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  1. #1

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    Wirtschaftlichkeit von Solaranlagen!

    Hallo Leute, habe mich gerade im Netz über das Thema thermische Solaranlagen informiert, für Brauchwassererwärmung.... Bin zur Zeit am Überlegen ob ich mir sowas für meinen geplanten Neubau aufs Dach mache. Mein Planungsbüro hat mir aber eher abgeraten und ich sollte das Geld eher in eine KWL oder eine Wärmepumpe investieren....

    Nachfolgend habe ich diesen Artikel vom Umweltinstitut München e.V. gefunden...Was meinen die Fachleute hier im Forum zu diesem Thema, bzw. zu diesem Artikel?



    Wirtschaftlichkeit von Solaranlagen

    "Es zeigt sich, dass kleine Solarwärmeanlagen für die Brauchwassererwärmung unter den momentanen Förderbedingungen immer noch weit von der Wirtschaftlichkeit entfernt sind."

    Umweltinstitut München e.V.

    Annahmen:
    · Anschaffungsmehrkosten EUR 6.500,-- (Anlage, spezieller Boiler, Einbau)
    · Lebensdauer: 20 Jahre
    · Betriebskosten: € 50,--/p.a.
    · Zinssatz: 6 %
    Bei den o.g. Annahmen betragen die betriebswirtschaftlichen Gesamtkosten der Anlage € 20.846,41.
    Die jährlichen Kosten dieser Solaranlage unter Berücksichtigung eines internen Zinssatzes von 6%, von € 50,-- Betriebskosten pro Jahr betragen somit € 1.042,32.
    Der Durchschnitts-4-Personen-Haushalt spart pro Jahr ein:
    1,2 x 365 x 4 x 0,6 = 1.051,20 kWh
    Bei betriebswirtschaftlich korrekter Berechnung kostet die mit dieser Solaranlage erzeugte Kilowattstunde somit ziemlich genau 1,-- € . Das entspricht dem 33-fachen einer ggf. vorhandenen Wärmepumpe bzw. dem 13-fachen bei einer Öl- oder Gasheizung.
    Der Fairness halber: Bei einem Zinsfuß von 5% ( entsprechend den aktuellen Hypothekenzinsen) und Anlagenkosten von nur € 5000.-- kommt die Kilowattstunde Solarenergie auf nur noch 68 Cent. Setzt man 4% Zinsfuß an, subventionierte € 4000.-- Anlagenkosten und vernachlässigt die Wartungs- und Betriebskosten kommen exakt 40 Cent je Kilowattstunde heraus. Ein Wert der in so mancher Studie zu finden ist.
    Die 60%ige Einsparung kann bestenfalls unter Idealbedingungen (Aufstellwinkel, Ausrichtung, sonnige Region) erreicht werden. Bei einem annähernd realistischen Rechenverfahren ist daher davon auszugehen, dass bei einem 4-Personen-Haushalt die Kilowattstunde Solarenergie mit über 70 Cent zu Buche schlägt. (Bei zwei Personen wäre es sogar das Doppelte.)
    Die Kosten für die vermeintlich kostenlose solare Wasserbereitung sind somit aberwitzig hoch, rund 10mal höher als bei einer "altmodischen" Ölheizung und rund 25mal höher als bei einer "modernen" Wärmepumpenheizung.
    Wegen der geringen Effizienz ist neben der wirtschaftlichen Bilanz von Solaranlagen auch deren Ökobilanz verheerend. Wer nur noch halb so oft wie bisher den Wäschetrockner benutzt oder nur einen 3/4 Liter Sprit auf 100km weniger verbraucht verringert seinen CO2-Ausstoß wie mit einer Solaranlage. Und Geld spart er obendrein.
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  2. Wirtschaftlichkeit von Solaranlagen!

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  3. #2

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    Wenn Du etwas im Forum liest, wird Du merken, daß auch wir hier im Forum ähnliche Ansichten vertreten.

    Insofern kann ich Deinen Planern zustimmen.
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  4. #3
    Avatar von alex2008
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    Der Artikel schluddert etwas böse mit den Zahlen
    Der Bedarf je Person ist mit 1.2kWh/Tag etwas niedrig und ohne Erzeugerverluste. Diese deckt aber die Solaranlage mit.

    Ertrag wurde also runtergerechnet dafür die Kosten etwas nach oben und schon gibt es ein drastisch anmutendes Ergebnis.

    1,--€/13 = 0,077€ mit Hilfsstrom, Erzeugerverlusten, Energiekosten nur bei ansonst hohem Energieverbrauch (und damit niedrigem Tarif) realisierbar.
    Die 3 Cent sind auch bei der WP eher utopisch

    Bei anderen Wärmeerzeugern müsste man fairerweise auch die ganzen anderen Kosten anteilig auf WW berechnen.

    Dennoch ist ein Körnchen Wahrheit im Artikel drinn. Denn man sollte wirklich alle Kosten berücksichtigen und sich nicht vom kostenlosen Primärenergieträger Sonnenlicht blenden lassen.

    Lesestoff zu der Thematik gibts im Forum zu genüge
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  5. #4

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    So richtig seriös erscheint mir der Artikel nicht.

    Erstens sind die Mehrkosten zu hoch. Für mich würde der Mehrpreis einer WW-Solaranlage mit drei Feldern 5000 betragen. Von Freunden habe ich ähnliche Werte. 6500 für eine reine WW-Solaranlage ist ein bissi arg viel.

    Zweitens erscheint mir die eingesparte Leistung sehr mager. Ich vermute sehr stark (auch vor dem Hintergrund eigener Verbräuche), dass bei einem durchschnittlichen 4-Personenhaushalt deutlich mehr als 1752 kWh für Warmwasser aufgewendet werden müssen.

    Drittens werden hier Preissteigerungen bei fossilen Energieträgern völlig ausgeblendet. Das ist aber unrealistisch.

    Insgesamt wurde hier die Solarthermie wohl (bewusst!) schlechter gerechnet, als sie in Wirklichkeit ist. Meine persönliche Kalkulation hat ergeben, dass bei heutigen Finanzierungskonditionen eine ST-Anlage für WW über eine Gesamtlaufzeit von 20 Jahren rentabel läuft, wenn die Preise für Gas in den nächsten 20 Jahren jeweils mehr als ca. 10% p.a. steigen. Wie realistisch eine solches Szenario ist, da muss jeder seine eigene Glaskugel befragen...
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  6. #5

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    ...kann mir mal einer erklären warum hier nicht die Anlagenmehrkosten für die Berechnung herangezogen werden?
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  7. #6

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    Zitat Zitat von bernix Beitrag anzeigen
    ...kann mir mal einer erklären warum hier nicht die Anlagenmehrkosten für die Berechnung herangezogen werden?
    Werden sie doch, oder?

    Annahmen:
    Anschaffungsmehrkosten EUR 6.500,-- (Anlage, spezieller Boiler, Einbau)
    Dafür werden die Betriebs-, Reparatur- und Wartungsmehrkosten nicht berücksichtigt.
    Die Zahlen sind etwas in Richtung "Unrentabilität" angenommen, aber die Tendenz stimmt wohl (für reine Warmwasserunterstützung)

    Wir (2 Erw., 2 Kinder) brauchen etwas weniger als 1m³ bzw. 11kWh Gas für Warmwasser am Tag.

    350 Tage -> 3850 kWh Derzeit also ca € 215.-/Jahr für Wassererwärmung

    Wieviel kWh würde mir die Sonne denn einbringen? Etwa zwei Drittel davon? Also bräuchte ich nur noch Gas für 70.-, hätte somit 145.- für die Wartung und Reparaturkosten übrig (Alles bei derzeitigem Gaspreis)

    Anschaffungskosten? Womöglich finanziert? Hm, vielleicht gibt es bald etwas effektiveres für Einfamilienhäuser....

    Gruß
    B.
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  8. #7

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    Zitat Zitat von Baldbauherr Beitrag anzeigen
    Werden sie doch, oder?



    Dafür werden die Betriebs-, Reparatur- und Wartungsmehrkosten nicht berücksichtigt.

    B.
    ...wenn ich 6500 euro Mehrkosten über 20 Jahre finanziere und auf Null zurückzahle gibt das bei 6% Zinsen eine monatliche Belastung von rd 47 Euro
    ...x 12 = 564 Euro
    plus 50 Euro Betriebskosten
    = 614 Euro
    plus x Euro Wartung (bei meiner Anlage in den letzten 12 Jahren praktisch 0)

    Wo kommen die 1032 Euro her?

    Das die Anlagen in den meisten Fällen nicht rentabel sind und unter Umständen mit fadenscheinigen Argumenten an den Mann gebracht werden, steht ausser Frage.
    Die Schummelei der Anlagengegner fängt aber meistens schon damit an, dass der entfallene normale Speicher nicht herausgerechnet wird....
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  10. #8

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    Hallo


    Zitat Zitat von bernix Beitrag anzeigen
    ...wenn ich 6500 euro Mehrkosten über 20 Jahre finanziere und auf Null zurückzahle gibt das bei 6% Zinsen eine monatliche ...
    in der Ausgangsrechnung ist eben NULL Tilgung -> 6500.- in 20 Jahren mit 6% verzinst ergibt die 20864...
    Das durch 20 geteilt ergibt die 1042,xx (ohne Betriebskosten)

    Klar kann man nach rechts und links rechnen. Deswegen habe ich es für "unseren" Wasserverbrauch ausgerechnet (siehe oben).
    Ich denke nicht, das bei mir ökonomisch und auch ökologisch was bei rum kommen würde, vor Allem nicht bei nachträglicher Installation im Bestand.
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  11. #9

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    Solarthermie ist so eine Sache, dazu haben wir uns hier schon die Finger wund getippt.
    Ich kann jedem nur empfehlen, seinen konkreten Fall durchzurechnen, und dann zu entscheiden. Wer nicht nur auf die Wirtschaftlichkeit schaut, findet in der Solarthermie eine interessante Investitionsmöglichkeit.

    Fakt ist, jede kWh die solar erzeugt wird, wird quasi kostenlos geliefert und spart Öl, Gas, Strom. Was aber gerne vergessen wird, die solar geernteten kWh sollte man auch verwerten können.

    Nehmen wir mal den WW Bedarf. Diesen kann man rechnerisch nach VDI Richtlinien (2067? Bei Bedarf nachschauen) ermitteln. Aber keine Richtlinie dieser Welt kann den realen Bedarf einer Familie "vorhersagen", denn hier spielen auch Alter der Personen und Lebensgewohnheiten, eine Rolle.

    Rechnet man vereinfacht mit 50 Litern/Person und 30K Temperaturüberhöhung, dann ergibt das die oben bereits erwähnten 1,7kWh täglich. Bei 4 Personen wären das also 6,8kWh oder aufgerundet 7kWh.

    Das wäre die Mindestenergiemenge die eine Anlage liefern muss um den täglichen Bedarf zu decken.

    In der Praxis kommen aber noch Erzeugungs- und Verteilungsverluste hinzu. Diese sind je nach Anlage unterschiedlich. Bei einer optimierten Anlage mit kurzen Leitungswegen, hoch gedämmten Rohren und Speicher, belaufen sich diese Verluste auf vielleicht 1-2kWh pro Tag. Es geht aber auch anders, wie man es in vielen älteren Gebäuden sehen kann. Es gibt mehr als genug Anlagen, da sind diese Verluste höher als der eigentliche WW-Bedarf.

    Wir wissen jetzt also, dass eine Anlage zur WW-Erzeugung grob 9kWh täglich erzeugen muss um den WW Bedarf für 4 Personen und die Verteilverluste eines modernen Gebäudes abdecken zu können.

    Jetzt stellt sich die Frage, mit welchem Wirkungsgrad der Wärmeerzeuger die benötige Energie bereitstellen kann. Leider kann man hierzu die Herstellerangaben für die meisten Wärmeerzeuger nicht heranziehen, denn diese nach Norm ermittelten Werte berücksichtigen nicht die Verluste die entstehen, wenn der Wärmeerzeuger nur einmalig pro Tag eingeschaltet werden muss um WW zu erzeugen.

    So kann es passieren, dass ein Ölkessel im Sommer mal locker 2-3 Liter Heizöl verbrennt nur um die o.g. 9kWh zu erzeugen, denn zuerst einmal muss der Kessel selbst (da reden wir schnell mal von 150kg Stahl) auf Temperatur gebracht werden, dann kann er erst Energie in den WW-Speicher transportieren, und danach kühlt die ganze Masse wieder aus (ohne Nutzen).

    Sowohl der feuerungstechnische Wirkungsgrad als auch der Kesselwirkungsgrad gelten für Dauerbetrieb, und liefern bei der o.g. Betrachtung nur mangelhafte Ergebnisse.

    Vergleichbare Berechnungen kann man für alle Arten von Wärmeerzeugern durchführen.

    d.h. Alle Vergleiche einer Solaranlage mit anderen Wärmeerzeugern liefern mehr oder weniger gewürfelte Ergebnisse, wenn man nicht die Anlage inkl. der Gegebenheiten vor Ort berücksichtigen kann.

    Simuliert man eine Solaranlage für WW-Erzeugung, dann liefert diese einen spez. Jahresertrag von etwa 300kWh/m2 (verwerteter Ertrag). Bei 6m2 Kollektorfläche sind das also 1.800kWh. Das deckt sich auch in etwa mit den Veröffentlichungen realer Anlagendaten.

    Damit kann man über´s Jahr gesehen eine Deckungsrate von 50% erreichen. Das setzt natürlich eine Anlagenoptimierung und entsprechenden Betrieb der Anlage voraus.

    Ich habe für meinen Fall zuhause eine Einsparung von 150,- € bis max. 200-, € p.a. ermittelt. Da braucht es schon eine gehörigen Portion Enthusiasmus um sich bei diesen Zahlen für eine Solarthermieanlage zu entscheiden.

    Gruß
    Ralf
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