Alter Innenputz - noch zu gebrauchen?

Diskutiere Alter Innenputz - noch zu gebrauchen? im Sanierung konkret Forum im Bereich Altbau; Hallo ihr Lieben, wir haben ein Haus Jahrgang 1975. Das wollen wir von innen jetzt hübsch machen. Nachdem ich im ehemaligen Küchenbereich die...

  1. towi

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    Hallo ihr Lieben,

    wir haben ein Haus Jahrgang 1975. Das wollen wir von innen jetzt hübsch machen. Nachdem ich im ehemaligen Küchenbereich die Fliesen entfernen wollte, kamen mir da von der Außenwand schon große Innenputzstücke, teilweise -platten, entgegen.

    Nun habe ich im Wohnzimmer die Tapeten weggenommen. Darunter sieht der Innenputz ganz okay aus. Wenn allerdings die oberste Schicht (weißer Anstrich?) an einigen Stellen weg ist, rieselt der Putz darunter. Man kann mit leichtem Wischen mit dem Finger den rieselnden Putz abtragen.
    In der Baubeschreibung steht unter "Putz innen": "Kalkmörtel und Gips".

    Meine Frage dazu ist nun: Kann man den Innenputz im Wohnzimmer noch gebrauchen? Kann ich da mit neuem Feinputz drüber und später anstreichen, oder kommt mir das früher oder später alles wieder entgegen?

    Ich habe mal eine Stelle fotografiert. Das Loch neben der Eckputzschiene ist durch leichtes Drüberwischen ausgehöhlt worden...
    Ich mache gern weitere Fotos / Videos o.ä. wenn das bei der Einschätzung irgendwie hilft...

    Ich danke euch herzlich!

    Gruß,
    towi
     

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  2. am1003

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    Ohne selber vom Fach zu sein, sieht das für mich wie Kalkputz aus, auf dem anderer Putz aufgetragen wurde, der keinen Halt hatte.
     
  3. #3 Sergius, 22.10.2021
    Sergius

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    Hallo

    Ich finde Kalkputz und das Weißeln mit Kalkfarbe als Baubiologisch unbedenklich (also schon sehr gut) Heutzutage sind in den Baustoffen alles mögliche an Chemie drin und meine Kalkfarbe und Putz ist selbstgemacht. Will keine Paranoia verbreiten, einfach zum Nachdenken anregen. Eine Dispersionsfarbe (so das gängigste in Baumarktregal) einmal ausgeschmiert, schon ist die Wasserdampfaufnahmefiähigkeit der Wand gestört. (bitte nicht unterschätzen)
    Ich würde die Wände freilegen. Was fest ist ist auch gut. Hat ja auch über 40 Jahre gehalten. Die Fliesen wurden im Mittelbett verlegt, deshalb auch ok wenn mit der Fliese bis zu 2cm Putz abfallen. Ist kein Putz sondern ein Kleber.
    Was ihr mit oberster Schicht bezeichnet sind Kalkanstriche. Wurden damals jährlich wiederholt. Erhaben sich bei langer Nutzung herrliche Schichtstärken, sehr widerstandsfähig. Ne Tapete mit dem Kleber dazu sperrt die wand wiederum ab und der Kalk wird kreidig staubig. Aber gut bemässen und wieder Kalkfarbe drauf. Beste was es gibt.
     
  4. towi

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    Moin und danke für eure Antworten!

    Tatsächlich ist beim Fliesenentfernen sogar der komplette Putz runtergekommen und der Kalksandstein lag frei :lock An anderen Stellen (Schornstein) dasselbe.
    Ich hatte nun die Hoffnung den Putz, wo er nicht völlig hohl klingt, dran lassen zu können. Hatte aber deswegen, weil der Kalkputz bei Berührung einfach runterrieselt, so meine Bedenken. Das scheint nicht nur der Kalkanstrich zu sein, sondern tatsächlich der Putz...

    Trotzdem dranlassen und überstreichen / mit Kalkputz flicken (wo schon Löcher sind) ?
     
  5. flokra

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    was wirklich fest ist, kannst du lassen, dann mit kalk(zement)putz putzen. den putz und auch die farbe kannst du dir, wie erwähnt, leixcht selber herstellen - für rezeptur googeln oder hier fragen. reiner kalkputz braucht bei entsprechender schichtstärke lange zum durchhärten, das muss ggf. beachtet werden. kalkzementputz ist wesentlich schneller. kalkfarbe direkt auf die wand hat auch in punkto schimmelbildung vorteile, da stark alkalisch. beim arbeiten mit kalkhydrat sicherheitshinweise beachten!
     
  6. #6 Manufact, 22.10.2021
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    1, Wollen Sie tatsächlich Kalkfarbe nehmen?????
    2. Standardaufbau war damals: Kalk-Zement-Putz mit extremem Sandanteil = "Bröselputz". Darauf kommt ein dünner Gips-Glattstrich.
    Genau dies wurde beschrieben.
    3. Den freiliegenden sandenden Bröselputz mit reichlich Silikat-Grundierung verfestigen.
    4. Dünne Innen-Spachtel-Schicht aufziehen z.B.Moltofill innen Spachtelpulver 5 kg bei HORNBACH kaufen.
    5. Trocknen lassen, Glattschleifen mit Papier P120.
    6. Silikat-Grundierung
    7. Anstrich, z.B. mit Silikatdispersionsfarbe.
     
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  7. #7 Sergius, 23.10.2021
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    Ja, genauso würde ich es nicht machen.
    Der Innenputz hat die Funktion die im Innenraum entstehende Feuchtigkeit zu regulieren. Sämtliche Dispersion, Silikat, Calciumsulfat Absperrschichten würde ich nicht verwenden.
    Kalkgrundputz, Kalkglätte und Kalkfarbe sorgen für ein gesundes Raumklima, wirken antibakteriell sind mittlerweile einfach zu verarbeiten.
    Gips? Ich kenne für Gips keine Verwendung am Bau. Früher wurden Stuckleisten aus Gips gezogen. Der Baustoff verträgt keine Feuchtigkeit.
    Kalkzementputz wird gern für Feuchträume genommen. Bäder, Kellerräume, Garagen. Für Neubau ok aber aber wenn im Bestand schon ein Kalkputz ist würde ich auch damit weitermachen.
     
  8. #8 Manufact, 23.10.2021
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    Ich würde es einfach dem TE überlassen ob er einen lange Zeit nicht ausgehärteten reinen Kalkputz verwenden will und darauf eine nicht wischfeste Kalkfarbe.
    Der bestehende Putz ist Kalk-ZEMENT-Putz mit extremem Sandanteil.
    Das Haus ist Bj 75....
     
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  9. flokra

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    die wischfestigkeit ist bei (selbstgemischten) kalkfarben ein problem, das stimmt. das kann man zwar einigermaßen in den griff bekommen, aber die oberflächenqualität einer dispersionsfarbe bekommt man nicht hin - ich jedenfalls nicht. trotzdem zu erwägen. gips kommt mir auch nicht an die altbauwand (höchstens als stuck) - da kann man besser auf einen kalkbasierten feinputz zurückgreifen. gegen silikatfarbe spricht imho nichts, vielleicht der preis...
     
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  10. towi

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    Ich danke Euch für eure Tipps! Ich werde mir mal anschauen, wieviel Putz nach der Kopfprobe noch übrig ist und dann mal gucken wie ich den Putz wieder schön bekomme. Auch wenn ich am Ende vielleicht doch den Profi mal draufgucken lasse, helfen mir Eure Pro's und Kontras sehr dabei, zu beurteilen, was seine Vorschläge angeht. Die perfekte Lösung gibt es ja leider selten :-)
     
  11. #11 Sergius, 03.11.2021
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    Problem, nicht ganz und die Qualität bezieht sich nicht nur auf das Ansehen. Es ist insgesamt ein Umdenken.

    Die Kosten: Schon der Billigste Sack Weißkalk zu 8€/25kg bringt eingesumpft ca. 80Liter Sumpfkalk der nochmal 1zu4 mit Wasser zur Kalkschlämme verdünnt wird. Wir regen hier über ca. 300L Farbe für 8€. Und dieser hat schon eine gute Deckung und relativ gute Wischfestigkeit. Die Deckung ist nach 2-3 Anstrichen ok. Die Wischfestigkeit lässt sich durch Zusätze erhöhen, aber ich versuche Zusätze zu vermeiden. Die Dauer des Einstampfen und dessen Vorteile kann ich nicht bestätigen (oder sind Sie unwesentlich...) Meine Versuche waren sehr schnell erfolgreich, gehe demnächst an ein Bad heran und kann irgendwann mal berichten.

    Die Verarbeitung: Gerade für Leihen und zum Selbermachen ist Kalkputz und Farbe die einfachste Möglichkeit. Der Kalkputz (und auch Farbe) lassen sich gut wegputzen. Ich klebe mittlerweile nichts mehr ab weder am Boden noch an den Türen. Das eingesumpfte Weißkalk hällt sich ewig im Keller. Der Putz Trocknet langsam die Werkzeuge verschleißen nicht so schnell wie bei Zementhaltigen (und dass sind fasst alle) Mörteln und Putzen.

    Die Gesundheit: Es war schon immer so und wird auch noch lange so bleiben. Kalk, Lehm, Holz, Ziegel sind die unbedenklichsten Baustoffe. Etwas Aktuelles zum Thema Farben möchte ich hier mit euch teilen:
    Zentrum der Gesundheit, Beitrag über Titanoxid
    https://www.zentrum-der-gesundheit.de/bibliothek/umwelt/schaedliche-faktoren/titandioxid
    Zitat aus dem Blog eines Malers:
    "Titandioxid ist das wichtigste Weißpigment bei der industriellen Farben- und Lackherstellung. Egal ob eine günstige Farbe im Baumarkt oder hochwertige Farben im Fachhandel kaufen, Titandioxid ist sicher drin. Da bei uns Titandioxid noch nicht als gefährlich eingestuft wurde, ist es nicht kennzeichnungspflichtig auf Baustoffen. Tatsächlich dürfen Farben und Lacke mit Titandioxid als schadstofffrei verkauft werden."
    Baustoff-Roulette: Baustoffe die krank machen - Gerold Engist Maler - Meisterbetrieb

    Die Instandhaltung: Wir oft unterschätzt. Einen Kalkputz kann man stellenweise ausbessern. Die Farbe lässt sich fasst ansatzfrei überstreichen. Bevor ich eine Wand nass abwische, Überpinsel ich einfach neu. Hab schon anfangs erwähnt dass sich über Jahre eine herrliche Schicht aufbaut.
     
  12. flokra

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    da gebe ich dir generell recht, und ich weiß die vorteile von kalkputzen und -farben durchaus zu schätzen. insbesondere bei der sanierung alter bausubstanz ist der adäquate einsatz von kalkbasierten baustoffen oft eine notwendigkeit. allerdings hat er auch nachteile - oder eigenschaften, welche berücksichtigt werden müssen.

    kalkputze z.b. brauchen lange zum abbinden und binden nicht hydraulisch. kalkfarbe ist zwar leicht und preiswert herzustellen und hat hervorragende eigenschaften in puncto desinfizierung und diffusion, erreicht aber nicht die wischfestigkeit normaler dispersionsfarben - auch mit zuschlägen wie metylzellulose oder kasein nicht. außerdem ist der umgang mit kalkhydrathaltigen baustoffen aufgrund der hohen alkalität nicht ungefährlich - anders als im falle der standard-wandfarbe aus dem baumarkt. auch muss meist 2 oder 3-mal gestrichen werden, bis die farbe deckt.

    bei der entscheidung bezüglich der verwendung kalkbasierter werkstoffe gilt es also, das für und wider richtig einzuschätzen. wesentliche gründe dafür, dass auf kalk aufbauende werkstoffe trotz der vorteile heute eher selten verwendung finden, sind die lange abbindedauer (putze) und die schlechte deckkraft (erfordert mehrfaches streichen) sowie oft mangelhafte oberflächenqualität (farben). das kostet zeit und es muss ggf. nachgearbeitet werden - das kann sich kaum ein bauunternehmer leisten. wahrscheinlich spiel aber auch das verlorene wissen auf den baustellen eine rolle...
     
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