben.
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  2. Bauschaum hygroskopisch

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  3. #2
    Avatar von Flocke
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    Und genau das passiert ja tagtäglich. Fenster werden zwar eingeschäumt, aber zudem innen und aussen zusätzlich abgedichtet
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  4. #3

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    Es gibt ganz verschiedene Typen von Bauschaum, und einige davon härten aus, weil sie chemisch mit Wasser aus der Umgebung reagieren. Deshalb "zieht er Wasser", weil Wasser aus Wasserdampf chemisch umgesetzt wird und somit ein Konzentrationsgefälle entsteht und das einen Diffusionsprozess nach sich zieht. Der hört logischerweise auf, sobald die chemische Reaktion beendet und das Konzentrationsgefälle ausgeglichen ist. Dieser Prozess ist unabhängig von und parallel zu anderen Prozessen des "Wasser ziehens", z.B. Kondensation oder Kapillareffekte, und diese sind es für gewöhnlich, die zu den Bauschäden führen.
    D.h. wenn der Kasten vorher schon aus Schaum war und keine Probleme aufgetreten sind, dann sehe ich auch keine, wenn Du nicht mehr vorhandenen Schaum durch neuen Schaum ersetzt, korrekte Abdichtung (d.h. diffusionsdicht auf der Warmseite und schlagregendicht auf der Kaltseite) vorausgesetzt.
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  5. #4

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    PU-Schaum (1-komponentig) braucht beim Aushärten Wasser, meist reicht die Luftfeuchrtigkeit. Will man besonderen Halt oder besondere Festigkeit dann sollte man (z.B. mit einem Wassersprenger) die zu verschließenden Bereiche vorher ansprühen.

    Nach der Aushärtung ändert sich die Situation: Polyurethan bildet an der Oberfläche eine festere, fast dichte Außenhaut. Nach innen nimmt die Dichte, die Festigkeit und der Anteil geschlossener Zellen im System ab. Dies ist insbesondere bei wasserbelasteten Bauteilen zu berücksichtigen. Deshalb sollte man darauf achten, dass man nur soviel PU-Schaum "spritzt", wie benötigt wird und nicht nach der Devise verfahren, viel hilft viel und die Überhänge schneide ich ab. Gerade beim Fenstereinbau oder Rolladen wäre das falsch, es fehlt die schützende Außenhaut.

    Es gibt auch den sogenannten "Brunnenschaum", der zur Verwendung an dauerfeuchten Orten gedacht ist.
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  6. #5
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    Zitat Zitat von Rosmarin Beitrag anzeigen
    entsteht und das einen Diffusionsprozess nach sich zieht. Der hört logischerweise auf, sobald die chemische Reaktion beendet und das Konzentrationsgefälle ausgeglichen ist. Dieser Prozess ist unabhängig von und parallel zu anderen Prozessen des "Wasser ziehens", z.B. Kondensation oder Kapillareffekte, und diese sind es für gewöhnlich, die zu den Bauschäden führen.
    Heißt das, dass Bauschäden durch PU-Schaum im Außenbereich, bzw. in der Dämmschicht nicht selten sind?

    D.h. wenn der Kasten vorher schon aus Schaum war und keine Probleme aufgetreten sind, dann sehe ich auch keine, wenn Du nicht mehr vorhandenen Schaum durch neuen Schaum ersetzt, korrekte Abdichtung (d.h. diffusionsdicht auf der Warmseite und schlagregendicht auf der Kaltseite) vorausgesetzt.
    Der Kasten besteht aus Sperrholz und ist seitlich mit dicken Spanplatten verstärkt.
    Der Kastendeckel nach innen besteht aus einer Gipsfaserplatte, die innen eine 1-3 cm dicke Dämmstoffschicht aufgeklebt hat.
    Dieser Gipsfaserplatte liegt in der Ebene der Gipskartonplatten, mit denen die Wände innen verkleidet sind.
    Dampfdiffusionsdicht ist das sicher nicht. Ich wüsste aber auch nicht, wie man so einen Kasten dampfdiffsuionsdicht machen sollte, da er die Dichtebene der Wand durchbricht. Andererseits, wenn ich bei u-wert.net die Daten eingebe, dann wird mir dort kein Tauwasserproblem angezeigt.
    Ich verstehe allerdings auch nicht, was mit dem Wasser passiert, welches die Rollläden in den Kasten transportieren, wenn es kurz vor dem Hochfahren geregnet hat. Die Unterseite des Kastens besteht wie gesagt nur aus Sperrholz - ohne Beschichtung.

    Seitdem wir hier wohnen, hat es aber auch noch nie Tauwasserprobleme an den Kästen gegeben.
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  7. #6
    Themenstarter

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    Zitat Zitat von ralf9000 Beitrag anzeigen
    PU-Schaum (1-komponentig) braucht beim Aushärten Wasser, meist reicht die Luftfeuchrtigkeit. Will man besonderen Halt oder besondere Festigkeit dann sollte man (z.B. mit einem Wassersprenger) die zu verschließenden Bereiche vorher ansprühen.
    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es ohne vorheriges Einsprühen der Flächen eine gefühlte Ewigkeit dauert, bis dickere Schichten 1K-Schaum ausgehärtet sind. Mit vorherigem Einsprühen geht es ruck zuck. Allerdings muss man dann tortzdem noch mit dem Abschneiden von Überstand warten, weil sich der Schaum sonst auch mehrere Stunden danach noch nach innen zieht. Dann gibt es konkave Schnittflächen.

    Nach der Aushärtung ändert sich die Situation: Polyurethan bildet an der Oberfläche eine festere, fast dichte Außenhaut. Nach innen nimmt die Dichte, die Festigkeit und der Anteil geschlossener Zellen im System ab. Dies ist insbesondere bei wasserbelasteten Bauteilen zu berücksichtigen. Deshalb sollte man darauf achten, dass man nur soviel PU-Schaum "spritzt", wie benötigt wird und nicht nach der Devise verfahren, viel hilft viel und die Überhänge schneide ich ab. Gerade beim Fenstereinbau oder Rolladen wäre das falsch, es fehlt die schützende Außenhaut.
    Also gerade bei diesen Formteilen, die hier rekonstruiert werden müssen, geht es nicht ohne anschließendes Zuschneiden. Sonst müsste ich eine komplette Form für die Formteile haben und die herzustellen, wäre unrealistisch viel Aufwand.

    Allerdings ist der Deckel ja auch nicht "wasserbelastet". Dort kommt höchstens Wasserdampf hin.

    Die originalen Formteile bestehen auch aus einem unflexiblen Schaummaterial. Das Zeug ist allerdings extrem empfindlich. Wenn man mit dem Finger drüber geht, dann krümelt es sofort ab. Dessen Oberfläche hat ebenfalls nicht die geschlossene Oberfläche, wie es gespritzter Bauschaum oder z.B. ungeschnittene Polystyrolplatten haben.

    Es gibt auch den sogenannten "Brunnenschaum", der zur Verwendung an dauerfeuchten Orten gedacht ist.
    Dauerfeucht ist es zwar nicht, aber damit wäre man wohl auf der sicheren Seite.

    Aber noch mal konkret:
    Polyurethan ist doch normalerweise nicht hygroskopisch, richtig?
    Enthält Bauschaum für gewöhnlich weitere Bestandteile, die das Material ansich hygroskopisch machen?
    Oder besteht die einzige Gefahr des PU-Schaums darin, dass er eine offenporige Oberfläche hat und durch die Schaumstruktur Wasser aufnehmen und zu lange halten könnte?
    Wenn letzteres, dann sollte es ja keine Probleme geben, da diese Eigenschaft auch die originalen Schaumteile haben sollten und mit denen hat es bisher einwandfrei funktioniert.
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  9. #7

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    Zitat Zitat von Salamander Beitrag anzeigen
    Heißt das, dass Bauschäden durch PU-Schaum im Außenbereich, bzw. in der Dämmschicht nicht selten sind?
    Vor allem heißt das, dass Du verstanden haben solltest, wie die Schäden zustande kommen, vor denen Du Dich sorgst. Dann kannst Du in Deiner konkreten Situation beurteilen, ob bei Dir ein Risiko besteht und was Du dagegen tun kannst.

    Bei Deinen Beschreibungen bin ich mir nicht sicher, ob Bauschaum überhaupt das richtige Material ist hinsichtlich Festigkeit und Langzeitstabilität in Deiner Einbausituation. Schon mal dran gedacht, entsprechende Formteile aus anderen Materialien zuzuschneiden oder entsprechenden Stücken zusammenzukleben?
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  10. #8
    Themenstarter

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    Zitat Zitat von Rosmarin Beitrag anzeigen
    Vor allem heißt das, dass Du verstanden haben solltest, wie die Schäden zustande kommen, vor denen Du Dich sorgst. Dann kannst Du in Deiner konkreten Situation beurteilen, ob bei Dir ein Risiko besteht und was Du dagegen tun kannst.
    Verstehen kann ich es ja erst, wenn ich weiß, welche Eigenschaften die verwendeten Materialien haben.
    Dass der PU-Schaum tatsächlich hygroskopisch ist, konnte mir noch niemand gut begründen oder einen Hinweis auf eine Quelle geben, wo man das nachlesen konnte.
    Ich gehe daher im Moment davon aus, dass auch das PU-Material von handelsüblichem Bauschaum nicht hygroskopisch ist.

    In dem Fall müsste ich, wie an allen anderen Teilen der Gebäudehülle auch, dafür sorgen, dass keine Kondensationsfeuchtigkeit entsteht.
    Laut u-wert.net ist das bei dem gegebenen Aufbau kein Problem, wobei es wichtig ist, dass der Dämmstoff nicht hinterlüftet wird.
    An einigen Stellen fehlte die Dämmung und war auch nicht richtig auf dem Deckel verklebt. Dennoch sind keine Feuchtigkeitsschäden zu erkennen.

    Bei Deinen Beschreibungen bin ich mir nicht sicher, ob Bauschaum überhaupt das richtige Material ist hinsichtlich Festigkeit und Langzeitstabilität in Deiner Einbausituation. Schon mal dran gedacht, entsprechende Formteile aus anderen Materialien zuzuschneiden oder entsprechenden Stücken zusammenzukleben?
    Ich bin mir bei Bauschaum auch nicht sicher, ob das das optimale Material ist.
    Allerdings habe ich auch noch nie Bauschaum gesehen, der ohne UV-Einstrahlung zersetzt worden ist. Deswegen hoffe ich, dass der auch im Rollladenkasten bis nach meiner Rente hält

    Die fehlenden Formteile kann man manuell nur schlecht aus einem Block fertigen. Das Profil hat nur an der Klebeseite zum Deckel eine gerade. Alles andere ist rund und schräg. Zum Rollladenpanzer besteht nur ein Abstand von ca. 5mm, während das Material dort nur 15mm stark ist. Die Formteile am Deckel sollen vermutlich lückenlos an Formteile anschließen, die im Kasten verklebt sind.
    Man hat also kein Spiel. Ich wüsste jedenfalls nicht, wie man solche Teile manuell herstellen könnte.
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