Kann fehlendes Heizen ggf. zu weniger Kondenat und Schimmel an Wärmebrücke führen?

Diskutiere Kann fehlendes Heizen ggf. zu weniger Kondenat und Schimmel an Wärmebrücke führen? im Spezialthema: Wärmebrücken Forum im Bereich Bauphysik; Hallo, ich zermattere mir seit einiger Zeit den Kopf über eine bauphysikalische Frage. Das Haus meiner Eltern, die beide verstorben sind, wurde...

  1. Matthias0815

    Matthias0815

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    Hallo,

    ich zermattere mir seit einiger Zeit den Kopf über eine bauphysikalische Frage.

    Das Haus meiner Eltern, die beide verstorben sind, wurde 1981 gebaut. Grundfläche 10 x 10 m, jeweils vorne und hinten 1,50 m Überstand mit Loggien. Es hat Keller, EG und DG, Satteldach und ist in den Hang gebaut.

    Die auskragenden Balkone bzw. Loggien über die ganze Hausbreite wurden mit durchgehender Filigran-/Betondecke gebaut, wodurch Wärmebrücken vorhanden sind. Im EG sieht man an den Wänden unterhalb der Decke Schimmelflecken. Nicht sehr stark ausgeprägt, aber vorhanden.

    Mein Vater hat die Außenwände der Giebelseiten irgendwann mit einer dünnen „Styroportapete“ tapeziert, aber ohne Dampfsperre. Meine Eltern hatten seit Jahren das Haus, abgesehen vom Wohnzimmer mit dem Holzofen (offener Kamin mit Heizeinsatz), praktisch nicht mehr geheizt. Im Winter war es in allen Räumen außer dem Wohnzimmer eiskalt (wir haben oft genug geschimpft).

    Der Schimmel scheint nur oberflächlich zu sein, denn ich habe mit einem Spachtel ein Stück Tapete abgekratzt und sowohl Styropor als auch Putz sind sauber.

    Nun frage ich mich: War das Nicht-Heizen „Glück im Unglück“, da die Luft viel trockener war und weniger Wasser an den kalten Außenwänden auskondensiert ist?

    Ich kenne die vielen Aussagen, dass wenig Heizen die Schimmelgefahr erhöht, aber im vorliegenden Fall wäre der Taupunkt an der Außenwand wahrscheinlich auch normalem Heizverhalten unterschritten und Wasser auskondensiert. Und nicht nur das, sondern die warme Luft hätte mehr Feuchtigkeit enthalten und es hätte viel mehr auskondensieren können. So ist die Feuchtigkeit mehr in Kleidung, Bettwäsche, Polstern geblieben anstatt in die Raumluft zu verdunsten.

    Wie verhält sich das? Kann es unter Umständen sein, dass geringes Heizen zu einer geringeren Schimmelproblematik führt, da die kalte Luft im Gebäude trockener ist?

    Matthias
     
  2. BaUT

    BaUT

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    Ja, stimmt schon irgendwie:

    Ich übertreibe mal:
    Wenn die Raumluft die gleiche Temperatur und Luftfeuchte hat wie die Außenluft, dann kühlt sie sich an den Innenoberflächen der Außenbauteile des Hauses auch nicht ab und ohne Abkühlung kommt es auch nicht zur Unterschreitung des Taupunktes bzw. der schimmelpilzkritischen Grenztemperatur.

    Aber was machst du jetzt aus dieser Info?
    Wenn du die Bude nutzbar machen willst, ist wohl eine wirksame Innendämmung an den Außenwänden und an den Deckenrändern unter dem Balkon unbedingt nötig. Des Weiteren solltest du über die nachträgliche Berechnung eines Lüftungskonzeptes nach DIN 1946-6 nachdenken und die evtl. zu dichten Fenster mit Fensterfalzlüftern ausstatten.
     
  3. simon84

    simon84
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  4. #4 Matthias0815, 23.07.2026 um 09:00 Uhr
    Zuletzt bearbeitet: 23.07.2026 um 09:42 Uhr
    Matthias0815

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    Erstmal interessiert es mich rein physikalisch, technisch und wissenschaftlich, auch weil meine Gedanken dazu widersprüchlich zu der vielfach zu findenden Aussage sind, dass zu wenig Heizen das Schimmelrisiko erhöht. Das kann ich auch nachvollziehen, aber nur, wenn man durch Heizen erreicht, dass an kritischen Stellen der Taupunkt nicht unterschritten wird. Wenn auch mit Heizen an kritischen Stellen/Wärmebrücken der Taupunkt unterschritten wird, meine ich, das normales Heizen die Luftfeuchtigkeit und damit das Schimmelrisiko erhöht. Aber es ist voillkommen klar, dass "Nicht-Heizen" keine Lösung ist, um das Schimmelrisiko zu verringern, denn normale Menschen möchten in Wohnräumen 18 bis 22 °C haben.

    Weiterer Grund für meine Überlegungen und Fragen: Das Haus soll verkauft werden. Ich war mir mit einem jungen interessierten Paar schon einig über den Preis bis zu einem Termin mit einem Bausachverständigen. Ich war dabei, aber der Bausachverständige hat sich mir gegenüber nicht geäußert. Nach dem anschließenden Gespräch zwischen den Interessenten und dem Bausachverständigen haben sie ihr Angebot erheblich reduziert und inwzischen haben sie abgesagt, weil wir uns nicht einig geworden sind.

    Nun spielte bei der ganzen Sache wohl auch die Aussage des Sachverständigen zum Schimmelthema eine große Rolle. Dass etwas gegen die Wärmebrücken getan werden muss, sei es durch eine energetische Sanierung der Loggien (aufwendig und teuer) oder eine diffusionsoffene Innendämmung, ist klar, aber eine wichtige Frage ist auch, wie aufwendig und teuer die Beseitigung des vorhandenen Schimmels ist. Ich meine, er ist nur oberflächig auf den Tapeten und habe später zur Überprüfung mit einer Spachtel ein Stück Tapete entfernt. Auf der Tapete ist es großflächig fleckig, aber das Styropor der Styroportapete ist blütenweiß und der Putz darunter sieht auch sauber aus. Somit meine ich, dass die Beseitigung des vorhandenen Schimmels nicht aufwendig ist und dass zumindest DAS kein großes Problem ist (wie gesagt, dennoch müssen die Wärmebrücken entschärft werden). Der Sachverständige hat das nach meiner Wahrnehmung rein optisch beurteilt und seine Aussage und Einschätzung den Interessenten gegenüber hat den Verkauf platzen lassen. Der Sachverständige wusste aber in diesem Moment nicht, dass praktisch die letzten 20 Jahre im Winter in diesen Räumen nicht geheizt wurde (was ja auch nicht normal ist) und ich vermute, unter normalen Umständen mit normalem Heizverhalten wäre das Schimmelthema nun ein viel Größeres.

    Nochmal zurück zur bauphysikalischen Frage: Ich habe schon gesehen, wie ein großer Einscheiben-Wintergarten an einem kalten Wintertag mit einem Gasbrenner - vorerst ohne anwesende Menschen - beheizt wurde. Vorher war es draußen und drinnen kalt und die Scheiben waren klar. Brenner angeworfen und mit jedem Grad wärmer beschlugen die Scheiben mehr. Ein interessantes Phänomen, denn es wurde ja keine zusätzliche Feuchtigkeit in den Raum eingebracht. Es lässt sich meines Erachtens nur damit erklären, dass mit zunehmender Raumtemperatur die Luft von vorhandenen Gegenständen wie Pflanzen, Polstern, Fliesenfugen, etc Feuchtigkeit aufgenommen hat, die sich dann an den kalten Fensterscheiben niedergeschlagen hat. Wärmere Luft -> mehr Feuchtigkeit in der Luft -> mehr Kondensat an kalten Außenflächen. Edit: Mir fiel gerade ein, dass durch Verbrennung von Propangas C3H8 in nicht unerheblicher Menge Wasser entsteht. Okay, das verfälscht diese Beobachtung bzw. das "Phänomen" erheblich bzgl. der o.g. Thematik.
     
  5. #5 Viethps, 23.07.2026 um 11:23 Uhr
    Zuletzt bearbeitet: 23.07.2026 um 14:19 Uhr
    Viethps

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    Das Heizen nur im Wohnraum und mit Kamin ist halt wie früher.
    Habe genug Bauten gesehen, die auch keinen nennenswerten Schimmelbefall hatten. Egal ob Gutshof oder mit Grundriss Schwedenhaus.
    Die derartigen Probleme tauchten erst mit den Mietskasernen ff. auf mMn und dichten Fenstern, sowie zu wenig Nutzung und ungleichmäßiger Wärmeverteilung......
     
  6. Tikonteroga

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    Nach meinem Verständnis muss nach dem Gesetz der Gleichverteilung immer ein Ausgleich stattfinden. Dabei spielen die relative Luftfeuchtigkeit und die "relative Materialfeuchtigkeit" im Vergleich eine Rolle dabei in welche Richtung ein Ausgleich stattfinden muss. Demnach könnte ich mir vorstellen, dass in deinem Fall mit innen kalt und außen kalt die Luft und die Gegenstände und Außenbauteile anfänglich ausgeglichen waren. Dann wurde die Luft erwärmt wodurch sie mehr Feuchtigkeit aufnehmen konnte und hat durch den stattfindenden Ausgleich Feuchtigkeit aus den Pflanzen, Polstern, ... usw. durch Verdunstung aufgenommen. An den kalten Fensterscheiben wird die Luft dann lokal abgekühlt wodurch die relative Luftfeuchtigkeit angestiegen ist. Beim Erreichen von 100 % Luftfeuchtigkeit ist der in der Luft enthaltende Wasserdampf zu Wasser kondensiert.
     
  7. simon84

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    Zu deinem Hausverkauf.
    Schimmel komplett fachgerecht entfernen lassen bevor du verkaufst bzw Besichtigungen machst
     
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  8. BaUT

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    Viel zu kompliziert gedacht!

    Bei der Verbrennung von Propangas mit ausreichend Sauerstoff entstehen hauptsächlich Wasserdampf und Kohlendioxid.

    Nun weißt du wo der Wasserdampf herkam, der sich dann an der Raumseite der kalten Verglasungen niedergeschlagen hat.
     
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  9. Matthias0815

    Matthias0815

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    Mir ist das direkt nach erstem Abschicken des Beitrags eingefallen und habe es durch ein "edit" ergänzt (Tikonteroga hat's offenbar übersehen). Propan ist C3H8 und bei der Verbrennung von 5 kg Propan entstehen echt ca. 8 kg Wasser. Heftig. Ja, den Scheibenbeschlag durch Beheizen des Wintergartens mit Propan sollte man tunlichst nicht anführen, das passt nicht zum Thema.
     
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