Dachsanierung - Verständnis Dachaufbau

Diskutiere Dachsanierung - Verständnis Dachaufbau im Sanierungskonzept & Kostenschätzung Forum im Bereich Altbau; Hallo zusammen, wir befinden uns aktuell noch relativ früh in der Planung einer umfassenden Dachsanierung und sammeln zunächst Informationen zu...

  1. #1 GabelHochStapler, 07.09.2026
    GabelHochStapler

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    Hallo zusammen,

    wir befinden uns aktuell noch relativ früh in der Planung einer umfassenden Dachsanierung und sammeln zunächst Informationen zu Aufbau, Tragprinzip und möglichen Sanierungsvarianten. Das Fertighaus ist Baujahr 1980, seitdem wurde am Dach nichts Wesentliches gemacht. Die Unterspannbahn zerfällt bereits, und auch die vorhandene Zwischensparrendämmung aus geklemmtem EPS ist erneuerungsbedürftig.

    Da wir überlegen, den Dachraum im Zuge der Sanierung zu erweitern, stellt sich zunächst die Frage, wie die Grundkonstruktion aufgebaut ist. Laut Baugesuch handelt es sich um ein „Sattel-Sparrendach“. Der sichtbare Traufanschluss wirkt auf mich jedoch eher wie ein vorgefertigter Studiobinder oder eine ähnliche Binderkonstruktion. Das Dach hat zudem einen Überhang von fast 1 m über die Fassade hinaus, ausgeführt als vollständig verkleideter Dachüberstand.

    Was ich vermisse und was mich überhaupt erst in Richtung Binderkonstruktion gebracht hat, ist der untere Anschluss. Eine klassische Fußpfette beziehungsweise ein entsprechendes Sparrenauflager kann ich nicht erkennen. Ein Anschluss an eingespannte Stützen als Verlängerung der darunterliegenden Holzständerwand wäre vermutlich statisch umsetzbar, erscheint mir für ein Fertighaus aber vergleichsweise aufwendig. Lässt sich die Dachkonstruktion anhand der Bilder bereits einordnen? Falls nicht, welche Bauteile oder Anschlüsse sollte ich zusätzlich freilegen beziehungsweise fotografieren, um eine bessere Einschätzung zu ermöglichen?
    Screenshot Baugesuch.png 20260904_195131.jpg 20260904_194950.jpg 20260904_195242.jpg
     
  2. #2 BaUT, 07.09.2026
    Zuletzt bearbeitet: 07.09.2026
    BaUT

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    ...weil es sich nicht um ein klassisches Pfettendach handelt, sondern um ein Sparrendach. Dabei werden zwei Sparren im Firstpunkt gegeneinander gestellt und in den Fußpunkten mit dem Deckenbalken verbunden. Die Sparren drücken dabei als Sprengwerk auseinander und der darunter eingekoppelte Deckenbalken wird als Zuggurt verwendet.

    [​IMG]

    Einziger Unterschied zwischen diesem Bild und deiner Hütte:
    Im Bild wurde ein zimmermannsmäßige Fußpunktverbindung dargestellt
    und
    bei deinem Dachstuhl sind die unteren Ecken mit Nagelplattenverbindungen bzw. mit schubsteif flächig vernagelten Spanplattendreiecken hergestellt worden.
     
  3. BaUT

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    Grundsätzlich ist die erste Frage: Welche Nutzung hast du für den Dachraum vor?

    A: Dachboden (Lager)
    Dann dämme bitte nur Decke zwischen den Bindern und baue dir oberseitig einen diffusionoffenen Boden (z.B. Bretterboden mit offenen Fugen - ohne Nut-Feder-Verbidung) als Lagerfläche ein.

    B: beheizter Aufenthaltsraum
    unter der Voraussetzung, dass die Dacheindeckung derzeit noch dicht ist und in den nächsten 5-10 Jahren sowieso erneuert werden soll:
    - defekte USB rausschneiden und entgegen der anerkannten Regeln der Technik vorübergehend eine Dachgeschossausbau OHNE Unterspannbahn ausführen!!!
    - Sparrenzwischenraum in voller Höhe mit Holzweichfaserplatten oder Jutedämmung füllen
    - Dampfbremse anbringen
    - Lattung anbringen
    - Elt-Installation einlegen
    - Dämmung einlegen
    - GK-Platten montieren
    im Zuge der späteren Erneuerung der Dacheindeckung:
    - von außen eine Unterdeckbahn einbauen
    - Konterlattung
    - Lattung
    - Dachdeckung
     
  4. ToTi

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    Bitte bleib bei Variante A
    Solltest du zu Variante B tendieren, wird das immens aufwendig. Der Boden muss/sollte im Bereich der Außenwand komplett zurück genommen werden. Du benötigst diesen Platz, um eine Luftdichheitsschicht anschließen zu können. Wenn du das nicht machst, kannst du dir das dämmen sonst auch sparen.
    Die Dacheindeckung ist nicht mehr "dicht", bzw die Fälze sind verstopft verdreckt, dass Wasser eindringt. Erkennt man an den weißen Verfärbungen an der Überdeckung der Ziegel und an den Flecken am Boden. Ist nicht viel, aber ich würde das nicht mehr als regensicher beurteilen.

    Statt einer Unterspannbahn würde ich eher eine Aufsparrendämmung anbieten. Wärmebrücke der Sparren entfällt, besserer Hitzeschutz, besserer Wärmeschutz, regensicher und wäre förderfähig.
     
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  5. #5 GabelHochStapler, 08.09.2026
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    Danke für die hilfreichen Hinweise. Ich versuche, am Wochenende noch weiter um die Ecke zu kommen und zusätzliche Bilder vom Anschluss zu machen.

    Ergänzend: Der fotografierte Bereich liegt außerhalb des aktuellen Wohnraums, das Dachgeschoss selbst ist bereits ausgebaut. Das ist der Drempel vom eingerückten Balkon. Die vordere vertikale Stütze steht in Verlängerung der Außenwand. Das Haus ist ein Wolff & Müller Fertighaus, Typ SL R 136/01S. Online konnte ich dazu leider keine weiteren Informationen finden. Die Bauakte habe ich bereits angefragt, eine Rückmeldung steht noch aus. Das Thema Schadstoffe ist bekannt und wird parallel untersucht, das Ergebnis der Beprobung der Sparren steht noch aus.

    Der Dachaufbau muss vollständig erneuert werden. Ursprünglich standen zwei Varianten im Raum: Entweder die Ziegel belassen und den Aufbau komplett von innen erneuern oder bis auf die Sparren alles zurück bauen und das Dach vollständig neu aufbauen. Daraus entstand die Überlegung, ob man bei der zweiten Variante nicht auch die Sparren erneuern und das Dach ohne unverhältnismäßigen Mehraufwand höher setzen könnte. Der Bebauungsplan würde dies zulassen und die zusätzliche Raumhöhe wäre attraktiv. Wenn dafür allerdings größere Eingriffe in das gesamte statische System erforderlich sind, wäre die Variante vermutlich nicht sinnvoll.
     
  6. ToTi

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    Wurde eine Zwischensparrendämmung nur aus EPS verbaut, oder wurde auch die Decke mit Mineralwolle gedämmt?
     
  7. #7 GabelHochStapler, 06.10.2026 um 16:23 Uhr
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    Sorry für die späte Rückmeldung, das war ein etwas größerer Akt Unterlagen zu bekommen, aber hat glücklicherweise geklappt. Ich habe die komplette Statik erhalten, das Ergebnis ist noch "verrückter" als ich angenommen habe: Dreigelenkrahmen mit biegesteifer Ecke, die man auf den Bildern sehen kann. Dazu der andere überraschende Teil, dass als Sparren 24/10 (oder sogar 26/10) verbaut wurden.

    Ich habe nochmals Bilder ergänzt, die der Auslöser für die allgemeine Überlegung alles neu zu machen waren. Man sieht es auf dem einen Foto vielleicht nicht sofort, aber die alte Unterspannbahn ist aus meiner Sicht vollständig zerbröselt. Darunter kommt dann direkt 80mm EPS, das zwischen die Sparren geklemmt wurde ohne weitere Anarbeitung. Im außenliegenden Kniestock in Verlängerung über der Fassade ist teilweise alukaschierte Mineralwolle verbaut, der Kniestock zum Wohnraum hin ist nochmals dünn mit EPS beklebt worden. Danach kommt direkt die Unterkonstruktion und anschließend Rauspund. Dass das EPS nicht dicht ist kann man an der Stelle die ich aufgemacht habe deutlich merken wenn draußen Wind weht.

    Wie würdet ihr bei dem Vorhaben weiter vorgehen? Empfehlt ihr, zuerst einen Statiker bzw. Planer einzubinden, um die grundsätzlichen Möglichkeiten zu prüfen, oder zunächst mit einer Holzbaufirma zu sprechen, die Erfahrung mit solchen Umbauten hat und gegebenenfalls einen Statiker empfehlen kann? Außerdem interessieren mich eure Praxiserfahrungen: Lässt sich ein Kniestock, der Sprieß bei solchen Häusern mit vertretbarem Aufwand erhöhen, sofern die Statik mitspielt? Oder wird der Eingriff meist so umfangreich, dass eine neue Dachkonstruktion am Ende einfacher oder sogar wirtschaftlicher ist? Oder Pfette aufsetzen und Sparren darauf befestigen, um Knotenpunkt entfallen zu lassen und Lastverteilung zu verbessern?

    @ToTi in der Holzbalkendecke liegen 80mm alukaschierte Mineralwolle mit einem lambda von 0,04.
     

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  8. ToTi

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    Für eine 08/15 Dachsanierung benötigst du keinen Statiker, das kann ein Dachdecker/ Zimmermann ohne Probleme selber machen. Wenn du die Stiele (Drempelwand) erhöhen willst, dann benötigst du einen Statiker und eine Baugenehmigung, da du die Höhe änderst.
    Wie groß sind eigentlich die Sparrenabstände? Beim Dachfenster fehlt mir irgendwie der Wechsel in der Mitte und das bei so einem großen Fenster.
    Der Achsabstand ist nachher wichtig, denn daraus berechnet sich die Traglattung. Ab 1m Achsabstand (oder wars 1,20m?) benötigt man einen rechnerischen Nachweis der Traglattung.
     
  9. #9 GabelHochStapler, 06.10.2026 um 17:12 Uhr
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    Danke für den Hinweis, der ist wirklich groß. 1250mm Standardabstand, beim Feld für das Dachlegefenster sind es 1052mm, daneben 417mm und 1030mm. Ich kann nochmal nachschauen, oberhalb kann ich mich aber relativ sicher an keinen Wechsel erinnern.

    Und ich sehe gerade im Sparrenplan, dass dort 10/26er geplant und so freigegeben sind, in der Statik nur 10/24. Muss ich nachmessen: I erf. = 11.498 cm^4 bei I vorh. 11.520cm^4 wäre bei 10/24 ziemlich an der Grenze.
     
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