Mineralwolle vs Holz-/Celulosefasern

Diskutiere Mineralwolle vs Holz-/Celulosefasern im Außenwände / Fassaden Forum im Bereich Neubau; Erster Beitrag also Hallo erstmal. Meine Partnerin und ich wollen bauen. Wir stehen ganz am Anfang und informieren uns im Moment über die vielen...

  1. #1 HansDampf1311, 24.02.2021
    HansDampf1311

    HansDampf1311

    Dabei seit:
    24.02.2021
    Beiträge:
    9
    Zustimmungen:
    2
    Erster Beitrag also Hallo erstmal.

    Meine Partnerin und ich wollen bauen. Wir stehen ganz am Anfang und informieren uns im Moment über die vielen Teilaspekte die bei diesem Unterfangen aufkommen.

    Einer davon ist bei Holzrahmenbauweise das verwendete Dämmmaterial. Einige Anbieter arbeiten mit Holz- oder Celulosefasern, andere mit Mineralwolle, einige lassen dem Bauherren die Wahl.

    Ich habe mich also aufgemacht und recherchiert und wie üblich im Internet gegensätzliche Aussagen gefunden. Als eines der Hauptargumente für Holz/Celulose wird die Wärmeisolierung im Sommer angeführt. Nach meinem Verständniss sollte dieser Vorteil doch aber marginal sein wenn man die Wand als ganzes betrachtet und nicht nur das Dämmmaterial. Liege ich da falsch? Auf der anderen Seite ist Mineralwolle billiger und dämmt besser.

    Also was sind denn nun die tatsächlichen Vorteile von Holz- und Celulosefasern?
     
  2. Skogen

    Skogen

    Dabei seit:
    17.02.2018
    Beiträge:
    1.568
    Zustimmungen:
    731
    Beruf:
    Gast
    Möchte ich einen diffusionsoffenen Wandaufbau (was bei "Naturdämmstoffen" der Fall ist) oder Plastiktüte?

    Die Unterschiede im Raumklima sind dabei doch recht erheblich.

    Und damit ist alles gesagt. Der Rest ist wie üblich unten rechts.
     
    HansDampf1311 gefällt das.
  3. #3 HansDampf1311, 24.02.2021
    HansDampf1311

    HansDampf1311

    Dabei seit:
    24.02.2021
    Beiträge:
    9
    Zustimmungen:
    2
    Also sind die Raumklima äußerungen nicht nur Marketing gedöns? Wie genau schlägt sich Diffusionsoffenheit im Raumklima nieder?
     
  4. BaUT

    BaUT

    Dabei seit:
    30.10.2019
    Beiträge:
    2.445
    Zustimmungen:
    1.457
    Beruf:
    Bauingenieur
    Ort:
    Berlin
    So gut wie gar nicht.
    Das ganze Gelaber über "Plastiktütenklima" stammt aus den 90ern und hatte verschiedene Ursachen, die man teils erst Jahre später erkannt hat.

    1. Die zunehmende Dichtheit der thermischen Gebäudehülle und der damit einhergehende Wegfall der Fugengrundlüftung war eigentlich nie wirklich auf die Dampfbremsfolien zurück zu führen sondern auf die in dieser Zeit massenhaft aufkommende Fenstererneuerung (Austausch alter Holzverbundfenster oder Kastenfenster gegen moderne Holz- oder Kunststofffender mit Lippendichtungen zwischen Blend- und Flügelrahmen).
    2. Das schnelle Aufheizen von ausgebauten Dachgeschossen im Sommer hatte zum einen mit Fehlender Unterlüftung der Dachhaut zu tun so dass die Hitze der Dachsteine schneller nach innen durchgeschlagen ist und zum anderen hat es auch was mit fehlender Wärmespeichermasse in den Dächern zu tun.

    Wenn Sie Sorge haben, dass ihre Raumluft sich zu schnell mit Wohnfeuchte anreichert oder zu viel CO2 in den dichten Wohnräumen anfällt oder das sich aus dem Inventar zu viele VOC in die Raumluft begeben, so führt eigentlich kein Weg mehr an einer KWL vorbei. Die gibt es für Allergiker sogar mit Pollenfilter.

    Bitte vergessen Sie den Quatsch mit den "atmenden Wänden". Da hat der alte Pettenkofer mal einen Fehler gemacht und nun hält sich der Quatsch seit Generationen. Das ist so wie mit dem Eisengehalt im Spinat. Auch der ist zu vernachlässigen.
    Das bisl Wasserdampfdiffusion was durch Ihre Wände geht haben sie mit einem einzigen Fenster auf Kipp im nu rausgelüftet!


    Wenn sie in Holz bauen, dann können sie die sommerliche Hitze nachts auch wieder rauslüften, denn es ist ja nicht viel Speichermasse in dem Leichtbau.
    Wenn sie ein massives Haus aus KS-Mauerwerk mit WDVS bauen, dann sollten Sie über eine WP-Heizung mit sommerlicher Kühlfunktion nachdenken.
    Im übrigen ist der Sommerliche Wärmeschutz vor allem bei den heute so modernen großen Fensterflächen ein Problem. Denken Sie da lieber an entsprechende Verschattungsanlagen.
     
    simon84, Jo Bauherr, Nic123 und einer weiteren Person gefällt das.
  5. #5 HansDampf1311, 24.02.2021
    HansDampf1311

    HansDampf1311

    Dabei seit:
    24.02.2021
    Beiträge:
    9
    Zustimmungen:
    2
    Danke für die Klarstellung. Ist wirklich schwer über diese Themen was vernünftiges zu finden. Hersteller und Hausbauer die es benutzen preisen es natürlich an. Also im Endeffekt bleiben dann als Argument for Holz/Celulose die Nachhaltigkeit, für Mineralwolle die besseren Dämmeigenschaften und Brandschutz oder gibts da noch weitere die ich übersehe?

    KWL ist zumindest einer unserer Wünsche.
     
  6. #6 Fabian Weber, 24.02.2021
    Fabian Weber

    Fabian Weber

    Dabei seit:
    03.04.2018
    Beiträge:
    9.752
    Zustimmungen:
    3.183
    Mineralwolle ist aktuell jedenfalls Sondermüll, der sehr teurer deponiert werden muss.

    Auch wenn fast jeder Bauherr denkt, dass er für die Ewigkeit baut, wird die übliche Lebensdauer von Dämmungen mit ca. 30-40Jahren angesetzt.

    Von daher würde ich schon aus ökologischen Gründen zu einem natürlichen Dämmstoff greifen.

    Noch besser ist natürlich auf Dämmung komplett zu verzichten und entsprechend massiv zu bauen, das geht auch Holz, Stichwort CLT.
     
  7. #7 simon84, 24.02.2021
    simon84

    simon84
    Moderator

    Dabei seit:
    11.11.2012
    Beiträge:
    15.235
    Zustimmungen:
    3.196
    Beruf:
    Schrauber
    Ort:
    Muenchen
    das kommt ja auch immer drauf an wie man „raumklima“ definiert

    Wände atmen ganz sicher nicht aber diffusionsfähige Bauweise hat auch Vorteile
     
  8. Skogen

    Skogen

    Dabei seit:
    17.02.2018
    Beiträge:
    1.568
    Zustimmungen:
    731
    Beruf:
    Gast
    Wo habe ich was von atmenden Wänden geschrieben?

    Aber die ganzen Theoretiker hier sollen doch bitte mal bei gleichen Bedingungen in die Häuser gehen. Lüftungsanlage hin oder her. Da werdet Ihr den Unterschied sehen (besser: merken)
     
    simon84 gefällt das.
  9. BaUT

    BaUT

    Dabei seit:
    30.10.2019
    Beiträge:
    2.445
    Zustimmungen:
    1.457
    Beruf:
    Bauingenieur
    Ort:
    Berlin
    Dieses Thema ist leider weniger mit Fakten und sehr stark mit Emotionen aufgeladen.
    Sorry - wollte hier niemanden ärgern oder angreifen.
    Oft wird auch Diffusionsfähigkeit der Außenwände und Sorptionsfähigkeit der der raumseitigen Bauteilschichten bei subjektiven Bewertungen in einen Topf geworfen.
    Hat eigentlich mal jemand ausgerechnet wieviel Gramm Wasser pro Tag durch 1m² einer 38er Vollziegelwand oder eine 30er Hbl-Mauerwerkswand nach draußen diffundieren?

    Finde die Idee von @Fabian Weber auch ganz gut zumindest in den Normalgeschosen ohne WDVS auszukommen und Massivholz oder selbstdämmendes Mauerwerk zu verwenden um Sondermüll zu vermeiden.
    Im Dachgeschoss finde ich Holzweichfaserdämmung vor allem wegen der höheren Feuchtespeicherfähigkeit vorteilhafter als Mineralwolle.
     
    simon84 gefällt das.
  10. #10 simon84, 25.02.2021
    simon84

    simon84
    Moderator

    Dabei seit:
    11.11.2012
    Beiträge:
    15.235
    Zustimmungen:
    3.196
    Beruf:
    Schrauber
    Ort:
    Muenchen
    Das ist mir absolut klar.
    Am besten kann man das über einen Raumtemperatur und rel. LF Verlauf über Zeit bei vergleichbaren Bedingungen zeigen !

    Das kennt doch jeder der schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat.
    Heisse Dusche im Bad des Elternhauses was noch bis zur Decke gefliest ist, was da für eine Dampfsauna entsteht :)

    Das empfundene Raumklima bezieht sich ja auch darauf wie schnell so eine Dampfsauna entsteht und wie schnell man wieder etwas durch die Brille sieht.
    Selbstverständlich diffundiert durch 30er HBL oder 38er VZ auch ordentlich was, das ist überhaupt keine Frage.
    Die Frage ist wie viel da noch diffundiert wenn an bestimmten Bauteilen eine Dampfsperre mit SD > 1000 montiert ist, beispielhaft.
     
  11. #11 klappradl, 25.02.2021
    klappradl

    klappradl

    Dabei seit:
    10.02.2021
    Beiträge:
    191
    Zustimmungen:
    49
    Beruf:
    Dipl. Dingens
    Ort:
    Altbiersektor
    Solange Dämmungen in Wänden nicht ohne Dampfsperre dauerhaft überleben hängt das "Raumklima" doch maßgeblich davon ab, was vor der Dampfsperre verbaut ist. Dahinter ist Plasitktüte, egal welches Dämmmaterial noch folgt.
     
    simon84 gefällt das.
  12. BaUT

    BaUT

    Dabei seit:
    30.10.2019
    Beiträge:
    2.445
    Zustimmungen:
    1.457
    Beruf:
    Bauingenieur
    Ort:
    Berlin
    Gibt es dazu auch Zahlen oder nur so ein "Gefühl"?
    Wo bauen wir denn solch dichte Dampfbremsen in Außenwänden und Dachflächen ein?
     
  13. #13 simon84, 25.02.2021
    simon84

    simon84
    Moderator

    Dabei seit:
    11.11.2012
    Beiträge:
    15.235
    Zustimmungen:
    3.196
    Beruf:
    Schrauber
    Ort:
    Muenchen
    Ich sehe schon ich werde hier zwischen die Fronten geworfen :) @BaUT
    Dann mache ich es besser wie Dieter Nuhr schon gesagt hat.
     
  14. #14 BaUT, 25.02.2021
    Zuletzt bearbeitet: 26.02.2021
    BaUT

    BaUT

    Dabei seit:
    30.10.2019
    Beiträge:
    2.445
    Zustimmungen:
    1.457
    Beruf:
    Bauingenieur
    Ort:
    Berlin
    Es ist schon über 20 Jahre her, da hab ich solche Berechnungen mal als Student für meinen alten Chef gemacht. Ich finde sie leider nicht mehr.
    Nur mal so für die Justierung eines Gefühls:
    "In einem normalen Haushalt werden durch Atmung, Transpiration (durch Menschen und Zimmerpflanzen), Kochen usw. ca. 5 bis 10 l Wasser pro Tag als Wasserdampf frei. Davon können nur 1–3 % mittels Wasserdampfdiffusion durch die Wände nach außen abgeführt werden, da alle Baustoffe der Diffusion einen Widerstand entgegensetzen."
    [Quelle: Atmende Wand – Wikipedia.]

    Daraus dürfen wir dann wohl schließen, dass die "restlichen" 97-99% der täglich anfallenden Wohnfeuchte durch Lüftung abgeführt werden müssen. Aus diesem Vergleich dürfte zumindest klar sein, dass Diffusion bei der Abfuhr von Wohnfeuchte eine eher untergeordnete Rolle spielt.

    Die Sache mit den raumhoch gefliesten Bädern hat weniger mit Diffusion zu tun, sondern mit fehlender Sorptionsfähigkeit (Saug- und Speichervermögen) der Wandoberfläche.

    Da sich ein solches Sorptionsverhalten jedoch nur in der raumseitigen Bauteiloberfläche bis zu wenigen Zentimetern Tiefe abspielt, wo Feuchtigkeit aufgesaugt, gespeichert und später wieder an die Raumluft abgegeben wird, macht es für das Raumklima tatsächlich kaum einen Unterschied ob es sich um gemauerte Außenwände oder um eine Holzrahmenbauaußenwand mit Dampfsperre und raumseitiger Beplankung aus Spanplatte und GK handelt. Bei der einen Konstruktion diffundieren 1% bei der anderen Konstruktion 3% der täglichen Feuchte durch. Im Gesamtbild ist das alles unwesentlich.
    Das negative Image der Holztafelbauweise mit "Dampfsperre" (wie sie früher genannt wurde) kommt eher daher, dass in gleicher Zeit ihrer massenhaften Verbreitung auch die Fenstertechnik auf Fenster mit Dichtungen umstellte und man hat versehentlich die Luftdichtheit der neuen Fenster mit der vermeintlich sehr viel höheren Dampfdichtigkeit der Wände in einen Topf geworfen. Erst jetzt begreifen wir: "Es waren nicht die Wände zu dicht, sondern die neuen Fenster!". Die Holzhäuser mit Dampfbremsfolie in den Wänden wurden ganz zu unrecht verteufelt. Gleiches gilt für die Dachgeschossausbauten. Es waren nicht die Folien, die das winterliche Wohnklima in diesen Dachgeschossen schwierig machten sondern die dichten Fenster. Es waren nicht die Folien, die das sommerliche Wohnklima in diesen Dachgeschossen schwierig machten sondern der unzureichende sommerliche Wärmeschutz.
     
    Fabian Weber und simon84 gefällt das.
  15. #15 HansDampf1311, 26.02.2021
    Zuletzt bearbeitet: 26.02.2021
    HansDampf1311

    HansDampf1311

    Dabei seit:
    24.02.2021
    Beiträge:
    9
    Zustimmungen:
    2
    Also zusammenfassend lässt sich sagen, beides ist ok? Mineralwolle dämmt besser bzw. man hat dünnere Wände und Holz-/Celulose ist natürlicher kostet dafür aber mehr?
     
    simon84 und BaUT gefällt das.
Thema: Mineralwolle vs Holz-/Celulosefasern
Besucher kamen mit folgenden Suchen
  1. unterschied mineralwolle zu holzweichfassewr

Die Seite wird geladen...

Mineralwolle vs Holz-/Celulosefasern - Ähnliche Themen

  1. Pultdach/Flachdach mit OSB und Mineralwolle?

    Pultdach/Flachdach mit OSB und Mineralwolle?: Hi zusammen, wir sind im Abschluss des Kauf eines alten Hauses. Der Plan wäre Abriss des DG und Neubau als Holzrahmenbau. Für diesen Neubau des...
  2. Minerallwolle = Mineralwolle?

    Minerallwolle = Mineralwolle?: Hallo zusammen, wir bauen eine Doppelhaushälfte. Da nicht klar war wann das Nachbarhaus gebaut wird, hat unser Bauunternehmen die Seite zum...
  3. Mineralwolle oberhalb der Dachfenster nass

    Mineralwolle oberhalb der Dachfenster nass: Ein Hallo in die Runde! Es gibt ein Rätselraten auf der Baustelle und wir könnten ein paar Mutmaßungen gebrauchen, um weiter zu versuchen, den...
  4. Schallschutz Holzfaser vs. Mineralwolle

    Schallschutz Holzfaser vs. Mineralwolle: Ich bin gerade dabei Holzfaser mit Mineralwolle im Dach zu vergleichen. Eigentlich bin ich von der Holzfaser angetan vor allem aus Wohngesunden...
  5. Haltbarkeit von WDVS (Kork, Holz, Mineralwolle) - lebenslänglich oder auf Bewährung?

    Haltbarkeit von WDVS (Kork, Holz, Mineralwolle) - lebenslänglich oder auf Bewährung?: Liebe Forum-Leser, unsere Architekten wollen KS und WDVS, die GU wollen Poroton mit Steinwolle und wir wollen es einfach nur wissen: Welche...