Messebericht

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  1. JDB

    JDB

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    Onkel33, 21.01.2003

    Rockwools Auftritt
    Wenn ich mich langweile tue ich Dinge, die mich von der Straße fernhalten.
    Deshalb ging ich auf die Baumesse.

    Alljährlich findet die Baumesse in München statt und da schlenderte ich
    gemütlich hin. An dem Tag war diese nur für Fachbesucher geöffnet, also
    zeigte ich kurz meinen Tanzschulausweis vor, mit dem ich im Alter von 16
    versucht hatte, als 18jähriger in eine Disco zu kommen, in die ich dann auch
    als 18jähriger nicht hineinkam. Was jedoch nicht am Tanzschulausweis,
    sondern an meinen zu diesem Lebensabschnitt vollkommen unpassenden
    Kleidungs- und Frisurvorstellungen lag. Nun, ich will nicht abschweifen,
    jedenfalls kam ich mit dem Ausweis ohne Probleme auf die Messe.


    In Halle 1, die ich zügig durchschlenderte, konnte man sämtliche Baustoffe,
    die man für Außenmauern verwendet, betrachten. 'Betrachten' war eine
    ungenügende Vokabel, in etwa so unzureichend, wie für einen Rolls Royce die
    Bezeichnung 'Auto' allenfalls die Spitze eines sehr großen Eisbergs
    darstellt. Hier wurden verkündet:
    'Ziegelstein-Erlebniswelten', 'Beton-hält-Versprechen' und
    'Leichtbaustabilität für Generationen'. Wow. Ich wußte nicht, das Außenwände
    so spannend sein können. Ich wanderte zur 'Ziegelstein-Erlebniswelt' und
    ging am Stand in ein kleines Haus bestehend aus....was wohl. Drinnen gab es
    Computerspiele, bei denen man eine Ziegelmauer aufbauen mußte. Ein Mann um
    die 50 saß davor und stapelte Ziegelstein auf Ziegelstein, virtuell
    natürlich. Ich guckte ihm eine Weile über seine Schulter hinweg zu; er
    stapelte seine Ziegelsteine. Das war nicht zu verstehen. Ich fragte:
    "Ist da ein Sinn in dem Spiel oder sind Sie an einer Eisenkugel bis zu Ihrer
    Ablösung angekettet?" Er schaute nicht auf, Ziegelsteine stapelnd. Nur kurz
    brachte er einen Zischlaut heraus, der wohl sein Mißfallen auf meine Störung
    ausdrückte. Provokation ist ja manchmal meine Schwäche und so sagte ich
    "Feuer" in sein Ohr. Keine Reaktion, also lauter (fast schreiend): "Feuer!"
    Stille. Er drehte sich nur leicht in meine Richtung, sein Steinspiel nicht
    aus den Augen lassend, und sagte:
    "Häuser aus Ziegelsteinen brennen nicht." Ich war beeindruckt, was so ein
    Videogame alles aus Menschen macht.


    So ging ich in Halle 7, die sich neben Halle 1 befand, was jedoch nach dem
    Außenmauererlebnis nicht mehr so unverständlich war. In Halle 7 ging es um
    'Baubedarf', quasi der Flohmarkt für Hausbauer. Ich entdeckte einen Stand
    für Schubkarren. Schubkarren! Ich dachte immer, die werden von
    Höhlenmenschen in Bergwerksschächten, unentdeckt von der Öffentlichkeit und
    anonym in ewig gleicher Form hergestellt. Aber hier gab es Schubkarren mit
    der immer gleichen, tragenden Funktion, aber mit einem Kosmos an
    Qualitätsunterschieden. So jedenfalls der emsige Verkäufer, der im
    Boss-Anzug und einer Krawatte mit Nadel, sofort ein Feature-Geriesel auf
    mich niederregnen ließ. Er sagte:
    "Schauen Sie sich unser Top-Modell an: Max Robur. Klingt doch toll, nicht?"
    Großes Augenzwinkern, freundschaftlicher Leberhaken. "Max Robur, Sie
    verstehen, hm? Hm?" Hysterisches Augenzwinkern, reissnahtreissendes Reissen
    an meinem Ärmel. "Sie verstehen? Max für maximal und Robur für Kraft und
    Arbeit. Aber zusammen hört es sich an wie ein Name, hahahaha." Kombiniertes
    Schulter- und Schenkelklopfen wobei die Lasten fair verteilt waren: er
    schlug auf meine Schulter und seine Schenkel. Bei seinem Witz war ich reglos
    geblieben wie eine Wasserleiche. Ich schaute ihn an wie ein Schlafwandler
    und sagte mechanisch wie ein Roboter:
    "Das verstehe ich nicht." Das verstand Boss nicht. Er versuchte die gleiche
    Erklärung nochmal, aber es fehlte ihm der rechte Schwung und er verhaspelte
    sich. Ich schaute ihn immer noch an als sei ich eine unterbeschäftigte
    Vogelscheuche. Boss kam zum unrühmlichen Ende seiner unrühmlichen Pointe und
    schaute mich an wie ein Delinquent seinen Henker betrachtet. Und so sagte
    ich:
    "Ich will nur eine Schubkarre kaufen!" Boss schaute entgeistert und fing an
    über Gummiräder zu sprechen. Ich unterbrach ihn:
    "Ich will nur eine Schubkarre kaufen."
    "Äh, das geht hier nicht. Sie können die hier nicht kaufen und erst recht
    nicht nur eine."
    "Ich will doch nur eine Schubkarre kaufen." Boss drehte sich hilfesuchend
    nach ein bißchen Verstärkung um. Aber die anderen Verkäufer waren
    beschäftigt: ein Carlo Colucci-Anzug (C&A) fuhr einen anderen
    Sales-Assistant (in einem undefinierbaren Anzug, wahrscheinlich aus 'Heidi`s
    Modewelt' in Paderborn) in einer Schubkarre im Kreis, um einem ratlosen
    dreinblickenden Kunden etwas klar zu machen. Aber was? Das diese Schubkarren
    auch für den eleganten Transport von Humanoiden taugen? Ich rannte weg,
    bevor mich der Sicherheitsdienst entfernen würde. Was sie wahrscheinlich auf
    einem 'Linde Performance Gabelstapler' aus Halle 5 tun würden.


    Weiter zu Halle 3. Hier befand sich die Welt der Dämmstoffe. Eigentlich
    hätte es hier sehr still sein müssen, der Dämmstoffe wegen. Aber es war sehr
    laut. Der unbestrittene Platzhirsch der Isolierungsindustrie war Rockwool.
    Der Stand war so groß wie ein halbes Fußballfeld. Eine Show fand gerade
    statt. Zwei Frauen, in Dämmwolle gehüllt, tanzten zu einer Hip Hop Musik,
    die ein Mann, schon gut in den Vierzigern, mit Dämmstoffsprechgesang
    unterlegte. 'Yo, Rockwool macht dicht, yo, yo, check it out, denn Rockwool
    heißt der Stoff schlicht.' Ich beschloß, das es Zeit für eine Migräne war.
    Ich ging zum Stand. Ich hatte '8 Mile' gesehen, aber der Rap hier war damit
    nicht vergleichbar. Es schrie nach einem 'Battle' und ich war bereit. Rechts
    außen an der vollkommen mit grauem Dämmstoff ausgekleideten Bühne stand ein
    Moderator und schaute sich die Performance an. Zu ihm ging ich, nahm ihm das
    Micro aus der Hand und sagte:
    "Hör zu, Grandmaster Rockwool, ich nehme das Battle an.DJ Dämmstoff da
    drüben hat keine Chance denn ich bin MC Brick, Mann!" Grandmaster Rockwool
    schaute mich an als wäre ich gerade aus der Fliesenabteilung ausgebrochen.
    Aber ich hatte schon das Micro in der Hand und ging zielstrebig auf DJ
    Dämmstoff zu. Der guckte, aber rappte weiter über die Vorzüge seines
    Produktes. Ich klickte das Micro an und unterbrach ihn:
    "Yo, Dämm, Deine Reime sind so dick wie Wolle,
    meine wuseln wild wie Trolle,
    kommst aus der Vorstadt, schön und reich,
    und ich muß fighten für mein Zeuch,
    heiße Brick, bin hart wie Stahl,
    Du bist Dämm und mir egal,
    muss zurück zu mir ins Ghetto,
    Überleben ist bei uns das Motto,
    Du gehst nach Haus zu Frau und Kind,
    die Suppe auf dem Tisch geschwind,
    Dein Haus aus Dämmstoff, Dein Leben im Nichts,
    bei mir zuhaus nur Zoff und Schiß,
    deshalb, Bro, werd ich Dich dissen,
    auf die Rockwooler ist ..." Gerade als ich zur unübertreffbaren Pointe
    kommen wollte unterbricht mich Dämm und rappt:
    "Yo, Brick, dringst ein in meine Hood,
    sprichst von Tränen, Schweiß und blood,
    kannst nicht wissen, wie es ist,
    in Dämmstoff verpackt,
    im Vorort verknackt,
    die Kids so normal,
    die Frau so banal,
    yo, Brick, stell Dich hin wie ein Man,
    mit Dämmstoff umhüllt ohne Fan,
    und reim dein Zeug für die Kohle,
    dann weißt Du wie ich hier brodle."
    Na gut, dachte ich, das ist ein Argument. Gab mein Micro zurück und machte
    mich auf den Weg zu den Betonmischern.
     
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  3. #2 Markus Gräfe, 21. Januar 2003
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    Mensch Bakel,

    das übertrifft ja sogar Ephraim Kishon :respekt .

    Du hast Deinen Beruf verfehlt....

    Gruß Markus :D
     
  4. JDB

    JDB

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    is doch nich von mir, is von Onkel33.
    wer auch immer das is (habe ich per mail bekommen, Herkunft = ?)
     
  5. mls

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    ähmm ..

    hab mir erlaubt, einige nette aussteller auf deine homepage hinzuweisen - vielleicht ist der "onkel" der rächende engel :D :D
     
  6. jacob

    jacob

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    messe

    hab mich mal einladen lassen (mein statikus fuhr eh hin) auf die messe zu gehen:
    fazit: beratung (fast) null, die firmen-vertreter verköstigen nur ihre handwerks-partner und haben keine zeit für fachfragen, einige firmen habens auf deutschlands grösster messe nicht mehr nötig, sich zu präsentieren.
    das war wohl meine erste und letze bau-messe in münchen!
     
  7. Martin K

    Martin K

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    möchtegern Bauherr ohne Bauplatz
    exact den Eindruck hatte ich auch. Auch für mich war es die
    erste und letzte Bau. Schade um's Eintrittsgeld.

    Gruß
    Martin
     
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  9. #7 Torsten Stodenb, 23. Januar 2003
    Torsten Stodenb

    Torsten Stodenb

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    Wenn Du krank bist, zieh' in ein Holzhaus. Wenn das nicht hilft, geh' zum Arzt. (schwed. Sprichwort)
    Grösste Messe Deutschlands?
    Ich dachte, das ist die BAUTEC in Berlin. Die ist nämlich bereits gigantisch. Man kann gut und gern 1 Tag dort verbringen und hat noch längst nicht alles gesehen. Falls man an einzelnen Ständen intensiver verweilt und Gespräche führt.
     
  10. Josef

    Josef Bauexpertenforum

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    Ja so ähnlich

    ist das auch auf der Bau ... 2 Tage war ich dort und gesehn hab nicht mal die Hälfte :mad:
    Nein Martin/Jakop ich muss euch widersprechen ... die haben schon Zeit für Fachfragen ... NUR war da leider der grösste Teil unkompetent mir wollte man mitunter Sachen auftischen die ich bald selbst geglaubt hätte :)
    -
    Nein es stimmt schon ohne Beziehung biste dort echt verraten nur wennste die Visitenkarte gezockt hast biste beraten worden ... trauig ABER leider wahr :confused:

    MfG
     
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