Baumäste ragen auf Grundstück

Diskutiere Baumäste ragen auf Grundstück im Begleitende Ingenieurleistungen Forum im Bereich Neubau; Hallo zusammen, ich hoffe, dass das Thema hier richtig ist, ich wusste nicht wo es sonst passen könnte :lock Wir planen den Bau eines...

  1. #1 MJanssen, 08.05.2020
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    Hallo zusammen,

    ich hoffe, dass das Thema hier richtig ist, ich wusste nicht wo es sonst passen könnte :lock

    Wir planen den Bau eines Einfamilienhauses mit Garage und Carport auf einem Eckgrundstück, welches an 2 Gemeinde-Straßen grenzt. Westlich am Grundstück gibt es noch zwischen der Straße und unserem Grundstück einen Grünstreifen, der ebenfalls der Gemeinde gehört. Auf diesem Grünstreifen stehen 3 riesige Bäume, die uns grundsätzlich erstmal nicht stören. Jedoch ragen die Äste bis auf eine Höhe von etwa 2,50m mit ca. 6m recht weit auf unser Grundstück. Wie man am Lageplan erkennt, soll dort eigentlich die Fertiggarage und ein Carport aufgebaut werden.
    Als wir das Grundstück letztes Jahr gekauft haben, waren die Bäume bereits dort. Seit wann die dort stehen, kann ich nicht sagen, aufgrund der Dicke gehe ich aber von mehreren Jahrzehnten aus.

    Ist der Aufbau der Fertiggarage überhaupt möglich so lange die Äste auf das Grundstück ragen?
    Wer müsste im Fall der Fälle die Äste entfernen?
    Hätten die Bäume überhaupt so nah an einem Grundstück bebaut werden dürfen, gibt es da nicht Abstands-Regeln?

     
  2. #2 Fred Astair, 08.05.2020
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    Ja, die gibt es. Meist im Nachbarrecht oder anderen landesspezifischen Gesetzen oder Verordnungen geregelt.
    Meist ist aber straßenbegleitendes Grün ausdrücklich davon ausgenommen. Es gäbe sonst nur Koniferen anstatt Straßenbäume.
    Zu den Abstandsregeln gibts auch Anstandsregeln solcherart, dass man erstmal mit demjenigen spricht, der einen irgendwie zu stören scheint.
     
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  3. #3 MJanssen, 08.05.2020
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    Es geht hier übrigens um das Bundesland NRW, falls es da unterschiedliche Regelungen geben sollte ;)

    Da das Grundstück bzw. die Bäume der Gemeinde gehören, weiß ich nicht wirklich, wer hier der richtige Ansprechpartner ist... Macht das die untere Naturschutzbehörde?
     
  4. #4 Fabian Weber, 08.05.2020
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    Na das Baumamt/Grünflächenamt der Gemeinde,

    Abgesehen von den Abstandsregeln musst Du den Wurzelschutz beachten.

    Das heißt Du kannst hier nicht einfach 80cm tiefe Streifenfundamente gießen, wenn da die Baumwurzeln im Weg sind.

    Auch der Erddruck durch Baufahrzeuge und späteren PKW muss auf das Wurzelwerk abgestimmt sein.
     
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  5. SvenvH

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    Ein wahres Wort.
    Hab das schon erlebt wenn der Baumdoktor kommt und die Wurzel verarztet.
     
  6. #6 MJanssen, 08.05.2020
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    Was muss ich denn da jetzt genau beachten? Es reicht also nicht die Gemeinde nur darauf an zu sprechen, was mit den Ästen ist?

    Müsste der Wurzelschutz Teil des Gutachtens gewesen sein? Da steht nämlich gar nichts zu den Bäumen drin...
     
  7. SvenvH

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    Im Prinzip ist das deine Angelegenheit dich drum zu kümmern dass die Bäume keinen Schaden davon tragen.
    Schau mal hier:
    Wurzelschutz bei Straßenbäumen
     
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  8. #8 MJanssen, 08.05.2020
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    Danke. Das klingt ja noch komplizierter als ich zunächst dachte... ich will ja nur eine Garage dort hin haben

    Mal angenommen ich mache da jetzt gar nichts, würde die Firma, die die Garage hin stellt dann einfach ihr Werk vollbringen? Was passiert in dem Fall mit Schäden am Baum?

    btw. Als wir das Grundstück kauften, befanden sich auf den ersten beiden Bäumen noch große T‘s weil die abgeholzt werden sollten. Die wurden aber mittlerweile wieder übermalt
     
  9. SvenvH

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    Ja ein großer Baum kostet viel Geld. Du könntest entweder das Risiko eingehen, einfach bauen und hoffen dass die Bäume schon irgendwie überleben oder du fragst zunächst mal bei der Stadt nach. Wenn die Interesse am Baumschutz haben, können die dir bestimmt auch die weitere Vorgehensweise erläutern.
     
  10. Dimeto

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    Welches Gutachten?
    Hast Du eine Baugenehmigung? Wenn der Lageplan zu den Bauvorlagen gehörte und Du die Baugenehmigung vorliegen hast und dort keine Auflagen formuliert sind, sieht es gar nicht so schlecht aus.
    Normalerweise liefe es so: Der Lageplan müsste eigentlich auch die Baumarten enthalten und dann kann man in der Baumschutzsatzung der Gemeinde nachlesen, ob es sich um geschützte Bäume handelt. Die Genehmigungsbehörde beteiligt die untere Naturschutzbehörde und äußert dann Bedenken und formuliert Auflagen. Üblicherweise ist der gesamte Kronentraufbereich von geschützten Bäumen tabu - also keine Überbauung, keine Überfahrung und umfangreiche Sicherungsmaßnahmen.
     
  11. #11 MJanssen, 08.05.2020
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    Das Bodengutachten. Dachte vielleicht, dass es den Teil mit dem Wurzeln im Boden behandeln müsste für das Aufstellen der Garage bzw. der Erstellung des Fundaments?

    Baugenehmigung liegt noch nicht vor, soll aber, laut Sachbearbeiterin, vermutlich nächste Woche eintreffen, weil keine Bedenken bestehen. Die Gemeinde selbst hat vor einigen Jahren ihre Baumschutzsatzung abgeschafft und verweist immer nur auf den Kreis.
     
  12. Dimeto

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    Und hat der eine Baumschutzsatzung? Und wo ist die untere Naturschutzbehörde angesiedelt?
    Dann warte die mal ab. Wenn dort keine Auflagen bezüglich der Bäume drinstehen, würde ich mich an die Gemeinde wenden. Ich weiß ja nicht wie die bei Euch organisiert ist, zuständig ist meistens das Grünflächenamt oder der Betriebshof. Radikaler Rückschnitt ist nach BNatSchG sowieso erst ab 30.9. wieder möglich, aber vielleicht lassen die sich zu einem sanften Pflegeschnitt bewegen.
     
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  13. #13 PittyDerBaumeister, 08.10.2020
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    Also, es verfällt sich so:

    Wenn die Gemeinde ihre Baumschutzsatzung abgeschafft hat, werden erhaltenswerte Bäume meist in den Bebauungsplänen gekennzeichnet (festgesetzt). Für das Bauen mit Baumbestand gibt es eine DIN, nämlich die 18920. Hier ist genau geregelt welche Abstände einzuhalten sind und wie der Baum während der Bauzeit zu schützen ist. Ebenso ist hier festgehalten welche Maßnahmen auch im Wurzelbereich überhaupt erlaubt/möglich sind. Grundsätzlich wird bei Erteilung der Baugenehmigung auf die Einhaltung der DIN verwiesen.

    Für Bäume, die nicht säulenförmig sind gilt: Kronentraufe + 1,50m Abstand (schützender Wurzelbereich)
    Für Bäume in Säulenform (Koniferen z.B.) gilt: Stamm + 5m Abstand.

    Das Bedeutet gem. DIN im Wurzelbereich (Kronentraufe + 1,50m):
    • Keine Gründung
    • Keine Baugrube
    • Kein Bodenabtrag
    • Kein Bodenauftrag
    • Keine Versiegelung
    • Keine Bodenverdichtung (Befahren mit PKW ist auch eine Verdichtung, zur Info)

    Gemäß BGB gibt es einen Beseitigungsanspruch im § 1004 Abs. 1 BGB. Nach Setzung einer Frist sind "störende" Äste und Wurzeln zu entfernen. Das gilt soweit mir bekannt jedoch "nur" für nachbarschaftliche Beziehungen. In wie weit dies auch für Öffentliche gilt weiß ich nicht (bin kein Anwalt).

    Wenn Baumaßnahmen im Bereich von Bäumen durchgeführt werden sollen hilft nur das Heranziehen eines Baumsachverständigen, der Ihnen ein Baumgutachten erstellt. Kosten liegen hier im Bereich von 600 -1000€ für Einzelbäume. Bei einer Baumgruppe ist sicherlich mit höheren Kosten zu rechnen.

    Ich wünsche viel Erfolg!
     
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  14. #14 MJanssen, 09.10.2020
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    Vielen Dank für die Ausführungen.

    Wir haben den kurzen Dienstweg beschritten und den Sachbearbeiter der Gemeinde angesprochen. Ohne Probleme durften wir alle störenden Äste entfernen lassen.

    Seit Dienstag steht auch das Haus ;)
     
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