Traufanschluss unbeheizter Dachraum – Übergang Außenwand-Steildach

Diskutiere Traufanschluss unbeheizter Dachraum – Übergang Außenwand-Steildach im Dach Forum im Bereich Neubau; Hallo liebe Forengemeinde, mir geht es heute um das Thema Windichtheit im Zusammenhang mit der Ausbildung der Traufe. Wir haben ein anno 2020...

  1. #1 Taunus08, 04.11.2022
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    Hallo liebe Forengemeinde,

    mir geht es heute um das Thema Windichtheit im Zusammenhang mit der Ausbildung der Traufe.

    Wir haben ein anno 2020 neu gebautes EFH nach EnEV 2016. Dieses verfügt über ein (noch) nicht ausgebautes und daher unbeheiztes Steildach (35°).

    An den Traufseiten gibt es aufgrund eines extrem geringen Dachüberstandes eine senkrecht stehende Verkleidung aus HPL. Zwischen dieser Platte und der Klinker-Außenwand klafft ein Luftspalt von 10 mm entlang der kompletten Traufseite, die gut 11 m misst - auf beiden Seiten des Hauses. Das Haus selbst steht in einer windstarken Lage.

    Zum einen fliegen durch diesen Spalt Insekten ein, zum anderen wird der Dachraum dadurch „zwangsbelüftet“; im First gibt es keine Entlüftungsöffnungen. Dazu kommt, dass der Luftraum zwischen Vormauerschale (Klinker) und mit Mineralwolle gedämmter Innenwand (Ytong) zum Dachraum hin oben offen ist. Geplant war die Herstellung eines unbelüfteten Daches als Ausbaureserve. Die Decke unterhalb ist eine gedämmte Kehlbalkenlage.

    Meine Erwartung war, dass die HPL-Blende auf den Klinker gezogen wird und verbleibende Spalte mit Kompriband o.ä. verschlossen. Dazu, dass es eine Abdeckung über dem hinterlüfteten Mauerwerk gibt, z.B. erstellt mit einem separaten an die Unterspannbahn angeschlossenen Stück Dachbahn.

    Die Baufirma bzw. deren Dachdecker sehen ihren Job als erledigt an, da es grundsätzlich keinen Anspruch auf ein winddichtes Dach gäbe. Vielmehr müssten wir von der Warmseite her (nach Dämmung) die Luftdichtheit mittels Dampfbremse / Folie herstellen.

    Der letzte Punkt ist ja OK im Zuge des Innenausbaus, allerding wollten wir dessen Zeitpunkt selbst bestimmen. Dazu kommt, dass wir ohne die Winddichtheit von der Kaltseite her nicht einfach mit einer Zwischensparrendämmung starten können, da wir mit Konvektion durch die offene Anschlussfuge in die Dämmung hinein rechnen müssen – so sieht es auch der Dachdecker.

    Ist (unter Berücksichtigung der EnEV) diese Anschlussfuge, die ja ungeschützt ist vor Windströmung, zulässig, weil der Dachraum dahinter unbeheizt ist? Falls ja, liegt es darin begründet, dass man eine Systemgrenze oberhalb der gedämmten Kehlbalkenlage zieht?

    Gesetzt den Fall, dass ja, hätte ich trotzdem Bedenken, ob nicht eine Wärmebrücke zwischen Dachraum einerseits und Luftschicht zwischen Vormauerschale und Innenwand andererseits besteht; dies hätte einen nicht berücksichtigten Wärmeverlust durch die Luftströmung im Dachgeschoß zum Ergebnis. Im Wärmeschutznachweis finde ich diesbezüglich keine Anhaltspunkte. Insgesamt scheint das Thema der Traufausbildung und geeigneter Anschlüsse viel diskutiert und komplexer als erwartet, insgesamt aber auch alles andere als eindeutig geregelt. Wenn es keinen baurechtlichen Anspruch auf ein winddichtes Dach gibt, haben Baufirmen/Dachdecker viel Spielraum, was sie einem Bauherren übergeben können. Ich sitze jetzt vor einem Kostenvoranschlag von gut 15k EUR, der rein gar nichts mit dem Ausbau (Dämmung-Folie-Gipskarton) zu tun hat. Wow.

    Anbei ein paar Bilder zum jetzigen Stand.

    IMG_20211213_095428.jpg IMG_20211213_095603.jpg IMG_20211213_100845.jpg IMG_20210614_180938.jpg IMG_20211213_095647.jpg
     
  2. #2 Taunus08, 05.12.2022
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    Hallo Zusammen,

    ich bin einigermaßen überrascht, dass das Thema eher ein Exot zu sein scheint. Vielleicht, weil die wenigsten ihren Dachraum nicht direkt ausbauen, wer weiß.
    Oder ich habe den Betreff falsch gewählt. Jedenfalls habe ich erneut recherchiert und mir dazu auch die DIN 4108-7 herangezogen. Meine Interpretation ist nun folgende:

    Die Winddichtheit ist (im Ggs. zur Luftdichtheit) nicht normativ geregelt. Zur Abgrenzung: Wir sprechen hier von Außenluft, die von der Kaltseite der Gebäudehülle in den Dachraum strömt. aximal handelt es also um eine anerkannte Regel der Technik offene Fugen am Bauteilübergang Dach/Wand zu schließen - eher um ein Gebot diese zu vermeiden bzw. zu begrenzen.

    Bedeutet im Umkehrschluss: Fängt man nun mit der Dämmung an, kann mann in den Gefachen oberhalb der Fugen direkt mit Dämmstoff beginnen und im Anschluss von der Warmseite (Raumseite) aus die sog. Luftdichtheitsschicht mittels Dampfbremsfolie erstellen. Auf der Außenseite der Dämmung wäre durch die Fugen anströmende Kaltluft dann nicht relevant.

    Eine Einschätzung, die voraussetzt, dass der Dämmstoff die anströmende Kaltluft nicht oder nur sehr begrenzt weitertransportiert (Schwere bzw. Dichte des Materials), es also zu keiner messbaren Beeinträchtigung der Dämmwirkung im Bereich der Traufe kommt; das Gleiche gilt für die Aufnahme und den Weitertransport von Feuchtigkeit (bei starkem Wind und Nieselregen, z.B.).

    Wenn man das so stehenlassen kann, hätte der Dachdecker zumindest die Pflicht geschafft (i.S.v. offene Fugen lokal begrenzt, Anschluss nicht gänzlich ungeschützt) und mann müsste keine weiteren Maßnahmen vor Beginn der Zwischensparren-Dämmung treffen. Bedeutet, keine weitere Abdichtung der offenen Fugen, auch wenn es nicht schädlich wäre. Würde jemand dem begründet widersprechen wollen?
     
  3. #3 Dachaffe1411, 07.12.2022
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    Moin Erstmal. Ich habe jetzt keine Zeit die Fachregeln durch zu gehen aber wir haben schon diverse Neubauten mit Ähnlicher Traufe ausgeführt. Wir führen das meist wie folgt aus.

    Hohlschichtdämmung wird von unseren BU im Winkel unter die USB geschnitten.
    Osb Schrauben wir vor Sparrenköpfe oder Knackstücke mit min 1cm Luft zum Verblender. (Entweder oben drauf oder Hängt tiefer als Mauerwerk. Optiksache)
    Jemachdem wie grade Gemauert wurde natürlich. Zwischen Osb und Mauerwerk machen wir immer Kompriband und unten an der Schnittkante wird die USB (vor Osb Stirn) an den Verblender mit Klebeband (Schwarz) an Verblender geklebt, wegen Insekten und dann kommt Alublechwinkel so nah es geht an Verblender.
    Dann die HPL-Platten davor die 1-3cm tiefer hängt als Aluwinkel (Tropfkante)

    Bei manchen Bauten wird Lochblech genommen wg Hinterlüftung das kommt aber drauf an was für eine Fassade vorhanden ist. Bei Verbleder Mauerwerk meist nicht.

    In deinem Fall ist es natürlich ziemlich schlecht ausgeführt da die Dämmung, ob Hohlschicht oder Klemmfilz über den 10mm Spalt Optimale Bedingungen für Insekten sind. Über Luftzug würde ich mir keine Gedanken machen da du ca 16-20cm Hohlschichtdämmung (Geschätzt laut Bild) bis unter USB und nochmal 16cm Klemmfilz auf die Fußfette bekommst. (32-
    0. 36cm Dämmpaket bis Dampfbremse)
    Außerdem ist in der Hohlschicht ja auch Luftdurchzug.

    Bedenke beim Innenausbau das die Dampfbremse auch den Spalt zwischen Ringanker und Fußfette andichtet.

    Hoffe konnte dir ein wenig Helfen. Lg
     
  4. BaUT

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  5. #5 chillig80, 07.12.2022
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    Die schulden halt keine "Ausbaureserve" für nachträgliche Veränderungen der therm. Hülle, sowas müsste man explizit vereinbaren... Die winddichte Ebene folgt ganz regelmäßig der therm. Hülle (innenseitig der Dämmung) und wenn das Dach "kalt" ist, dann muss es erstmal nicht winddicht sein.

    Wie auch immer, der "Schlitz" da bekommt man evtl. auch gut von innen her zu, viel mehr als sauber eingepasste "Dachlatten" und etwas Mörtel auf dem Mauerwerk braucht es da mE erstmal nicht. 100% winddicht muss das übrigens nicht sein.

    Was in dem Kosrtenvoranschlag von 15k alles drin steckt weiß man auch nicht so genau, du teilst es jedenfalls nicht mit. Gartenbau und Fliesenleger?
     
  6. #6 Taunus08, 07.12.2022
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    @chillig80: Ich versuche das selbst noch zu ergründen; auf jeden Fall eine Menge "Rüstkosten"...so ziemlich die Hälfte entfällt auf Gerüstbau und das Zurückbauen der Dachkante, also Regenrinne, aktuelle HPL Verkleidung et cetera. Muss ja hinterher auch alles wieder in den Ursprungszustand. Leider habe ich (noch) kein klares Bild, wie das Gefach hinterher aussehen soll. In jedem Fall wird hier anscheinend flexibel mit einer speziellen Bahn abgedichtet, dazu gesellen sich Lüftungsöffnungen im Firstbereich und Dämmung bis OK Fußpfette. Ich unterstelle, das Ganze folgt zumindest einem Plan und ist im Ergebnis sauber. Mit Gartenbau und Fliesen hatte ich fast keine Themen, das war eine willkommene Abwechslung zum Restprogramm.

    @Dachaffe1411: Hat mir sehr geholfen, weil konkretes Beispiel einer Ausführung. Leider wird das mit dem Kompriband im jetzigen Zustand schwer, zumal auch nur von innen zugänglich, wenn man keinen großen Aufwand betreiben will. Und "nur" Butylkautschukband zum Abkleben von innen, da tue ich mich gedanklich noch schwer. Ich dachte jetzt an eine Lösung, die beides vereint: Es gibt flexible, nur schwach expandierende PU Schäume, also kleben und dichten in einem. Bei der geringen Spaltbreite sicher machbar, zumal die OSB tatsächlich etwas tiefer hängt als das Mauerwerk. Es gibt da von einem namhaften belgischen Hersteller einen "flexible foam" (1K-PU), der sich auch bei tiefen Temperaturen noch verarbeiten lässt. Vielleicht hat jemand Erfahrung damit im Bereich Dach, oder mit einem vgl. Produkt.

    Insgesamt hat mich verunsichert, dass ich Gutachter hinzugezogen habe (öffentlich bestellt), die eine klare Feststellung dazu hatten, was hier nicht erbracht wurde, Ausbaureserve hin oder her. Also aktueller Status = belüftetes Dach durch die Traufsituation, auch wenn nicht beabsichtigt. Dadurch fehlendes Lüftungsgitter, keine Entlüftung im First, Lüftungsquerschnitte insgesamt nicht ausreichend...deckelt die Themen Insekteneinflug, Be- und Entlüftung, sowie Holzschutz (Kondensatbildung). Wenn ungedämmte Spitzböden zu belüften sind, arbeite ich mit der Abdichtung der Traufseiten schließlich dagegen an. Am Ende wären dann zumindest die Entlüftungsöffnungen im First aus dem Kostenvoranschlag verpflichten, bis der Ausbau die Stufe Dämmung plus Luftdichtheitsfolie innen erreicht hat.
     
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