viskoser Beton? - Polcevera-Viadukt in Genua

Diskutiere viskoser Beton? - Polcevera-Viadukt in Genua im Beton- und Stahlbetonarbeiten Forum im Bereich Neubau; Nach dem traurigen Brückeneinsturz in Genua mehren sich die Stimmen, dass die Brücke in der Fachwelt schon vorher als schwierig bekannt war. Eine...

  1. #1 capslock, 15.08.2018
    Zuletzt bearbeitet: 15.08.2018
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    Nach dem traurigen Brückeneinsturz in Genua mehren sich die Stimmen, dass die Brücke in der Fachwelt schon vorher als schwierig bekannt war.

    Eine Sache, die mich wundert, ist das der Spannbeton wohl über fast 20 Jahre lang gearbeitet hat / viskos war. Aus der englischen Wikipedia:
    The bridge has been subject to almost continual restoration work since the 1970s due to an incorrect assessment of the effects of viscosity of the concrete in the bridge's design. This oversight resulted in excessive deferred displacement of the vehicle deck[3] so that it was neither level nor horizontal; at the worst points, it undulated in all three dimensions. Only after continual measurement, redesign, and associated structural works was the vehicle deck considered acceptable, approaching horizontal by the mid-1980s.

    Ist denn Beton unter Druckbelastung nach dem initialen Schrumpf noch nennenswert plastisch? Oder ist das einfach eine schlechte Übersetzung des italienischen Artikels?

    Anderswo habe ich gelesen, dass die Schrägseile (Schrägbalken?) aus leicht vorgespannten Spannbeton bestehen sollen. Das mit dem Beton soll wohl ursprünglich als Korrosionsschutz gedacht gewesen sein. Aber warum sollte man überhaupt vorspannen? Die Druckfestigkeit des Betons hilft einem hier überhaupt nicht weiter bzw. nur gegen Oszillationen unter Windlast. (edit: laut deutscher Wikipedia wurde es tatsächlich gegen Windschwingungen gemacht) Dafür geht die Vorspannung von der Traglast der Stahlseile ab. Wenn ich mir es recht überlege, müssen die Schrägseile ja sogar fast die doppelte Spannung aufnehmen, damit nach Anhängen der Traglast noch eine leichte Vorspannung auf den Beton übrig bleibt.

    Zuletzt: vier Strägseile an jedem Pylon scheinen die Spezialität dieses Architekten gewesen zu sein. Hat das überhaupt andere als ästhetische Vorteile?
     
  2. #2 Fred Astair, 15.08.2018
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    Wieso? Ästhetik ist doch die Hauptbeschäftigung vieler Stararchitekten.
    Ich erinnere nur an den gescheiterten Versuch von Gerkan, im BER die Rauchgase nach unten abziehen zu lassen.
     
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  3. am1003

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    Physik wird doch völlig überbewertet.:mega_lol:
     
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  4. #4 plattypus, 15.08.2018
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    Moin,

    aus Unfallberichten in den Medien habe ich erfahren, daß wohl nicht die Pylonen und auch nicht die Schrägseile ursächlich für den Unfall waren. Es war das Fahrbahndeck selber.

    --> https://imgs.solidbau.at/m/15382_1_800-0-1.85_.jpg

    Da ist das Fahrbahnelement, das sich da zwischen den Schrägseilen der beiden Pylonen befindet, hat wohl zuerst nachgegeben und ist heruntergefallen. Durch die Schieflast hat dann der eine Pylon seitlich Übergewicht bekommen und ist umgekippt.

    Aber generell habt Ihr schon Recht. Ich kenne Hänge- und Schrägseilbrücken als äußerst widerstandsfähig gegen Schieflasten, Erdbeben etc., eben weil sie so elastisch reagieren können. Da wundert es mich auch, daß gleich ein ganzer Pylon wegkippt. Aber allein wenn ich diese dreieckigen Stützen sehe, kleines Fundament unten und dann gehen die Stützen schräg weg. Also getreu dem Motto: "Material sparen" haben die damals auch nicht konstruiert.
     
  5. SIL

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    Der Begriff des '"Spannbeton' erfährt doch immer neue Zuweisungen, @plattypus kaputt bekommt man alles :D, das ist ein sehr bedaulicher und mit menschlichen Verlust zu beklagender Vorgang, wobei ich schon eher jetzt in der Erwartung bin das eine abschließende Klärung in definitiver Form wohl eher nicht zu erwarten ist, wie bei allen Unglücken in dieser Art, man denke nur an 'Deutschlands schnellsten und teuersten Brückenabriss' "etc, durch die Vielzahl der Faktoren die jeweils einen Einfluss gespielt haben und eine singuläre Zuweisung nicht in Betracht kommt.
     
  6. #6 capslock, 16.08.2018
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    Hmm, habe ich noch nicht gefunden, diese Aussage, und kann sie an dem Bild der mutmaßlich noch intakten Fahrbahn nicht nachvollziehen.

    Andererseits passt es zu dem Interview von 2016 mit dem Professor aus Genua, in dem davon die Rede war, dass die Fahrbahn bis in die 80er sich immer wieder in alle Richtungen verbog. Wie hat man das denn überhaupt korrigiert? Mehrere Seile pro Seite zum Justieren gab es ja nicht. Einfach Fahrbahn abgeklopft und mit Ausgleichmasse gearbeitet?
     
  7. #7 capslock, 16.08.2018
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    Könnte man anhand eines schlechten Handyvideos überhaupt unterscheiden, ob das Fahrbahnelement selbst nachgegeben hat oder ob das Schrägseil ein paar 10 cm nachgegeben hat, wodurch die eingehängte Fahrbahn abgerutscht ist?
     
  8. #8 capslock, 16.08.2018
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  9. #9 capslock, 16.08.2018
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    Und genau dieser Professor lobt den Stuttgarter Leonhardt als besseren Pionier des Spannbetonbaus. Dann gibt es noch einen Philipp Schreck, der recht drastisch gegen den deutschen Sonderweg des Brückenbaus wettert:
    Straßenbau: Schreck schreckt die Bauindustrie
    Gesellschaft für außergewöhnliche Ideen

    Edit: laut dem Artikel ist das Problem 2015 virulent, und ausgerechnet Schreck, der rissfreie Brücken durch Einbeziehung der Thermallasten beim Abbinden propagiert und gegen die dicken Träger des Taktschiebeverfahrens gewettert hat, scheint besonders sanierungsbedürftige schlanke Brücken gebaut zu haben:
    Deutschland hat Brückenschmerzen

    Warum stellt sich die Situation der deutschen Autobahnbrücken heute nicht mehr ganz so schlimm dar wie noch in den 90ern? Greifen die neu entwickelten Sanierungsmaßnahmen?
     
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    Nein, auch wenn das glaubhaft versichert wird, ist dem leider nicht so, ich kenne keine Brücke oder Zufahrt oder Überflieger/Zubringer bei dem nicht bereits bevor der eigentlichen Befahrung, schon Ergänzung oder Sanierung vorgenommen werden muss, aktuell gibt es da eine wo noch nie ein Fahrzeug gefahren ist, als Zubringer die bereits jetzt partiell Rißbreiten über die Zulässigkeit hat, das selbe gilt übrigens auch für Fahrbahnen ob Bundesstraße oder Autobahn.
     
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