Statik

Diskutiere Statik im Dach Forum im Bereich Neubau; Hallo, ich habe ein Haus in Holzrahmenbauweise gebaut und das Dach ist aus CLT (Cross Laminated Binder - 14cm), Dachausführung Foliendach...

  1. #1 madkatze, 10.02.2022
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    Hallo,
    ich habe ein Haus in Holzrahmenbauweise gebaut und das Dach ist aus CLT (Cross Laminated Binder - 14cm), Dachausführung Foliendach Sarnafil.

    Ich möchte nun eine PV-Anlage am Dach errichten und dabei bin ich auf folgenden Punkt gekommen.

    In der Statikberechnung ist beim Dach eine Schneelast von 2,87 kN/qm eingerechnet. Tatsächlich ist in meiner Gegend mit 2,37 zu rechnen (gemäß Norm), ich vermute dass hier die bauausführende Firma einen Fehler bzw. die falsche Schneelastzone eingerechnet hat.
    Nun meine Frage: wenn ich nun eine PV-Anlage errichte, kann ich die 0,5 kN/qm als "Reserve" für die PV betrachten oder kann man das so nicht sehen?
    Es wäre super wenn mir hier jemand einen Expertenrat geben könnte.

    Danke vorab und beste Grüße
     
  2. #2 ApfelJohn, 10.02.2022
    Zuletzt bearbeitet: 10.02.2022
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    Grüße,

    angenommen deine Annahmen sind richtig kannst du alles was zu viel angesetzt wurde auch ausnutzen (+ etwas mehr da die Platten ja nie auf 100% bemessen werden). Ich wäre aber vorsichtig, das einfach Laienhaft ohne jegliche Vorkenntnisse zu entscheiden.

    Aber jetzt ganz allgemein um dir bei der Auswertung zu helfen:
    - Es gibt eine Bodenschneelast, die je nach Schneezone und Höhenlage mit einer einfachen Formel berechnet wird.
    - Diese Bodenschneelast hat einen Minimalwert, welcher nicht unterschritten werden darf aber nach oben hin offen ist.
    - Die Bodenschneelast wird mit einem Formfaktor für die Dachform multipliziert. Worst Case ist ein Flachdach bis 30° Dachneigung mit µ = 0,80.
    - Es gibt auch Sonderfälle bei denen ein extra sehr hoher Faktor angesetzt wird (am häufigsten ein Höhenversprung an zwei Gebäuden -> abrutschender Schnee)
    - Die Dachschneelast (Bodenschneelast x Formfaktor) ist ein Mindestwert, der vom Planer auch erhöht werden kann, je nach Situation und ermessen.
    - In der Statik wird zwischen charakteristischen Lasten und Design-Lasten (mit Teilsicherheitsbeiwerten) unterschieden. Das ist zwingend zu berücksichtigen bei deiner Betrachtung.
    - beschwerte PV-Anlagen auf Flachdächern sind meist viel schwerer als 50kg/m²
    - Falls du eine zusätzliche Belastung auf das Dach aufbringt, solltest du darauf achten, dass die Felder wie in der Statik belastet werden.
     
  3. #3 madkatze, 10.02.2022
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    Hallo und Danke für die ausführliche Auskunft.

    Ich bin sehr sehr vorsichtig und möchte auf keinen Fall etwas überstrapazieren, daher auch meine Frage. Ich möchte nur nicht die ganze Statik für das Haus nochmals neu rechnen lassen, da ansonsten die PV niemals amortisiert wird ....

    Meine Dachneigung ist 2 Grad und meine Seehöhe ist ca. 800 Meter, Schneelastzone wäre gemäß Norm Stufe 2.
    Beim Befestigungssystem das ich nutzen möchte (aerocompact), komme ich inkl. Module auf ca. 15 kg/qm. Damit hätte ich dann eigentlich kein Problem, oder übersehe ich hier etwas?

    Vielen Dank nochmals für die Rückmeldung!
     
  4. #4 ApfelJohn, 11.02.2022
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    Bei einer Höhe von 800m ü. NN musst du in der Schneelastzone 2 eine Last von 3,17kN/m² ansetzen (angenommen keine Bemessungssituation mit erhöhtem Schnee)

    mal Formbeiwert für Flachdächer 0,80 x 3,17kN/m² = 2,54kN/m² reiner Schnee.

    Wenn die PV-Module ohne Beschwerung montiert werden kannst du die 15kg/m² ansetzen ansonsten kommt Beschwerung oben drauf bei der Last - kenne das System nicht im Detail.
     
  5. #5 madkatze, 11.02.2022
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    Hallo und Danke für die Info.

    Dh ich vergleiche die 2,54 mit den 2,87 und habe somit 33 kg/qm Reserve (da mein Statiker/Zimmerer 2,87 angesetzt hat) die ich für meine PV nutzen kann?

    PS: ich komme aus Österreich und nehme an, dass hier die Werte in Zone 2 nicht von jenen abweichen in DE?
     
  6. #6 ApfelJohn, 11.02.2022
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    Die Schneelastzonen sind meines Wissens nicht gleich. Laut Bemessungssoftware kommt eine Bodenschneelast von 2,85kN/m² heraus für Schneelastzone 2 und 800m Seehöhe. Ich kann diese Zahl nicht interpretieren, da ich nicht weiß mit welcher Formel bzw. wie genau die österreichische Schneelast berechnet wird. Diese 2,85kN/m² kommen den 2,87kN/m² deines Statikers aber sehr nahe - ich denke also nicht, dass bei der Bemessung ein Fehler passiert ist.

    Grundsätzlich ist es aber möglich, nachträglich etwas mehr Last aufzubringen, das wie gesagt die Tragkonstruktionen nie auf 100% ausgelutscht werden. Wir auf Arbeit haben ständig Bestandsdächer von Stahlhallen und Wohnhäusern bei denen der Bauherr nachträglich eine PV-Anlage aufs Dach will, die aber beim Erbau nie in Absicht war.

    Das lässt sich dann aber nicht mehr pauschal sagen und muss im Detail von Projekt zu Projekt am Bauvorhaben selbst betrachtet werden.
     
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