Versickerung

Diskutiere Versickerung im Tiefbau Forum im Bereich Neubau; Hallo Zusammen! Ich habe eine Frage bzgl. der Versickerung von Regenwasser. Ich weiß dass die Durchlässigkeit von Böden von der Bodenart und...

  1. #1 runningreaper, 2. März 2015
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    Hallo Zusammen!

    Ich habe eine Frage bzgl. der Versickerung von Regenwasser.
    Ich weiß dass die Durchlässigkeit von Böden von der Bodenart und der Korngröße abhängt.
    Ich frage mich jedoch, in welcher Funktion der Abstand zum Grundwasserspiegel eingeht?


    Hintergrund ist die durch starken Regenfälle überflutete Wiese. (Sandboden, immer Sommer sehr ausgetrocknet)

    Ich würde mich sehr über Tipps freuen.

    Gruß
     
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  3. #2 Manfred Abt, 2. März 2015
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    Versickern kann man natürlich nur in freie Poren eines noch nicht gesättigten Bodens.

    Soll heißen: bei Grundwasserstand in Höhe der Grasnarbe kann man nicht versickern.

    Ist aber auch so, dass völlig ausgetrocknete Böden am Anfang das Wasser schwer aufnehmen.
     
  4. #3 runningreaper, 3. März 2015
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    Hallo !

    Danke für die schnelle Antwort!
    Also der Grundwasserstand ist nicht direkt unter der Grasnarbe sondern eher 1m darunter.
    Ich frage mich nur ob es einen Unterschied macht, ob das Wasser bei 1m schlechter versickert als bei 10 m Grundwasserspiegel.
     
  5. #4 Manfred Abt, 3. März 2015
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    kein Unterschied
     
  6. R.B.

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    Manfred, lass mich mal nachhaken, das interessiert mich jetzt auch. Ist es nicht so, dass bei 10m Grundwassertiefe mehr "trockenes" Erdreich zur Verfügung steht das als Puffer genutzt werden kann um Regenwasser aufzunehmen? Gehen wir mal von gleichen Bodenverhältnissen aus, dann steht meine Wiese bei 1m Grundwassertiefe ruckzuck unter Wasser während ich bei 10m Grundwassertiefe eine größere Wassermenge "zwischenspeichern" kann. Oder habe ich da einen Denkfehler?
     
  7. #6 runningreaper, 3. März 2015
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    Danke nochmal!
    Woran könnte das langsame Versickern (1 Woche ohne Regen) des in den leichten Senken befindliche Wasser liegen.
    Etwa an der nicht geschlossenen Grasnarbe und der damit verbundenen "vermatschung" ?
     
  8. #7 Manfred Abt, 3. März 2015
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    Ralf, dann geht es aber nicht um die Frage der besseren oder schlechteren Versickerung denn dann handelt es sich um Grundwasserneubildung ohne seitlichen Abfluss des Grundwassers. Also den Anstieg des Grundwassers und damit Füllung der freien Bodenporen.

    • Jahresniederschlag sagen wir mal 1000 mm, etwas mehr als hier üblich
    • Porenvolumen irgendwo im Bereich 20 %
    • würde bedeuten, dass auf eine Höhe von rd. 5 m die Bodenporen mit Wasser gesättigt würden - wenn nach unten nichts weg könnte und von oben es ein Jahr lang draufregnet.
    • 1 m und ruckzuck wäre dann 2,5 Monate, ist aber unrealistisch denn nach unten geht ja was weg, sonst hätte sich der GW-Stand über Jahrmillionen ja bei GOK eingependelt.

    Irgendwo wird es für die Versickerung natürlich doch einen kleinen Unterschied machen, hängt aber eher mit dem Thema Kapillarität zusammen. Geht in Berechnungen aber nicht ein und dürfte niemals nie reproduzierbar sein.

    Da ist die fehlende Auflockerung des Bodens durch fehlenden Bewuchs eher der beeinflussende Faktor.
     
  9. R.B.

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    An die Situation "ganz ohne Abfluss" hatte ich jetzt nicht gedacht, mir ging eher durch den Kopf, wenn das Grundwasser nicht so schnell das Wasser abtransportieren kann wie es durch ein (Stark)regenereigniss auf den Boden gebracht wird. Deswegen hatte ich auch den Begriff "Puffer" genutzt. Man könnte auch sagen, der Grundwasserspiegel steigt kurzzeitig an. Bei 10m Grundwasserspiegel trocknet die Oberfläche sofort wieder ab, der Abtransport des Wassers geschieht in x Metern Tiefe. Bei 1m Grundwasserspiegel steht die Wiese dann tagelang/wochenlang unter Wasser.

     
  10. #9 Manfred Abt, 3. März 2015
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    bei einem Starkregenereignis sprechen wir Mengen im Bereich zwischen 20 und 50 mm Wasser. Bei angenommenen 20 % Porenvolumen steigt der GW-Spiegel also um max. 250 mm an. Aber wohlgemerkt nur dann, wenn seitlich nichts wegläuft.
     
  11. R.B.

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    OK. Wieder was dazu gelernt. ;)

    Ich muss wohl doch noch einmal das Gespräch mit unserer Gemeindeverwaltung suchen, die sich zu meiner Anfrage wegen Regenwasserversickerung weiterhin bedeckt halten. Ist irgendwie auch logisch, denn bei 1.000m2 versiegelter Fläche ist das leicht verdientes Geld. Irgendwann reißt mir aber der Geduldsfaden, dann versickere ich einfach und werde die Zahlung der Niederschlagswassergebühr einstellen. Vielleicht rühren die sich dann.
     
  12. #11 Manfred Abt, 3. März 2015
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    vielleicht noch ergänzend die Info, war hier nicht relevant:

    Genehmigungsfähigkeit für Versickerungsanlagen oft nur bei Abstand zwischen Sickerebene und GW-Spiegel von mehr als einem Meter
     
  13. #12 runningreaper, 4. März 2015
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    Schönen Dank nochmal an alle!

    Ich habe jetzt gelernt, dass die Überschwemmung in den Senken nicht vom Grundwasserstand, sondern von der "Schadverdichtung" aufgrund fehlenden Bewuchses herrührt.
    Noch eine Frage: Was genau geschieht bei der Schadverdichtung und wie kann man sie vermeiden? Belastung unter nassen Bedingungen?

    Gruß
     
  14. #13 Manfred Abt, 4. März 2015
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    na ja, im Eingangsthread stand Sandboden, im Beitrag 6 dann "Vermatschung"

    Sandboden ist eigentlich schon gut durchlässig und hat auch einen hohen nutzbaren Porenraum, problematisch sind Ansammlungen von Feinanteilen, die die Poren verstopfen.

    Die Durchwurzelung einer Grasnarbe sorgt kontinuierlich für eine Auflockerung des Bodens und damit vorhandene Wasserwege.
    Wenn der Grundwasserstand also wirklich nicht in Höhe oder Nähe der Grasnarbe liegt dann sollte es eigentlich kein Problem sein, dass ein Sandboden mit Grasbewuchs dass sich in den Senken ansammelnde Wasser nach unten ableitet.

    Viehtritt ist hier aber kein Thema, oder? Oder andere Arten der mechanischen Belastung der Grasnarbe.

    Die Gräser sollten natürlich auf die örtlichen Verhältnisse angepasst sein und eine Chance zum Aufwuchs bekommen. Über längere Zeit setzten sich eh nur die Gräser durch, die zum Standort passen.
     
  15. papeFT

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    Darf ich mich mit einer Frage zum Thema anhängen? Unser uralt (WK II Behelfsheim) Gartenhaus mit 40 m² Dachfläche ist nirgends angeschlossen. Bisher läuft das Wasser im Winter ziemlich nahe des Hauses weg. Das möchten wir mit einer 5m entfernteren Versickerungsstelle ändern. Welche Dimension müsste so ein Versickerungsmodul haben? Oder Loch in die Erde, Wackersteine rein, zugebuddelt, fertig? Danke für Anregungen.
    Helmut
     
  16. R.B.

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    Man könnte jetzt sicherlich das komplette Programm fahren, da gibt es ein tolles Arbeitsblatt, Formeln, alles was das Herz begehrt, aber wegen der paar m2 würde ich den Aufwand so gering wie nur möglich halten.

    Im Prinzip brauchst Du vorab nur 2 Infos, die Versickerungsfähigkeit des Bodens und Angaben zum Regenereignis (Regenspende, regional unterschiedlich). Die Versickerungsfähigkeit kann man überschlägig auch durch einen Eigenversuch bestimmen (Loch in Boden, wässern, dann nach 1h mit Wasser füllen und Wasserstand nach 30 Minuten oder 60 Minuten bestimmen, oder alle 15 Minuten ablesen und Mittelwert bilden).

    Mit diesen Angaben kannst Du dann Dein "Versickerungsloch" bestimmen. Das kann auch eine einfache Mulde sein, denn die Wassermenge die von den 40m2 kommen kann, ist doch recht überschaubar (siehe Beitrag von Manfred in #9). Die könnte man ja fast schon in ein paar Eimern aufsammeln und später damit die Blumen gießen. ;)
     
  17. #16 Manfred Abt, 5. März 2015
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    Loch, Wackersteine, zubuddeln -> gibt leider keine Versickerungsanlage sondern nur Boden mit wahrscheinlich kaum veränderten Versickerungseigenschaften.
    dann eher Loch, Teilverfüllung mit Kies oder Schotter, Feinkiesschicht, Grobsandschicht, MuBo, Raseneinsaat, fertig

    Formal stellt das eine Einleitung in das Grundwasser dar, für das man eine Erlaubnis benötigt.
    Versickerung über bewachsene Bodenzone ist aber oftmals von Erlaubnispflicht befreit.
    Kurze Nachfrage bei Unteren Wasserbehörde klärt auf.
     
  18. papeFT

    papeFT

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    Danke für die Informationen! Ich werde das Winterwasser den verschiedensten Bäumen zukommen lassen, auf keinen Fall dem Grundwasser.
    R.B. danke für die Anregung - 30mm Regen sind 1200 Liter = 120 Eimer - ist mir etwas zu viel bei unter 10°Plus.:yikes
     
  19. peterk61

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    Bemessungsregen mit 25 mm Niederschlag in 15 min ergibt bei 40 m² Fläche ein Volumen von 1.000 l = 1 m³. Da brauchst Du 200 Eimer à 5 l.

    Manfred Abt hat die Grundwassererhöhung ohne Berücksichtigung der Fläche berechnet. Wenn aber das Niederschlagswasser einer großen Fläche gesammelt wird und auf einer kleineren Fläche (Versickerungsmulde oder ähnliches) versickert wird, kann es zu deutlichen Grundwasserspiegelanstiegen in kurzer Zeit kommen.

    Beispiel: Hausdach mit 100 m² Fläche bei 25 mm Niederschlag = 25 m³. Versickert auf wird z. B. auf einer Fläche von 10 m²; ergibt ohne Berücksichtigung des seitlichen Abflusses, der gewiss eine Rolle spielt, einen Grundwasserspiegelanstieg von 2,5 m.

    Laut DWA 138 Arbeitsblatt muss die Sohle der Versickerungsanlage 1 m über dem mittleren Grundwasserspiegel liegen. Um Wasserschäden an Gebäuden zu vermeiden sollte die Niederschlagswasserversickerung immer möglichst weit entfernt vom Haus geplant werden.


    @PapaFT: Wenn das Wasser bisher versickert ist, sollte es auch 5 m vom Haus entfernt versickern. Hängt aber entscheidend von der Durchlässigkeit des Untergrundes ab. Die kann aber mit dem von R.B. genannten Verfahren bestimmt werden. Wie groß die Versickerungsmulde sein muss weißt Du aber immer noch nicht wie groß die Versickerungsmulde sein muss.
     
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  21. #19 Manfred Abt, 6. März 2015
    Manfred Abt

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    Danke für die Ergänzungen, alles korrekt. Das Thema hat sich halt entwickelt.

    Für später nachlesende noch folgende Hilfen zur Einschätzung der Aussagen:

    • Im Eingangsbeitrag ging es eigentlich nur um eine Wiese
    • nach Beitrag #6 wussten wir dann, dass es beim TE um eine eine "leichte Senke" ging, da kommt die Abflusskonzentration seitlich angrenzender Flächen natürlich dazu
    • Themen mit R.B. waren eher theoretischer Natur
    • und über eine Versickerungsanlage, wo bewusst Wasser von befestigten Flächen an anderer Stelle gezielt versickert werden soll sprechen wir erst seitdem papeFT dabei ist
     
  22. RMartin

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    Hier ist aber Faktor 10 enthalten?!
    100 m² x 0,025 m = 2,5 m³. Dies dann auf 10m² verteilt ergibt eine Höhe von 0,25 m.
     
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