Potentialausgleich

Diskutiere Potentialausgleich im Elektro 2 Forum im Bereich Haustechnik; Hallo, ich wollte einmal fragen, wie man folgendes Problem lösen kann. In einem Neubau soll sowohl die Netzwerk- als auch die Satverkabelung...

  1. #1 Baumeister70, 17. Dezember 2013
    Baumeister70

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    Hallo,

    ich wollte einmal fragen, wie man folgendes Problem lösen kann.

    In einem Neubau soll sowohl die Netzwerk- als auch die Satverkabelung sternförmig vom HWR aus verlegt werden. In einem 19"-Serverschrank kommen also die Telefonleitung an sowie 5 Koaxleitungen (4xLNB und 1xterrestrisch), von dort aus sternförmig SAT und LAN in alle Zimmer. Der Sat-Multischalter soll mit in den Serverschrank. Der Serverschrank käme dann ja eigentlich direkt an die HPAS.

    Multischalter und Schirm der Koax-Leitungen sollen (müssen?) aber doch schleifenfrei in den Potentialausgleich integriert werden, d.h. von der HPA erst zum Mast der Sat-Schüssel und von dort zum Multischalter.

    Für welche Lösung sollte man sich hier entscheiden?
    Serverschrank schleifenfrei an Antennenmast?
    Serverschrank direkt an HPAS (Antenne ebenso)?
    Oder Serverschrank sowohl an Antennemast als auch an HPAS (und damit doch wieder eine Schleife?)

    Äußerer Blitzschutz ist nicht geplant, Sat-Antenne aber auch nicht so angebracht, dass man auf Erdung verzichten könnte.


    Vielen Dank.
     
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  3. Julius

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    Schrank samt Multischalter direkt an HES.
    Antennenmast NICHT blitzschutzerden, sondern mit isolierter Fangstange versehen.
     
  4. feelfree

    feelfree Gast

    In diesem Thread gibt's ein schönes, erläuterndes Bildchen.
     
  5. #4 Baumeister70, 17. Dezember 2013
    Baumeister70

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    Vielen Dank. Die Grafik hatte ich mir schon angeschaut.
    Wenn solch eine Fangstange angebracht wird muss der Antennenmast aber immer noch am PA angeschlossen werden, oder?
    Aber dann muss der PA der Koaxleitungen vermutlich nicht schleifenfrei sein?

    Wieso ist es nicht möglich, den ganzen Serverschrank schleifenfrei am Antennemast anzuschließen?
     
  6. #5 Baumeister70, 26. Dezember 2013
    Baumeister70

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    Aus Interesse würde ich gerne noch einmal nachfragen:
    1. Warum kann nicht der ganze Serverschrank schleifenfrei über den Mast an den PA angeschlossen werden? Weil die PA-Leitung auf kürzestem Weg zum HPA führen muss?
    2. Und wie kann man das bei einer bestehenden SAT-Anlage ohne Fangstange am besten lösen? Mal angenommen, SAT-Antenne hängt ordnungsgemäß an der HPAS und Multischalter und Koaxschirm ist schleifenfrei daran angeschlossen. Heimnetzwerk (LAN) ist auch am PA angeschlossen (z.B. durch das Patchpanel). Man dürfte dann ja keinen Sat-Receiver am LAN anschließen, weil dann kein schleifenfreier PA mehr gewährleistet wäre, oder?
     
  7. Dipol

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    Nur so ist es nach DIN EN 60728-11 (VDE 0855-1) normkonform, steht aber in derzeit unlösbarem Widerspruch zu den Spezifikationen der KNB und der Telekom.

    Nach aktueller DIN 18015 soll in jeder Wohnung ein zentraler Kommunikationsverteiler installiert werden. Damit steht bei konventioneller Antennendirekterdung dem schleifenfreien PA nunmehr auch noch diese DIN-Norm entgegen.

    In der 6. Ausgabe des Dibkom Kabelnetzhandbuchs (Mitautor der Sekretär des für die EN 60728-11 zuständigen TC 210) ist in Abbildung 4.19 eine Sat.-Antenne mit BK-Einspeisung dargestellt. Die Autoren dieses empfehlenswerten Nachschlagewerks wussten sich nicht anders zu behelfen als den PA am Antennenträger und der HES zu erden, so wie dies bei Direkterdung an ein LPS nach beiden relevanten Normen vorgeschrieben ist. Nach Blitzschutznorm DIN EN 62305 (VDE 0185-305) wird dann aber auch vorgeschrieben, dass die Teilblitzströme auf den Kabeln und Endgeräten durch ÜSE "beherrscht" werden müssen, in der DIN EN 60728-11 (VDE 0855-1) ist diese sinnvolle Forderung nicht enthalten. Das ist leider nicht die einzige Diskrepanz zwischen diesen beiden Normen.

    Dieses Problem wurde in der Sitzung am 01.10.2013 der für die VDE 0855-1 zuständigen nationalen DKE Kommission 735 diskutiert. Eine normkonforme Lösung ist aber kurzfristig nicht möglich, da nationale Normen europäisch oder international harmonisierten Normen nicht widersprechen dürfen.

    Wenn ein Isolierter Blitzschutz nicht möglich oder gewollt ist, sollte man m. E. auch bei konventioneller Antennendirekterdung an Gebäuden ohne Blitzschutzanlage die Antennenkabel nicht nur nach dem Gebäudeeintritt in den ersten PA einbeziehen, sondern wie bei Direkterdung an ein LPS auch energetisch koordinierte SPD 1 Blitzstromableiter als Grobschutz und SPD 2 Überspannungsableiter als Mittelschutz vorsehen.
     
  8. Dipol

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    BS-Erdung-PA [Fo144].jpg BS-Erdung-PA [Fo145].jpg BS-Erdung-PA [Fo146].jpg
     
  9. #8 Baumeister70, 29. Dezember 2013
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    Vielen Dank für die hilfreichen Erläuterungen.
    Bei konventioneller Direkterdung der Sat-Antenne über 16qmm Cu kann mal also den geforderten schleifenfreien PA der Koaxleitungen nicht gewährleisten, sobald diese etwa an einem TV mit LAN-Anschluss gehen, der über das LAN mit der HPAS verbunden ist... Wie Dipol sagte, das führt zu einem unlösbaren Widerspruch. Wie wird in der Praxis damit umgegangen? Nicht jeder lässt ja gleich eine Fangstange am Dach installieren. Auf Einbindung des LANs an den PA verzichten oder Schleife im Koax-PA in Kauf nehmen?
    Danke!
     
  10. Jonny

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    Schleife in kauf nehmen, lässt sich meist nicht verhindern. Google mal nach engmaschigen potentialausgleich. Bei einem TNS Netz und ordentlichen pa, sind schleifen irrelevant.

    Grüsse
    Jonny

    gesendet mit nem alten handy :-)
     
  11. Dipol

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    Ich bin in Neubauten nur noch verblüfft wenn bei Fundament-/Ringerdern, Blitzschutz, Antennenerdung und Potenzialausgleich keine gravierenden Mängel beanstandet werden müssen.

    Bei Bestandsgebäuden wird in der Praxis die Erdung bei Nachrüstungen doch schon im Angebot weggelassen, weil man sonst zu teuer ist und den Auftrag nicht bekommt weil die Kollegen auch nicht erden. Kein Wunder, dass geschätzt 95 % der Antennenanlagen nicht oder normwidrig geerdet oder der PA "vergessen" wurde.

    Ein schleifenfreier PA macht Sinn, weil damit die Auswirkungen induktiver Blitzstromeintragungen gemindert werden. Deswegen ist bei Direkterdungen an Gebäuden mit einer Blitzschutzanlage (= Faradykäfig) auch keine Schleifenfreiheit gefordert.

    Das Ideal der Schleifenfreiheit wird ja schon länger insbesondere durch die Flats der Schutzklasse 1 mit Sat.-Tuner konterkariert. Wer steckt denn bei Gewitter wie Oma und Opa noch den TV aus? Wenn es einmal bis zum letzten Gebirgs-Eli durchgedrungen ist, dass man mit blitzstrombelasteten Erdleitern normkonforme Trennungsabstände einhalten muss und die außen an eine eigene Anschlussfahne ableiten sollte, ist schon wesentlich mehr Sicherheit gewonnen.
     
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  13. feelfree

    feelfree Gast

    Und was ist nun die Antwort auf #8? #9 verstehe ich, bei #10 blicke zumindest ich nicht durch, was DU machen würdest. Oder lehnst Du dann so einen Auftrag ab, weil er nicht normkonform umzusetzen ist?
     
  14. Dipol

    Dipol

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    Eine erdungspflichtige Antenne ohne Erdung erstellen zu sollen wäre ein Grund für eine Auftragsablehnung. Wo ein schleifenfreier PA faktisch nicht möglich ist macht man sich ja auch nicht haftbar.

    1. Dem Kunden den Schutz der Antenne mit einer getrennten Fangeinrichtung durch eine qualifizierte Blitzschutzfachkraft empfehlen
    2. Wird das abgelehnt, darauf hinweisen, dass eine schleifenfreie PA-Ausführung nach DIN EN 60728-11 mit DIN 18015 und den Specs der KNB und Telekom nicht vereinbar ist
    3. Bei Direkterdung an ein LPS gemäß Blitzschutznorm DIN EN 62305 (VDE 0185-305) energetisch koordinierte ÜSE (KAZ 12 nach dem Eingangs-PA und KAZ 11 vor dem Kommunikationsverteiler einbauen
    4. Dies auch bei konventioneller Antennendirekterdung auf Gebäuden ohne LPS dringend empfehlen
    5. Mit den Antennenkabeln zum Kommunikationsverteiler einen PA-Leiter verlegen und am Antennenträger und der HES erden
    Zu 1: Da es keinen Ausbildungsberuf Blitzschutzbauer gibt, sind qualifizierte Blitzschutzfachkräfte gemäß Normdefinition, welche z. B. die Formel für den Trennungsabstand auswendig kennen, noch rarer als EFK mit einem VDE-Auswahlabo.
    Zu 3: In den DEHN-Publikationen ist der SPD 2 Überspannungsableiter als Mittelschutz zumeist nach dem Multischalter dargestellt. Ich halte auch ohne Kommunikationsverteiler eine Anbringung davor für sinnvoller, so wie es auch in den Bedienungsanleitungen von KATHREIN dargestellt wird.

    Wer Antennen installiert sollte sich unbedingt die preiswerten Dibkom-Bücher zulegen.

    Dibkom-Fachliteratur[1Fo_rmm].jpg

    Nachstehend zur Info die Seiten 110 und 114 des Dibkom-Kabelnetz-Handbuchs bei denen es einigen Korrekturbedarf für die nächste Ausgabe gibt. Die Abbildungen lassen wie auch die Beispielbilder der DIN EN 60728-11 (VDE 0855-1):2011-06 nicht erkennen, dass zur Vermeidung induktiver Blitzstromeintragungen PA-Leiter möglichst abstandslos mit den Antennenkabeln zu verlegen sind. Ein entsprechende Änderung der Norm-Beispielbilder wurde bereits im Oktober in der DKE K735 angeregt und vom Noch-Sekretär des TC 210 auch befürwortet.
     

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