Decke unter Balkon abhängen (Erker/Veranda)

Diskutiere Decke unter Balkon abhängen (Erker/Veranda) im "Bautenschutz" Forum im Bereich Altbau; Servus! Wir haben hier einen Altbau (1934), bei dem ein Teil des Wohnzimmers als Veranda aus dem Haus herausragt. Oben drüber befindet sich ein...

  1. #1 TrockeneLuft, 17.06.2020
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    Servus!

    Wir haben hier einen Altbau (1934), bei dem ein Teil des Wohnzimmers als Veranda aus dem Haus herausragt. Oben drüber befindet sich ein Balkon.

    Rein technisch gesehen handelt es sich hier somit um ein Flachdach. Zum Aufbau weiß ich so viel: Es handelt sich um eine Massivdecke (Eisenträger, dazwischen „horizontales“ Mauerwerk mit Bewehrung); obenauf ein Estrich, darauf Bitumenschweißbahnen und ein weiterer Estrich (wurde wohl mal nachträglich so abgedichtet). Darauf schließlich eine Kunststoff-Bodenbeschichtung.

    Nun Soll die Decke unterhalb des Balkons aus rein optischen Gründen mit GK abgehängt werden.

    Ich bin mir unsicher, ob hier eine Dampfbremse über dem GK nützlich oder schädlich ist. Eine Dämmung soll nicht rein, ich würde evtl. später mal von oben dämmen.

    Wenn ich mit ubakus rechne, entsteht unterhalb der Bitumenschweißbahn selbst mit einer Dampfbremse mit sd=100 noch Tauwasser. Bezüglich Rücktrocknung wäre natürlich eine feuchtevariable Folie nützlich, aber durch den per se kleineren sd entsteht hier auch mehr Tauwasser.

    Eine Alufolie bringt rechnerisch natürlich absolute Trockenheit, aber da die Anschlüsse hier etwas kniffelig sind und auch Kabel durchgefädelt werden müssen, ist mir das zu heikel.

    Bisher gibt es keine Probleme mit Tauwasser, obwohl im Winter rechnerisch ziemlich viel davon anfallen müsste. Und das geht jetzt seit fast 90 Jahren so.

    Meine Frage ist im Prinzip die: wie viel rechnerisches Tauwasser verträgt so eine Konstruktion? Denn: null habe ich im aktuellen Zustand auch nicht, Bauschäden gab es aber bisher nicht...

    Hat jemand nützliche Hinweise?
     
  2. #2 Andreas Teich, 17.06.2020
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    Wenn alles Kondensat abtrocknen kann ist das Risiko gering und alles unter Kontrolle.
    Bei verdeckten Konstruktionen wäre mir das zu heikel.
    Risikoloser wären zB dicht und vollflächig verklebte Schaumglasplatten, was oberseitig leichter umzusetzen wäre, wobei immer noch lineare Wärmebrücken durch die Träger verbleiben
     
  3. #3 TrockeneLuft, 18.06.2020
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    Guten Morgen,

    Schaumglas klingt interessant... dein Vorschlag wäre also, Schaumglas als Dampfsperre (und Dämmung) an die vorhandene Decke zu kleben?

    Wichtig wäre uns in erster Linie die Abhangdecke, weil hierin Kabel und Rolladenkästenverschwinden sollen. Das wäre doch unterhalb der Schaumglasplatten doch immer noch riskant — mal abgesehen davon, dass ich die Platten zur Aufhängung der Unterkonstruktion durchbohren müsste.

    Ich habe noch vergessen zu erwähnen, dass die Decke ca. 40 cm tiefer kommt, sodass an drei Seiten noch Teile der Außenwände (Ziegelmauerwerk) zur Rücktrocknung beitragen.

    Aber reicht das?!
     
  4. #4 Andreas Teich, 18.06.2020
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    Schaumglas als Dämmung und Dampfsperre verwenden-korrekt- vollflächig ansetzen.
    Wenn wegen Dämmung kein Kondensat möglich ist entsteht auch nicht viel Feuchtigkeit.
    Sorptionsfähige Flächen sind trotzdem von Vorteil.
     
  5. #5 TrockeneLuft, 18.06.2020
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    Also ich habe mir diesen mir bis dato unbekannten Baustoff und die Anwendung mal näher angesehen und es sieht so aus, als wäre das die Lösung aller Probleme bei unserem Vorhaben! Tausend Dank für den wertvollen Hinweis!

    Was ich allerdings nicht verstehe, ist die Befestigung der Unterkonstruktion für die GK-Decke. In der entsprechenden Systembeschreibung von Foamglas ist das so beschrieben, dass die Unterkonstruktion an der Rohdecke befestigt wird und die Stellen, an denen die Abhänger durch die Glasschaumplatten stoßen, anschließend versiegelt werden. Das erscheint mir absolut unpraktikabel — wie soll man denn durch die Glasschaumplatten vernünftig einen Dübel in die Decke bringen und dann auch noch etwas daran festschrauben???

    Gibt es hierfür evtl. andere Lösungen?

    Kann man die GK-Platten nicht direkt an die Glasschaumplatten kleben? Oder doch lieber eine freitragende Deckenkonstruktion unterhalb der Glasschaumplatten?
     
  6. #6 Andreas Teich, 18.06.2020
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    Eine freitragende Konstruktion wäre sicher am idealsten und bei nicht zu großen Spannweiten leicht umsetzbar.

    Einen Abhänger durch die Glasschaumplatten in die Decke schrauben und dann die Stelle mit Butylkautschuk o.ä. abdichten ist aber auch möglich.Frag zB bei FOAMGLAS nach.

    Die Plattenstöße müssen ja auch abgedichtet werden.
    Bei Fachdächern erfolgt die Verklebung und Kantenabdichtung mit Bitumen,
    was unter der Decke eine ziemliche Sauerei wäre und zumindest bei mir Probleme mit der Chefin verursachen würde.
    Schreib doch eine Mail wenn es umgesetzt wurde
     
  7. #7 TrockeneLuft, 23.06.2020
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    Moin,

    das ist mir zwischenzeitlich auch aufgefallen: das Zeug wird mit bitumenhaltigem Kleber verbaut. Das klingt nach einer Sauerei und stinken wird es auch. Daher bin ich mir nun nocht mehr so sicher, ob das die erste Wahl ist...

    Ich überlege also nun doch wieder, ob ich es nicht mit Mineralwolle und Dampfsperre ausführe.

    Eigentlich müsste dieses Problem doch ziemlich häufig auftreten.... gibt es dafür nicht eine "Standardlösung"?
     
  8. #8 Andreas Teich, 24.06.2020
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    Statt Bitumenkleber kannst du Flexkleber verwenden oder auch MB 2K.
    Standardlösungen gibts leider nicht und standardmäßig wird leider auch viel Murks produziert
     
  9. #9 TrockeneLuft, 25.06.2020
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    Servus,

    Wären nicht alukaschierte PUR-Dämmplatten (Stöße mit Aluklebeband abgedichtet) genauso gut geeignet wie Foamglas? Vorteilhaft wäre hier, dass sie billiger sind, eine bessere Wärmedämmung haben und sich wohl auch leichter verarbeiten lassen...

    Ich habe noch ein Fragezeichen im Kopf, was eventuelle Kondensatbildung an den Außenwänden angeht. Ich habe dazu mal eine Detailzeichnung angefertigt. Die neue Decke soll seitlich bis Oberkante Rollladenkästen herunter gezogen werden. Die Dämmung kann ich aber nicht bis dahin führen, da ich die Deckenkonstruktion an der Wand verdübeln muss und hier wäre die Dämmschicht -- und damit auch die Dampfsperre -- in jedem Fall unterbrochen. Ubakus ermittelt für diese Außenwand mit Gipskarton-Verkleidung und ruhender Luftschicht Tauwasser in der Größenordnung 5...6 kg/m².

    Ich plane daher momentan noch eine feuchtevariable Dampfbremse ein, die unterhalb der Deckenkonstruktion bis Oberkante Rollladenkasten geführt wird. Rechnerisch bleibt die Wand dann trocken. [Flankendiffusion könnte dadurch auch noch gemindert werden ...]

    Ist das eine taugliche Konstruktion oder gibt es hierzu Verbesserungsvorschläge?
     

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  10. #10 TrockeneLuft, 27.06.2020
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    Oder ganz anders: wäre es nicht die sauberste Lösung, aus dem ganzen Konstrukt ein Kaltdach zu machen?

    Auf zwei gegenüberliegenden Seiten Lüftungsöffnungen gesetzt, Wetterschutzgitter mit Insektenschutz davor und unterhalb der Belüftung eine abgehängte Decke mit Miwo-Dämmung und einer Dampfbremse als luftdichte Ebene...

    Übersehe ich etwas?
     
  11. #11 Andreas Teich, 27.06.2020
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    Wenn du eine zuverlässige Belüftung installieren kannst wäre das auch möglich- besser zwangsgesteuert und feuchteabhängig.
    Zuluft zur Hauptwindrichtung orientieren.

    Bei PUR-Platten mit Klebebändern und ähnlichen Lösungen ist immer die Frage, ob die die nächsten Jahrzehnte auch dicht bleiben.
    Glasschaumplatten können auch direkt verputzt werden.
    Die angrenzenden Wände würde ich auch im Deckenhohlraum Dämmung, um Kondensat zu vermeiden.
    Sorptive Putze wie Kalk- oder Lehmputze verwenden- Sichtflächen zB mit Silikatfarben streichen.
    Du kannst mich sonst auch anrufen
     
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