Welche Dämmmaßnahme lohnen sich zuerst?

Diskutiere Welche Dämmmaßnahme lohnen sich zuerst? im Energiesparen, Energieausweis Forum im Bereich Altbau; Hallo, mir stellt sich gerade die Frage welche Dämmmaßnahmen sich rein wirtschaftlich zuerst lohnen. Angenommen ich lasse ein Haus nach dem...

  1. #1 Micki77, 23.11.2014
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 24.11.2014
    Micki77

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    Hallo,

    mir stellt sich gerade die Frage welche Dämmmaßnahmen sich rein wirtschaftlich zuerst lohnen.

    Angenommen ich lasse ein Haus nach dem Standard EnEv 2014 bauen und erreiche genau 100% Energiebedarf (Referenzhaus). (zB DHH ca 130qm Wohnfläche incl. Spitzboden ohne Keller)

    Welche Maßnahme wäre nun die wirtschaftlich sinnvollste einen besseren Wert zu erreichen? Ich würde das so interpretieren:
    Investiere ich 1 EUR in eine Maßnahme die zu einem geringeren Energiebedarf führt und ich dabei über einen minimalen Zeitraum diesen 1 EUR wieder durch Energieeinsparung reinhole. Mir ist natürlich bewusst, daß man zB auch Wartungskosten und Preiserhöhung der Energiequelle berücksichtigen muss.

    Beispiel: 1.4 Fenster, Fenstertüren Wärmedurchgangskoeffizient UW = 1,3 W/(m²*K) = Referenz EnEv 2014
    => Verbesserung nun auf UW = 1,2 W/(m²*K) können zB 4% Mehrkosten sein
    Bei Gesamtkosten von 5000EUR für Fenster sind die kompletten Mehrkosten also ca 200 EUR.

    Wie ist euer Gefühl/Erfahrungen zu diesem Thema? Wer kennt Studien, Artikel, Reportagen etc. über so ein Thema?

    Mein Gefühl wäre zuerst in Fenster und Dach zu investieren als in ein WDVS. Momentan überlege ich außerdem in eine LWP(A....I...... LWD90A),Multifunktionsspeicher(M.. 600 .),Hausbatterie(se...........) oder Photovoltaik zusätzlich zu investieren.
    Alternativ sehe ich noch die Dämmung von Decke und Bodenplatte.

    Interessant wäre zb eine Faustformel wieviel % Energie ich einsparen kann bezogen auf den U Wert.
     
  2. R.B.

    R.B.

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    Da gibt es viele Faustformeln, aber das sind und bleiben halt Faustformeln für eine überschlägige Schätzung.

    Bsp.: Verbesserung um 1W/m2K -> 80-100kWh/m2 Einsparung pro Jahr

    Bsp.: Fensterfläche 20m2, alt = 1,3W/m2K, Fenster neu = 1W/m2K. Delta = 0,3W/m2K
    20 * 0,3 * 80 = 480 kWh pro Jahr

    Ein weiterer Ansatz der zu einem ählichen Ergebnis führt (Bedingungen wie oben, 2.100 Vollbenutzungsstunden):

    Man rechnet beispielsweise mit 21°C RT und sagen wir mal -14°C AT = Delta T von 35K und 2.100 Vollbenutzungsstunden (regionale Unterschiede beachten).

    0,3W/m2K * 35K * 20m2 * 2100h/a = 441kWh/a

    Wenn ich für mich so etwas rechne, oder auch nur mal grob abschätzen möchte, dann mache ich mir eine Liste mit den wichtigsten Bauteilen der Hülle des Gebäudes. Also Fenster/Haustür, Außenwand, Dach, Bopla, evtl. Kellerwände (sofern Keller vorhanden). Wenn ich zuvor die Heizlast gerechnet habe, dann liegen die Daten sowieso alle vor.

    Dann kann man mit den Zahlen spielen, U-Werte anpassen, Verbesserungspotenzial ermitteln, usw. Dabei muss man auch die Lüftungsverluste betrachten. Bei modernen Gebäuden liegen die Lüftungsverluste schnell mal in der Größenordnung der Transmissionsverluste.

    Dach lässt sich meist einfacher und kostengünstiger umsetzen. Bei Fenster immer das Verhältnis zur Außenwand im Hinterkopf behalten, also Anteil an der gesamten Hülle. Es kann beispielsweise sein, dass bei einer großen Fensterfläche bessere Fenster im Vorteil sind, während bei kleiner Fensterfläche ein andere Bauteil das Rennen macht.

    Aufgrund der aktuellen Strompreise ist eine LWP nicht unbedingt die erste Wahl, schon gar nicht wenn diese mit einem Kombispeicher versehen wird.

    PV würde ich erst einmal getrennt betrachten, dann über den Eigenverbrauch Gedanken machen.

    Die Verluste über die Bopla sind meist erträglich. Da ist das Verbesserungspotenzial begrenzt. Das lässt sich aber anhand der angesprochenen Tabelle leicht verifizieren.
     
  3. #3 Alfons Fischer, 24.11.2014
    Alfons Fischer

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    ich möchte ergänzen:
    am ehesten lohnt es sich wahrscheinlich, in das Aufstellen eines vernünftigen, auf Ihren persönlichen Bedarf abgestimmten Konzepts zu investieren...

    Beispiel: Wenn Sie eine Außenluft-Heizungswärmepumpe wollen, dann sollte oberste Priorität extrem niedrige Heizkreistemperaturen und reduzierter Warmwasserbedarf sein.
    Also müssen die Heizflächen entsprechend dimensioniert werden. Gehen Sie bitte nicht davon aus, dass Sie ein solches Erhalten, wenn Sie das nicht ausdrücklich fordern und beauftragen (Stichwort: Heizlastberechnung raumweise mit Heizflächendimensionierung
    etc.)
    Dann merkt man schnell, dass zur Dimensionierung der erforderlichen Raumheizlasten die Fenster-U-Werte einen nennenswerten Beitrag leisten. Also kann durch verbesserte Fenster-U-Werte u.U. eine weit größere Energieeinsparung erreicht werden, als die Berechnung nach oben genannter Formel suggeriert. Diese Formel ist nicht falsch, aber dort ist nur der Heizwärmebedarf berücksichtigt ist und nicht die Besonderheiten und Effizienz der Anlagentechnik.
     
  4. Jan81

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    Ich persönlich würde aber mehr Geld für Dämmung und gute Fenster ausgeben, als für Technik wie LWP, PV oder Batterie. Wenn LWP, dann deutlich besser dämmen und auf PV und Batterie verzichten. Wo keine Energie verbraucht wird, braucht man auch keine erzeugen.
     
  5. R.B.

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    Jepp. Aber hinter so einem Konzept steckt eine Menge Arbeit die auch bezahlt werden muss. Dafür muss man erst einmal jemanden finden.
    Das Beispiel mit dem Fenster ist korrekt, denn Räume sind sehr unterschiedlich, die Nutzung auch, und nicht alles kann man über die Heizflächendimensionierung kompensieren. Gerade die Anforderung "möglichst niedrige VL Temp. für WP Betrieb" ist oft gar nicht so einfach zu erreichen.
     
  6. #6 Alfons Fischer, 24.11.2014
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    genau, in meinem Laienverständnis ausgedrückt:
    man muss erst mal herausfinden, welches der für die Vorlauftemperatur kritischste Raum ist. Dann muss dieser gezielt verbessert werden. Theoretisch könnten die Bauteile der anderen Räume auf dem vorherigen Stand bleiben. Bis man dann diese verbessern muss, weil nun einer dieser Räume (und nicht mehr der vorangegangene) kritisch ist und man den Wunsch nach weitergehender Optimierung hegt.
     
  7. R.B.

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    Da sind wir auf einer Linie. Deswegen gehe ich bei solchen Dingen immer detaillierter in die Raumdaten. Da sieht man dann schön welches bauteil welchen Anteil an der Heizlast hat.

    WZ1.jpg

    WZ2.jpg

    Hier sieht man beispielsweise, dass die Transmission durch die Decke relativ hoch ist.

    Dann kann man die Bauteiledaten optimieren, und mit dem Ergebnis wieder in die Heizflächendimensionierung gehen. Diese Schritte muss man unter Umständen mehrfach wiederholen, und so ein Haus hat ja nicht nur ein einzelnes Zimmer. Es steckt also schon einiges an Arbeit dahinter.
     
  8. #8 Alfons Fischer, 24.11.2014
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    cool, was die Software (und der Anwender) kann. gefällt mir!
     
  9. R.B.

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    was man nicht alles macht wenn einem langweilig ist. :mega_lol:

    Aber sind die Daten erst einmal im Rechner, das ist die meiste Arbeit, dann macht´s wirklich Spaß. Danach bräuchte man nur noch Handwerker die das auch richtig umsetzen.
     
  10. #10 Alfons Fischer, 24.11.2014
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    Das kenne ich auch aus meinem Fach. Wenn die Daten mal drin sind, geht das "spielen" mit den Randbedingungen los... :)
     
  11. BJ67

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    Wenn du neu baust, achtest du bitte auf vernünftige Dämmung unter der Bodenplatte. Da kommst du nie wieder ran !
     
  12. flo79

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    Solche Einsparberechnungen kann man pauschal machen. Interessant werden sie für mich jedoch erst wenn konkrete Angebote vorliegen. Naürlich würde ich erstmal die Haushülle so optimal wie möglich gestalten da man diese später nur aufwendig wieder ändern kann.

    Deine Haustechnik erscheint mir sehr teuer (Heizung) was du da so schreibst. Auch hier kann sicher einiges Geld sparen.

    Gruß Flo
     
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