Erfahrungsbericht: Fertighaus vs. Architektenhaus

Diskutiere Erfahrungsbericht: Fertighaus vs. Architektenhaus im Schlüsselfertig Bauen ? Forum im Bereich Rund um den Bau; Mein erstes Bauprojekt in Deutschland steht auf den Zielgeraden - Zeit für mich ein kleines Fazit zu ziehen. Vorab: Das Fazit wiederspiegelt...

  1. Ckfh

    Ckfh

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    Mein erstes Bauprojekt in Deutschland steht auf den Zielgeraden - Zeit für mich ein kleines Fazit zu ziehen.

    Vorab:
    Das Fazit wiederspiegelt meine persönliche Erfahrung und soll auf keinen Fall ein "allgemeingültiges Bild" geben. Nur weil ich dies so erlebt habe, bedeutet dies nicht, dass meine Erfahrungen pauschal für alle Anbieter auf dem Markt gelten ;)


    Intro:
    Anfang 2021 machte ich mich auf die Suche nach einem Grundstück in einer deutschen Grossstadt.
    Nach vielen frustvollen Erfahrungen (Zusage, Kauf dann doch kurz vor Notartermin geplatzt,...) habe ich im Frühjahr 2022 mein Grundstück an ziemlich attraktiver Lage in einem Randquartier gefunden.
    Persönlich ein Glücksfall: S-Bahn & Fernbahnhof keine 10 Gehminuten entfernt. Ebenso zahlreiche Einkaufszenter, Stadtzenter,...
    In das Zentrum der Grossstadt sind es keine 10 Minuten mit der Bahn.
    Die Autobahn steht fast vor der Türe, aber dennoch so weit enfernt, dass man sie weder sieht noch hört.

    Das Grundstück:
    Kein Neubaugebiet, sondern mitten in einem alten Quartier durch ein Brand freigeworden - bereits von Baulasten entfernt.
    Der grosse Nachteil:
    - Erschwerte Baulogistik auf Grund schmaler Zufahrt
    - Durchgehende Torfschicht > Pfahlgründung benötigt

    Die Planung / Anbieterwahl:
    Meine erste Intention war es ein Typenhaus in Massiv zu bauen.
    Anfang 2022 war der Markt noch ein Anbietermarkt und viele Baufirmen komplett ausgelastet, auf Grund der erschwerten Bedingungen des Grundstückes wollte keiner der grösseren Anbieter das Grundstück bebauen.
    Ironischerweise hatte vorgängig sogar einer der grösseren Anbieter versucht das Grundstück an potentielle Kunden zu vermitteln. Wollte dann aber bei konkreter Anfrage - nach Prüfung - das Grundstück nicht bebauen, da zu "mühsam".

    Gleichzeitig schaute ich mir zahlreiche Anbieter von Fertighäusern im Holzständerbau an.
    Hier war man wesentlich stärker interessiert, da diverse Anbieter bereits spürten, dass Neuabschlüsse fehlten.


    Anbieterauswahl Fertighaus

    Meine Logik pro Fertighaus
    Da Typenhäuser Massiv wegfielen, waren für mich Fertighäuser in Holzständer klar der Favorit.
    Dies waren dabei mein Irrglauben:

    • Kostensicherheit
      Das Thema wird Werbetechnisch stark ausgeschlachtet und stellte sich bei mir als eine der grössten Illusionen dar.
      Persönlich war zu dem Zeitpunkt ein Architektenhaus absolut kein Thema, da ich davon ausging dies kostentechnisch nicht planen zu können und in einer Nachfinanzierung zu enden.
      Das Fertighaus versprach mir da wesentlich höhere Kostensicherheit.
      > Zu diesem Thema schreibe ich später mehr.
      Als kleiner Spoiler: Sowohl das Angebot als auch das Budget stellte sich als komplett unrealistisch und uneinhaltbar heraus. Budgetüberschreitungen von über 20% zeichneten sich ab.
      (Dies nicht wegen Extra-Wünschen, sondern wegen bauseitigen Leistungen & Aufpreise, welche notwendig Waren um überhaupt die Normen einzuhalten)

    • Planbarkeit / Habe-Nichts-Damit-Zu-Tun / Die-Machen-Alles-Für-Mich
      Schlüsselfertig - klingt doch unglaublich toll.
      Nach einem Jahr drückt mir der Verkäufer den Schlüssel in die Hand, ich stelle noch die Küche rein und fertig.
      That's it...
      Viele besser als eine Architektenplanung, beim Architekten muss ich ja selber denken und arbeiten.
      Spoiler:
      Es sollte sich genau das Gegenteil rausstellen. Fertighaus: Du wirst Alleine gelassen, musst dir sehr viel selber erarbeiten und ständig aufpassen, nicht irgendetwas zu verpassen.
      Architekt: Nimmt dir so viel Arbeit ab, wie du wünscht (& bezahlen willst)

    • Günstiger, Schneller & Besser
      Ganz tolle Werbebotschaft: Ein Fertighaus ist viel günstiger als ein Architektenhaus und du kannst unglaublich schnell einziehen.

      Spoiler:
      In Fachkreisen munkelt man, dass ein Fertighaus rund 10% mehr als ein individuelles Massivhaus kostet.
      Bei mir hat sich dies als korrekt erwiesen.

      Geschwindigkeit: Das Stellen der Hülle geschieht in der Tat unglaublich schnell - allerdings ist der Weg bis zur Hausstellung sehr lange und der Innenausbau ohne nennenswerten Unterschied.
      > Vergleich: 7 Monate nach erreichen Baugenehmigung steckte meine Fertighausfirma immer noch in der Planung. (Basis der Planung - nicht mal die Statik war erstellt)
      6 Monate nach Auftragsvergabe (Architekt/Massiv) war das Haus Wetterfest und der Rohbau began.
      Weitere 4 Monate später: Einzug

      (Qualitativ) Besser: Dazu werde ich nichts sagen. Beide bauweisen haben ihre Vor- & Nachteile.
      Für mich Pro Massiv wichtig war: Besserer Schallschutz

    Vorgehen 1 - FEHLER
    Vorgängig informierte ich mich intensiv im Internet und schaute mir mit Interesse Seiten von Fertighausexperten & Dergleichen an.
    Der Tenor war meist der Gleiche:
    Geh zu einem spezialisierten Architekten, lass dir die Vorplanung machen und dies dann durch verschiedene Fertighausanbieter anbieten.
    Ja, als Laie klang das sehr einleuchtend - nur so kann ich theoretisch Äpfel mit Äpfel vergleichen.
    Also 7.000€ in eine sogenannte Fertighaus-Koryphäe investiert. Super sympathisch und einfache Zusammenarbeit.
    Das Resultat war allerdings nicht brauchbar. Die Planung weder statisch noch sinnvoll (Raumaufteilung, Flächennutzung,...) umsetzbar.
    Dies merkte ich relativ schnell, nachdem ich die Planung an 3-4 Anbieter gesendet hatte.

    Hier zeigte sich schon erste Qualitäten der Verkäufer:

    Typ A: Teilte klar mit, dass der Grundriss so keinen Sinn macht und sie daher von einem Angebot absehen. Gerne sind sie bereit eine Alternative vorzuschlagen
    Typ B: Machte stumpf ein Angebot anhand von Standard-Werten hochgerechnet.
    (Dauer Angebotserstellung: 1 Woche bis 2 Monate=
    Typ C: Lehnte ab, da sie keine Individuelle Häuser anbieten - oder machten einen Alternativvorschlag aus dem Typenkatalog

    Im Nachhinein sollte ich merken, dass Typ B & C in der Regel ausgebildete/trainierte Verkäufer - ohne grossen technischen Hintergrund - waren.
    Typ A waren meist ehemalige Bauleiter oder Ähnliches.


    Vorgehen 2
    Als zielführende Alternative suchte ich mir unter all den Anbietern ein Typenhaus/Grundriss, welcher mir passte und nutzte dies für meine Anfragen.
    Da ich sowieso ein Freund von offenem & ehrlichem Umgang bin, war meine Anfrage entsprechend gestaltet:
    "Der Grundriss von Anbieter XY gefällt mir - kannst du dazu ein Angebot machen?"

    Bei der Anbieterwahl ging ich wie folgt vor:
    - Recherche im Internet (Erfahrungsberichte, Auftrit,...)
    - 1. Kontakt & Gespräch mit dem Verkäufer

    Anschliessend machte ich eine Vorselektion und schränkte auf 4 Anbieter ein:
    - 1x grosser Anbieter (>4.000 Häuser im Jahr) / Pseudo-Premium
    - 1x lokaler Anbieter
    - 2x Mittlere überregionale Anbieter

    Lokaler Anbieter
    Sehr persönliches Gespräch. Fachkompetenz spürte man. Der Junior-Chef kümmerte sich direkt um das Angebot.
    Nach ca. 4 Wochen lag das Angebot vor.
    Leider aber ausserhalb meines Budgets.
    (30% teurer als gewählter Anbieter)

    Mittlere überregionale Anbieter
    Anbieter 1 war sehr plakativ und versprach unglaublich viel (Rohbau steht innert 6 Monaten, Baugenehmigung innert 3 Monaten da, wir erledigen Alles für dich,...)
    Drängte unglaublich stark auf einen Verkauf, lockte mit Marketingzuschuss,...

    Anbieter 2 war technisch sehr affin. Bewertete das Vorhaben seriös und hinterfragte auch Einiges.
    Leider war aber verkaufstechnisch eher eine Schwäche vorhanden. Das Angebot dauerte sehr lange und ich fühlte mich dadurch schlecht betreut.
    Vorurteil: Wenn es jetzt schon so lange dauert, wird da nichts draus.

    Grosser Anbieter
    Verkäufer war sehr sympathisch. Setzte sich sehr stark ein. Nicht aufdringlich im Verkauf. Unglaublich schnell beim Antworten & Angeboten.
    Technisch mässig bewandert.
    Der Verkäufer gab mir das Gefühl in guten Händen zu sein und dass meine "Illusionen Fertighaus" komplett der Wahrheit entsprechen.
    Am Schluss entschied ich mich für diesen Anbieter, da ich das Gefühl hatte, hier kümmert man sich um mich und der Preis war ok.

    Fazit zu den Verkäufern
    Erst zu spät realisierte ich, dass der Verkauf oft komplett getrennt von der Vertragsfirma ist.
    In meinem Fall war der Verkäufer gar eine Tochterfirma und hatte absolut keinen Einfluss mehr auf den Prozess nach Vertragsschluss.
    Glänzte die Firma noch vor Vertragsunterzeichnung durch Erreichbarkeit, Kundenservice & schnelle Bearbeitung, war es im Anschluss das krasse Gegenteil.
    Die Vertragsfirma war telefonisch NIE erreichbar. 9/10 Mails wurden nicht beantwortet. Planungsprozess sehr langsam und unstrukturiert.


    Gefahren bei Vertragsschluss
    Unterwegs lernte ich einige Gefahren und fragwürdige Praxis kennen:
    • Preisgarantie
      Viele Anbieter/Verkäufer drängten auf einen Abschluss, selbst ohne bestehendes Grundstück.
      Dabei wurde eine Preisgarantie angepriesen.
      Neben der Gefahr, dass man ein Haus kauft, welches nicht auf das spätere Grundstück passt, ist auch die Gefahr sehr hoch, dass die Frist der Preisgarantie viel zu kurz ist und der Preis anschliessend angepasst wird.
      (Das Internet & die Medien sind voll mit solchen Fällen)

    • Standard vs. Extras
      Selbst bei "Premium-Anbietern" war der angebotene Standard das absolute Minimum. Es wurde fast überall das billigste vom billigsten geplant. Teils stellte sich bei mir heraus, dass das Projekt mit dem Standard gar nicht umsetzbar war und notgetrungen Aufpreise nötig waren.
      Bei einigen Bereichen waren Lösungen geplant, welche dem Anbieter Geld sparten, aber sehr starke Nachteile mit sich bringen würden.
      Sämtliche Extras/Optimierungen/Anbausteine/... stellten sich als massiv überteuert heraus.
      Beispiel 1: Extra Balkon +25.000 ohne Fundament (Vergleich: Extra Balkon am Schluss in Massiv: +7.000)
      Beispiel 2: WU Bodenplatte + 13.000 (Vergleich: komplette Bodenplatte WU & extra Dick: 10.000)

      Der Anbieter hat bei mir die Basis schlichtweg so günstig wie möglich gerechnet um im Anschluss seine Extra-Marge mit den Aufpreisen zu holen.
      >>> Machte das Projekt komplett unberechenbar. Mein Budget wäre locker um 100.000 EUR gesprengt worden. (Trotz über 40.000 EUR Reserven)

    • Planung basiert auf dem perfekten Grundstück
      Die Planung/Angebot basiert auf einem perfekten Grundstück.
      Das perfekte Grundstück gibt es aber nicht - auch hier warten massive Mehrkosten auf.

    • Bauseits & interessante Formulierungen
      Die Bauleistungsbeschreibung ist gespickt mit bauseitigen Leistungen, sprich: Punkte, welche der Bauherr selber zu erledigen hat.
      Teils ist das Ganze so schwammig formuliert, dass man den Sinn erst sehr viel später bemerkt.
      bsp.:
      Der Anbieter wirbt, dass man kostenlos den Grundriss beliebig anpassen kann. Sprich: Wände schieben, ändern,...
      Doch in der BLB steht dann dass dies nur für Nicht-Tragende Wände gilt.
      Ironischerweise waren dann bei meinem ersten Plan vom Architekten alle Wände Tragend. (Bis auf eine kleine Wand im Bad)

    • Rücktritt
      Ein Vertrag/Bauvorhaben kann durch zahlreiche Faktoren früh scheitern.
      z.B.:
      > Finanzierung platzt
      > Grundstückkauf platzt
      > Baustellenlogistik nicht, oder nur sehr teuer machbar
      > Statisch nicht umsetzbar
      > Baugenehmigung nicht erteilt
      > ...
      Beim Standardvertrag ist dies komplett das Problem des Bauherrs. Hier muss man unbedingt Rücktrittsrechte vereinbaren.
      bsp.:
      Hat man kein Rücktrittsrecht auf geplatzte Finanzierung und man bekommt die Finanzierung nicht hin, ist man im Worst-Case mit 10% der Vertragssumme konfrontiert.

    • Zeitplan
      Bei Vertragsschluss muss man unbedingt einen Zeitplan & Fertigstellungszeitraum definieren.
      Ohne dies läuft man Gefahr, dass das Bauvorhaben sich über mehrere Jahre zieht und man sehr schwer was dagegen tun kann.
      Achtung: Auch hier gut aufpassen, dass sich nicht irgendwo Klauseln einschleichen.
      Bei mir war z.B. in einem Rücktritt klein geschrieben, dass der Zeitplan erst zu laufen beginnt, wenn der Rücktritt verzichtet wird. Oder eine andere Vereinbarung getroffen wird.
      Zum Glück hatte ich eine Extra-Vereinbarung, welche die Zeit trotz Rücktritt sofort ticken liess...


    Nun ist es schon viel zu viel Text geworden ;-)
    Im nächsten Post fahre ich weiter mit dem Ablauf Planungsprozess sowie dem anschliessenden Übergang zu Architektenhaus & dem Vergleich von Beidem.
     
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  2. #2 Gast 85175, 22.12.2023
    Gast 85175

    Gast 85175 Gast

    Sag doch einfach gleich, dass Du Millionär bist, dann verstehen das auch alle, diese verklausulierten Hinweise verwirren doch nur...

    Imagine my Shock!

    Nein. Es wird ja immer noch unglaublicher!

    Soso, munkelt man das...

    Hast erwartet, dass die raren Fachkräfte die es da gibt, dazu einsetzen, diese vielen Anfragen aus denen zu 90% eh kein Auftrag wird, zu bearbeiten?

    Jein, ohne etwas unterstellen zu wollen, aber eine größere Marketingabteilung die ihr Handwerk versteht, wird schon dafür sorgen, dass es da viele zufriedene Kunden im Internet gibt... 5 Sterne!

    Von der Automobilindustrie zu lernen, heißt diese Sache mit den Extras zu lernen!

    Jein, es kommt etwas drauf an... Nur echte "Bauträger", also solche Firmen, die auch nach außen hin (zB Behörden) als Bauherr auftreten, können auch alle Bauherrenfunktionen übernehmen. Nur mal ein Beispiel, die Hausanschlüsse müssen oft vom Bauherren selbst bei den Versorgern/Gemeinden beantragt werden, weil das eine Baufirma der das Grundstück nicht gehört aus formalen Gründen oft überhaupt nicht möglich ist.
    Es gibt dann auch noch ein paar solcher gebräuchlichen Verkehrssitten am Bau, die dem Laien schlicht nicht bekannt sind und die immer wieder für Verwunderung sorgen, so zum Beispiel "das Baugrundrisiko ist Bauherrenrisiko"... Man muss da die Kirche im Dorf lassen. Natürlich gibt's auch Unternehmen die es dann übertreiben...

    Mal unter uns... Dass am Ende alle nur mit Wasser kochen, das ist ja so ne Binse die immer wieder gerne bestritten wird. An dem Tag an dem das nicht mehr so ist und eine der alternativen Bauweisen ganz klar umfassend "besser" ist, ist die Sache schnell durch, da ist dann der Markt sehr schnell aufgeräumt. Dass dies in über einem halben Jahrhundert "Fertigbau" noch nicht passiert ist, sagt dem nüchternen Betrachter eigentlich schon alles was es da grundsätzlich zu wissen gilt...

    Und am Ende ist halt auch diese "individuelle Serienfertigung" nur eine Halluzination, das ist so nette Geschichte die die Leute gerne glauben, aber mehr ist das halt nicht...

    Und wieviel Du am Ende bezahlt hast, das hast auch vergessen noch hinzuschreiben... Also wenn das erste "Festpreisangebot" 100% war, wieviel war es denn dann am Schluß?
     
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  3. #3 driver55, 22.12.2023
    Zuletzt bearbeitet: 22.12.2023
    driver55

    driver55

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    Da haben wir alle nochmal Glück gehabt.


    Ohne Grundstück schließt man auch kein Bauvertrag ab.Nach A kommt B dann C…

    Nicht nur viel Geld, sondern auch noch viel Zeit.
     
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  4. Ckfh

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    Danke für eure Kommentare - da kommt noch viel mehr Text von mir, das war nur mal der Anfang.
    Irgendwie wurde der Text aber trotzdem schon viel zu lange und die Zeit lief mir davon...

    Viele meiner Aussagen waren mir auch zu Beginn klar (z.B.: Kein Vertrag ohne Grundstück), nur habe ich auf dem Weg unglaublich viele Bauherren miterlebt, welche auf solche Fallen reingefallen sind.

    Bei mir persönlich gab es einen (ehrlich gesagt Naiven) Gedanken, welchen mich zum Fertighaus bewegte:
    Anfang 2022 waren wir noch bei überlasteten Baufirmen, fehlenden Baumaterialien und stark steigenden Preisen.
    Mein naiver Gedanke war, dass ich da mit einer grossen Fertigbau-Firma mehr Planungs- & Preissicherheit haben werde.
    Eine kapitale Falscheinschätzung...

    Zusätzlich hatte ich die Erwartung, dass ich als Bauherr eines Fertighauses nicht mehr gross zeitlich mit dem Hausbau belastet werde.
    Das war meine zweite starke Fehleinschätzung.

    Das ein Fertighaus nicht unbedingt günstiger oder schneller gebaut ist, als ein individuelles Massivhaus, war mir aber schon von Beginn an klar.


    btw.: Chillig auch ohne Millionär zu sein, kann man bei cleverer Planung und kreieren des entsprechenden Einkommens in einer Grossstadt ein Grundstück kaufen und ein Haus bauen.
    Allerdings wird das dann kaum ein Einfamilienhaus sein...
     
  5. #5 Gast 85175, 22.12.2023
    Gast 85175

    Gast 85175 Gast

    OK, dann halt "angehender Millionär". Wie man Einkommen "kreiert", das frage ich jetzt lieber nicht...

    Zum Rest, es kommt jetzt drauf an... Eigentlich ist angesichts gewisser Entwicklungen gerade ein Kollaps der Neubautätigkeit überfällig. Auf der anderen Seite haben wir aber diesen zT extremen Leidensdruck am Wohnungsmarkt. Die Neubauzahlen sind viel schwächer zurückgegangen als dies es vielen (echten) Experten angenommen wurde und auch die Aussichten für nächstes Jahr sind (gemessen an den Rahmenbedingungen) erstaunlich gut. Dieses Jahr waren es um die 265.000 WE, es gab letztes Jahr hinter den Kulissen Schätzungen da stand die 1 vorne...

    Wie das mittelfristig sein wird ist noch nicht raus. Aber wenn sich das noch weiter verschlechtert, dann wird der Markt sehr schnell um die Dampfplauderer und Rosstäuscher bereinigt. Diese Modelle bei denen es sich die Anbieter möglichst einfach machen, das sind alles Schönwetter-Geschäftsmodelle, die nur im Verkäufermarkt funktionieren... In 5 Jahren wissen wir mehr...
     
  6. Ckfh

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    Nachdem ich im ersten Post auf den Prozess vor dem Vertrag geschaut habe, möchte ich nun den anschliessenden Planungsprozess anschauen.


    Der Vertrag
    Unerfahren im Bereich Fertighaus entschied ich mich dazu meinen Vertrag durch eine spezialisierte Anwaltskanzlei prüfen zu lassen.
    Ich entschied mich bewusst für eine Kanzlei, welche sich auf Fertigbau spezialisiert hat mit der Annahme sinnvolles Feedback zu erhalten.

    Naja, die rund 600 EUR hätte ich mir sparen können.
    Ich erhielt ein Copy & Past (Unterstellung) Feedback, welches eigentlich sagte: Schliess den Vertrag auf keinen Fall ab.
    Per se keine Kritik an der Kanzlei, da sie ja nur die Wahrheit mitteilte, eher eine Kritik an mir selber.
    Den: Wo macht es Sinn einen Vertrag zu prüfen, wenn du den im Anschluss eh nicht ändern kannst?
    Sprich:
    Eigentlich habe ich mir für 600 EUR lediglich mitteilen lassen, dass ich mit dem Vertrag Risiken eingehe.
    Das wusste ich vorher schon.
    (Jep, habe den Vertrag trotzdem unterzeichnet. Ironie des Lebens...)

    Einige Erfahrungen zum Vertrag habe ich bereits im ersten Post abgegeben.
    Weiters hat sich als sehr hilfreich erwiesen:
    • Penibel genau die BLB durchlesen und eine genaue Liste mit Aufgaben & Deadlines erstellen
      > bsp.: BLB fordert per Tag X die Erfüllung diverser Bauseitigen Leistungen. Werden diese bis dann nicht erfüllt, weigert man sich die Preisgarantie einzuhalten, droht mit extra Kosten,...
      Diese Punkte waren im ganzen Vertragswerk & BLB (Total ca. 80 Seiten) verstreut gewesen.
      Eine Liste hilft den Überblick zu bewahren und Alles korrekt abzuarbeiten

    • Ständig überprüfen
      Im Planungsprozess kamen oft Forderungen oder Hinweise zu "dies ist bauseits".
      Der Grossteil war aber gem. Vertrag nicht bauseits & inklusive. Hier hat man entweder versucht die Marge aufzubessern, oder war sich des Vertragswerkes schlichtweg nicht bewusst.
      Alleine diese Punkte hätten bei mir mehrere 10.000 EUR Mehrkosten generieren können


    Planungsprozess / Baugenehmigung / Architekt
    In meinem Fall wurde mir ein Architektenbüro zugewiesen, welches regelmässig mit dem Hausanbieter arbeitete.
    Negativ war, dass ich zuerst mal einen Monat eigentlich nichts mehr hörte von der Hausfirma. Erst nachdem ich nach einem Monat den Druck erhöhte und den 1. Architekttermin mit Fristdrohung forderte, erhielt ich den 1. Termin.
    Der 1. Termin fand somit 6 Wochen nach Vertragsschluss statt.

    Der Architekt erwies sich als relativ junger, sympathicher Typ mit gutem Wissen und unkomplizierter Art.
    Das Erstgespräch war Speditiv und zahlreiche Punkte wurden besprochen.
    (Änderungen Grundriss, Optionen,...)

    7 Monate später sollte ich erfahren, dass es zu dem Gespräch ein Planungsprotokoll gab, welches wohl im Nachhinein ausgefüllt wurde und voll von Fehlern war.
    Dieses Planungsprotokoll sollte die Grundlage für die Planung sein und durch den Bauherr unterzeichnet werden.
    In meinem Fall erhielt ich das Planungsprotokoll rund 7 Monate später (2 Monate nach Erhalt der Baugenehmigung) und hatte es nicht geschafft ein fehlerfreies Protokoll zu erhalten.
    Es waren teils massive Fehler enthalten, welche zu einem Totalschaden des Hauses führen konnten.
    (z.B.: einfache Bodenplatte in stehendem Grundwasser, oder KfW55 statt der vereinbarten KfW40+,...)

    Das Architekturbüro setzte einen Jungarchitekten an mein Projekt, welcher offensichtlich noch nicht über viel Erfahrung verfügte.
    Eigentlich logisch:
    Das Architekturbüro wird wohl eher eine geringe pauschale Entschädigung für das Projekt erhalten und nutzt solche Aufträge daher als Übungsprojekte für Studienabgänger.
    Das Problem:
    Dem Planer fehlt es schlichtweg an Erfahrung und Wissen.
    Das Resultat:
    Massive Planungsfehler und zeitliche Verzögerungen.

    Nichtsdestotrotz hatten wir die Planung relativ zügig bis zur Baueingabe geführt. Nach knapp einem Monate erfolgte die Baueingabe.
    Dies allerdings nur, da ich stark pushte und ständig nachfragte.

    Die Baueingabe kam mit diversen Nachforderungen. Die Nachforderungen musste ich zu 90% im Alleingang erledigen, da sich der Architekt und die Baufirma nicht darum kümmerten und sich das Ganze massiv in die Länge gezogen hätte.
    Durch Zufall hatte ich bei einer Nachforderung am Tag des Fristablauf bemerkt, dass der Architekt keine Fristverlängerung eingereicht hatte.
    Ich habe Diese dann kurzfristig selber eingereicht.
    Hätte ich das nicht gemacht? Hätte das Amt im Worstcase den Antrag als Zurückgezogen werten können.
    = Kosten & nochmals neu beginnen

    Dank massivem eigenen Einsatz erhielt ich nach 3 Monaten die Baugenehmigung.
    Sprich: Knapp 6 Monate nach Vertragsunterzeichnung lag die Baugenehmigung vor. (Entsprach soweit der Zeitplanung)


    Kritik
    Ich hatte mich für ein Fertighaus entschieden, da ich ein Schlüsselfertiges Haus erwartet hatte und meine eigene, investierte Zeit auf ein MInimum reduzieren wollte.
    Ich erwartete auch, dass ich so ohne Fachwissen zu einem Haus kommen kann.
    Bereits in der Planungsphase bis zur Baugenehmigung stellte sich dies allerdings als massiver Trugschluss heraus.
    Ich wurde schlichtweg Alleine gelassen. Ich musste mich selber um zahlreiche Fachthemen kümmern, da ansonsten nichts geschehen wäre.
    Gleichzeitig musste ich den Architekten/Hausfirma auf massive Planungsfehler hinweisen.
    Dies waren Teils spezifische technische Themen, welche man von einem privaten Bauherren schlichtweg nicht erwarten kann.

    Im Vergleich:
    Später trennte ich mich von der Hausfirma und plante mit freiem Architekt in Massiv.
    Dort wurde mir so viel Arbeit abgenommen, wie ich gewünscht hatte. Wenn ich etwas nicht selber machen wollte/konnte, hat sich der Architekt einwandfrei darum gekümmert und zwar sofort - nicht erst nach mehreren Wochen/Monaten und zahlreichen Aufforderungen.


    Ablaufplan
    Der Ablaufplan sah vor, dass nach Einreichen der Baugenehmigung die technische Prüfung und im Anschluss die Statik erfolgt.
    Anschliessend soll die Bemusterung stattfinden.
    Ist dies vollendet & liegt die Baugenehmigung vor, soll die Planungsphase vorbei sein und der Bau beginnen.

    Die Realität zeigte etwas Anderes:
    Erst nachdem ich massiv Druck gemacht hatte und unter anderem eine Verzugsdrohung versendete, begann mit über 4 Monaten Verzug die technische Prüfung.
    Das Unternehmen hatte alleine schon 1,5 Monate benötigt um intern das Projekt von "Baueingabe erstellen" zur Phase "Baugenehmigung prüfen" umzustellen.
    1,5 Monate NACH Erhalt der Baugenehmigung.
    Also began rund 10 Monate nach Vertragsunterzeichnung die technische Prüfung. (zu diesem Zeitpunkt wäre übrigens die Preisbindung abgelaufen).
    Die technische Prüfung zog sich im Anschluss über mehrere Monate und konnte nie beendet werden.
    Es waren schlichtweg zu viele massive Fehler in der Planung und die Hausfirma komplett mit dem Grundstück überfordert.
    Eine Pfahlgründung scheinte so weit von der heilen "Idealen" Baubedingung abzuweichen, dass die Firma nicht fähig war dies sauber zu planen.

    ca. 1 Jahr nach Vertragsunterzeichnung hiess es dann: "Projekt Fertighaus abgebrochen. Umplanen auf Massiv/Individual".


    Kostenkalkulation Fertighaus
    Der Verkaufsberater stellte vor Vertragsunterzeichnung ein Budget zusammen.
    Das Budget sah bei rund 500k Fertighaus-Kosten Nebenkosten von lächerlichen 50k vor.
    Natürlich war es mir bewusst, dass dies nicht annähernd passt.
    Alleine die Pfahlgründung & Erdarbeiten sollten mehr als die 50k kosten.
    Der ganze Rest (Aussenbereich, Baugenehmigung, Fundamentbalken, PV, ...) wäre damit nicht annähernd gedeckt.

    Für mich irelevant, da ich ein eigenes Budget erstellt hatte.
    Allerdings hätte mich das Projekt Fertighaus dennoch kalt erwischt, da ich diverse Extra-Forderungen der Hausfirma nicht auf dem Plan gehabt hätte:

    • Gründung
      Der Hausfirma lag VOR Vertragsunterzeichnung mein Bodengutachten vor (Empfehle ich übrigens jedem dringend VOR Vertragsunterzeichnung/Planung zu erstellen. Die 1.000 EUR sind sehr gut angelegt...)
      Es war klar, dass wir eine Pfahlgründung benötigen.
      Es war klar, dass die Bodenplatte im Grundwasser liegt und das diese dicker sein müsste.

      Pfahlgründung & Erdarbeiten als bauseitige Leistung hatte ich auf dem Plan.
      Was mich allerdings überrascht hatte: Massive Aufpreise seitens Hausfirma für WU Bodenplatte, Fundament & extra Statik.
      Alleine hier wären wir rund 40k Extra gelandet

    • Zahlreiche kleine Details bauseits
      Gebetsartig wurde vor Vertragsunterzeichnung erwähnt: Du musst nur die Erdarbeiten, Pflasterarbeiten & den Garten machen.
      Im Innenbereich lediglich die Küche.
      Was dann aber Alles noch zusätzlich kommen sollte, war überraschend.
      - Da 3.000 EUR für Anstrich des Hauses
      - Dort paar Tausend EUR für einen Spritzschutz
      - Gerüst soll plötzlich bauseitig sein
      - Dämmung unter der Bodenplatte trotz im Angebot & Vertrag teurer, wegen Pfahlgründung

    Insgesamt wäre ich mit einem 6stelligen Aufpreis konfrontiert gewesen.
    Bemerke: Darin waren keine Änderungen am Grundriss, Aufmusterung, Extras,... Dies wäre lediglich benötigt gewesen um die Grundleistung zu erbringen.


    Zum Vergleich:
    Bei anschliessender Umplanung zu Massivbau habe ich das Budget selber erstellt. Trotz zahlreichen Reserven und teils hochwertigerem Standard & Extras kam mein Budget auf das gleiche Niveau des Ausgangsbudget Fertighaus.
    Mein Architekt betitelte mein eigenes Budget als "sportlich" und empfahl mir eine kleine Reserve einzuplanen.

    Nun stehen wir kurz vor Fertigstellung und allzuviele Überraschungen dürften nicht mehr anstehen.
    Im Massivbau konnte ich mein ursprüngliches Budget (knapp <1Mio) einhalten und mir sogar teils einen höheren Standard und Extras leisten.
    Bei Fertighaus hätte ich mit tieferem Standard min. 10% mehr ausgegeben und wäre wahrscheinlich mit einer Nachfinanzierung >100k konfrontiert geworden.
    Final nicht abzuschätzen, da das Projekt Fertighaus in der Planungsphase abgebrochen wurde.


    Erkentniss
    Im Planungsprozess wurde mir eindrücklich aufgezeigt, dass in meinem Fall das Versprechen Kostensicherheit, Planbarkeit & "du musst nichts tun" eine simple Marketing-Aussage ohne Wahrheitsgehalt war.
    Im Gegenteil: Ich musste massiv Zeit investieren, musste mit meiner Hausfirma teils mittels eingeschriebenen Briefen & Anwalt kommunizieren, war mit massiven Verzögerungen konfrontiert und hätte mein Budget massiv überziehen müssen.
    Gleichzeitig steckten wir ein Jahr nach Vertragsunterzeichnung immer noch am Anfang der Planungsphase fest. (gem. Bauzeitenplan im Monat 4)

    Ursprünglich schreckte mich der Bau mit Architekt ab, da mir der Markt Anfang/Mitte 2022 zu unsicher war und ich "Angst" hatte mein Budget nicht unter Kontrolle halten zu können.
    Auch hier war am Schluss das Gegenteil der Fall...


    Im nächsten Post dann meine Erfahrungen mit Architekt & den Vergleich Fertighaus vs. Massiv/Architekt
     
    dsebasti und Gast 85175 gefällt das.
  7. Ckfh

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    Definitiv, eine grosse Bereinigung ist unumgänglich.
    Im Nachhinein hatte ich z.B. bei "meinem" Fertighausanbieter erfahren, dass ich Mitte 2022 erst der 2. Abschluss war. Und dies für eine Region mit 3 Verkaufsniederlassungen.
    Da nun der Käufer wieder mehr fordern kann, reicht die Leistung halt einfach nicht mehr.

    Für mich erschreckend festzustellen, was für ein Image um Fertighäuser generiert wurde.
    Ein Image, welches in vielen Bereichen einfach komplett fernab der Realität ist.
    (z.B. Fertighaus ist günstiger & schneller als Massivhaus)


    "Einkommen kreieren" bedeutet in meinem Fall, dass ich kein Einfamilienhaus baue, sondern die Finanzierung stark durch Mieteinheiten gestützt wird.
    Bedingt natürlich trotzdem ein genügend hohes Grundeinkommen.
    (Nicht umsonst sagt man, dass man lieber zur Miete wohnt und Eigentum nur zum Vermieten erwerben sollte...)
     
  8. #8 Gast 85175, 22.12.2023
    Gast 85175

    Gast 85175 Gast

    Jein. Ich hätte auch nichts dagegen wenn sich 2/3 der Stümper zukünftig ihren Fähigkeiten entsprechend als Paketboten betätigen würden, aber diese extreme Druck am Wohnungsmarkt ist halt ein Faktor der erstmal dagegen spricht...

    Fertighäuser hin, Fertighäuser her... Der Laie ist halt leicht zu beeindrucken... Mich erschrickt zunehmend wie leicht man mittlerweile Fachleute mit Marketingsprech und halbgaren Theorien einwickeln kann...
     
  9. Ckfh

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    Bisher hatte ich meine Erfahrungen im Bereich Fertighaus reflektiert.
    Von der Evaluation bis zum Abbruch in der Planungsphase.

    Kurz Zusammengefasst:

    Wieso Fertighaus?
    Ich entschied mich für Fertighaus, da:
    • Typenhaus & Massiv GU alle das Bauvorhaben abgelehnt hatten
      (Grund: Firmen komplett ausgelastet, Grundstück zu kompliziert)
    • Fertighaus schien kostentechnisch planbar
      (Illusion: Kosten werden eingehalten / Budget einigermassen sicher)
    • Grosser Anbieter = Sicherheit
      (Illusion: Dadurch weniger Probleme bei Verfügbarkeit Bauteilen & Arbeitskräften)
    • Planungssicherheit im Zeitplan
      (Illusion: Erfahrene Firma, hält Zeitplan ein.)

    Was führte zum Abbruch?
    • Massiver zeitlicher Verzug.
      (Technische Prüfung/Planung 1 Jahr nach Vertragsunterzeichnung nicht abgeschlossen)
    • Massive Mehrkosten
      (Hohe Zusatzkosten zur Erreichen der Basisleistung)
    • Technische Machbarkeit
      (Mangelnde Kompetenz der Sach-/Technischen-/Architektonischen Fachleute. Komplett überfordert mit dem Boden)
    • Mieserable Kommunikation der Hausfirma
      (Die Firma war schlichtweg nicht erreichbar. Telefon: Nur Anrufbeantworter. Mail: 9/10 Mails unbeantwortet. Man wurde ignoriert)
    • Handwerklich & Technisch fragwürdige Lösungen
      (Bestehende Gerichtsverfahren wegen nicht zugelassenen Bauteilen / Bewusstes nicht einhalten DIN Normen / "Flicklösungen")

    Nun, etwas mehr als 1 Jahr nach Vertragsunterzeichnung plante ich also um auf Massiv mit Architekt.


    Der Architekt
    Hier hatte ich sicher einen grossen Vorteil: Den Architekten kannte ich bereits, da wir geschäftlich miteinander arbeiten.
    Seine Expertise liegt zwar weniger auf Neubau, dennoch war/ist es ein Match.

    Da ich während den letzten 12 Monaten mich wesentlich stärker mit dem Bauvorhaben auseinandergesetzt hatte, als geplant, entschied ich mich dies weiter so handzuhaben - Mein Interesse am Bau wurde geweckt.
    Also vereinbarte ich mit dem Architekt, dass er umplant & die Bauleitung übernimmt, ich aber gerne stärker involviert sein möchte und das Ein oder Andere mitwirken werde/möchte.

    Vorab: Dies war keines Weg mein Wunsch um Geld zu sparen. Im Gegenteil, vermutlich wäre es ohne mein Wirken günstiger gekommen. Der Wunsch resultierte lediglich aus Interesse an der Materie.

    Die Zusammenarbeit mit dem Architekten war super.
    Gemeinsam planten wir das Projekt um auf Massiv und optimierten den Grundriss und diverse Details.
    Da die Baugenehmigung vorlag, natürlich mit starken Einschränkungen.
    (Wobei es auch nicht das Ziel war, alles komplett Anders zu gestalten)

    Leistungsverzeichnis & Vergabe der Gewerke
    Oft habe ich in Foren gelesen, dass diverse auf LV verzichten. Ganz verstanden habe ich das ehrlich gesagt nie.
    Das erstellen der Leistungsverzeichnisse hat mich wahrscheinlich kein 1.000 EUR gekostet, hat aber in der Kommunikation mit den Anbietern eine saubere Basis geschaffen.
    Nicht nur was den Leistungsumfang und die Art der Leistungserbringung bedeutet, sondern auch bezüglich den Schnittstellen.
    Des Weiteren bin ich überzeugt, dass vernünftige und verlässliche Angebote nur auf Basis von LVs realisierbar sind.
    Wieso?

    Ein Beispiel war mein Zimmermann & Dachdecker.
    Da ich ihn telefonisch nicht erreichte, sendete ich ihm ein Mail mit meiner Anfrage und
    Am Folgetag erhielt ich einen Rückruf, wo er mir eigentlich absagen wollte.
    "Da ich sicherlich die 30. Anfrage bin, muss ich leider absagen."

    Aus seiner Sicht betrachtet, komplett verständlich. Wieviele Bauherren suchen im Internet mögliche Anbieter und senden ihnen einfach mal eine Massenanfrage?
    Wieso soll er dann viel Zeit in ein Angebot investieren, wenn der "Kunde" eh nur das günstigste Angebot sucht und dabei Äpfel mit Birnen vergleicht?

    Und genau hier, kann das LV helfen. Durch das LV spare ich dem Anbieter nicht nur wertvolle Zeit (er muss, mehr oder weniger, im LV nur noch seine Werte einsetzen), sondern der Anbieter weis auch "OK, der vergleicht nun vielleicht 2-3 Anbieter - aber immerhin vergleicht er die identische Leistung".

    Der oben genannte Anbieter erhielt am Schluss übrigens den Zuschlag. Ich antwortete ihm, dass ich sowas nie machen würde. Ich würde nie 30 Firmen anfragen. Er sei die 29. und somit die letzte Anfrage.
    2 Tage später kam das Angebot auf Basis meines LV. Das Angebot passte und die Leistung war am Schluss sehr gut.

    Mein Vorgehen Vergabe:

    • LV durch Architekten
      (Hier gilt es gut gemeinsam abzustimmen und die eigenen Wünsche einbringen. Alles was nachträglich geändert wird, kann teils hohe Mehrkosten bedeuten)
    • Suche von 2-4 potentiellen Anbietern
      > MIttels Baukostenindex fad ich heraus, dass rund 50km südlich von mir, die Preise massiv tiefer sind. In der Tat habe ich am Schluss 80% der Gewerke an Firmen aus diesen Regionen vergeben, da diese teils bis zu 30% günstiger waren
    • Telefonischer Kontakt
    • Versand LV nach Telefonkontakt
    • Vergleich der Angebote durch Architekt
    • Zeitlicher Abgleich & Vergabe

    Sicher förderlich für mich war, dass die Auftragslage gegen Mitte 2023 massiv eingebrochen ist. Einen Grossteil der Gewerke konnte ich fast ohne Vorlaufzeit vergeben, respektive die Firmen starteten kurz nach Vergabe bereits mit der Leistungserbringung.

    Erstaunlich bei den Angeboten:
    Es gab Firmen, welche immer noch nach Manier 2021 anboten - sprich: "Der Kunde kann froh sein, wenn er einen Anbieter findet. Ich verlange was ich möchte"
    Solche Angebote waren dann teils auch mal bis zu 60% höher als andere Angebote. Bei einem Anbieter machte ich mir die Mühe und verhandelte nach - siehe da, am Schluss war sein Angebot 35% tiefer als zu Beginn - bei gleichem Umfang.
    (Er erhielt den Zuschlag natürlich nicht)

    Was auch aufiel:
    In Bereichen mit Förderung differenzieren einige Anbieter zwischen "Kunde erhält Förderung und Kunde erhält keine Förderung".
    Sprich: Mit Förderung wäre das Angebot der Normalpreis + Fördersumme. Ohne Förderung der Normalpreis.
    Das Phänomen sieht man übrigens auch sehr eindrücklich, wenn man z.B. die Kosten für Photovoltaik in den Niederlanden mit den Kosten in DE vergleicht. Erstaunlich wie oft die Differenz ziemlich genau der Förderung/Steuer entspricht.
    (Sprich: Brutto ist das Angebot in NL meist gleichhoch wie in DE Netto (was bekanntlich auch wieder Brutto ist)


    Vorteile aus Eigenvergabe
    • Eigene Wahl des Anbieters
      (Keine GU definiert den Dienstleister, welcher dann wieder ggfs. Subunternehmer sendet)
    • Direkter & stetiger Einfluss auf Details
      (Nicht ein einmaliges Bemustern, sondern fortlaufendes Wachsen des Projektes.
      Gleichzeitig bessere Einflussnahme auf die Situation (z.B. Wetter) möglich)
    • Bessere zeitliche Planung
      Ich habe die Zeit selber im Griff. Es gilt lediglich den Anbieter zu finden, der in den Zeitplan passt (und dies auch einhält).
      Bei der GU bin ich komplett vom Anbieter abhängig. Habe ich einen schlechten Bauleiter, bin ich vielleicht nur ein Stappel auf seinem Schreibtisch, welcher auch mal ein paar Wochen länger liegen bleiben kann.
      Bei Eigenvergabe habe ich dies selber in der Hand
    • Mehr Einfluss auf das Budget
      Vorausgesetzt das Budget wurde seriös erstellt und stetig überwacht, habe ich einen sehr direkten Einfluss darauf.
      Beim Fertighaus hies es: "Entweder akzeptierst du diese Mehrkosten so, oder es geht nicht weiter"
    • "Faule" Anbieter
      Stellt sich ein Anbieter/Gewerk als NIete heraus, kann dies wesentlich schneller und mit weniger Kostenfolge gelöst werden als bei einem einzigen Anbieter.
    • Mehr Support
      Der Architekt kümmert sich um Alles was ich wünsche.
      Habe ich eine Frage, wird diese fachmännisch beantwortet. In Bausitzungen werde ich einbezogen und kann auf das technische WIssen der einzelnen Gewerke zurückgreifen.
      Bei meinem Fertighausanbieter galt mehr die Devise "Wir sagen nichts, da wir entweder nichts wissen, oder es rechtlich problematisch werden könnte"

    Nachteile aus Eigenvergabe
    Steht und fällt beim GU/Fertighaus Alles mit einem einzelnen Anbieter, hat beim Bau mit Architekten natürlich die Qualität des Architekten massiv Einfluss.
    Ist der Architekt eine Niete, kann es hier natürlich auch sehr schnell schwierig werden.



    Im Endeffekt war für mich der Wechsel auf Individualbau mit Architekt der richtige Weg.
    Mein Budget konnte ich einhalten, das Haus ist wesentlich wertiger gebaut und hat Extras, welche vorher im gleichen Budget nicht machbar waren.

    Im nächsten Post dann ein paar Erfahrungen aus der Bauphase & das Fazit/Vergleich
     
    simon84 und dsebasti gefällt das.
  10. Ckfh

    Ckfh

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    Was mich vorallem schockiert hatte, ist wie massiv die Realität von den Werbeversprechungen abweichen.
    Die Werbung gaukelt einem vor, dass man mit einem Fertighaus keine Sorgen und nichts zu tun hat.
    Schön gesagt ist es Schlüsselfertig und man erhält einfach nach 1 Jahr die Schlüssel in die Hände gedrückt.

    Die Realität war dann bei mir das krasse Gegenteil.
    Ich hätte beim Fertighaus wesentlich mehr selber planen, kontrollieren & erledigen müssen als mit Architekt.
    Gleichzeitig wäre der Fertigstellungstermin wesentlich später gewesen, als es mit dem Massivhaus der Fall ist.

    Hier wird der angebliche Vorteil des schnelleren Baus massiv überbeworben.
    Als Laie hat man das Gefühl, dass alles fix-fertig hingestellt wird.
    Aber dass eigentlich nur der Rohbau zu einem gewissen Teil in Hallen vorgefertigt werden und der ganze Rest nachher identisch ist, sagt einem Niemand.

    Beim Fertighaus wird dann wohl oft auch an allen Ecken gespart - wo ich bei eigener Planung z.B. die Trocknung des Estrichs beschleunigen kann, oder allgemein eine Bautrocknung einplane, wird beim Fertighaus meist nur ein günstiger Estrich ohne Additive genutzt. Eine Bautrocknung sowieso nicht.
    Da verliert man dann schnell mit dem Fertighaus viel Zeit...
     
Thema: Erfahrungsbericht: Fertighaus vs. Architektenhaus
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