Innen Kalkputz, Gipsputz, Kalkgipsputz?

Diskutiere Innen Kalkputz, Gipsputz, Kalkgipsputz? im Außenwände / Fassaden Forum im Bereich Neubau; Hallo, wir möchten in unserem Neubau (Poroton) die Wände innen nicht tapezieren, sondern verputzen lassen. Folgende Varianten hat man uns bislang...

  1. swlw

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    Hallo,

    wir möchten in unserem Neubau (Poroton) die Wände innen nicht tapezieren, sondern verputzen lassen.
    Folgende Varianten hat man uns bislang angeboten:

    Unterputz Kalk, Oberputz Kalk 1mm gefilzt Q3
    Unterputz Gips, Oberputz Kalkgips 1mm gefilzt Q3

    Uns ist schon klar, dass Kalkputz generell teurer ist als Gipsputz oder Kalkgipsputz.

    Wie groß sind die Unterschiede zwischen reinem Kalkputz oder Kalkgipsputz tatsächlich? (Reiner Kalkputz soll aufwändiger in der Verarbeitung sein.)

    Da Kalkputz Schimmelwachstum verhindern soll und Feuchtigkeit reguliert, funktioniert die Kombination
    Gips + 1mm Kalkgips? Oder könnte/sollte man auch den Unterputz in Kalkgips ausführen?

    Könnte man Kalkputz oder Kalkgipsputz auch ohne Oberputz ausführen und abziehen oder wird das dann sehr ungleichmäßig?

    Danke schonmal für eure Antworten und Hinweise.

    Michael
     
  2. #2 petra345, 17.10.2020
    petra345

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    Selbst wenn der Kalkputz stärker die Feuchtigkeit regulieren würde als Gipsputz, wird sich das bei einer Stärke von wenigen mm nicht bemerkbar machen. Wo soll er denn bei dieser Stärke das Wasser speichern?

    Ich würde, auch aus Kostengründen, einen einlagigen Gipsputz einsetzen.
    Wenn es besonders gerade Wände sein sollten, kann man auch einen sog. Dünnputz auftragen.
    Aber das Material ist dreimal so teuer wie normaler Gipsputz. Also im Endpreis wird sich das nicht auswirken.

    Der Vorteil von Gipsputz ist nach meiner Ansicht, daß man ihn wirklich glatt und eben abziehen könnte, wenn man sich die Mühe macht.
     
  3. #3 chillig80, 19.10.2020
    chillig80

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    Ich zweifle gerade an den Angaben, die gängigen Putzmörtel sind eigentlich fast alle bei „Gips“ entweder Gipskalk- oder Kalkgipsmörtel (P IV c oder P IV d gem DIN 18550) oder bei „Kalk“ sind es Kalkzementmörtel (P II). Einen „echten“ Gips- oder Kalkmörtel (P IV a oder P I) sieht man eigentlich nur im Denkmalschutz, bzw. bei den Enthusiasten unter den Selbermachern.

    Ein „echter“ Kalkmörtel ist in der Verarbeitung tatsächlich aufwändiger, ausserdem bräuchte der Kalk Monate bis er abgebunden hat, daher tippe ich noch immer auf Kalkzement. Und ein Kalkzement+Filzputz Q3 ist nicht teurer als das selbe in „Gips“, zumindest hier in der Gegend (Südwesten) nicht. Beim „reinen“ Kalkputz wäre es dann aber noch sehr interessant zu erfahren was das für einer ist, da gibts nämlich mittlerweile auch schon wieder viel unseriösen Quatsch, den man den Leuten unter „wohngesund“ aufschwatzt.
    Hier noch bisschen was zum „echten“ Kalk: Trockenwohner – Wikipedia

    Ich glaube noch immer, dass in den Angeboten Mist steht, aber trotzdem, man bekommt heute fast alles was Putz ist auf alles was auch Putz ist geschmiert, man muss dann halt evtl. mit (gesundheitlich) bedenklichen Grundierungen arbeiten. Konkret kann man das aber nicht sagen, man müsste mal die Datenblätter ankucken und nachsehen ob es vom E-Modul her hinkommt oder ob man doch irgend eine Giftplörre zur Haftvermittlung braucht.

    Das mit der Feuchte und dem Schimmel ist übrigens ein Scheinargument, wenns schimmelt, dann war es zu 99%+ nicht der Putz, dann ist da einfach viel zu viel zu viel Wasser wo es nicht hingehört. Und die Marketingsensation der „Feuchteregulation“ kommt über bullshittige Phrasen nicht hinaus, ich kenne jedenfalls keine seriöse Untersuchung die die behaupteten Unterschiede (es wird übrigens bei beiden Ausführungen behauptet sie seien „feuchteregulietender“ als alles andere) auch meßtechnisch nachweisen konnte...

    Einen nur „abgezogenen“ Putz kann man eigentlich nicht so lassen, das sieht aus wie es ist, halbfertig-rohbaumäßig.
     
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  4. #4 swlw, 23.10.2020
    Zuletzt bearbeitet: 23.10.2020
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    @chillig80

    Danke für die ausführliche Antwort.
    Stimmt, wenn man die Datenblätter von Kalkputz genauer liest, steht im Kleingedruckten fast immer „enthält Zement“.

    Das Angebot lautet auf „Kalkputz Multi Armierungsmörtel“
    Der Kalkputz-Anbieter hat sich geradezu beleidigt als ich nach Gipsputz gefragt habe. Das sei nur etwas für sozialen Wohnungsbau.

    Werbeaussagen, wie „hervorragende Wohlfühleigenschaften“, „angenehmes Raumklima“ oder „schimmelhemmende Wirkung“ stehe ich sowieso kritisch gegenüber.

    Ich möchte einfach einen Putz ohne Schnörkel (Struktur kann ruhig wie grobe Rauhfaser sein), der unter normalen Bedingungen lange hält und nicht überteuert ist.

    Bislang sind wir mit allen Nebenkosten bei 40€ pro m2 Innenwand. (ohne MwSt und ohne Maler)

    Ich wohne auch im Südwesten und bislang ist Kalkzement + Filzputz Q3 deutlich teurer als „Gipsputz geglättet Q2“ + Q3.
    Aber vielleicht habe ich bislang einfach die Falschen gefragt.

    Der Gipsputz-Anbieter sagt Kalkputz sei aufwändiger, da er in zwei Arbeitsgängen aufgetragenen werden müsse.
    Daher meine Frage, ob nicht auch Putz, wie der 75 von K**f oder ähnliche geeignet sind.

    Oder anders gefragt: Was würden Sie an die Wand machen (lassen)?

    Danke nochmal für die Hilfe

    Michael
     
  5. #5 Fabian Weber, 23.10.2020
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    Mein letzter Putzer hat den Q2 Gipsputz so gut hinbekommen, das war eigentlich Q3 und darauf wurde direkt gestrichen. Sieht super aus, halt nicht total super perfekt aber genau das wollten die Bauherren auch nicht.
     
  6. swlw

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    @Fabian Weber
    Ein Kollege hat gemeint, nur Gipsputz wäre recht empfindlich und man würde jedes Anstoßen direkt sehen.
    Dennoch eine Überlegung wert.

    Danke.
     
  7. #7 chillig80, 23.10.2020
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    Kann man so schwer beurteilen, da stecken jetzt Eckschienen, Laibungen, Haftbrücken, Abkleben und der ganze Krempel mit drin und das Kleinzeug kostet bei Gips und Kalk regelmäßig ungefähr gleich. Mir kommts trotzdem bisschen viel vor...

    Gipsputz ist halt einlagig idR auch nur mehr oder weniger „glatt“, das wollen die meissten Leute so nicht haben. Da muss ja dann auch noch was drauf. Und wenns nur olle Rauhfaser ist, wäre dann auch irgendwie „zweilagig“.

    Es gibt einlagige „Filz-Gipsputze“, das würde ich aber nicht jeden Handwerker einfach machen lassen, das in schön zu machen ist nicht ganz ohne (und auch nicht ganz billig). Das selbe gilt für einlagig gefilzte Kalkzementputze.

    Ausserdem musst bei den einlagigen Varianten mit nicht mehr hundertprozentig hinzubekommenden Beschädigungen rechnen (egal ob Kalk oder Gips). Nach dem Verputzen kommen ja noch viele Gewerke und die Chance, dass das ohne Beschädigungen der fertigen Putzoberfläche über die Bühne geht, ist sehr gering...
     
  8. #8 Fabian Weber, 23.10.2020
    Fabian Weber

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    Solche Macken kannst Du aber auch einfach selbst wieder zugipsen oder. Das hast Du sicherlich mit Dübellöchern schonmal gemacht.
     
  9. swlw

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    @chillig80
    So, hatte nun mit dem "Kalkputzer" Kontakt.
    Er verwendet Rotkalk von K***f. Also wie vermutet Kalkzement.
    Angeblich kann dieser pro m2 Wand 250 ml Wasser speichern und wieder abgeben. Auch in Raumluft, die bereits gesättigt ist? Gips würde Wasser auch binden, aber nicht mehr abgeben.
     
  10. #10 chillig80, 29.10.2020
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    Das ist alles grenzdämlich. Für mich steht das alles auf einer Stufe mit Homöopathie und Wünschelrute, aber egal.

    Hier einmal ein paar Denkanstöße:

    Wenn Du im Winter trockene Raumluft hast, woher weiß der Wandputz, dass gerade Winter ist, und er eben nicht noch mehr Wasser aus der Luft ziehen soll?

    Wenn der Gips nur Wasser aufnimmt, es aber nie wieder abgibt, wieso ist der dann immer trocken wenn man da ein Loch reinbohrt?

    Wenn die Raumluft mit Wasserdampf gesättigt ist, dann ist entweder schwüler Hochsommer, Du hast gerade geduscht, oder Du hast nen ganz üblen Wasserschaden. In allen drei Fällen hat der Wasserdampf prinzipiell nix im Wandputz verloren.
     
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  11. swlw

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    Da stimme ich voll zu. Wir werden ganz einfach Gipsmörtel (P IV c) als Unterputz nehmen. Damit arbeiten die Handwerker hier anscheinend am liebsten (Werden hier auch Gipser genannt) Dazu einen Oberputz in Q3.

    Danke nochmal, hast mir sehr geholfen.

    PS: Der Vergleich mit der Homöopathie passt. Mancher spürt bestimmt das bessere Raumklima.
     
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