Was ist von Infrarotheizmatten zu halten?

Diskutiere Was ist von Infrarotheizmatten zu halten? im Sanierung konkret Forum im Bereich Altbau; Hallo zusammen, wir haben ein altes Fachwerkhaus, 17.-18. Jhd., teilweise verputzt. Geheizt wird aktuell mit einem Pelletofen im Wohnzimmer....

  1. artibi

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    Hallo zusammen,

    wir haben ein altes Fachwerkhaus, 17.-18. Jhd., teilweise verputzt. Geheizt wird aktuell mit einem Pelletofen im Wohnzimmer. Nächstes Jahr kommt eine neue Küche und nun überlegen wir, ob wir dort nicht eine Infrarot-FBH installieren. Da wir keine Kernsanierung planen ist die Installation einer Zentralheizung mit WP o.ä. eher unrealistisch. Unterstützend kommt eine 30 KwP-Anlage auf das Nebengebäude. Macht das Sinn oder kann man die Matten vergessen? Problem ist auch, dass wir nur eine seh geringe Aufbauhöhe zur Verfügung haben.

    Gruß Sebastian
     
  2. #2 Deliverer, 23.09.2022
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    Naja, das funktioniert schon. Braucht aber halt viermal mehr Strom, als die Wärmepumpe. Die 30 kWp wären übrigens selbst für die WP zu klein, daher solltest Du deren Nutzen für die Raumheizung nicht überbewerten. (Die PV ist natürlich trotzdem super, nicht falsch verstehen!)

    Edit: Gibt es denn keine bestehende Wasserführende Heizung? Und habt ihr schon an Wand-, Decken- und Dachschrägenheizung gedacht?
     
  3. #3 klappradl, 23.09.2022
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    Eine IR Heizung ist dann sinnvoll, wenn sie nur kurzfristig eingesetzt wird und so ein Wärmegefühl durch Strahlung erzeugt. Wenn man sie laufen lässt, erwärmt sie irgendwann auch den gesamten Raum ist aber dann so teuer wie jede andere Elektroheizung. Ich habe meine Zweifel ob man eine IR Heizung sonnvoll in einen Fußboden einbauen kann, müsste die Strahlung doch durch den Bodenaufbau durchstrahlen. Ich vermute, die kommt nicht weit und erwärmt dann erst mal den Boden, was den beabsichtigten Effekt zunichte macht. Ich habe aber noch keine IR Fußbodenheizung erlebt.
     
  4. #4 Deliverer, 23.09.2022
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    IR ist ja nun auch nichts anders als Heizwendel. Das ist also ne ganz normale Strom-FBH. Die macht warm und dieses "warm" überträgt sich denn per IR (und thermik) in den Raum.
    Eine Wassergeführte FBH ist übrigens aufgrund der geringen Temperaturen die beste IR-Heizung, da dann der thermische Anteil fast Null ist.
     
  5. artibi

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    Nein, es gibt keine wasserführende Heizung und auch keinerlei bestende Wasserrohre.

    Wandheizung: Wird kaum funktionieren, da die Fachwerkwände natürlich nicht einfach so geöffnet werden dürfen. Über eine Vorsatzschalte wäre es an manchen Stellen evtl. möglich.

    Deckenheizung: Fallt auf Grund der niedrigen Deckenhöhe raus. Und WIr dürfen die Decke auch nicht einfach so öffnen - das Denkmalamt möchte, dass die alten Putz/Schilfrohrdecke erhalten bleibt.
     
  6. artibi

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    Genau, am Ende ist es einfach eine elektrische FBH. Mit dem vermeintlichen Vorteil der einfachen Nachrüstbarkeit im Vergleich zur wassergeführten FBH.
     
  7. #7 klappradl, 23.09.2022
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    Gut, dann ist das aber keine "IR Heizung" und die Bezeichnung als solche nur Marketing, weil elektrische Fußbodenheizung ja so teuer ist.
     
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  8. #8 Deliverer, 23.09.2022
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    Jop. Rein rechtlich darf man wahrscheinlich einen Rippenheizkörper auch als IR-Heizung verkaufen, weil er, je nach Temperatur, den Großteil seiner Wärme in Form von Strahlung abgibt.
     
  9. #9 Deliverer, 23.09.2022
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    Puh. Ich sehe da eigentlich nur noch Split LLWP (Klimaanlagen) als brauchbare Heizung. Aktuell übrigens gefördert und günstig obendrein. Zusammen mit denen bringt auch die PV wieder ein bisschen was (vlt. 30%). Und so ein historisches Haus darf sicher auch ein klein wenig Holz zusätzlich verbrauchen.
     
  10. artibi

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    Ok, das ist natürlich auch interessant. Dezentrale LLWP-Geräte zum Kühlen und Heizen? Platz für die Außengeräte wäre genug vorhanden...
     
  11. #11 Deliverer, 23.09.2022
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    Ja. Wird aktuell immer häufiger gemacht. Funktioniert gut und auch ziemlich effizient. Der einzige Nachteil ist halt, dass viel Luft bewegt werden muss.
    Wenn hauptsächlich geheizt werden soll, solltest Du (zum Teil) Truhengeräte in Betracht ziehen und darauf achten, dass bis -15, -20° AT noch geheizt werden kann.
    Wenn dich das Thema interessiert, kann ich auch noch näher darauf eingehen.
     
  12. #12 chillig80, 23.09.2022
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    Also wenn Du dir im Netz ein paar Dutzend klassische Glühbirnen besorgst, dann hast bei fast genau gleichen Heizkosten noch das Licht gratis!
     
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  13. #13 Deliverer, 23.09.2022
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    Na hör mal! Das ist doch verboten!
     
  14. artibi

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    Ok, vielen Dank - damit wäre dann das Thema Infrarot-FBH erledigt :)

    Ja, gerne
     
  15. Deliverer

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    Na gut, also ohne konkrete Fragen kann ich ein paar empfehlenswerte Hinweise und Denkanstöße geben, die ich aus sechs Jahren Betrieb dreier Anlagen in zwei Häusern und vorangegangener "Recherche" (Forenwälzen) so habe:

    • Zuerst: Ja, mit Klimaanlagen kann man heizen. Es gibt praktisch keine Geräte mehr, die das nicht können.
    • Richtig eingesetzt können die Dinger genauso effizient sein, wie LWWP.
    • Die Technik generell ist seit vielen Jahren ausentwickelt und funktioniert entsprechend problemlos. Auch Billighersteller können inzwischen wirklich vernünftige Anlagen bauen.
    • Der Einbau ist für einen Heimwerker gut selbst zu machen - anschließen darf man sie in dt. jedoch nicht selbst, da dafür ein Kälteschein vonnöten ist.
    • Es gibt Single-Split-Geräte und Multi-Split-Geräte. Die Multis haben mehrere Innengeräte an einem Außengerät. Singles halt eins zu eins.
    • Singles sind nach möglichkeit immer vorzuziehen. Sie sind meistens günstiger, effizienter, die Leitungsverlegung ist einfacher und man hat bei Ausfall mehr Redundanz. Nachteil ist halt, dass man mehrere Außengeräte irgendwo unterbringen muss.
    • Vor Corona galt die Faustregel: 1 kW Kälteleistung kostet 1000,- € von der Fachfirma. Aktuell kenne ich die Preise nicht, habe da aber so eine Vermutung...
    • Die Dimensionierung sollte ähnlich knapp sein, wie auch bei der Heizungswärmepumpe. Überdimensionierung ist bei WP immer doof (takten, Verschleiß, Komforteinbußen). Das heißt: Nur zum Kühlen (da ist Delta T innen/außen geringer als beim Heizen) genügen eigentlich 3 kW im Neubau und 5 im Altbau. Zum Heizen wird man wahrscheinlich an Überdimensionierung nicht vorbeikommen, zumindest wenn es die einzige Heizquelle sein soll. Warum, dazu gleich.
    • Die Geräte gibt es ab einer Leistung von 2 bis 2,5 kW. Wer schonmal raumweise Heizlastberechnungen gesehen hat, wird wissen, dass es selten Räume gibt, die wirklich 2 kW und mehr an Heizlast haben. Jetzt ist es beim Kühlen so, dass man einfach die Tür auflassen kann - die kalte Luft kriecht ganz gemütlich auch in die Nachbarräume. Dazu braucht die Luft nur Zeit, also lange Laufzeiten bei kleinen Leistungen = Effizient und günstig (weil weniger Geräte benötigt werden). Das hat natürlich Grenzen - je weiter entfernt das Zimmer, desto geringer die Kühlwirkung. Aber Geldbeutel haben eben auch Grenzen. Ich kühle 140 qm mit einem Innengerät. Das reicht uns absolut aus. Zwei IG wären aber natürlich komfortabler.
    • Mindestens genauso wichtig wie die Kühlwirkung ist bei unseren Sommern die Entfeuchtung. 26° bei 75% ist bäh. 26° bei 35% ist noch gut erträglich.
    • Die Entfeuchtung funktioniert gut auch über viele Räume hinweg. In Kombination mit einer Fußbodenkühlung reicht also fast immer ein IG.
    • Apropos Entfeuchtung: Man braucht vom IG einen Kondensatablauf. Im Optimalfall nur durch Schwerkraft vom IG bis nach draußen/in ein Abwasserrohr. Pumpen sind aufgrund von Lärm nicht zu empfehlen.
    Sonderfall Heizen:
    • "Normale" Klimageräte hängt man möglichst hoch auf, da dann wenig Ventilatorleistung notwendig ist und die Geräte leise sind. Kühle Luft fällt ja von selbst nach unten. Heizt man damit aber, muss der Ventilator die warme Luft erstmal auf den Boden pusten. Das führt zu mehr oder weniger viel Geräuschbelastung und auch zu Verwirbelung.
    • Dem kann man auch wieder durch lange laufzeiten (24h) begegnen. Wenn es erstmal keine kalte Luft und keine kalten Gegenstände mehr gibt, ist die Thermik auch nicht mehr so wild. Der Lüfter hat weniger zu tun.
    • Die teurere Alternative sind sog. Truhengeräte. Die stehen auf dem Boden (wie ein Heizkörper) und pusten die Luft ganz gemütlich (und fast unhörbar) auf Bodenhöhe raus. Aufsteigen kann sie selber. Dafür müssen sie halt beim Kühlen etwas mehr schuften.
    • Heizen über mehrere Räume funktioniert nicht so gut, wie Kühlen über mehrere Räume. Zum einen ist man beim Heizen etwas mehr Komfort gewöhnt. Zum anderen bleibt die warme Luft halt am Türsturz länger hängen, als die kalte, die unten rauskriechen kann. Daher braucht man tendenziell mehr IG.
    • Jetzt muss man halt überlegen, welche Räume die Wunschtemperatur haben MÜSSEN und bei welchen es egal ist, wenn sie zwei, drei Grad weniger haben. Ggf. kann man für Bäder ja auch noch mit IR kombinieren, um die 30 Minuten am Tag, die man da verbringt, die Wunschtemperatur zu haben.
    • Da man wahrscheinlich drei, vier Räume hat, die man auf jeden Fall angenehm warm haben will, führt das fast zwangsläufig zu Überdimensionierung. Die kleinsten IG (von Single-Splits) haben meist 2,5 kW. Davon drei auf einem Stockwerk, hat man schon 7,5 kW was kaum ein Haus braucht. Multisplit könnte das Problem etwas verringern. Aber jo - geht halt nicht anders. Ist auch kein Drama. Damit will ich nur sagen, wenn man eh schon drei, vier Innengeräte einbaut, sollte man wenigstens die kleinsten nehmen und sich nicht noch "Das hat 5 Kilowatt. Das macht auf jeden Fall warm!" aufschwatzen lassen. ;-)
    • Will man damit heizen, sollte man darauf achten, dass die Geräte auch wirklich mit kalten Temperaturen auskommen. Einen Heizstab wie bei LWWP gibts nämlich nicht. Billige Geräte machen bei -10° Schluss. Hochwertige ("arctic"-Serien) gehen problemlos bis -20°. In Norwegen heizen die Leute seit Jahrzehnten so. Geht also.
    • Außerdem sollte der Kondensatablauf (beim Heizen fällt das Kondensat draußen an) so gestaltet sein, dass es nicht das Gerät zufrieren kann. Also Platz lassen, so dass es ungehindert ablaufen kann. Höher aufhängen z.B.. Dann steht das Teil auch nicht im Schnee.
    Und der letzte und wichtigste Apell: Egal ob kühlen oder heizen, lange Laufzeiten sind Trumpf!
    Keine Angst vor 24-Stunden Betrieb. Die Anlagen laufen so effizient, das ruiniert einen nicht. Laufen sie lange, ist der Komfort am höchsten, die Luftfeuchtigkeit am ehesten im Wohlfühlbereich, die Nebenräume werden besser mitversorgt und die Wärmepumpe hält länger. Ich schalte meine Klima (für die 140am Altbau) ein, wenn es draußen über 25° geht und schalte sie dann ende September wieder aus. Das sind dann 500 kWh für einen ganzen Sommer angenehme Temperaturen von ca. 23°. Zum Heizen kann ich keine Werte angeben, da wir nur sporadisch in der Übergangszeit damit heizen, bevor die "große" WP angeschmissen wird. Und dann nur noch, um an nem kuscheligen Abend die Raumtemp für ein paar Stunden um zwei grad anzuheben.

    So - das wäre mal ein bisschen Senf von mir zum Thema.

    Gerne Fragen.
     
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    Ui, wow - vielen, vielen Dank für die Informationen!
     
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